berlino1010
01.02.2014 | 03:02 19

Russland fordert Vernichtung

Ukraine Ein enger Berater Putins und der Tschetschenische Präsident Kadyrow wollen Krieg?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied berlino1010

Am Freitag schreckte Die ZEIT mit einem Artikel auf, der uns verkündet, dass eine enger Berater Putins, von Janukowitsch die Vernichtung der Rebellion in der Ukraine fordert, und der Tschetschenische Präsident Kadyrow von Moskau gleich die Vernichtung des gesamten Landes.
Wörtlich schrieb ein nicht genannter Autor als Top-News bei ZEIT-Online:

"
Putin-Berater ruft zur Niederschlagung der ukrainischen Proteste auf
Ein Vertrauter des russischen Präsidenten fordert harte Schritte gegen die Demonstranten in Kiew. Um das Chaos im Land zu beenden, müsse die Rebellion vernichtet werden.
"

Natürlich war das Entsetzen in der Leserschaft gross. Wenn eine enger Berater, gar ein Vertrauter Putins die Vernichtung der Ukrainischen Rebellion forderte, dann ist das in der gelenkten Demokratie Russlands natürlich Putins eigener Wille und dann stehe die Rote Armee sicher schon in den Startlöchern, um auch KadyrowsAngriffspläne auf die Ukraine in die Tat umzusetzen.

In der von der ZEIT als Quelle verlinkten Blogger-Seite findet man einen russischen Text, die das Interviews eines gewissen Sergej Glasjew mit einer Betriebszeitung von Gazprom wiedergibt. Glasjew - Ex-Duma-Abgeordneter der Kommunisten, von Rodina (Heimat) und 4% Gegenkandidat von Putin bei den Präsidentschaftswahlen 2004 - äussert sich dort als ein wissenschaftlicher Berater des Präsidenten in Wirtschaftsfragen. Nach vielen Antworten, auch zu den Wirtschaftslagen der Nachbarländer der Russischen Föderation kommt gegen Ende die Stelle des Interviews, die der ungenannte ZEIT-Journalist als Beleg dafür sah, dass ein enger Berater Putins die Vernichtung der Rebellion forderte:

Interviewer: Kann man die weitere Entwicklung in der Ukraine absehen? Auf welche Seite wird das Pendel ausschlagen?

"
Glasjew: Die weitere Entwicklung hängt sicher vom ukrainischen Präsidenten ab. Entweder er schützt die ukrainische Staatlichkeit und schlägt die von äußeren Kräften provozierte und finanzierte Rebellion nieder, oder er riskiert, die Macht zu verlieren ... In dem Fall erwarten die Ukraine zunehmendes Chaos und innerer Konflikt, dessen Ende nicht in Sicht ist.

"

Aufforderung, an Janukowitsch oder gar an Putin, die Rebellion zu vernichten? ..
подавляет мятеж .. Rebellion beenden, Aufstand niederschlagen .. "Vernichtung" wie die ZEIT würde es wohl kein Übersetzer nennen.

"
Die ZEIT: Auch Ramsan Kadyrow, der moskautreue Präsident Tschetscheniens, äußerte sich drastisch zu den Unruhen in der Ukraine. Er rief Russland dazu auf, die Ukraine und Georgien "zu vernichten".
"

Kadyrow ist als Gewalt-Herrscher in Tschetschenien für seine Aggressionen bekannt. Das von der ZEIT als Quelle angegebene Telegraph-Interview zu den Unruhen in der Ukraine "Ramzan Kadyrov, a 33-year-old .." und die angeführten Vernichtungs-Forderungen stammen aber aus einem Interview zum Kaukasuskrieg und sind datiert vom 21. Dezember 2009.

Zum Glück dürfen wir uns also wieder etwas entspannter zurücklehnen, die Rote Armee wird wohl doch nicht so schnell marschieren.

Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang noch auf einen Artikel auf den Nachdenkseiten:
Ukraine: Der Qualitätsjournalismus versagt - Von Stefan Korinth
vom 31. Januar 2014, 12:24 Uhr

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (19)

30sec 01.02.2014 | 08:47

Der "Qualitätsjournalismus" versagt keineswegs, sondern erfüllt gewissenhaft seine Aufgabe, wie sie Noam Chomsky und Edward S. Herman in "Manufacturing Consent" treffend dargestellt haben. "Die Theorie beschreibt, wie die Medien ein dezentralisiertes und nicht-verschwörerisch handelndes Propagandasystem bilden können, das fähig ist, einen Konsens im Interesse der gesellschaftlichen Oberschicht herzustellen und die Öffentlichkeit manipulativ in diese Perspektiven der Oberschicht einzubinden – während gleichzeitig der Anschein des demokratischen Prozesses und Konsenses gewahrt bleibt." (Wikipedia)

