Die Gewaltfrage

Hamburg bei London ..........................
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Hamburg bei London – Ist das der (wiederholte) „menschliche Nullpunkt“? (von dem Jakob Augstein in seinem Sabotage-Buch sprach)? Wir müssen uns für die Demokratie und gegen den Kapitalismus entscheiden -- heißt es im Buch – (so verstand ich das Buch zumindest), wenn die London riots nicht zum „Vorfilm unserer Zukunft“ (ebd.) werden sollen. – Für Demokratie und soziale Gerechtigkeit, und damit gegen die Gewalt, die in „kaputten Gesellschaften“ (ebd.) aufbricht.

Was ist so kaputt an unserer Gesellschaft(?) :

Der Machtapparat, der oft nicht Interessen vermittelt, sondern einseitig Interessen (ohnehin mächtiger Akteure und Lobbyisten) durchsetzt.

Die elitären Mainstream-Kulturbetriebe.

Die Zersplitterung unserer Gesellschaft, mindestens aber die Zweiteilung – in immer Reichere und immer Ärmere.

Ausgrenzung auf dem Wohnungsmarkt im System der freien Wohnungswirtschaft und gleichzeitiges Fehlen einer sinnvollen Wohnungspolitik (Politik schläft).

Verwährte Teilhabe- und verwährte Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Die Abschottung der europäischen Wohlstandburg. Das Ertrinken vor den Toren Europas. Die unmenschliche Asylpolitik, die Menschen den Zugang zu fairen Asylverfahren verwehrt. Die Push-Back-Praxis, Abschiebung, widerrechtlichen Inhaftierungspraktiken…….

Strukturelle Gewalt des Systems. Verweigerte Demokratie: Vorenthaltung von basisdemokratischen und unmittelbar demokratischen Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Im Dialog mit den Bürger/innen bilden sich zu viele Hierarchien ab.

In Konfliktfällen wird häufig eskaliert, statt deeskaliert. Eine echte Interessensvermittlung findet kaum statt.

Das Geschehen bestimmen oft die Extremen (z. B. gewaltbereite Polizisten/innen und gewaltbereite Demonstranten/innen) bestimmen das Bild (auf Kosten von friedlichen Einsatzkräften und friedlichen Demonstranten/innen), viel zu oft geben Extreme dem Geschehen den Verlauf und das Gesicht. Extremisten/innen und ihre Gruppen instrumentalisieren die Interessen für ihre Ziele.

Der „Vorfilm“ (ebd.) scheint vorbei und die Hauptvorstellung begonnen zu haben:

allein es ist kein Film, sondern traurige Wirklichkeit:

Schlagstöcke, Pflastersteine, Wasserwerfer, Böller, Pfefferspray und Rauchbomben. 500 verletzte Demonstranten/innen – 120 verletzte Polizisten/innen, 19 schwer verletzte Polizisten/innen – 20 schwer verletzte Demonstranten/innen (Quelle: SZ, TAZ u. a.) Mir tun einfach nur die verletzten Menschen auf beiden Seiten leid, die Familien leid und die Freunden/innen leid.

Viele der ideologischen Interpretationen (links wie konservativ), die die letzten Tage überall im Internet zu finden waren, machen mir Angst. Vieles strahlt soziale Kälte aus, Einseitigkeit, ideologische Überformung und Instrumentalisierung. Mehr Law and Order, so die einen - und sie fordern ein hartes Durchgreifen, andere spulen extrem-linksideologische Texte ab, sehen die Ausschreitungen erst als einen Anfang – nicht weniger hart. Beides ist schockierend. Es ist die Härte und es ist der Nullpunkt, soziale und gesellschaftliche Eiszeit. Es gibt sie -- die vielen Stimmen, die vermitteln, die Deeskalation wollen und Verständigung - von allen Seiten in den vergangenen Tagen. Aber die anderen Stimmen, die auf die Gewaltkarte (sei es nun auf die Gewaltkarte der Staatsmacht oder die Gewaltkarte der gewaltbereiten linken Extremen) setzen, sind laut und schrill. Da ist die Wucht der Ereignisse, die Wucht der Gewalt, die Wucht der Aussagen der Extremisten/innen - und es fühlt sich nach Eiszeit an.

