Google vs. Medienindustrie

Google Warum die Nachrichtenproduzenten was gegen Google-News haben.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Was ist Google-News?

Google-News ist eine Unterseite von Google. Dort werden automatisch die aktuellen Überschriften in den deutschen Onlinemedien aggregiert. Der Leser bekommt also eine Übersicht aller Nachrichten. Das ist im Endeffekt nichts anderes, als wenn der Leser die normale Google-Suche bemühen würde und mit entsprechenden Suchparametern suchen würde. Google macht also erstmal nichts Anderes, als die eigene Datenbank aus vordefinierten Suchtreffern zu filtern und übersichtlicher zu gestalten. Jeder, der schon mal mit Datenbanken zu tun hatte, weiß, dass das nichts Spektakuläres ist.
Die Vorteile für den Verbraucher liegen klar auf der Hand, er kann sich die interessanten Nachrichten raussuchen und ist nicht auf ein Medium angewiesen.

Genau hier liegt aber natürlich das Problem für die Medienhäuser. Die Leser lesen nicht eine Zeitung, sondern 5 oder 6. Mann kann die Leser also nicht mehr so binden, wie früher, als jeder vielleicht eine Tageszeitung und vielleicht noch ein Wochenblatt abboniert hatte. Andere Zeitungen wurden somit gar nicht wahrgenommen und der Verlag hatte eine quantitativ fassbare Zahl von Lesern. Hinzu kommen die Leser, die am Kiosk sich noch eine oder zwei Zeitungen kaufen. Das ist aber alles grob abschätzbar in den Größenordnungen. Spätestens wenn die Rückläufer kommen, weiß der Verlag, wie groß der Absatz war.

Das fällt durch Google-News alles weg. Es geht ja nicht nur um Google. Ich habe mir vorhin einen Nachrichtenaggregator für deutsche und amerikanische Nachrichten auf mein Tablet geladen. Es gibt eine große Auswahl an möglichen Apps für Android, der man kaum Herr wird. Alle diese Apps machen vor Allem eines: Sie sortieren nach Themen (bspw. Ausland, Inland, IT, ...), nicht nach Druckerzeugnissen. Böswillige Menschen könnten jetzt behaupten, dass es egal ist, bei wem man liest, da die Meldungen ohnehin nur bei der dpa abgeschrieben werden. Das sehen die Verlage natürlich anders. Weshalb sie mit eigenen Apps dagegen angehen. Das hat für den Leser einen klaren Vorteil, er bekommt die vollständige Zeitung auf sein Tablet, nicht nur den kostenfrei zugänglichen Internetteil. Aber, wer wie ich gerne mal quer liest, wäre natürlich gekniffen, wenn es solche Newsaggregatoren nicht mehr gebe.

Die Verlage haben also das Nachsehen. Es sei denn, sie würden es schaffen, den Leser an sich zu binden. Das hat dann so Auswüchse, wie diese meist vollkommen sinnlosen von Werbung unterbrochenen Klickstrecken mit Bildergallerien, die man vorher in einer Liste abgelegt hätte. Dann kann man aber nicht 25mal Bannerwerbung nachladen und die Klickzahlen gehen natürlich auch nach oben. (Am Rande: Mein persönliches Highlight war die mit Werbung durchzogene Klickstrecke zu den prominenten Todesopfern 2011 auf welt.de, da habe ich mehr aus Spaß eine Lesermail geschrieben und sie haben tatsächlich die Werbung entfernt und mir recht gegeben, dass dies unpassend wäre).

Adblock Plus:

Der Schrecken der Medienindustrie. Die Leser installieren sich einen Werbekiller auf ihrem Rechner. Warum machen das die Leser? Weil Werbung, die sich in den gelesenen Text schiebt, ihn somit überlagert und noch 20 Sekunden läuft, absolut nervtötend ist. Wären die Verlage bei Bannerwerbung geblieben, sprich oben, unten, links und rechts, vielleicht auch zwischendrin eine Werbetafel, dann hätten die Werbeblocker gar nicht erst diese Verbreitung gefunden. Aber Werbung, die auch noch mit Ton arbeitet, während man vielleicht gerade nebenbei noch Musik hört oder allein im stillen Kämmerlein sitzt, das geht nicht. Das schreckt ab. Aktuell finde ich diese bescheuerte Facebook-Freundschaftsanfrage auf focus.de extrem anstrengend. Ich klick das nicht an, auch wenn ich einen Facebookaccount habe. Den nutze ich nicht zur Werbeaggregation, sondern tatsächlich um mal die ein oder andere Nachricht auszutauschen.

Lösungen:

Die Verlage sollten sich mal mit ihren Lesern auseinandersetzen, anstatt Lobbykampagnen zu fahren. Die Verlierer sind doch am Ende alle. Die Verlage werden mit paywalls und apps nicht mehr Leser generieren, sondern die Werbeeinnahmen verringern. Die Leser bekommen weniger Informationen aus verschiedenen Quellen, bzw. bedienen sich Newsblogs. Nichts anderes ist pi-news. Die Leser meinen, dass sie die Nachrichten dort nicht woanders herbekommen, bzw. sie gefiltert und zensiert werden würden und lesen dann den meist geistigen Brechdurchfall der dort von Typen wie kewil abgesondert wird, die sich hinter einem Pseudonym verstecken müssen und die Verbindung irgendwo über Washington und Chicago umleiten müssen. Es werden sich also noch viel mehr Gruppen und politische Interessenlager herausbilden, die umso vehementer aufeinander losgehen, denn bei uns steht es ja so und ihr habt unrecht.

Auszug aus "traceroute www.pi-news.net":

11 ae-5-5.ebr2.Washington12.Level3.net (4.69.143.222) 123.469 ms 121.823 ms 123.806 ms
12 ae-6-6.ebr2.Chicago2.Level3.net (4.69.148.146) 145.163 ms 142.654 ms 143.630 ms
13 ae-203-3603.edge2.Chicago2.Level3.net (4.69.158.57) 204.161 ms ae-201-3601.edge2.Chicago2.Level3.net (4.69.158.49) 204.153 ms ae-202-3602.edge2.Chicago2.Level3.net (4.69.158.53) 204.238 ms
14 CWIE-LLC.edge2.Chicago2.Level3.net (4.59.29.82) 204.127 ms 204.317 ms 204.423 ms


http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/frankreichs-google-krieg-die-masken-sind-jetzt-gefallen-11931537.html

10:53 22.10.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

bkhdk

Ich finde es wird von Tag zu Tag schlimmer...
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