Modellprojekt zum Weltfluechtlingstag

Integration (3) Konzept eines Interkulturellen Ausbildungsprojektes fuer Jugendliche im Deister-Suenteltal. Nicht nur reden, Modellprojekte müssen her.
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Auch wenn der Text ein wenig lang ist, trotzdem soll er hier in Gaenze gerade zum Weltfluechtlingstag eingestellt werden. Wir brauchen tausend und mehr positive Erfahrungen, wie interkulturelles Miteinander eine friedliche Zukunft sichern helfen kann. Den Xenophoben und Ewiggestrigen darf das Feld nicht ueberlassen bleiben.

Auf geht's!

Modellprojekt zur Integration junger Flüchtlinge:

Interkulturelles Ausbildungszentrum im Deister-Sünteltal

(Konzept)

A. Begründung

1. Seit 2015 haben mehr als eine Million Menschen Zuflucht vor äußerster Not und Krieg in Deutschland gesucht. Die deutsche Gesellschaft hat sich im Geiste der universalen Menschenrechte verpflichtet, den Zugewanderten eine vorläufige, und wenn von diesen gewünscht, eine endgültige Heimat zu bieten. Um ein harmonisches interkulturelles Miteinander von Migranten und Einheimischen herzustellen und möglichen sozialen Verwerfungen vorzubeugen, werden Migranten die gleichen Rechte auf Ausbildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe zuteil, die auch deutschen Bürgern zustehen. Unumgänglich ist, die zugewanderten Menschen nicht nur als zukünftige Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt zu sehen, sondern sie selbstverständlich als Mitbürger und ihr Miteinander mit Deutschen als wertvolle kulturelle Bereicherung zu begreifen. Ein hoher Prozentsatz der Zugewanderten sind junge Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, ein Alter, in dem sich gemeinhin deutsche Jugendliche auf ein zukünftiges Berufsleben vorbereiten, was überwiegend entweder über eine duale Lehrlingsausbildung oder ein akademisches Studium geschieht. Die besondere Aufmerksamkeit der Förderung dieser Altersgruppe ist wesentlich mitentscheidend, ob in Deutschland Integration als gelungenes interkulturelles Miteinander gelingt oder nicht. Soll xenophobem Verhalten von Teilen der deutschen Gesellschaft einerseits und das Entstehen von Ressentiments gegenüber Deutschen auf Seiten der Migranten, gespeist aus dem Gefühl von Diskriminierung, fehlendem Willkommen und ständiger Angst vor Abschiebung, vorgebeugt werden, müssen wegweisende Integrationsprojekte gerade für diese Altersgruppe entwickelt werden. Die Herausbildung eines weltoffenen, interkulturellen und den universalen Menschenrechten verpflichtenden Bürgertums ist entscheidend für politische, soziale, ökonomische und kulturelle Stärke Deutschlands und Europas. Das hier vorgestellte Projekt bezieht sich auf die große Gruppe der jungen Zugewanderten, die keine genügenden Voraussetzungen für eine akademische Ausbildung mitbringen und die möglichst vollständig in den Genuss einer dualen Lehrlingsausbildung kommen sollen.

2. Im Folgenden werden einige Grundsätze für ein erfolgreiches Integrationsprojekt von jungen Zugewanderten im Kontext einer dualen Berufsausbildung vorgestellt:

(i) Grundsätzlich sollte die Ausbildung von Beginn an zusammen mit jungen Deutschen geschehen, die sich ebenfalls in Ausbildung befinden. So wird von Beginn an ein weltoffenes Miteinander und interkultureller Austausch das gegenseitige Verstehen und Toleranz sowie Respekt gegenüber dem „Anderen“ eingeübt.

(ii) Das Projekt generiert zahlreiche anspruchsvolle und weniger anspruchsvolle Arbeitsplätze für deutsche Arbeitnehmer, seien es Lehrer, Meister, Sozialarbeiter, Psychologen und auch Arbeitsmöglichkeiten für Angehörige des Niedriglohnsektors wie Langarbeitslose, HartzIVler und Rentnerinnen und Rentner mit geringem Einkommen. Auf diese Weise wird die Akzeptanz gegenüber dem Projekt gestärkt und der Auffassung entgegengetreten, für Migranten gäbe es eine Vorzugsbehandlung.