der Nullpunkt – soziale und gesellschaftliche Eiszeit

Der verletzte Student Asyraf Haziq Rosli wurde während der Aufstände in London im August 2011 ausgeraubt und blutend zurückgelassen. Man denkt an diese Szene diese Tage, wenn man manche (manche (nicht alle)) Kommentare im Internet zu den Straßenschlachten in Hamburg Dezember 2013 vor Augen hat, manchmal fällt das Mitleid für die Verletzten sehr einseitig aus – je nachdem auf welcher Seite die Kommentatoren/innen stehen, dafür wird auf beiden Seiten viel ideologisiert, manchmal auch Leid instrumentalisiert. Manche nutzen die Situation aus, wollen z. B. das Demonstrationsrecht eingeschränkt wissen usw. andere rufen offen zum Klassenkampf auf. Sie öffnen den Rucksack (links wie konservativ) holen die Parolen raus, mit denen man Wähler/innen fängt, die Slogans, mit denen man Sympathisanten/innen und neue Aktivisten/innen gewinnt (links wie konservativ), aber die eigentlich menschliche und gesellschaftliche Tragödie, die menschliche Eiszeit, die soziale Kälte – wird kaum zum Thema, im Gegenteil es geht gleich weiter und auf die Straßenschlachten folgen Wortschlachten, Schreie nach Repressionen und Strafe, Schreie nach Staatsmacht und mehr Polizei, Schreie nach noch mehr Kampf und / oder am besten Revolution. Gewalt – Gewalt! Als ob es noch nicht schlimm genug war, es noch nicht gereicht hätte! Die Extremen sind auf beiden Seiten (auf Seiten der Demonstranten/innen ebenso wie auf Seiten der Polizei) vermutlich (so möchte man hoffen) eine Minderheit, aber das Schlimme ist, dass sie in Hamburg das Geschehen bestimmten, und all denen schaden, die auf Seiten der Polizei und auf Seiten der Demonstranten/innen in friedlicher Absicht antraten. Die gewaltbereiten Hardliner/innen schaden auch dem Anliegen, der Sache selbst!

659 Verletzte!

659 Verletzte, deren Leben sich zum Teil für immer verändert hat, weil Verletzungen zeitigen (je nach Schwere) Folgen -- Folgen, die nicht nur das Leben der Betroffenen selbst betreffen, sondern auch deren Familien, Angehörigen und Freunden/innen. ----- Und nicht allein das, viel Unsichtbares ging außerdem zu Bruch: Prügelnde Polizisten/innen schaden dem Ansehen von Polizisten/innen, die sich fair verhalten. Und Krawalldemonstranten/innen schaden den friedlichen Demonstranten/innen und den Anliegen, für die sie auf die Straße gingen. Weiteres Unsichtbares zerbrach: Vertrauen, vielleicht auch bei manchen der Mut – noch auf Demonstrationen zu gehen und für viele Polizisten/innen wird ihr Beruf ein anderer sein. (Wer meint, dass das alles durch die Bank harte Bullen (die anderen Begriffe will ich erst gar nicht zitieren) sind, täuscht sich, wer meint, dass das alles unreflektierte Menschen sind, täuscht sich, wer meint, dass diese Menschen nicht auch über Fragen nachdenken, wie sie Anliegen der Demonstranten/innen sind, täuscht sich, wer meint, dass diese Menschen keine sozialen und gesellschaftlichen Themen berühren, täuscht sich, wer meint, dass diese Menschen herzlos sind, täuscht sich – hat noch nie erlebt, wie ein/e Polizist/in an Berufsethos und Einsatzrealität scheiterte und zugrunde ging. Es sind die Weichen und die Idealisten/innen auf allen Seiten - auf Seiten der sozialen Bewegungen ebenso wie auf Seiten der Institutionen, die zerbrechen und in sozialen und psychologischen Beratungsstellen Hilfe suchen. Was mich manchmal so traurig und wütend macht ist: die Gewalt (verbal und oft auch real) trifft sehr häufig (und zum Schaden dieser Menschen und der Gesellschaft) die am meisten, die am wenigsten dafür können. Die Gewaltmenschen prügeln sich schon durch mit Ellebogen, und bestimmen dann auch noch das Klima. Und noch das obertraurigste: Selbst hinter diesen wilden Kerlen/innen verbergen sich oft Menschen mit feinen Seelen, die gebrochen sind, aber sie stehen nicht zu ihrer feinen Seele, spalten alles Feine als Schwächen ab und manchen die Gewalt zu ihrem Spiel – Macht und Gewalt ist ein Rausch – der gut über Schmerz hinweg betäuben kann.) Jedenfalls nicht die Krawall-Demonstranten/innen, denen der Gewaltrausch einen Kick verschafft, werden in Zukunft von Demonstrationen eher fern bleiben (im Gegenteil sie finden doch, was sie suchen), nicht die harten Jungs unter den Polizisten/innen werden zu zweifeln anfangen und möglicherweise ihren Beruf irgendwann an den Nagel hängen, sondern die Weichen und Idealisten/innen auf beiden Seiten werden am wahrscheinlichsten das Handtuch werfen, damit bestimmen (mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit) die Extremen/innen auf beiden Seiten stärker das Geschehen. Die Bilder der Gewalt auf Demonstrationen häufen sich in der jüngsten Vergangenheit und es scheint eine Verschärfung zu geben…

