Clash of Bubbles: Fronten, Trauma, Eskalation

re:publica Uniformierte Fakenews ? Nährt sich die hitzige Debatte um die Bundeswehr und das Bedürfnis nach Uniformen auf einer zivilen Konferenz aus Traumata?
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Hitzige und emotional geführte Debatten sind in den sozialen Netzwerken schnell entfacht. Das wissen PR-Strateg_innen ebenso wie Menschen, die in ihrer journalistischen Arbeit dort unterwegs sind. Rund um die re:publica, die in diesem Jahr einen Shitstorm von Uniformbefürworter_innen auszuhalten hatte, stellte sich die Frage nach der Akzeptanz von Uniformen in der Gesellschaft und nach möglichen traumatisierenden und triggernden Effekten.

Ich beschäftige mich mit Traumatisierung und ihren Auslösern nun schon eine ganze Weile, da ich selbst davon betroffen bin. Mittlerweile sehe ich eine Traumatisierung nicht mehr als Hindernis, sondern als lebenswichtige Schutzreaktion.

In diesem Beitrag möchte ich einerseits erläutern, wo sich im Verhalten vieler Menschen Anzeichen für Traumata finden lassen und wie sich diese Traumata im Alltag äußern können. Der Text basiert auf der persönlichen Erfahrung, erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit und darf gerne durch sachdienliche Kommentare und Literaturhinweise ergänzt werden.

Auslöser und Folgen

Traumatisierungen können viele Auslöser haben. Das hängt nicht nur vom Individuum ab, sondern auch von der empfundenen Intensität der Erlebnisse.

Leichte Formen oder Vorstufen von Traumatisierung zeigen sich z. B. in Vermeidungsverhalten und Phobien bei ganz alltäglichen Erlebnissen.

Ein stark vereinfachtes Beispiel: Ein Mensch fällt von einer Leiter, verletzt sich dabei und will fortan nie wieder eine Leiter besteigen. Das Muster: Leiter führte zu Schmerz = zukünftiges Verhalten: Vermeidung!

War das Erlebte intensiver, dann entwickelt dieser Mensch vielleicht sogar eine Höhenangst in sämtlichen denkbaren Situationen. Das Muster: Leiter und Höhe führten zu Schmerz = zukünftiges Verhalten: Vermeidung!

Eine Traumatisierung kann sich entlang des stark vereinfachten Leiterbeispiels entwickeln, wenn der Mensch schwerst verletzt über längere Zeit und völlig hilflos um sein Überleben bangt. Das Muster: Leiter und Höhe führten zu Schmerz und Überlebenskampf = zukünftiges Verhalten: Vermeidung!

Den Folgen aus dem Leitersturz ist das Vermeidungsverhalten gemein, das unterschiedlich stark ausfallen kann, je intensiver das traumatisierende Ereignis war. Es stellt aber nur eine von mehreren Reaktionen auf traumatisierende Erlebnisse dar.

Körper und Psyche

Die Vermeidung kann sich in einer Phobie ausprägen – also einer generellen Angst, die den Menschen künftig davon abhält, sich erneut in eine solche Lage zu begeben. Die Psyche versucht einen erneute Schädigung des Körpers zu verhindern. Im Leiterbeispiel ausgedrückt, äußert sich ein Mensch dann vielleicht mit Formulierungen wie „Wenn ich nur an eine Leiter denke, wird mir schlecht!“ oder „Bei mir zieht sich alles zusammen und ich verkrampfe, wenn ich eine Leiter nur sehe“.

Die Reaktionen auf Traumatisierungen gehen dabei sehr viel tiefer. Oft so tief, dass es den Betroffenen nicht bewusst ist, warum und auch wann sie so reagieren. Oft so tief, dass der Körper bei schwer Traumatisierten mit einem Fluchtreflex oder gar einem Kampfreflex reagiert. So würde im Leiterbeispiel ein Mensch vor der Leiter flüchten oder ein schwer traumatisierter Mensch die Leiter zerstören.
Eine erfahrene Lebensgefahr greift tief in die Verhaltensmuster und künftigen Reaktionen eines Menschen ein.

