Blinder Mut

Bratislava Ein Tagesausflug ins fünfzig Kilometer entfernte Nachbarland führt unglaublichen Mut und Lebenswillen vor Augen.
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Bevor die einstündige Stadtrundfahrt beginnt, haben wir zwanzig Minuten für einen kleinen Rundgang. Bei herrlichem Oktobersonnenschein schlängeln wir uns durch das Touristengewühl, beim Fotografieren eines Kirchturmes entdecke ich bunte Verkaufsstände hinter dem romanischen Torbogen.

Wie magisch angezogen, marschiere ich, die Tante aus Australien und meine Mama im Schlepptau, in den sonnigen, kleinen Kirchenhof, wo dicht an dicht Kunsthandwerksstände stehen. Von rechts hinten leuchten mir violett irisierende Kaffeehäferl (dtdt.: -becher) entgegen. Davor angekommen, erkenne ich, dass eine feine Vermischung aus Pink und Lila dieses Schillern hervorbringt. Noch besser gefallen mir die grünen Objekte mit weiß-gelben Margaritenblüten. Verschiedene Grüntöne verschwimmen ineinander, durch die dicken, aufgesetzten Blüten entsteht eine fast dreidimensionale Optik.

Während ich der Mama und der Tante meine Begeisterung mitteile, höre ich eine sanfte, freundliche Stimme von links: „Sprechen Sie Deutsch? Darf ich mit Ihnen sprechen?“ Als die Fragen wiederholt werden, drehe ich mich in Richtung Stimme, wo eine, leicht vorgebeugte Dame neben meine linke Hüfte blickt und liebenswürdig lächelt.

Neben meiner Hüfte befindet sich niemand, also erkundige ich mich, ob sie mich meint. Sie bejaht und erklärt, dass sie mich nicht sehen kann, da sie seit 23 Jahren blind sei, sich aber so gerne in Deutsch unterhält. Das Gesamtbild erfassend sehe ich, dass ihre Hände einen feuchten Tonklumpen auf einer Töpferscheibe bearbeiten. Sie ist die Künstlerin!

Überrascht erkundige ich mich, seit wann sie töpfert? Ihre Antwort ist umwerfend. Sie war Lehrerin, ist jedoch auf Grund ihrer Zuckerkrankheit mit 26 Jahren erblindet. Eine Freundin aus Österreich hat ihr danach das Töpfern beigebracht, ob ich es auch einmal probieren möchte, gleich hier?

Leider muss ich zur Stadtrundfahrt, kaufe mir aber ein Margaritenhäferl, wünsche ihr alles Gute und sause los. Während unserer Tour durch die geschichtsträchtigen Gassen packe ich mein Margaritenkunstwerk mehrmals aus um die außergewöhnliche Farbgebung zu betrachten. Innen ein sattes Blattgrün, außen grün-gelbliche Töne, die ineinander fließen. Der Becherwand ist elegant dünn, der Henkel liegt großzügig-breit perfekt in der Hand.

Ich verbeuge mich vor dem Mut und der Kraft von Sona Zeliskova, die in ihrem dunklen Dasein diese wunderbaren Keramikkunstgegenstände für uns herstellt.

Ihre Webpage teilt mir mit, dass sie Workshops für Jugendliche, Behinderte und sonstige Interessierte abhält. www.terrapia.sk

In sechs Wochen werden Freunde und Bekannte die Nutz- und Dekorationskeramikgegenstände bewundern können, ich habe Sona und ihre Werke zu mir eingeladen!

www.terrapia.sk

Meine tschechische Urgroßcousine war so freundlich mir die Webpageinhalte zu übersetzen, keine Verantwortung für Vollständigkeit und Inhalte.

Soňa Zelisková, nevidiaca keramikárka - blinde Keramikerin

-výroba úžitkovej i dekoratívnej keramiky/Herstellug von Nutz und Dekorationskeramik

-keramické kurzy pre dospelých i deti/Keramikkurs (Lehrgang) fur Erwachsene und Kinder

-prednášky pre MŠ, ZŠ, SŠ spojené s tvorivými dielňami/Vorlesungen für Kindergärten, Grundschulen und Mittelschulen verbunden mir einem Workshop

-práca s handicapovanými deťmi a dospelými/Arbeit mit gehandicapten Kindern und Erwachsenen

-tvorivé dielne na táborových pobytoch, školách v prírode a pod/Workshops auf Ferienlagern, Schullandheimen usw.

tvorivé dielne na remeselných trhoch/Workshops auf Handwersksmärkten

Viac informácii prostredníctvom: Weitere Informationen unter:

e-mail: sonazeliskova@terrapia.sk

mobil: +421 903 597 630

Chránená dielňu nájdete na adrese Centrum II, 77/12-12 v Dubnici nad Váhom. Tešíme sa na Vás!

Geschützte Werkstatt (Workshop) finden Sie unter folgender Adresse Centrum II, 77/12-12 v Dubnici nad Váhom. Wir freuen uns auf Sie.

22:21 10.10.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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