Ein Feuerwehrmann in der Eiszeit

Auch wenn hier von Eiszeit die Rede ist, möchte ich von einem Feuerwehrmann und einem Rettungs- und Bergungsfachmann erzählen, der mir (lieben Dank) vor einiger Zeit Dinge erklärte, die mir vor dem Hintergrund der Geschehnisse, wieder und wieder durch den Kopf gehen: er sagte bei Feuerwehr-Einsätzen käme es darauf an: erst alles sichern und bei allem darauf achten, dass nicht weitere Opfer hinzukommen – sich selbst und andere schützen, eine Hand für das Boot und eine für den Mann bzw. die Frau, Opfer und Verletzte bergen, evakuieren, versorgen (erste Hilfe) (da gibt es auch noch ganz viel mit Reihenfolge, wem man zuerst hilft usw., aber das ist jetzt nicht so entscheidend für den Kontext hier) und Brand löschen (das macht nicht alles eine/r, geschieht teilweise parallel, dazu gibt es mehrere Menschen, also das muss nie alles eine/r alleine schaffen). Was hat das mit London und Hamburg zu tun?! Die Verletzten sind versorgt und in den Krankenhäusern – ja. Und das Feuer der Eiszeit ist gelöscht? NEIN! Es gibt Tag für Tag neue Opfer, weil der Brand, die gesellschaftliche Eiszeit weiter geht: die Opfer von Armut, Obdachlosigkeit, die Opfer von Verbrechen, die Opfer von Kriegen und Gewalt, die Opfer von Ausbeutung, die Opfer von Sklaverei, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution, die Opfer von illegalem Organhandel, die Opfer der zunehmenden Zerstörung der Natur, die Opfer von Hunger, die Opfer von Rassismus und Sexismus, die Opfer von Ausgrenzung, die Opfer unserer knallharten Wettbewerbs- und Leistungsgesellschaft – die Eiszeit brennt weiter. Und Straßenschlachten machen daran nichts besser - im Gegenteil: sie verschlimmern alles nur! Wir brauchen eine liebevolle Gesellschaft: Mut zu Liebe und Mut zu einem Miteinander!

Und die gesellschaftliche Eiszeit wird sonst weitere Opfer fordern:

Weil seit Mitte der 1990-er Jahre nimmt Gewalt zu, ist ein Prozess zu beobachten, der von der Marginalisierung der Gewalt hin zu ihrer Veralltäglichung führt. (siehe Gewaltstudien und u. a. die sozial-arbeits-wissenschaftlichen Beiträge von Lothar Böhnisch).

Konfliktforscher/innen weisen zudem seit Jahrzehnten darauf hin, dass, wenn wir die drängenden Aufgaben des 21. Jahrhunderts (die Klimafrage, Naturschutzfragen, Fragen zur Welternährungslage usw.) nicht zeitnah bewältigen, dann wird es in naher Zukunft Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen um die knapper werdenden Ressourcen (wie sauberes Trinkwasser etc.) geben, die zu den ohnehin herrschenden Konflikten weltweit dazu kommen werden. Es geht um Naturschutz, Klimaschutz und eine nachhaltige Landwirtschaft und um Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und der Teilhabegerechtigkeit und um die Schaffung gerechter Strukturen, die eine gerechte Verteilung und gerechte Teilhabe für alle Menschen ermöglichen – und das alles ist eine Frage des Friedens.

