Was bewegt Menschen zum Bloggen?

Blogger Wer sich heute mit einem Blog in gesellschaftliche Debatten einmischt, ist selbstbewusst.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Was treibt Menschen zum Bloggen? Welche Beweggründe haben sie, sich mit Blogs in gesellschaftliche, politische und intellektuelle Debatten einzubringen? Blogger mit einem solchen Anspruch sind selbstbewusste Menschen. Sie stellen sich mit ihren persönlichen Ansichten offen ins Netz, ohne zu wissen, wer ihre Posts liest und wie ihre Leser darauf reagieren.
Und viele Blogger interagieren mit ihren Blogs in sozialen Netzwerken. Sie verweisen in Twitter, Facebook und Google + auf ihre Blogs und verbinden diese mit den social networks. Damit erreichen sie in der Regel höhere Zugriffszahlen und erhöhen den Bekanntheitsgrad ihrer Blogs. Wenn sie einzelne Posts auch noch in den sozialen Netzwerken einstellen, erreichen sie eine höhere Streuung. Doch liegt darin auch eine Gefahr. Wissen sie doch nicht, wer alles mitliest. Wer sich als Blogger zu brisanten Themen äußert, muss zwangsläufig auch mit Widerspruch zu den von ihm veröffentlichten Meinungen rechnen. Und ein einmal in der Netzwelt entfachter Shitstorm lässt sich auch mit den besten sachlichen Argumenten nicht mehr eindämmen. Der Blogger steht ihm quasi hilf- und machtlos gegenüber. Die Eigendynamik eines solchen Widerspruchs generiert meistens auch Unsachlichkeit und persönliche Angriffe gegen den Verfasser. Bewegt sich der Blogger auch noch in Communities, lässt sich ohne großen Aufwand durch Quervergleiche schnell ein vermeintlich umfassendes Profil von ihm erstellen, aus dem man dann meint, mutmassliche Handlungen des Verfassers ableiten zu können.
Jonny Häusler und Sascha Lobo plädieren dafür, die geschützten Räume der sozialen Netzwerke wieder mehr zu verlassen. Ein lobenswerter Appell, sicherlich. Nur sind Blogger in Deutschland eben auch Einzelkämpfer. Eine intensive Vernetzung in der Bloggerszene existiert nicht.
Was also treibt Blogger, sich so gegenüber einer anonymen Leserschaft zu öffnen? Es ist sicherlich auch Idealismus, der unerschütterliche Glaube daran, mit der Kraft des gebloggten Wortes etwas verändern zu können. Vielleicht erreiche ich den einen oder anderen Leser ja und bewege etwas in ihm. Der Idealfall wäre dann gegeben, wenn mit einem Post eine Diskussion angestoßen würde, an deren Ende eine praktische Veränderung konkreter Zustände passiert. Das wäre die Höchstform des Idealismus.
Sind in der offenen Netzwelt Blogs noch notwendig? Ja, denn Blogger sind schnell, flexibel und vor allem unabhängig. Wenn sie Nachrichten posten, die im Mainstream des täglichen Informationswahnsinns untergehen, haben sie ihre Funktion. Wenn sie Fakten mit den persönlichen Erkenntnissen und Empfindungen des Bloggers abgleichen und dann hinterfragen, sind sie wertvoll. Doch genau das ist die Gratwanderung eines Bloggers, der eben kein Journalist ist. Und doch greifen viel gelesene Blogs auch in den Meinungsbildungsprozess ein und beinflussen ihre Leser.
Ich wünsche mir weiterhin Blogger, die in ihren Posts ihre persönliche Meinung offen äußern und zum Nachdenken anregen. Ich wünsche mir für die Zukunft eine stärkere Vernetzung der Bloggerszene und Leser, die sachlich und konstruktiv diskutieren, aber den Verfasser nicht persönlich angreifen. Sondern Leser, die den Blogger als Persönlichkeit sehen, der seine Meinungen offen und für eine aus seiner Sicht anonyme Leserschaft vertritt. Und allein dafür gebührt ihm Achtung.

zuerst gepostet unter mann-im netz@blogspot.com

10:00 16.01.2013
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Geschrieben von

rolf netzmann

life is illusion, adventure, challenge...but not a dream
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rolf netzmann

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