(iii) Die Berufsausbildung soll mit einem berufsvorbereitenden Jahr beginnen, in dem vor allem die notwendigen deutschen Sprachkenntnisse erworben werden und in dem in überbetrieblichen Werkstätten kombiniert mit Praktika in lokalen Betrieben die Bereitschaft und Eignung für einen zukünftigen Lehrlingsausbildungszweig festgestellt wird.

(iv) Das Modell-Projekt ist außerhalb vom Ballungsgebiet Hannover angesiedelt und ist geeignet, im hauptsächlich ländlich geprägten Raum eine neue Attraktivität und Zukunftsperspektive für junge Migranten und Einheimische herzustellen, die der weiteren sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Ausblutung der traditionell diversifizierten Region vorbeugen und die Nutzung lokaler Ressourcen in nachhaltiger und arbeitsteiliger Weise anstreben. Das könnte ganz besonders im landwirtschaftlichen, handwerklichen, pflegerischen und touristischen Bereich geschehen. Die negative demographische Entwicklung im Projektgebiet ist u. a. der Tendenz zu Massenproduktion im globalen Kontext, der zunehmenden Hinwendung zu subventionierten Monokulturen im landwirtschaftlichen Bereich und der Konzentration von Ausbildungs- und Gesundheitsinfrastrukturen in Ballungsgebieten geschuldet. Die voraussehbare Digitalisierung der Ökonomie wird die negative demographische Entwicklung im Projektgebiet verschärfen und eine Region von überwiegend Pendlern und älteren Menschen schaffen. Das ist nicht nur schädlich aus Sicht der Region sondern auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht, da wertvolle lokale Ressourcen nicht länger für das Wohlergehen der Gesellschaft genutzt werden. Eine überregionale, überbetriebliche und an lokalen Ressourcen und Traditionen anknüpfende duale Ausbildungsstätte im Projektgebiet wird dem gewünschten Entwicklungsziel Rechnung tragen, das zukünftig für einen großen Teil der jungen eingewanderten und einheimischen Menschen durch den Erhalt von zahlreichen Arbeitsplätzen und damit verbundenem Steueraufkommen lebenswerte Heimat geschaffen sowie erhalten wird.

(v) Die gemeinsame Unterbringung von jungen Zugewanderten und jungen Deutschen, Letztere vor allem aus sozial benachteiligten Lebensbezügen, ist in überschaubaren Internats-Einheiten von jeweils 20 bis 30 Jugendlichen, verbunden mit sozialpädagogischer Begleitung, vorgesehen. Ein fester, geregelter Tagesablauf wird das parallel stattfindende tägliche Erlernen der deutschen Sprache für die Flüchtlinge erleichtern sowie die Bildungsdefizite der deutschen Auszubildenden ausgleichen. In der zweiten Tageshälfte werden überbetriebliche Werkstätten auf einem „Campus“ die Erprobung von potenziellen Fähigkeiten während der berufsvorbereitenden Phase und auch während der dualen Ausbildung zusammen mit Praktika in lokalen Betrieben die gleichzeitige berufliche Ausbildung von jungen Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft ermöglichen.

