„Nur gemeinsam können wir den gegen Krieg angehen“

Sprechstunde SPD-Bundestagsabgeordneter Karamba Diaby über die aktuelle Situation in der Ukraine und was das Bundeskleingartengesetz mit dem Grundgesetz gemeinsam hat.

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Die größten politischen Themen der Zeit sind Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine und die Inflation, sagt Karamba Diaby, Bundestagsabgeordneter der SPD-Fraktion. Aber auch die Corona-Pandemie sei nach wie vor noch nicht überwunden. „Viele Menschen sind unsicher wegen der daraus resultierenden Konsequenzen“, sagte der SPD-Politiker zur morgendlichen Stunde bei der bwg Sprechstunde Sitzungswoche in der Ständigen Vertretung am Schiffbauerdamm in Berlin. Jetzt hoffe er, dass der Krieg schnell ein Ende findet, aber auch dass Alternativen zur Energieversorgung gefunden werden.

Geboren wurde Karamba Diaby 1961 im Senegal. Schon früh habe er angefangen sich bereits während seiner Schulzeit für Politik zu interessieren, sagt er. Schon in der Sekundarschule und später auf dem Gymnasium habe er sich sehr engagiert. „Ich habe die Verhältnisse im Senegal als ungerecht empfunden“, sagt der Sozialdemokrat. Als Waisenkind habe er es nicht immer einfach gehabt. Als er etwa in die Schule kam, hätte er Recht auf ein Stipendium gehabt, was ihm aber verwehrt wurde. „Aus Betroffenheit, aber auch aus Überzeugung, habe ich dann angefangen mich zu engagieren“, betont er.

Von 1982 bis 1984 studierte er Biologie und Geologie auf Lehramt an der Universität Dakar. Dabei entwickelte er auch sein Interesse für Politik. So fand er unter anderem Verbindung zum Weltstudentenverbund, welcher Stipendien für junge Menschen in Europa förderte. Daraufhin bewarb sich Diaby um ein Stipendium und bekam die Zulassung an der Martin-Luther-Universität in Halle in Sachsen Anhalt und studierte hier Chemie. Dort wurde engagierte er sich als Studentensprecher für die Belange der Studierenden. Laut Moderatorin Alice Greschkow vermittel Diaby´s Lebenslauf das Gefühl, dass er immer viel Energie investierte.

Besonders prägend sei für ihn gewesen, so Diady, mitzubekommen, dass man im Bereich Bildung weiterkommen kann auch ohne Unterstützung von Dritte. Dass er selber keine Eltern hatte, die ihn finanziell unterstützen konnten, habe ihn sehr geprägt. Diesen Ansatz, Kinder und Jugendliche von Anfang an zu unterstützen, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern, verfolge er deshalb bis heute. „Das ist die Botschaft, von der ich überzeugt bin“, so Diaby.

Auch seinen Berufseinstieg in Deutschland bezeichnet er als „bisschen kompliziert“. Während seiner Promotion habe er das „nette Volk der Kleingärtner“ kennengelernt. „Die waren alle sehr neugierig auf mich und haben mir viele Fragen gestellt, wie zum Beispiel zur Rente oder Ausbildung meiner Kinder. Das hat mir geholfen, einen Einblick in die Gesellschaft zu bekommen“, sagt er.

Dabei habe er beobachtet, dass alle Kleingärtner eine Sache verbindet: Das Bundeskleingartengesetz. Wer sich an das Gesetz hält, der wird gemocht. Diaby vergleicht das Bundeskleingartengesetz mit dem Deutschen Grundgesetz. „Die Verfassung verbindet uns und wenn man die Grundlagen akzeptiert, gibt es weniger Konflikte“, so Diaby. Das sei die Vorstufe auf seinem Weg zur Kommunalpolitik gewesen.

Im Jahr 2008 trat Diaby der SPD bei. Mehrere Jahre engagierte er sich hier als Stadtrat und war im Ausländerbeirat von Halle aktiv. 2013 wurde der Sozialdemokrat erstmals über die Landesliste für Halle in den Bundestag gewählt. Mittlerweile ist er im Fraktionsvorstand der Bundestagsfraktion der SPD und Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie im Auswärtigen Ausschuss.

Die aktuelle Stimmung in den Ausschüssen empfinde er als „sehr bedrückt“. Täglich würde sie Berichte über die Entwicklung des Krieges in der Ukraine bekommen. „Das macht uns große Sorgen“, sagt Diaby. Gleichzeitig würden sie viel darüber diskutieren, wie sie der Ukraine solidarisch zur Seite stehen können und wie es gelingt, dass der Krieg endet. Aber auch viele Menschen würden sich gegenwärtig Sorgen machen um ihre Arbeit aber auch um ihre Sicherheit. „Wir dürfen aber den Kopf nicht in den Sand stecken“, sagt er. Deshalb sei jetzt Kommunikation besonders wichtig. Zudem sei es jetzt auf politischer Ebene wichtig, mit den anderen Ländern zusammenzuarbeiten. „Nur gemeinsam können wir den Krieg angehen“, so Diaby. Dafür brauche es starke Stimmen.

Bwg sitzungswoche Sprechstunde ist eine Veranstaltung vonsitzungswoche– dem unabhängigen Netzwerk für Politik, Wirtschaft und Medien und derberliner wirtschaftsgespräche e.v., in Kooperation mit Ständige Vertretung Berlin, StäV Konzept- und Lizenzbüro, der Wöllhaf Gruppe, dem OSI-Club, Landau Media und dem Studio Schiffbauerdamm.

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Geschrieben von

Charlotte Bauer

Freie Journalistin in Berlin. Berichtet für die meko factory über Veranstaltungen.
Charlotte Bauer

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