Und es geht um einen Tabubruch: Es geht darum -- die Pazifismusfrage zu stellen. Dieser Text will ein Tabu brechen! Wenn Gewalt immer mehr zu einer Normalität zu werden droht, immer mehr in die Mitte der Gesellschaften rückt, dann ist Frieden ein Tabubruch, den wir heute noch wagen sollten! Mehr Mut zu Frieden!

Dieser Text handelt außerdem über extrem-konservative Eliten und extrem-linke Eliten und über exklusivistische, unchristliche und unsoziale Tendenzen – und über Bretterzäune und die Frage wie man/frau Bretterzäune einreißen kann – friedlich versteht sich. ;-)

---- Damit endlich die Graben-Kämpfe zwischen links und konservativ aufhören(!) Und die Menschen gemeinsam und Hand in Hand (jede/r mit seinen Gaben beitragend) die Aufgaben des 21. Jahrhunderts lösen können!

Diesseits und jenseits der Bretterzäune

Dieses Denken in Kisten wie links, liberal, konservativ, grün, rot, christlich usw. hinkt. Jemand kann grün sein und dennoch konservativ bürgerlich und gleichgültig gegenüber Ausbeutungsstrukturen und Militarismus, dem System gegenüber völlig unkritisch sein. Es gibt Christdemokraten/innen, die weder christlich noch demokratisch sind, sondern die Sprache von Zwang und Gewalt und militärischer Unterwerfung sprechen. Es gibt Linke, die können links sein und dennoch avantgardistisch (fortschrittlich, vorkämpferisch) in einem negativen Sinn sein, in dem es kippt in Gewalt und alles Fortschrittliche vom Kampf in den Zwang in die Verordnung getrieben wird, die ursprünglich offene Avantgarde, zu einer geschlossenen Riege (Block, Abteilung) wird, die diktatorische Züge annimmt und exklusiv (ausschließlich) im Sinne von ausgrenzend, verordnend und paternalistisch (bevormundend, gängelnd) agiert. (Agieren ist ein Handeln ohne wirkliches Bewusstsein, ohne Gespür, ohne Feingefühl (Sensibilität)). Es gibt Christen/innen, die Kapitalismuskritik üben, die Militarismus und Bellizismus (Kriegsbefürwortung, Kriegstreiberei) kritisieren, die sich für Flüchtlinge und Benachteiligte einsetzen. Es gibt Linke, die Revolutionen ablehnen, die pazifistische Wege befürworten. Und es gibt linke Atheisten/innen, die christlicher handeln als viele Christen/innen. Es gibt Menschen, die sich überhaupt keiner Kiste zuordnen lassen, die Gutes tun, Verständigungsarbeit leisten, sich für Versöhnung einsetzten, und sich all dessen noch nicht einmal bewusst sind, weil sie nicht darüber nachdenken. Sie feiern Feste, laden Menschen ein, leben Freundschaft, schlichten Streit, wo er aufkommt, geben Brot, wenn sie um Brot gebeten werden, geben Wärme, wenn jemand friert – ohne darüber nachzudenken, sie tun es einfach, sie lieben das Leben, sie leben und lieben, geben aus der Fülle und wirken Frieden. Es gibt Menschen, die auf einsamen und verlassenen Wegen gehen, die zurückgezogen leben, Kinder der Stille sind und dennoch Musik schreiben und Worte schenken, die gebrochene Flügel sich zu neuen Ufern aufschwingen lassen und Menschen verbindet.