3. Das Deister-Sünteltal mit der Stadt Bad Münder am Deister als Zentrum mit insgesamt etwa 20.000 Einwohnern hat in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifende strukturelle Veränderungen erfahren, die sich in ähnlicher Weise ebenfalls in anderen Einflussgebieten von Ballungszentren und im ländlichen Raum vollzogen haben. Die ursprüngliche wirtschaftliche Basis der Region war auf Nutzung heimischer Ressourcen ausgerichtet wie Holz, Glas, Landwirtschaft, Kurbetrieb sowie Gesundheitswesen mit entsprechenden Krankenhäusern und Rehabilitations-Einrichtungen. Im neuen Jahrtausend brach die heimische Wertschöpfung zunehmend ein und zählt gegenwärtig nur noch wenige Betriebe mit nennenswerter Beschäftigung. Die überwiegende Zahl der Bevölkerung im aktiven Alter findet als Pendler Beschäftigung in Hannover und in geringerem Masse in Hameln, der Kreishauptstadt des Kreises Hameln-Pyrmont. Die ehemals florierende Holzindustrie ist dramatisch geschrumpft. Die Glashütte beschäftigt nur noch etwas mehr als 200 Angestellte und Arbeiter. Die Landwirtschaft hat hauptsächlich auf subventionierte Monokulturen umgestellt. Der Kurbetrieb, basierend auf jahrhundertealter Nutzung wertvoller Heilquellen, wird immer mehr eingeschränkt. Die Krankenhaus- und Altenpflege sowie Rehabilitation, einstmals ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region, laufen Gefahr, weiter an Bedeutung zu verlieren. So ist insgesamt auch das Angebot an touristischen Dienstleistungen in dem reizvollen Naherholungsgebiet von Hannover drastisch zurückgegangen, was sich u.a. am Rückgang der Bettenkapazität widerspiegelt. Der jüngste Zukunftsatlas von Prognos gibt für den Landkreis Hameln-Pyrmont zwar einen über dem Bundesdurchschnitt liegenden Beschäftigungs-Index an, jedoch andererseits einen weit unterdurchschnittlichen Demographie-Index. Die relativ hohe Beschäftigung erklärt sich aus der hohen Pendlerquote ins Ballungszentrum Hannover, wo ein ausreichendes Arbeitsangebot vorhanden ist. Dagegen ist der Einwohnerschwund auf den Fortzug von jungen Menschen in attraktivere Regionen zurückzuführen und bestätigt, was anschaulich auf Straßen und Plätzen zu beobachten ist: Der Landkreis und vor allem auch die Stadt Bad Münder weisen eine stetig zurückgehende Zahl von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im aktiven Alter auf, während der Prozentsatz von alten Menschen in gleichem Masse zunimmt. Die aktuelle Situation der Zuwanderung von Millionen in Deutschland Zuflucht suchender Menschen bietet die Chance für das Deister-Sünteltal und auch für andere wirtschaftsschwache und benachteiligte Regionen, Lebens- und Arbeitsqualität für die Zukunft zu sichern und landesweit für strukturelle Ausgewogenheit zu sorgen. Im Deister-Sünteltal gibt es derzeit 350 zugereiste Flüchtlinge, von denen potentiell etwa 100 eine berufliche Ausbildung beginnen könnten. Darüber hinaus sollte eine große Zahl von jungen Flüchtlingen aus dem übrigen Landkreis Hameln-Pyrmont und aus anderen Regionen zusammen mit deutschen Jugendlichen ein berufsvorbereitendes Jahr und anschließend zwei bis drei Jahre eine duale Berufsausbildung in spezifischen Ausbildungsgängen absolvieren.

B. Ziel des Integrationsprojektes

Gemeinsame berufliche Ausbildung für junge Flüchtlinge und junge Deutsche aus sozial benachteiligten Lebensbezügen im Alter von 16 bis 25 Jahren in an heimischen Ressourcen orientierten Berufszweigen.

Die Ausbildung ist im Rahmen eines berufsvorbereitenden Jahres und einer anschließenden zwei bis dreijährigen dualen Berufsausbildung vorgesehen.

Geplant ist: Die jungen Menschen, die in überschaubaren Internaten mit sozialpädagogischer Begleitung untergebracht werden sollen, erhalten eine staatlich anerkannte Berufsausbildung in überbetrieblichen Werkstätten bei gleichzeitigem Angebot von Praktika in örtlichen Betrieben. Eine derartige Ausbildung im interkulturellen Zusammenhang strebt nicht nur die berufliche Ausbildung von zukünftigen Arbeitskräften an sondern parallel eine ganzheitliche humanistische Ausbildung mit dem Ziel, mündige und weltoffene Bürger zu bekommen, die aktiv an der Fortentwicklung eines demokratischen und friedlichen Gemeinwesens mitwirken. Die an der Nutzung heimischer Ressourcen orientierte Ausbildung wird darüber hinaus zur nachhaltigen Stärkung des Deister-Sünteltals beitragen und auf diese Weise einen attraktiven Wohnstandort für kommende Generationen sicherstellen. Das wird vor allem dann der Fall sein, wenn sich nach der Berufsausbildung ein Teil der Ausgebildeten dazu entscheidet, im Deister-Sünteltal eigene handwerkliche, landwirtschaftliche, pflegerische oder Betriebe im Tourismussektor zu gründen.