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Ehemaliger Nutzer 01.02.2014 | 09:26

Im Prinzip ist das richtig, was die Zeit schreibt, wenn wir Ukraine durch Ägypten ersetzen und Russland durch USA/EU. Darüber dürfen deutsche Medien allerdings nicht offen und deutlich schreiben, ein wenig Schmerzensgeld aus Saudi-Arabien versüßt die "erzwungene" Einseitigkeit ein wenig ...

berlino1010 01.02.2014 | 10:23

Danke für diesen Hinweis. Wer Interviews von 2009 als Statements zu den heutigen Unruhen in der Ukraine verkauft, bei einer Entweder-Oder Antworten nur eine Hälfte verfälschend als Top-News verwertet, wer das Ganze als Russische Vernichtungs-Forderungen verkauft, betreibt Propaganda, bzw. lässt diese zu.

Dennoch: R.I.P. Qualitätsjournalismus Die Zeit.

Die einseitige, selektive und verfälschende Berichterstattung zu den Unruhen in der Ukraine - etwa die tägliche, unkommentierte antirussische Kriegshetze unseres EU-Aussenministers, des Bertelsmann Lobbyisten und Transatlantik-Aktivisten Elmar Brok - ist sicher mehr als Zufall und sicher mehr als das Problem einer einzelnen Zeitung.

Dass sie aber derart dümmlich mit falschen Übersetzungen, mit dem Hochspielen bisher nie genannter Experten bzw. Vertrauten arbeiten, dass sie Entweder-/Oder-Antworten zur Hälfte abschneiden, dass sie Interviews von 2009 zu Antworten auf heutige Fragen machen, hat für mich zumindest eine neue Qualität.

Dass sie in ihrem blinden Propaganda-Wahn ihr mühsam aufgebautes Renomee verspielen ...

30sec 01.02.2014 | 12:47

"Dennoch: R.I.P. Qualitätsjournalismus Die Zeit ...
Dass sie in ihrem blinden Propaganda-Wahn verspielen ..."
"Die Zeit hat im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Zeitungen in den vergangenen Jahren an Auflage gewonnen. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 14,1 Prozent gestiegen."(Wikipedia)
Den Eigner, Holtzbrink, dürfte "ihr mühsam aufgebautes Renomee" weniger - bis gar nicht - interessieren. Das lästige Zeugs zwischen den Anzeigen darf die relevanten Kunden, das heißt, die Anzeigenkunden, nicht stören und wie der Verkaufserfolg zeigt, stillt "das Zentralorgan des dt. Zwangscharakters" (Titanic) überdies ein Bedürfnis des deutschen Bildungsbürgertums auf befriedigende Weise. Gern auch kriegshetzerisch.

berlino1010 01.02.2014 | 13:27

Es ist klar, dass die Medienmacht von Springer, Bertelsmann oder Holtzbrink die Berichterstattung in unserem Lande einseitig dominieren. Mit einer Schwemme von Titeln suggerieren sie uns eine angebliche demokratische Vielfalt und Pressefreiheit, die es aber in zentralen Fragen nicht mehr gibt, da sich über 90% in den Händen weniger Konzerne befinden. Seit einigen Jahren eben auch der SPIEGEL unter Bertelsmann, der sich zudem auch noch einen Springer Mann zum Chefredakteur gegeben hat.

Die natürlichen Einnahme-Interessen dieser Titel und ihrer Mitarbeiter sorgen natürlich auch verstärkend für eine massentaugliche und inserentenfreundliche Berichterstattung. Und natürlich geht dies auf Kosten jedes politischen und journalistischen Anspruchs. Nicht umsonst ist SPON mittlerweile fast völlig auf die neoliberale und transatlantische Schiene eingeschwenkt. Das ehemalig objektive Renomee wird nur noch künstlich durch gegenseitige Beweihräucherung aufrecht erhalten. Tatsächlich hat es sich bereits fast vollständig pulverisiert.

Journalistische Feigenblätter wie ein kritischer SPIEGEL-Bidder über Chodorkowskij, oder ein kritischer Augstein über das RUS-Bashing oder ein differenzierender ZEIT-Dobbert über die Irrtümer bei der Ukrainischen Rebellion werden fast achtlos in Nischenplätzen geparkt, an denen der Mainstream-Journalismus ungestört vorbeiziehen und sein propagandistisches Werk vollziehen kann.

