Daniel Lücking

Journalist - verfolgt den 1. Untersuchungsauschuss des Bundestags zum Attentat am Breitscheidplatz vom 19.12.2016
Daniel Lücking
RE: Anekdotische Evidenz ist hier nicht gefragt | 27.04.2018 | 13:51

Die Experten machten durch die Bank weg deutlich, dass Prävention eben nie zu 100% erfolgreich sein kann. Und klar: der Ex-Verfassungsschützer plädierte für mehr Ausbildung, mehr Personal. Das weden wir in dem Ausschuss sicher noch öfter hören. Persönlich bin ich gegen mehr Personal, da ich der Auffassung bin, dass primär die Methoden zu hinterfragen sind. Für Hinterbliebene und Überlebende sind all das sicherlich Betrachtungen, die nicht zufriedenstellen oder gar in irgendeiner Art den Schmerz kompensieren können. Letzlich bleibt - bei jeder noch so ambitionierten Überwachung oder Prävention - leider nur die Feststellung, dass sich solche Attentate nie in Gänze vermeiden lassen werden. Schön wäre aber, wenn nicht durch staatliche Strukturen, wie den Verfassungschutz, vermeintliche V-Leute in ihren Attentats- und Verbrechensvorbereitungen noch unterstützt werden.

RE: Wohin marschiert die Truppe? | 08.05.2017 | 08:45

@Apatit
Es kann in einer Hierarchie sehr sehr viel an der nächsthöheren Ebene vorbei begangen werden. Nicht nur in der Bundeswehr. Jeder der dort bereitwillig wegschaut ist aber ebenso Teil des Problems, wie jemand, der kriminelle Energie aufwendet, um Munition zu entwenden.
Munition zu entwenden ist mit zwei bis drei Unterstützern, die Urkundenfälschung betreiben möglich. 1.000 Schuss zu entwenden kann nur über eine längere Zeit oder ein größeres Netzwerk funktionieren.
Ich würde mir wünschen, dass aus der latenten Gefahr, die von Waffen in Privatbesitz und von Waffen in der legalen Verwendung von Staatsbediensteten ausgehen endlich die Konsequenz gezogen wird: Waffenträger müssen ihre Fingerabdrücke registrieren lassen. Bei Polizei, Geheimdiensten und Bundeswehr ebenso, wie beim kleinen Waffenschein.

RE: Wohin marschiert die Truppe? | 06.05.2017 | 11:45

Mal kurz nachdenken: da ist ein Herr Augstein mit einem erkennbaren Medienbezug eine Weile Teil der Bundeswehr und - wie magisch - passieren rund um ihn herum keine Skandale und kein Nazi outet sich.
Bei Herrn Blome sind es von zwei Jahren glatte 15 Monate auf Mannschaftsebene im NATO-Hauptquartier.... und all das vor mehr als 30 Jahren.
In den ersten Wochen der Grundausbildung wurde - auch damals schon - politische Bildung unterrichtet und die Traditionslinien der Bundeswehr erläutert. Mit eindeutigem Statement, dass die Wehrmacht keine Traditionslinie ist.
Wer länger dabei ist weiß, wo die erzkonservativen bis eindeutig rechtslastigen Nester sind. Das merkt ich spätestens in der Ausbildung zum Offizier, als ich mit anderen Truppengattungen zusammengetroffen bin. Meist fällt es am Kämpferethos auf. Panzertruppe, Fallschirmjägertruppe, Grenadiere... die Fraktion "wir sind die harten" ist besonders anfällig für den rechten Müll.
Auch Initiationsriten fanden in den Einheiten statt, in denen ich eingesetzt war und sich diesen zu entziehen heißt dann in der Konsequenz "Du gehörst nicht so richtig dazu". Nicht jeder dieser Veranstaltungen eskalierte auf einem Niveau, das die Menschenwürde verletzt hätte. Aber Ekelrituale, Saufexzesse oder Puffbesuche waren bekannte Teile der Unteroffizierskultur, die die Chefs so lange geduldet haben, wie nichts strafbewährtes passierte ... odere öffentlich wurde.
Deutlich schockierter war ich von der Fremdenfeindlichkeit, die mir bei manchen Soldaten in den Afghanistaneinsätzen begegnet ist. Auch, wenn diese Soldaten sich im Dienst professionell verhielten: wenn nach Dienst das rassistische Menschenbild offenkundig wurde hätte ich am liebsten gekotzt. Interkulturelle Kompetenz kann bis zu einem gewissen Grad befohlen werden ... gegen eine rassistische Grundhaltung kommt aber niemand an.

RE: Empörung in der Truppe | 04.05.2017 | 12:43

Dort bin ich auch Mitglied und zeitweise auch bei den Fachtagungen. Doch im konkreten Fall, wenn Mobbing passiert oder Drohungen ausgesprochen werden, ist man zunächst einmal allein. Erfolgt so etwas sprachlich versiert, dann ist die Drohung nicht justiziabel.