C. Aktuelle Lebensumstände der Flüchtlinge im Deister-Sünteltal

Die neu zugezogenen 350 Flüchtlinge im Deister-Sünteltal sind überwiegend „Asylsuchende mit Bleibeperspektive“ und „Geduldete“ (Amtsdeutsch). Sie sind ausnahmslos in Privatwohnungen untergebracht, die ehemals der Unterbringung abgewanderter Einwohner dienten bzw. einst an jetzt ausbleibende Kurgäste vermietet wurden. Trotz dieser recht komfortablen und teuren dezentralen Unterkunft leben die Flüchtlinge isoliert inmitten der einheimischen Bevölkerung. Wegen entsetzlicher Schicksalsschläge leiden viele Flüchtlinge unter schweren Traumata oder Depressionen und versuchen, die Verbindung zu den Daheimgebliebenen über Telefon oder Internet aufrechtzuerhalten. Sozialpädagogische oder psychologische Unterstützung erfahren sie nicht. Die Kontakte zu den Vermietern gehen kaum über flüchtige Begrüßungen hinaus. Integrationslotsen helfen bei Behördengängen aus. Wöchentliche Begegnungsstätten sind die gut funktionierende „Tafel“, der „Umsonstladen“ und das „Internationale Café“. Doch auch hier ist die Begegnung mit Einheimischen eine oberflächliche trotz des damit verbundenen Engagements vieler ehrenamtlicher Helfer. Die Stadt Bad Münder hat lediglich zwei neue Sozialarbeiterstellen für die Betreuung der Flüchtlinge geschaffen. Der regelmäßige Deutschunterricht, an dem nur ein Teil der Flüchtlinge tatsächlich teilnimmt, findet beinahe ausschließlich in der 16 km entfernten Kreishauptstadt Hameln statt. Es ist abzusehen, dass Integration auf diese Weise sehr zäh, langwierig oder gar nicht geschehen wird, insbesondere was das Erlernen der deutschen Sprache als Voraussetzung für erfolgreiche Ausbildung, Arbeitsaufnahme und gesellschaftlicher Teilhabe sowie der für harmonisches Miteinander notwendige interkulturelle Austausch mit deutschen Mitbürgern anbetreffen.

D. Planung der Durchführung des Integrationsprojektes

1. Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Durchführung dieses Integrationsprojektes ist der politische Wille aller am Projekt beteiligten Institutionen und Organisationen. Das sind in erster Linie die politisch Verantwortlichen von Bad Münder sowie die örtlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Verantwortlichen des Landkreises Hameln-Pyrmont, die Bundesanstalt für Arbeit und das Jobcenter in Hameln, die zuständigen Wirtschaftsverbände und Handwerkskammern, die potenziellen Bildungsträger, die übergeordneten Gebietskörperschaften und möglichen Finanzierungsgeber. Zu Letzteren zählt vor allem der Europäische Sozialfonds (ESF).

2. Ausarbeitung einer detaillierten Durchführbarkeitsstudie im Herbst 2016, die den Finanzierungsgebern spätestens im November vorgelegt werden sollte, um zu Beginn 2017 mit dem Projekt beginnen zu können. Dazu werden drei Fachkräfte / Consultants für zwei Monate benötigt. Geschätzte Kosten der Studie: 20.000 Euro, evtl. über ESF zu finanzieren.

Die Durchführbarkeitsstudie identifiziert:

3. Bildungsträger: Hier kommen in erster Linie Institutionen der beiden großen christlichen Kirchen (evtl. auch der Gewerkschaften) in Betracht, die bereits anerkannte Partner der Bundesanstalt für Arbeit und den Jobcentern sind. Die Handwerkskammer sowie Landwirtschaftskammer sind darüber hinaus mögliche Kooperationspartner.

4. Ausbildungsgänge: Der örtlichen organisierten Zivilgesellschaft im Verein mit den lokalen Gebietskörperschaften obliegt die Auswahl der Ausbildungsgänge. Diese sollten sich an den traditionell ausgeübten Wirtschaftszweigen orientieren, die die heimischen Ressourcen nutzten: Holz, Glas, Land- und Forstwirtschaft, Heilquellen, Krankenpflege und Touristik. Zusätzlich ist zu prüfen, ob eine Ausbildung im ökologischen Hausbau mit Inneneinrichtung sowie alternativen Energien möglich ist.