Kulturelle Impikationen

Ein erlebtes Trauma kann unter gewissen Umständen auch zum Kulturgut werden, wenn eine größere Gruppe von Menschen eine ähnlich traumatisierende Erfahrung macht und künftig das individuelle Vermeidungsverhalten kollektiviert und zur Norm erklärt. Die Norm kann lauten: „Esst kein Schweinefleisch“, wenn die Einwohner_innen einer bestimmten Region oder Gruppe in großer Zahl an verdorbenem Schweinefleisch gestorben sind. Wird eine solche Norm unhinterfragt und ungenau an die Folgegenerationen weitergegeben, kann sie zum Dogma werden, das eine Gesellschaft oder eben auch eine Religionsgruppe durchdringt.

Zurück zur re:publica #rp18

Auf der #rp18 trafen nun mehrere Gruppen von Menschen aufeinander. Ich kann die Erfahrungen beider Gruppen nachvollziehen, weil ich einst zur Gruppe der Soldat_innen gehörte und mich in Berlin und im Internet lebend auch zur Gruppe derer zähle, die eine ablehnende Haltung zu Militarismus und einer uniformierten Gesellschaft vertreten. Ich kann sagen: Beide Gruppen haben Vertreter_innen, die mich auf Basis meiner ehemaligen oder derzeitigen Gruppenzugehörigkeit lieber ausgrenzen.

Schreibe ich im Folgenden von der Gruppe „die re:publica-Besucher“, dann beziehe ich mich auf diejenigen, die sich kritisch und ablehnend zu den Aktivitäten der Gruppe „die Soldat_innen“ äußern. Das ist stark vereinfachend und im vollen Bewusstsein, dass die gezeigte Haltung niemals auf die gesamte Gruppe zutrifft. Doch die Fronten haben sich über die Dauer der Konferenz so im Diskurs ergeben.

Die Gruppe der handelnden Soldat_innen bezieht sich nicht nur auf die Soldat_innen, die auf der Konferenz und vor dem Gelände unterwegs waren, sondern bezieht auch diejenigen ein, die in den Medien aktiv gewesen sind und die Haltung „Pro-Uniform“ vertreten haben. Auch „Uniform“ muss in diesem Zusammenhang wieder definiert werden, weil der Begriff nicht neutral verwendet wird.

Damit dieser Beitrag nicht noch dröger daher kommt, hier ein kurzes spielerisches Angebot:

Suchen Sie im Internet nach Bildern unter dem Stichwort „Uniform“. Die Bildersuche wirft eine bunte Vielfalt aus, die Militär-, Polizei-, Feuerwehr- und auch zivile Schuluniformen umfasst.

Ergänzen Sie die Bildersuche nun und suchen Sie nach „Uniform + Muster“. Beim scrollen durch die Ergebnisse fällt auf, dass das bunte Bild aus der vorherigen Suche nun von den Farben Grün, Grau, Braun und Sandfarben
dominiert wird und dass viele der gefundenen Bilder ein „Camouflage“-Muster aufweisen, dass zivilgesellschaftlich mit „Kampfanzug“ und „Militär“ assoziiert wird.

Wer „Camouflage“ in seiner vorgesehenen Verwendung trägt und die Rolle innehat oder freiwillig einnimmt, wird gemeinhin als Soldat aufgefasst. Wer „Camouflage“ trägt, aber die Rolle nicht innehat, signalisiert teils Unterstützung, teils Ablehnung. Uniformen und „Camouflage“ werden also nie ganz eindeutig aufgefasst.

In den letzten Tagen wurde aus den Kreisen der „Pro-Uniform“ Gruppe teils recht beharrlich moniert, dass Polizeiuniformen und Feuerwehruniformen von den Veranstaltern ja problemlos zugelassen worden wären und es daher ja zumutbar gewesen wäre, auch „Camouflage“ und Militäruniformen zuzulassen.

Es wirkte oft so, als würden Macher_innen der re:publica bewusst falsch verstanden, wo immer sie ausführten, dass sie keine Uniform auf dem Gelände haben wollten. In weiten Teilen wirkte die Diskussion auf mich so, als wolle die „Pro-Uniform-Gruppe“ zur Militarisierung der Gesellschaft beitragen. Besonders, wenn Claqueure aus dem rechten Spektrum mit Drohungen und Diffamierungen gegen die Ablehnung von Uniformen reagierten.