Dös is ja wira bei Marias und Marthas

Auch diese Kisten der Theoretiker/innen, der Kontemplativen (Betrachtenden) und der Praktiker/innen, der Macher/innen sind überkommen! Weil beides wichtig ist, die einen haben eine Gabe eher Bewusstseinsarbeit zu leisten, zu analysieren (was wäre die Linke ohne die Analysen (von Marx etc. (auch wenn man ihm nicht in allem zustimmen muss)), die anderen sind eher Menschen der Tat und die allermeisten liegen vermutlich irgendwo dazwischen. Und aber es gibt keinen Sinn, ständig Grabenkämpfe zu führen. Linke gegen Linke. Was soll der Mist?! Linke Intellektuelle grenzen linke Aktivisten/innen aus. Die Aktivisten/innen werfen den linken Intellektuellen Tatenlosigkeit vor usw.(?!), statt dass zusammengeholfen wird, jede/r das beiträgt, was er bzw. sie beizutragen hat, geben möchte, findet ein sinnloses Gegeneinander statt – auf Kosten derer, um die das linke Denken eigentlich gehen sollte: der Benachteiligten und Ausgebeuteten. Und vor allem sollte es um herrschaftsfreien Diskurs gehen, um einen Diskurs über alle Grenzen hinweg. Es geht darum nicht über Menschen, sondern mit ihnen zu sprechen. Und es geht um mehr als um Diskurs, es geht um die Kunst des Teilens, um Teilhabegerechtigkeit, und es geht um mehr als um Gerechtigkeit, es geht um Liebe (Selbstliebe und Nächstenliebe), um Verzeihen, um Verständigung, um Vergebung um Versöhnung und Frieden. Es geht um all die vielen und verschiedenen Gaben der Menschen und um ein wechselseitiges Sich-geben-dürfen, um Blumen, die unverschämt schön blühen, und Vögel am Himmel und Schmetterlinge. Es geht um die Begegnung der Kulturen, um die Begegnung der Religionen, darum, dass eine in der anderen ihren Frieden findet, sie gemeinsam ganz werden. (Hohes Lied der Liebe)

Es geht nach all der Schwere der Konflikte und Streite, um Leichtigkeit -- Friede ist so viel leichter als Krieg. Es geht darum, dass der Krieg verlernt wird und die Leichtigkeit zurückkehrt, es geht um die Rückkehr in den Garten, um Liebe und Frieden.

Verkehrte Wirklichkeit: Exklusion – Ausgrenzung.

Wann -- wann kann Joshu die Strohsandale vom Kopf nehmen?

Spätestens dann, wenn das linke Denken ausgrenzend wird – geht etwas gründlich schief. Es ging in der frühen sozialistisch-feministischen Bewegung um die Überwindung von Klassenunterschieden, nicht um Klassenkampf. Vor allem wird es dann bedenklich, wenn in der Linken selbst Klassenunterschiede aufkommen, die nicht überwunden werden:

Wenn Intellektuelle – Nicht-Intellektuelle sich unverstanden gegenüberstehen, Sprachbarrieren Mauern bilden, Hierarchien in der Diskurskultur trennen: z. B. Unterschiede in der Sprechzeit, der Unterschied, wer etwas zu sagen hat, wer zu fragen hat, und wenn finanzielle Barrieren, u. U. darüber bestimmen, wer sich Partizipation leisten kann, wer nicht, der ungelöste Streit zwischen linken Gewalt-Befürworter/innen und linken Gewalt-Gegner/innnen, der ewige Konflikt zwischen Revolutionäre/innen und Pazifisten/innen usw. – kurzum, wenn all das trennt, dann ist in der linken Bewegung längst nicht alles in der Harmonie der frühsozialistischen Ansätze, und auch nicht alles Dialektik in einem positiven Sinn (der Gesprächskunst die Widersprüche (These – Antithese) zulässt und in der Auseinandersetzung eine erweiterte Erkenntnis (Synthese) findet) und längst nicht alles herrschaftsfreier Diskurs, sondern viel – eine Frage der Macht, der Herrschaft, der Klassenunterschiede, die viel zu wenig überwunden werden, viel zu sehr trennen.

Riss

Das Konzept der frühen feministischen Sozialisten/innen lehnte Gewalt ab, setzte, wie gesagt auf die Überwindung von Klassenunterschieden, der Weg war Freiheit, die Achtung der Freiheit, es ging um Ansätze, die auf Harmonie setzten. Es kam zum Riss (wie unüberwindlich ist er?) -- denn spätere Konzepte (Marx, Lenin usw.) sahen verschärft und radikalisiert den Kampf als Mittel zum Zweck, die Offenheit ging zudem verloren, die Geschichte wurde in ein Ablaufmodell gepresst, Gewalt scheint plötzlich alternativlos.