Lukasz Szopa 01.02.2014 | 14:08

Ich fand folgende Info spannend:

"Glasjew - Ex-Duma-Abgeordneter der Kommunisten, von Rodina (Heimat) und 4% Gegenkandidat von Putin bei den Präsidentschaftswahlen 2004 - äussert sich dort als ein wissenschaftlicher Berater des Präsidenten in Wirtschaftsfragen."

Darin sieht man, die wie es mit Macht-Pluralismus und Demokratie funktioniert. Entweder war er ein Schein-Gegenkandidat, oder wurde nach der Wahl "gekauft" und ist nun Berater.

Was aber die Medienberichterstattung zu Russland & Ukraine, ob in Mainstreammedien oder die Gegenkommentare hier in der FC: Da hat man doch wirklich Lust, für 4-6 Wochen endlich mal wieder selbst hinzufahren, Lviv, Kiew, Cherkassy, Charkow, Moskau, Jaroslawl etc - um endlich mal näher an die Wahrheit, an die Menschen, zu kommen... (Und die Sprachkenntnisse wieder aufzufrischen)

berlino1010 01.02.2014 | 14:52

Glasjew ist eine merkwürdige Gestalt. Er gehörte als Minister 92/93 der liberalen Regierung des Reformers Jegor Gaidar an. Soll aber auch den Putschversuch gegen Boris Jelzin unterstützt haben. Man sagt, dass die von ihm die Spaltung der Rodina ausging, und zwar vom Kreml betrieben ...

Eine reise in die Regionen der Ukraine sollte man vor allem den kolportierenden Journalisten mal empfehlen, die es sich am Maidan im Hotel gemütlich machen und sich von den dortigen Quellen versorgen lassen, anstatt selbst einmal zu recherchieren, wie es mit dem 35% Anteil der Bandera-Faschisten in Lviv bestellt ist oder ob Janukowitsch auf der Krim oder in Charkow überhaupt noch Unterstützer hat. Und was die pro-russischen aber nicht mehr unbedingt Janukowitsch-unterstützenden Ost-Ukrainer denken.

In RUS herrscht trotz im Vergleich zu uns gespiegelter Propaganda gegen den Ukrainischen Protest eine skeptische Haltung. Nur 24% sympathisieren mit Janukowitsch, 9% mit der Protestbewegung, fast 60% sind aber gegenüber beiden Seiten skeptisch.

30sec 01.02.2014 | 17:46

"Journalistische Feigenblätter ... in Nischenplätzen ... an denen der Mainstream-Journalismus ungestört vorbeiziehen und sein propagandistisches Werk vollziehen kann."
Meistens wird man noch im Feuilleton fündig, wie zum Beispiel bei faz.net. Dort - wenn auch nicht zum Thema Ihres Blogs - zu den historischen und politischen Dimensionen der Spähaffäre. Ein Zitat daraus:
"Am 14. September 2001 zog Amerika den Einsatz des Militärs in Erwägung. Am 7. Oktober 2001 begann die Militäroperation „Enduring Freedom“ in Afghanistan. Am 14. Oktober trafen die ersten Server bei der NSA ein, mit denen das Programm der Telefonüberwachung im Inland begann. Am 11. Januar 2002 traf der erste Gefangene in Guantanamo ein. Im Sommer desselben Jahres legalisierte das amerikanische Justizministerium bestimmte Formen der Folter. Im Frühjahr 2003 begann die Invasion des Iraks. Dieser Krieg habe Hunderttausenden von Menschen das Leben gekostet. Von den amerikanischen Opfern wisse man die Namen, von den irakischen nicht einmal ihre Anzahl, sagte Poitras."

freedom of speech? 01.02.2014 | 19:30

„…подавляет мятеж .. Rebellion beenden, Aufstand niederschlagen .. "Vernichtung" wie die ZEIT würde es wohl kein Übersetzer nennen….“

Das wirkt tatsächlich drastischer als „niederschlagen“. Ob es noch vertretbar wäre? Würde Sergej Glasjew Unrecht getan?

http://synonyme.woxikon.de/synonyme/niederschlagen.php

Darüber kann man streiten.

Was Sie aber dann folgern, ist es mehr als Spekulation? Steht davon eine Silbe im ZEIT Artikel?

