das Internet und das Urheberrecht

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Gestern begann in Berlin die Re:publica Konferenz über Kommunikationsformen, die durch das Internet erst möglich wurden. Wer heute über Internet verfügt, dem stehen unendlich viel Möglichkeiten offen, Fernsehen über das Netz, Telefonieren über VoiP und der Zugang zu immensem Wissen. Es steht ihm aber auch der Zugang zu Kultur, zu Filmen, Musik und Literatur offen. Und das ist eines der Hauptthemen dieser Konferenz, das Urheberrecht.Das sogenannte digitale Dilemma, die Verwässerung diesesUrheberrechtes aufgrundneuer technischer Möglichkeiten, es wird dazu führen, dass es in Zukunft zuneuen Abmachungen zwischen der Unterhaltungsindustrie, die das, was kreative Künstler erschaffen, verwerten, und eben diesen Künstlern kommen wird. Und das ist notwendig im Hinblick darauf, dass Künstler darauf angewiesen sind, von dem was sie schaffen ihrenLebensunterhaltzu bestreiten.Früher war es relativ einfach, es gab einen Vertrag, das Label oder der Verlag hat das Werk herausgebracht und der Künstler erhielt einen vertraglich vereinbarten Prozentsatz des Erlöses des Verlages. Solche Verträge werden von Verlagen, die Bücher herausbringen, noch heute den Autoren vorgelegt, ergänzt um Passagen zu Hörbüchern und der Verwertung von möglichen Filmrechten.Bei Büchern ist die Lage noch relativ einfach, ist ein Buch doch als gebundenes Werk zu kaufen und daher nicht so ohne weiteres kopierbar. Nur was ist mit den Autoren, die online veröffentlichen? Seriöse Autorenforen wie Kein Verlag.de verweisen zwar bei jedem eingestellten Werkdarauf, dass das Copyright bei den jeweiligen Autoren liegt, eine Garantie gegen eineunberechtigteVerwertung ist dies allerdings nicht. Es gibt Beispiele, wie Autoren oder Komponisten sich ihre Werke per Einschreiben mit Rückantwort an sich selber schicken, um später ihr Urheberrecht zu beweisen. In Frankreich und Großbritannien hat es Beispiele gegeben, woMenschen, denenein Verstoß gegen das Urheberrecht nachgewiesen wurde, der Internetzugang gesperrt wurde. Sollte, ja darf der Staat soweit eingreifen? Im Kern geht es doch darum, wie ein Konsens geschaffenwird zwischen den neuen technischen Möglichkeiten, den Interessender Verlage und Labels sowie den Kreativen, die Kunst erschaffen. Das Gewaltmonopol des Staates dafür einzusetzen ist der falsche Weg und auf Dauer auch nicht durchzuhalten.

Nun taucht derVorschlag der Kulturflatrate auf. Breitbandnutzer zahlen eine pauschale Abgabe, die über einen Verteilerschlüssel an diejenigen ausgeschüttet wird, deren Werke über Tauschbörsen oder anderswo in den Weiten des WWW angeboten wird.Von Kritikern als „digitaler Kommunismus“ verteufelt,ist dies zumindest ein Vorschlag, der diskussionswürdig ist Die digitale Revolution, die unser ganzes Leben durchdrungen hat, sie hat auch vor lange bewährten Regeln nicht Halt gemacht. Jetzt neue Regeln zu erarbeiten, die den neuen technischen Möglichkeiten gerecht werden, das ist eine der Aufgaben, welche diese digitale Revolution erfordert.Dazu kann diese Konferenz einen Beitrag leisten, im Interesse aller Autoren, Komponisten und Musiker, der Verlage und Labels, aber auch der Endverbraucher und Konsumenten. Fürdiese wird Kunst schließlich geschaffen, sie sollen sich daran erfreuen. Da wären wir wieder bei dem Konsens zwischen Interessen der Konsumenten, Produzenten und Kreativen, der neu ausdiskutiert werden muss.

02:00 15.04.2010
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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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