Der kranke Weltpolizist

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Das Attentat von Arizona hat deutlicher als je zuvor aufgezeigt, wie tief gespalten die USA sind. Auf der einen Seite ein demokratischer Präsident, dessen "Yes we can" Stimmung längst dem politischen Überleben gewichen ist. Obama wird von vielen Amerikanern nicht nur kritisch, sondern ablehnend , ja feindlich, betrachtet. Ein Sozialist, ein ausserhalb der USA geborener??, einer, der die Interessen der USA verkauft.

Auf der anderen Seite die Rechten verschiedener Coleur, die Tea Party, religiöse Prediger, Fernsehkommentatoren mit beträchtlichem Einfluß. Das politische Gewicht verschiebt sich mehr in die konservative Richtung, was nicht nur die letzten Kongress- und Senatswahlen zeigten.

All dies sind innenpolitische Fragen, in den USA wird ein politischer Kampf ausgefochten, nicht nur um konkrete Themen wie die Gesundheitsreform oder, außenpolitisch, um den neuen START-Vertrag . Dieser Kampf hat die Grenzen der sachlichen Auseinandersetzung längst überschritten, er wird persönlich, mit Angriffen auf Leib und Leben, bis hin zu Mordversuchen, geführt. Die Freiheit, dieses höchste Gut, wird zunehmend mit Füssen getreten.

Nur hat diese Verrohung der Sitten im Inneren auch noch eine andere, internationale Seite. Die USA sind die einzige verbliebene Weltmacht nach dem Zusamenbruch der Sowjetunion. Ihre Truppen stehen ausserhalb ihrer Grenzen, sie sind Hauptakteur in Afghanistan, sie sind immer noch in Irak stationiert. Flugzeugträger, schwimmende Festungen, patroullieren in internationalen Gewässern.

Stellen wir uns einmal vor, ein Polizist würde orientierungslos , psychisch angeschlagen, auf Streife gehen und müsste für Ordnung und die Einhaltung der Gesetze sorgen. Er würde Probleme bekommen, sobald er in eine Situation gerät, in welcher er sachlich und neutral Entscheidungen treffen müsste. Deswegen würde er in den Innendienst versetzt werden, sobald seine Kollegen oder Vorgesetzten seinen Zustand erkennen würden. Oder, er würde krankgeschrieben und für eine Weile aus dem Verkehr gezogen, um seine persönlichen Problem bewältigen zu können.

Die USA sind in der Rolle des Weltpolizisten, sie bekämpfen die kriminellen Taliban und El Quaida, sie sorgen als Verkehrspolizei auf den Weltmeeren für Sicherheit, ihre Zielfahnder jagen besonders gefährliche Bösewichter wie Osama bin Laden. Und all dies machen sie in einem Zustand der inneren Orientierungslosigkeit. Um bei dem Vergleich zu bleiben, in der Familie des Polizisten gibt es gleich mehrere kriminelle Elemente. Hätten wir, wenn uns all dies bekannt wäre, Vertrauen zu einem solchen Polizisten, der seinen Dienst weiter versieht?

Können wir Vertrauen zu dem Weltpolizisten USA haben, welcher ja, siehe Guantanamo, auch bereits Gesetzesverstöße begangen hat?

Klar, diese amerikanische Weltpolizei wird keiner erstmal in den Innendienst beordern oder krank schreiben. Nur sollten wir wissen, dass unser Weltpolizist krank ist, und ihm deshalb genau auf die Finger sehen und ihn , wenn nötig, deutlich auf Fehlverhalten hinweisen. Das liegt sowohl in unserem als auch in seinem Interesse.

02:56 11.01.2011
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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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