5. Ausbildungs-Infrastrukturen: Entsprechend der ausgewählten Ausbildungsgänge werden die bereits vorhandenen und ggf. neu zu schaffenden Ausbildungs-Infrastrukturen identifiziert.

6. Auszubildende: Die Zahl der auszubildenden jungen Flüchtlinge und Deutschen in der ersten Projektphase richtet sich nach den bereits vorhandenen bzw. kostengünstig und rasch neu zu schaffenden Infrastrukturen. Es sollte angestrebt werden, innerhalb der nächsten Dekade bis zu 1000 Ausbildungsplätze anzubieten.

7. Lehr- und Betreuungspersonal: Das Projekt generiert zahlreiche neue Arbeitsstellen im Deister-Sünteltal: Fachpersonal wie Lehrer, Meister, Sozialpädagogen, Psychologen sowie Verwaltungspersonal und begleitende Dienste wie Sicherheitspersonal, Hausmeister u. ä. Diese neuen Stellen sollten möglichst mit bisher arbeitslosen Menschen und Arbeitskräften aus dem Niedriglohnsektor besetzt werden.

8. Budgetaufstellung für die erste Projektphase (insgesamt 4 Jahre): Diese umfasst ein berufsvorbereitendes Jahr und zwei bis drei Jahre duale Lehrlingsausbildung.Bei erfolgreichem Start dieser Phase kann daran gedacht werden, bereitsnach dem ersten berufsvorbereitenden Jahr einen zweiten Ausbildungszyklus mit neuen jungen Migranten und Deutschen zu beginnen.

Konsensbildung über das Modellprojekt und seine Durchführbarkeit

9. Öffentliche Diskussion und Konsensbildung über das Modellprojekt und seine Durchführbarkeit: Nach Erstellung und Veröffentlichung der Studie ist eine breite Diskussion in Organisationen der Zivilgesellschaft des Deister-Sünteltals sowie in lokalen politischen Gremien unumgänglich, um Konsens über und Identifikation mit dem Projekt herzustellen. Erst danach sollte das Projekt vom ausgewählten Projektträger den übergeordneten Gebietskörperschaften, der Bundesagentur für Arbeit, den Wirtschaftsverbänden (IHK) und den Finanzierungsgebern vorgestellt werden.

Stärkung der Akzeptanz des Modellprojektes durch die Zivilgesellschaft

10. Zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung der Akzeptanz des Modellprojekts: Die folgenden zwei Maßnahmen dienen dazu, die Akzeptanz des Modellprojektes in der örtlichen Zivilgesellschaft zu verstärken: (i) Die Gründung eines „Interkulturellen Vereins“, in dem zugewanderte und einheimische Bürger zusammen die Art und Weise ihres Miteinander diskutieren und einen kulturellen Austausch pflegen. (ii) Organisierung von Patenschaften deutscher Familien mit ausländischen, um interkulturelles Miteinander, nicht diskriminierende demokratische Mitbürgerschaft sowie Weltoffenheit praktisch zu gestalten.

Abschlussbemerkung:

Es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass das vorgestellte Modellprojekt dazu beiträgt, harmonisches interkulturelles Miteinander zum Vorteil der Integration von Flüchtlingen und auch zum Vorteil einer weltoffenen Kultur und wirtschaftlichen Entwicklung des Deister-Sünteltals zu verwirklichen. In einem gesellschaftlichen Klima von täglich sich verstärkenden xenophoben Tendenzen, Ausgrenzung ausländischer Mitbürger und Auseinanderdriften von Arm und Reich ist die Realisierung von Modellprojekten der vorgestellten Art geignet, um diesen negativen gesellschaftlichen Tendenzen entgegenzuwirken.

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Liebe Gruesse aus dem Deister-Suenteltal, CE

20:23 20.06.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Costa Esmeralda

35 Jahre Entwicklungsberater, Lateinamerika, Afrika, Balkan. Veröff. u.a. "Abschied von Bissau" und "Die kranke deutsche Demokratie".
Costa Esmeralda

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