Wie tu ich's?

Männersache Der Januar 2013 hat bereits mehrere spektakuläre Trennungen mit sich gebracht. Und: Einen neuen Film, in dem Männer das Schlussmachen lernen sollen
Wie tu ich's?
Illustration: Otto

In seinem neuen Film ist der Schauspieler Matthias Schweighöfer der Schlussmacher. Er spielt einen Kerl, der den Frauen beibringt, dass ihr Mann sie gerade verlassen hat. Der „Schlussmacher“ schaut stoisch bei der Zertrümmerung des Ehemobiliars zu, organisiert die All-inclusive-Scheidung und bestellt den Umzugswagen für die Ex-Gattin. Aber damit nicht genug: Nun schockt Schweighöfer uns Männer nicht nur in seiner Rolle. In einem Interview für den Rolling Stone behauptete er, dass unser Geschlecht grundsätzlich zu feige sei, wenn es um Trennungen geht. Und in der Welt legt er dann noch nach, dass er persönlich nur als Beziehungsberater auftreten würde, wenn er mehr Erfahrung habe als sein Gegenüber: „Immerhin bin ich schon Vater“, sagt Schweighöfer, „und ein Kind stellt den Laden total auf den Kopf. Wer das durchmacht, kann mitreden.“

Also, was denn nun? Stimmt es, dass wir erst mal alles für uns ausbrüten und dann Schluss ohne Kompromisse machen? Ja, und bleiben wir Kerle gerade in emotionalen Extremsituationen sachlicher, schlucken ein Bier und einen Korn, schütteln uns danach und machen weiter? Und warum nervt es uns – anders als Frauen –, den gleichen Sachverhalt tausend Mal von vorne durchzukauen? Also, wer ist der bessere Schlussmacher? Und mit wem spricht man am besten über seine Beziehungsprobleme?

Zum Glück stehen die Zeiten für einen Faktencheck gut. Im Januar 2013 fehlt es vielleicht an Schnee, aber nicht an spektakulären Trennungen. Wir haben es mit zwei grundverschiedenen Männertypen zu tun. Zum einen Rafael van der Vaart. Der Fußballer hat seine Frau in der Silvesternacht verprügelt – inzwischen tut es ihm leid, aber trennen will er sich trotzdem. Silvie kompensiert den Liebeskummer mit ihrer besten Freundin beim Shoppen, Rafael kickt allein unter Männern im HSV-Trainingslager und organisiert per Telefon den Möbelwagen. Dass er sich bei Teamkollegen über die gescheiterte Ehe ausspricht, ist nicht bekannt. Die van der Vaarts scheinen keinen „Schlussmacher“ zu brauchen – das klärt Rafael alles selbst.

Ganz anders die Situation bei den Wulffs. Bettina hätte wahrscheinlich gern einen „Schlussmacher“ wie Schweighöfer bestellt, um ihre Trennung so aseptisch wie möglich zu vollziehen. Stattdessen hat sie ein Buch geschrieben und Christian vor der ganzen Welt gedemütigt. Einer der treffendsten Sätze zur Affäre, der im Internet kursierte, ging so: „Was ist der Unterschied zwischen Bettina Wulff und Bild? – Bild begleitet die Menschen auch, wenn es nach unten geht.“ Bettina Wulff ist mit der Trennung mit Ansage jedenfalls eine miserable Schlussmacherin.

Und Christian? Der bräuchte nun wirklich einen Freund – keinen Glaeseker oder Maschmeyer, keinen Softie, der ihm im Ferienhaus auf Norderney Orangensaft kredenzt, sondern einen echten Kerl, der mit ihm auf der Harley über die Route 66 brettert! Einen Schweighöfer Buddy. Einen echten Mann eben!

Axel Brüggemann ist Experte in Sachen Schlussmachen. Nach zwei Ehen hat er beschlossen, sich in Zukunft einfach nicht mehr zu trennen

09:00 19.01.2013
Geschrieben von

Axel Brüggemann

Journalist und Autor in Wien und Bremen.
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