Der Riss geht durch die Linke:

Gewalt oder Nicht-Gewalt? Für einen Teil der Linken stellt sich die Frage nicht, weil das stupide, sture Geschichts-Programm sich in manchen Köpfen festsetzte, die Programm-Linken sind extrem, sie diskutieren nicht, blocken ab, sehen sich als revolutionäre Klasse warten auf den richtigen Zeitpunkt für Revolution, zu dem subjektive und objektive Faktoren zusammenpassen. Und doch stelle ich die Frage – genau an diese revolutionären und gewaltbereiten Linken: Wie tief ist der Riss? Wie ewig ist der Riss? Unüberwindlich bis ans Ende aller revolutionären Zeiten? Kann man ihn heute, hier und jetzt überwinden? Kann man den Riss überwinden?! Die Stimme der Gewalt ruft zur Trennung -- und die Stimme der Liebe zu Harmonie auf!

Gewalt sollte doch eigentlich ein No-Go sein, möchte man meinen, weil sobald Gewalt ins Spiel kommt, alles linke Denken in sich widersprüchlich wird: Man lehnt Herrschaft ab, greift aber selbst zum Schwert?! Oder wie ist das – ich will es wissen! Ich will Argumente hören und keine Verweise auf Programmschriften! Man will Freiheit, übt aber Zwang in der Gewaltanwendung aus?! Mich erinnert die Situation der Linken an ein Koan:

In einem Kloster entfachte Streit. Meister Nansen, löste den Konflikt nicht, sondern griff in Wut und unfähig den Konflikt zu lösen, zum Schwert und zerschlug, dabei, worum es eigentlich allen ging. Nansen trennt -- mit dem Schwert tötet er. Joshu, der spät zurückkehrt, den Konflikt gelöst hätte, wäre er anwesend gewesen, zieht seine Strohsandalen schweigend aus, legt sie auf seinen Kopf, wandelt in Trauer mit den Strohsandalen auf seinem Kopf.

Wann erlebt die Linke den Zeitpunkt, zu dem Joshu die Strohsandelen vom Kopf nehmen kann? Wann erinnert sich die Linke an die Losung: „Nie mehr Krieg, nie mehr nationales Gegeneinander, Liebe für alle!“ der Saint-Simonistinnen.

Mauern -- sichtbare, unsichtbare – und es hagelt Steine

Da wird geschimpft (was durchaus richtig ist) über die avancierten Kapitalisten/innen (avanciert: vorwärts gerückt oder in höhere Position gebracht), (mehr oder weniger unsichtbare) Steine fliegen (was wiederum nicht sein müsste; besser: konstruktive Kritik!), aber zugleich werden die linken Veranstaltungen szenenweise vom intellektuellen Anspruch so hochgesteckt, dass sie kein normaler Mensch verstehen kann, wird mit Pay-Wall-Ideen (ein Bezahl-Konzept für das Internet) gedanklich kokettiert – werden unsichtbare Mauern gezogen – intellektuell, sprachlich und manchmal auch sichtbar. Kein Einzelfall, sondern durchaus ein gängiges Muster in avantgardistischen - und damit irgendwie auch (selbst) avancierten linken Kreisen. Da wird revoltiert gegen die bösen Gängster-Bänker/innen (damit es nicht missverstanden wird: diese Kritik ist wichtig, solang sie konstruktiv bleibt, und niemand geschlagen, niemand getroffen wird, Gewalt nicht mit Gewalt beantwortet wird, der Nikolaus nicht mit der Rute zurückgehauen wird, Schläge nicht mit Schlägen beantwortet werden und Kapitalismus nicht mit Kapitalismus ausgetrieben wird), da wird geschimpft über die Kapitalisten in Entenhausen, aber zugleich hat man kein Problem damit, davon zu reden, dass ein kostenloses Internet der verkehrte Weg sei, kein Problem damit in linken Kreisen ernsthaft über Konzepte zu diskutieren, die Arme auszugrenzen. Da wird über Themen wie Demokratiedefizite und Egoismus lamentiert, doziert, informiert, referiert, unterrichtet, kurz gefragt und nicht diskutiert, dabei könnte man Demokratie leben, sie einfach im Hier und Jetzt im Kleinen beginnend mit Leben füllen. Virtuell ist vieles auf einem guten Weg, obwohl auch da mehr Offenheit für einfache Menschen gefragt wäre – und weniger Barrieren (in der sprachlichen Gestaltung z. B.), jenseits des Netzes fehlt der neuen linken Bewegung noch das Leben. Um was geht es wirklich, wirklich möchte man viele Linke in Politik und Medienwelt fragen? Es sollte doch eigentlich um die gehen, denen das linke Denken gilt. Es sollte um herrschaftsfreien Diskurs gehen, darum gehen, dass Menschen über alle Grenzen hinweg an einen Tisch finden. Und nicht darum, dass verordnet wird, übergestülpt, bevormundet wird und ein avangardistischer Helden/innen-Kult inszeniert wird. Die linken Retter/innen-Figuren: Assange, Manning, Snowden usw. (vieles von dem, was sie taten, ist wichtig – nur die Frage des Wie steht im Raum) -- sie stehen nicht in einem Diskursgeschehen, das auf Austausch und Wechselseitigkeit beruht mit der Gesellschaft und ihrer Basis, sodass irgendwie eine Art von demokratischer Legitimationsprozesse stattfinden würde, sondern verhalten sich eher wie Auserwählte -- ähnlich (nur unter umgekehrtem Vorzeichen) wie die Helden/innen der parlamentarischen Formaldemokratien: Spionage – Gegen-Spionge, strukturelle und institutionelle Gewalt – trifft auf strukturelle und gegen-institutionelle Gegen-Gewalt. Sie durchbrechen das Spiel der Macht nicht wirklich. Gewalt wird mit Gewalt beantwortet. Hier wie da – fehlt demokratische Legitimation des Tuns, fehlt der Diskurs mit der Basis. Wer fragt die Basis – die einfachen Menschen? Denkbar wäre ja, dass den einfachen Menschen (darauf deuten z. B. Umfragen hin (und das kann man auch in persönlichen Gesprächen mit Menschen oft hören – auch wenn das jetzt nicht repräsentativ ist)) etwas ganz anderes wichtig wäre: konfliktlösungsorientierte Ansätze, Verständigung und Frieden.