Die Gründe für die Ablehnung durch die Konferenzorganisator_innen sind vielfältiger, als dass sie nur im Trauma zu finden sind. Eine Uniform soll Autorität vermitteln, wenn sie von Staatsbediensteten getragen wird. Autorität eröffnet Hierarchie und Hierarchien verhindern in den allermeisten Fällen eine Diskussion auf Augenhöhe.

Wichtiger ist für mich aber in diesem Fall der Aspekt der Traumatisierung, der oft
von den Uniformbefürwortern beiseite gewischt wurde. Traumatisierung bedeutet in diesem Fall nicht einfach, dass ein Mensch eine schlechte Erfahrung und einen Sturz von einer Leiter erfahren hat.

Traumatisierend kann für die Gruppe der re:publica-Besucher_
innen eine Reihe von Erfahrungen gewesen sein:

- Verweigerung des Wehrpflichtdienstes mit eindringlicher bis verstörender Befragung
nach den Gründen und psychischem Druck,
- Flucht vor Kriegshandlungen, die von Menschen in Militäruniformen ausgingen,
- Kenntnis der deutschen Geschichte und des Militarismus, der in der
Nazi-Diktatur gipfelte,
-
Inhaftierung, Verurteilung und Folter in einem Militärgefängnis durch Isolationshaft (Chelsea Manning).

Menschen, die solche Erfahrungen gemacht haben, können traumatisiert sein. Da zu den Sprecher_innen auf den Bühnen neben geflüchteten Menschen auch Chelsea Manning gehörte, kann der Verzicht auf die Anwesenheit von uniformierten Sprecher_innen des Militärs auch als Gastfreundschaft gewertet werden. Über eine Traumatisierung von Manning selbst ist öffentlich nichts bekannt. Doch nach Selbstmordversuchen und entlang der öffentlich gewordenen Haftbedingungen, gehen die Macher_innen der re:publica zu Recht davon aus, dass sich die Anwesenheit von Militärpersonal in Uniform nachteilig auf die Gesprächsatmosphäre auswirkt.

Traumatisierte (Ex-)Soldat_innen (?)

Irritierend war für mich in der öffentlichen Diskussion der vergangenen Tage vor allem die Haltung des Ex-Soldaten Johannes Clair. In den letzten Jahren trat Johannes Clair in der Öffentlichkeit als Buchautor und kampferprobter Afghanistanveteran in Erscheinung. Er agiert auf der anderen Seite des Spektrums der kriegstraumatisierten Soldat_innen und versucht mit seinem Wirken in Vereinen, aber auch publizistisch, mehr Verständnis für Ex-Soldat_innen zu erreichen. Als Reaktion auf die re:publica-Diskussion war er über das Redaktionsnetzwerk Deutschland mit einem Kommentar in der Diskussion beteiligt, der deutschlandweit in Zeitungen zu lesen war. Er kritisiert die Macher_innen für den Ausschluss der uniformierten Bundeswehr - ganz im Duktus und auf Seiten der offiziellen Bundeswehrkanäle.

Mit
seinem Engagement ist Clair nicht allein. Vor dem Gelände der re:publica war Marcel Bohnert aktiv. Bohnert ist ebenfalls kampferprobter Afghanistansoldat, Buchautor mehrerer Bücher – darunter auch eines, das sich für Veteranen einsetzt.

Marcel Bohnert flyerte und drängte Menschen dazu, sie mögen doch darüber diskutieren, dass keine Uniformen auf der re:publica gewünscht sind. Im Rücken: ein großes Plakat mit Kritik an der republica („Zu bunt gehört auch grün“) und einem Anteil, der auf die Karriereseite der Bundeswehr verweist.

Online an der Debatte vertreten ist Björn Schreiber. Ebenfalls ein
afghanistaneinsatzerfahrener Ex-Soldat und Co-Autor eines der Bücher von Bohnert mit dem Titel „Der unsichtbare Veteran“.

Allen dreien gemeinsam scheint die Unfähigkeit bis hin zum Unwillen nachzuvollziehen, dass eine Uniform bei traumatisierten Menschen dazu führen kann, dass sie unter Anspannung
geraten und Stress bis hin zum Wiedererleben von Ängsten und Lebensgefahr erleiden. Eine denkbar schlechte emotionale Lage, wenn man eine Konferenz wie die re:publica besucht und an einem öffentlichen Diskurs teilnehmen will.