„…Wenn eine enger Berater, gar ein Vertrauter Putins die Vernichtung der Ukrainischen Rebellion forderte, dann ist das in der gelenkten Demokratie Russlands natürlich Putins eigener Wille und dann stehe die Rote Armee sicher schon in den Startlöchern, um auch Kadyrows Angriffspläne auf die Ukraine in die Tat umzusetzen….“

Die ZEIT schreibt:

„…Die russische Regierung wollte zu Glasjews Aussagen keine Stellung nehmen….“

Sie machen aus dem Artikel eine Überschrift und legen noch einen drauf:

Russland fordert Vernichtung

Nicht nur ein Berater, sondern auch Putin. Nicht nur Putin, sondern Russland.

Geht so "Qualitätsjournalismus"?

Viele Grüße

fos?

berlino1010 01.02.2014 | 21:23

Die Spanne möglicher Übersetzungen reicht von beenden bis niederschlagen ... vernichten ist eins draufsetzen, verfälschen, martialischer gestalten. Mit einer Synonym-Kette mache ich leicht aus jeder Mücke einen Elefanten.

Sie unterschlagen die anderen Verfälschungen ... zb. die Krönung, das Interview von 2009 zu den heutigen Ukrainischen Unruhen? Als die Zitate fielen war Krieg, von Georgien begonnen und mit der Ukraine als Verbündeten. Kadyrow ist vieles, aber sicher kein Prophet, der 5 Jahr in die Zukunft schauen kann. Und ein Journalist, der zu diesem Thema in der ZEIT einen quasi Online-Leitartikel schreiben darf, sollte schon etwas genauer hinschauen, bevor er einem anderen Staat Kriegstreiberei unterstellt.

Den von ihnen zitierten Absatz habe ich eingeleitet:

"Natürlich war das Entsetzen in der Leserschaft gross. Wenn eine enger Berater, gar ein Vertrauter Putin ..."

Und damit die Artikel-Kommentare wiedergegeben, die darunter stehen. "Russland fordert Vernichtung " ist genau die Wirkung, die der Artikel hinterlassen wollte und bei vielen Kommentatoren auch hinterlassen hat. Einige gingen ja noch weiter und unterstellten direkte Eingreifpläne. Warum konstruiert der Autor sonst eine Nähe zu Putin, die Schärfe einer Forderung, die es gar nicht gibt? Ohne dem hätte die Meldung gar keine Relevanz, ein leerer Fake. Sie wurde auch von niemand sonst berichtet, schon gar nicht der Teil über Kadyrow.

Ich bin Amateur. Den Anspruch von Qualitätsjournalismus kann ich mir selbst nicht geben.

freedom of speech? 02.02.2014 | 14:50

Der Artikel enthält funktionierende Links zu den Quellen. Dort läßt sich das Datum und der Kontext Georgien ohne Schwierigkeiten entnehmen. Wo ist das Problem? Sicher hätte der Autor das Datum noch deutlicher herausstellen können. Hätte das etwas verändert? Denkt Kadyrow 4 Jahre später anders?

Die Interpretation des Artikels: „Russland fordert Vernichtung“ liegt jedenfalls in meinen Augen fern, da es ganz deutlich um zwei Personen geht, die sich äußern und nicht um "Russland".

Der Kreml gibt explizit keinen Kommentar ab.

„…Warum konstruiert der Autor sonst eine Nähe zu Putin, die Schärfe einer Forderung, die es gar nicht gibt?...“

Keine Nähe zu Putin? Selbst RIA bezeichnet Sergej Glasjew als Putins Berater.

http://de.ria.ru/politics/20140131/267745400.html

Und Herr Kadyrow darf das Olympische Feuer – wohl nicht gegen Putins Segen - durch Sochi tragen.

http://german.ruvr.ru/2014_01_27/Ramsan-Kadyrow-Fur-mich-ist-es-eine-hohe-Ehre-das-Feuer-der-Olympiade-auf-unserem-Boden-tragen-zu-durfen-4158/

Was die Schärfe der Forderung angeht:

Gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen „Aufstand niederschlagen“ und „Aufstand vernichten“? Läuft in der Realität die Umsetzung solcher Forderungen jeweils anders ab?

Ich halte es durchaus für informativ, im Westen zu erfahren, wie manche „Hardliner“ in Russland denken. Die Ukrainer wissen es wohl längst.

Das bedeutet noch lange nicht, dass die „rote Armee“ mobilisiert. Der Spruch „Die Russen kommen.“ war hier vor dem Mauerfall ein „running gag.“

Viele Grüße

fos?

berlino1010 02.02.2014 | 16:19

Tut mir leid, aber ihre Argumente sind keine. Die Links funktionieren ja, aber wieviel % werden diese wohl benutzen und sich nicht allein auf die Zitate verlassen? Und wieviel % fällt der Irrtum wohl auf? Im Forum jedenfalls lange niemand.