RE: Der brave Soldat und die Zivilgesellschaft | 30.04.2015 | 17:30

Immer wieder treffe ich in Berlin auf Menschen, mit denen ich intelligente, kritische Unterhaltungen über Krieg, Frieden und Politik halten kann. Doch wenn ich dann meine Afghanistan-Vergangenheit offenlege, kommt es bei manchen zu einer Art "Übersprungshandlung" und ich werde "verdammt" und belehrt, dass ich meinen Fehler hätte erkennen müssen.

Mir kommt es vor, als obsiegt in solchen Momenten moralische Überlegenheit.

Ich dringe dann weder mit dem, was ich für Frieden und Demokratie leiste durch, noch mit der kritischen Haltung gegenüber Bundeswehr und Politik.

Mittlerweile halte ich das aus und verschwende nicht mehr meine Zeit mit denen, die nur Schwarz und Weiß kennen wollen.

Die Friedensbewegung vergibt Chancen, wenn sie Ex-Soldaten nicht zuhört.

RE: Liebe Robin | 16.04.2015 | 00:29

Danke für die sehr sachliche Darstellung. Ich hoffe Sie sind mit meiner eher metaphorischen Schilderung einverstanden. Ich würde die Worte ungern als unangemessen empfunden wissen.

Aber so kam das vermutlich nicht an - auch nicht bei Robin, mit der ich heute kurz im Austausch stand.

RE: Siegreiche Rückzüge und Rommel rückwärts | 23.02.2015 | 12:04

Im übrigen:
Ich denke, nach deiner realisitischen Betrachtung des derzeitigen IST-Zustandes dürfte es nicht einmal mehr die Hälfte der derzeitigen Auslands-Abenteuer der Bundeswehr geben.

Meiner Auffassung nach muss die Truppe dringend auf Kernkompetenzen und Aufgabenfelder reduziert werden. Mehr als Landesverteidigung darf danach nicht übrig bleiben.

Der Personalkörper der Bundeswehr sollte danach nur noch für z.B. den Betrieb von Flüchtlingslagern oder die Seenotrettung von Geflüchteten zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus sollten Personalkapazitäten bei Katastrophenlagen unter Leitung und Koordination ziviler Dienste, wie THW, Rotes Kreuz, etc. zum Einsatz kommen.

Aber wer fragt schon mich - ich bin ja (nach Maßstäben der Bundeswehr) krank ...

RE: Siegreiche Rückzüge und Rommel rückwärts | 23.02.2015 | 11:48

Ich habe deutlich dran geschrieben, dass mit "Glorifizierung von Wehrmachtssoldaten" fern liegt. Und im Grunde zeige ich auf, dass wir Rommels Beobachtung in die Gegenrichtung verkehren und zur Reduzierung der politischen Ambition verwenden sollten.


Ich habe mich längst von der Bundeswehr distanziert - setze aber alles daran, den Schaden zu minimieren, den dieses Instrument der Politik derzeit anrichten darf.

Das meine persönliche Geschichte dran hängt dürfen sie als Disclaimer verstehen. Ich gehe als Journalist betont offen damit um, weil es schon der Anlass war, mir einen Job zu kündigen. Kritische Inhalte sollten damals nicht erscheinen - ich erhielt den "Befangen"-Stempel.
Und zwischen "Befangen" und "Experte" liegt in der Medienwelt eben nur die Entscheidung, ob dem Sender / Medium gefällt, was geschrieben wird oder eben nicht.


RE: Siegreiche Rückzüge und Rommel rückwärts | 22.02.2015 | 19:45

Die Aufgaben, die ich sehe sind schnell formuliert: Landesverteidigung und Personalreserve im Katastrophenfall für Dienste, wie Technisches Hilfswerk oder Dienste, wie das Rote Kreuz. Dazu dezidierte Aufgaben, wie Aufbau und Betrieb von Flüchtlingslagern, Seenotrettung von Flüchtlingen.

Stattdessen aber wird die kriegerische Expansionspolitik der USA vorangetrieben - wer glaubt denn in einer globalisierten Welt noch an Erfolge? Das Umdenken muss aber auf politischer Ebene geschehen. Erst, wenn wir einen weltweiten Armutsausgleich anstreben, dann überwinden wir auch die Kriegsgründe.

Mit heutigen Politiker und Besitzverhältnissen aber nicht zu machen. Da müsste weltweit umverteilt und in großem Stil Schulden beseitigt werden ...

RE: Scheuklappen auf und bloß nicht hinterfragen! | 17.01.2015 | 00:38

Das sind die Ansagen, die die Parlamentarier nach jeder Sitzung machen. Meist sind aber die Kameras der TV-Anstalten schon weg oder das Material schafft es nicht in die Nachrichten.