Auf der Seite der Online-Befürworter_innen finden sich Reservist_innen, deren Lebensläufe nicht so transparent sind, als dass sie auf Auslandseinsätze hindeuteten, aber es ist erkennbar, dass jene mit dem Bekenntnis „Reservist“ und ihren Äußerungen auf Seiten der Soldat_innen stehen.

An der Diskussion beteiligen sich auch Medien- und PR-Schaffende, die nicht als Reservist_innen zu erkennen sind sowie Medien- und PR-Schaffende, die sich entlang ihrer Kommentare oder aufgrund ihrer öffentlichen Vitae eindeutig zu erkennen geben. Auf Seiten der „Pro-Uniform“- wie auch der „Contra-Uniform“-Diskutierenden.

Ein wahres Minenfeld, in dem sich dann verdutzte Menschen tummeln, die versuchen zu verstehen, warum die Diskussion so erbittert geführt wird, während sich alle Beteiligten gefühlt völlig normal verhalten und aus ihrer Sicht berechtigte Positionen vertreten, die andere nicht nachvollziehen können.

Dabei ist es verständlich, dass Clair, Bohnert und Schreiber und mit ihnen die Pro-Uniform diskutierenden Reservist_innen und aktiven Soldat_innen kein Problem mit einer deutschen Militäruniform bis hin zum Kampfanzug haben, denn eine Lebensgefahr ging für sie von Trägern dieser Kleidung niemals aus. Auch quantitativ ist die Zahl an neutralen und positiven Begegnungen mit uniformierten Menschen bei ihnen deutlich höher, als das bei der Gruppe der „re:publica“-Besucher_innen der Fall sein dürfte, die sich gegen einen Uniform aussprechen.

Zwar haben Soldaten_innen im Kampfeinsatz auch mit gegnerischen Soldat_innen zu tun und könnten auch durch den Anblick einer feindlichen Uniform getriggert werden, doch sind sie eben auch durch ihre (ehemalige) Zugehörigkeit zur Armee den differenzierten Blick auf die Uniformen gewöhnt. Daher ist es bei ihnen eher selten, dass sich aufgrund einer „Camouflage“-Uniform Ängste oder Traumata entwickeln.

Antrieb und Motivationen

Die Bereitschaft, die anstrengende Diskussion der letzten Tage so intensiv zu begleiten, nährt sich bei mir aus einer Traumatisierung aus dem Kriegseinsatz in Afghanistan. Die Erkenntnis, dass ich traumatisiert bin, hat lange gebraucht, und es dauerte lange, bis ich Symptome richtig zu deuten wusste und Strategien entwickeln konnte, trotz Trauma durch den Alltag zu kommen. Doch wird es wohl immer wieder Tage geben, an denen dieses Trauma aufbricht. Es setzt dann viele Kräfte frei und frisst massiv Ressourcen.

Mittlerweile behandele ich den Traumaaspekt aber immer öfter auf der Metaebene und versuche herauszufinden, wie sich Traumata auf Menschen und die Gesellschaft auswirken. Daher bitte ich darum, die folgende Passage, die als Unterstellung auf persönlicher Ebene gewertet werden kann, eher als Fragenkatalog zu verstehen. Dies ist explizit kein persönlicher Angriff auf die namentlich im Beitrag erwähnten Menschen, die allesamt mit ihrem publizistischen Wirken in die Öffentlichkeit und nun in die Diskussion rund um das Thema Uniformen auf der re:publica getreten sind.

Prüffragen

Diese Passage beinhaltet gleichzeitig die Prüffragen an all diejenigen, die Kriegserfahrungen beim Militär teilen und sich Pro-Uniform positionierten:

Ist das Beharren darauf, die Uniform habe einen rechtmäßigen Platz im zivilgesellschaftlichen Diskurs, eventuell daraus genährt, dass ihr in Afghanistan oder anderen Kampfeinsätzen größtem Stress bis hin zum Überlebenskampf ausgesetzt gewesen seid? Ihr zählt zu der Gruppe von Menschen, die ihr Leben riskiert haben, vielleicht sogar vor dem Einsatz ein Testament gemacht haben, wie auch ich das tat.

