Obama greift durch -- und wird scheitern

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Nun musste er gehen, der hochdekorierte 4-Sterne General McCrystal. Nicht wegen fachlicher Unfähigkeit wurde der Oberbefehlshaber der NATO Truppen in Afghanistan abgelöst, nein, sein Grab hat er sich selber geschaufelt. Zu blöd, wenn man seinen obersten Befehlshaber als unfähig hinstellt und ihn der Lächerlichkeit preisgibt. So was weiß doch jeder Offizier, dass man Vorgesetzte nicht öffentlich kritisieren darf. Doch steckt dahinter mehr, es war kein Ausrutscher des Stanley McCrystal. Der Spezialist für komplizierte Bodenoperationen, der die Strategie der NATO Truppen den von ihm erkannten Realitäten angepasst hat, war schon länger unzufrieden mit der Afghanistan Politik des Präsidenten. Besonders die Festlegung auf ein Abzugsdatum stieß ihm sauer auf, erhöhte dies doch den Druck auf seine Truppen und spielte, wie er meinte, den Taliban in die Hände. So bleibt der Eindruck, der General habe seinen Rauswurf regelrecht provoziert. weil er die Lage anders einschätzte als Obama, dieser aber Kraft seines Amtes der Oberbefehlshaber der US-Army ist. Was heisst dies nun für Obama? Ein Nachfolger war schnell ernannt, General Peträus, der ehemalige Chef der US Truppen in Irak. Ein Mann also, der erfahren darin ist, Truppen in einem besetzten Land zu befehligen. Obama steht unter Druck, er braucht Erfolge, nachhaltige positive Veränderungen am Hindukusch, um seine Wiederwahl nicht zu gefährden. Ein General , und sei er noch so hochdekoriert und erfahren, der seine Politik in Frage stellt, stört dabei nur, er untergräbt die Autorität des Präsidenten. Ob der Neue, ebenfalls ein 4-Sterne-General, die Erwartungen des Präsidenten erfüllen kann, bleibt indes fraglich, weil militärische Stärke und ein afghanischer Präsident, der in Korruption, Stammesfehden und ethnische Konflikte verstrickt ist, allein nicht ausreichen werden, um nachhaltig politische und wirtschaftliche Stabilität in dem Land herzustellen. Einen anderen Weg geht aber auch der , wie er sich selber bezeichnet, " erste pazifistische US-Präsident" nicht, und so wird er wohl im Sommer 2011 konstatieren müssen, dass er sein Ziel nicht erreicht hat. Ein Umsteuern jetzt, wo noch die kleine Chance besteht, nachhaltig etwas zu ändern, ist allerdings auch von Barack Obama nicht zu erwarten.

09:43 24.06.2010
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Geschrieben von

rolf netzmann

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rolf netzmann

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