Und die Lüge/der Irrtum der ZEIT bleibt. Kadyrow äussert sich eben nicht, wie von der ZEIT behauptet, zu den internen Unruhen in der Ukraine, sondern zu einem Krieg, den Georgien auch laut EU gegen RUS begonnen hatte, und den auch die Ukraine als Verbündeter gegen RUS geführt hat. Das ist offensichtlich eine völlig andere Situation.

Und was ist das für ein RUS/Kaukasus-Experte, dem nicht einmal auffällt, dass Kadyrow heute nicht mehr 33 Jahre alt sein kann?

"Russland fordert Vernichtung" ist die gewünschte und weit verbreitete Reaktion in der transatlantischen Leserschaft, die diesen Artikel als Munition für westliche Unterstützung der Rebellion werten. Die Kette aus einer falschen Nähe (Twitter: "enger Berater"), aus Falschübersetzung, aus der Verfälschung einer Entweder-/Oder-Antwort zu einer Forderung, aus unrichtigen Zitaten sollte genau das kolportieren.

Natürlich ist Glasjew Berater. Sie können doch aber aus einer Wirtschaftsberatung keine persönliche oder gar aussenpolitische Nähe zu Putin aufbauen. Das ist schlicht unseriös und lächerlich. Alexander Dibelius, Goldman Sachs, ist auch Wirtschaftsberater von Angela Merkel. Sein Handeln oder seine Aussagen können sie aber genauso wenig Merkel anlasten „Banken haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern“ ... Es ist Usus, auch Berater mit gegenteiligen Positionen zu beschäftigen.

Natürlich gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Aufstand beenden bzw. niederschlagen und vernichten. Erstere sind einfach ergebnisorientiert, der Aufstand soll aktuell aufhören. Die Vernichtung fokussiert zudem auf die endgültige Beseitigung, ist deutlich martialischer und impliziert auch den Tod von Rebellen.

Wenn die ZEIT uns wissen lassen wollte, was Hardliner in RUS denken, hätte sie seriös gearbeitet, zitiert und übersetzt, wie 2-3 andere Medien auch das Glasjew-Zitat "Entweder er schlägt die von äußeren Kräften provozierte Meuterei nieder oder er riskiert, die Macht zu verlieren" erwähnt haben, als eine von vielen Informationen, als Randnotiz, weder verfälscht, noch künstlich überhöht, noch um Falschinformationen ergänzt.

So wie es der unbekannte ZEIT-Autor getan hat, ist das offensichtliche und höchst unseriöse Propaganda, sehr peinlich für die ZEIT.

freedom of speech? 02.02.2014 | 18:22

"...Und die Lüge/der Irrtum der ZEIT bleibt. Kadyrow äußert sich eben nicht, wie von der ZEIT behauptet, zu den internen Unruhen in der Ukraine, sondern zu einem Krieg, den Georgien auch laut EU gegen RUS begonnen hatte, und den auch die Ukraine als Verbündeter gegen RUS geführt hat. Das ist offensichtlich eine völlig andere Situation...."

Die Ukraine hat Krieg gegen Russland geführt? Ist das nicht ein wenig hoch gegriffen?

„…eine völlig andere Situation…“

Ich glaube nicht, dass er sich nur auf den Georgien Krieg bezieht.

Kadyrov wird „strategisch” und spricht von einem Plot des Westens, um letztlich ganz Russland zu kontrollieren. Und dieser Plot sei langfristig: „…Georgia, South Ossetia, Ukraine, all this will go on and on….” Da brauche es in der Zukunft Gegenstrategien.

http://www.telegraph.co.uk/expat/expatnews/6858882/Chechen-president-says-the-West-wants-to-destroy-Russia.html

“…Ramzan Kadyrov, a 33-year-old former rebel turned Kremlin loyalist, said that last year's attack by Georgia, which is a US ally, on the pro-Russian rebel region of South Ossetia was part of a Western plot to seize the whole Caucasus region.

"If they get control of the Caucasus, you could say they'll get control of virtually all of Russia, because the Caucasus is our backbone," Kadyrov said.

The conversation was conducted at his exotic private offices near the town of Gudermes outside the Chechen capital, Grozny. The complex features a zoo, a racecourse for his horses, two large golden lions guarding the entrance and an artificial mountain lit up in different colours at night.

"The Russian government needs to work out a strategy, it needs to attack," the Chechen president said.

"...Georgia, South Ossetia, Ukraine, all this will go on and on. It's Russia's private affliction. Why should we always suffer if we can eradicate this for good? We are a great power, we have everything - an army, technology. We need to attack." …“

Viele Grüße

fos?