Ihr zählt zu der Gruppe von Menschen, die
qua Auftrag das Recht und die Freiheiten, die uns das Grundgesetz gibt, verteidigen wollten, aber nun außer Acht lasst, dass dazu auch das Recht der Gesellschaft gehört zu sagen: „Uniform? Heute nicht. Aber du darfst als Mensch gerne kommen.Bitte fragt euch, warum ihr Meinungsfreiheit in diesem Punkt anders versteht als die Zivilgesellschaft.

Setzt ihr euch vielleicht nur deswegen für mehr Militärpräsenz, mehr Personal und mehr Budget für die Bundeswehr ein, weil ihr in Afghanistan selbst einer Lebensgefahr ausgesetzt gewesen seid?
Meine eigene Traumatisierung habe ich erst deshalb so spät erkannt, weil die Zeiten, in denen ich Lebensgefahr auszuhalten hatte, über Jahre hinweg nicht benennen konnte.

Ja – nach all diesen Erfahrungen kotzt es euch an, wenn ihr Mörder genannt werdet, selbst wenn ihr vielleicht nie aktiv getötet habt und euch die Politik weismacht, ihr habt am Hindukush nur verteidigt. Viele Menschen sehen das anders und stehen damit auf der anderen Seite des legitimen Meinungsspektrums innerhalb des zivilgesellschaftlichen Diskurses, aus dem sich Teile der Bundeswehr [bei mächtig Rückenwind aus der Politik und von ganz oben] entlang der re:publica ausgeschlossen sahen.

Ihr sollt auch gerne Bücher schreiben und eure Erfahrungen teilen, wie es die Generationen vor euch taten. Damit seid ihr auch längst Teil des Diskurses.

Doch wo seid ihr als Mensch, wenn ihr euch nur dann als Teil des Diskurses auf der re:publica fühlt, wenn ihr in Uniform vertreten seid?
Wo seid ihr als Mensch, wenn das Verteidigungsministerium den Diskurs in ziviler Kleidung scheut oder an die Bedingung knüpft, rekrutieren zu dürfen?

Dass es auch anders geht, habe ich in den letzten fünf Jahren als Teilnehmer der re:publica erfahren. Mit kritischen Nachfragen am Mikrofon, Interviews und Podcasts auch zu Soldat_innen-Themen. Ich weiß mittlerweile, wo sich meine ablehnende Haltung aus meiner Militärerfahrung oder mein journalistisches Engagement aus der Traumatisierung nährt und mache das auch transparent.


Aufgezwungener Diskurs

Durch die mittlerweile auch aus dem zivilen Umfeld von Journalisten belegte und von einem PR-Blogger und Ex-Soldaten in die Nähe von „Fakenews“ gerückte Agitation, hat sich die Bundeswehr selbst geschadet. Den Macher_innen und Teilnehmer_innen der re:publica wurde ein Diskurs aufgezwungen, der – getrieben von Trauma – nicht mehr sachlich geführt wurde. Es bleibt die Frage danach, inwieweit sich Reservist_innen und aktive Soldat_innen zu dieser Kampagne verabredet haben, die immer mehr nach "Fakenews" aussieht.

Erhalten sie dafür im Nachhinein Unterstützung aus dem Verteidigungsministerium, die noch über die schon gemachten fragwürdigen Äußerungen hinausgeht, spricht das für eine Militarisierung der Politik. Gibt es eine Rüge oder das Eingeständnis eines Fehlers, dann hat die rechte Seite des Meinungsspektrums wieder Belege für eine angeblich „links-grün-versiffte Gesellschaft". Fakt ist schon jetzt: Die Uniformbefürworter_innen haben polarisiert, statt im Diskurs aufeinander zuzugehen. Ein Diskurs, bei dem ihr niemals ausgeschlossen wart, nur eben ohne Uniform und Rekrutierungs-Tam-Tam erscheinen solltet.

Nachtrag:

Ein Nebeneffekt der Uniformdebatte ist, dass bundeswehrkritische Menschen wie ich nicht dazu kamen, Vorträge zu Drohnen und automatiserten Waffen (LAWS - Lethal Autonomous Weapons) zu begleiten.

15:35 10.05.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Daniel Lücking

Journalist - verfolgt den 1. Untersuchungsauschuss des Bundestags zum Attentat am Breitscheidplatz vom 19.12.2016
Daniel Lücking

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