Und mit Blick auf Spionage: Die eigentlich interessante Frage ist doch, wer spioniert eigentlich nicht?! Vielleicht möchten Menschen weder die Spionage der einen -- noch die Spionage der anderen selbsternannten Helden/innen, sondern einfach überhaupt gar keine Spionage, und stattdessen die Achtung der Grundrechte und die Achtung der Menschenrechte. Vielen sitzt z. B. der Schrecken der Stasi noch tief in den Knochen – mit den NSA-Geschichten erleben sie in einem anderen System Ähnliches, die Avantgarde deckt es auf (positiver Anteil) setzt ebenfalls auf Spionage-Methoden (negativer Anteil), wenn auch vornehmlich gegen Institutionen der Macht gerichtet (was anders zu bewerten ist – aus ethischer Sicht in jedem Fall positiver ist), in vielen Menschen werden in mehrfacher Hinsicht Grundängste geweckt, sie erlebten Regimewechsel, aber keine Befreiung (in diesem wie in jenem System – gehört Spionage und Bespitzelung zum Repertoire der Staatsmacht und nicht weniger nicht-staatlicher Akteure (z. B. in Wirtschaftsspionageakten und in Akten politischer Aktivisten/innen etc.))

Es wirkt manchmal fast so, als ob Spionage an sich schon gar nicht mehr in Frage stehen würde (es existiert kaum ein nennenswerter Diskurs, der die Grundsatzfragen stellt), und es wirkt fast so, als ob die Frage nur noch ist, wie die Bürger/innen, die von allen Seiten vor vollendete Tatsachen gestellt werden, die unterschiedlichen Akte der Spionage im Nachgang noch ethisch bewerten – es gibt schlechte (z. B. Kriegszwecken dienliche) und bessere Spionageakte (erfreulicheren Zwecken dienlich: Aufklärung, Transparenz). Aber Spionage betrieben wird so und so!? Das kann es doch wohl nicht sein! Die Bürger/innen sind in mehrfacher Hinsicht entmündigt – sie werden von staatlichen Instanzen entmündigt, von Wirtschaftskonzern und von selbst ernannten Rettertrupps. Keine/r fragt je nach einer demokratischen Legitimation.

(Es stimmt auch nicht, dass die Menschen wohlstands-befriedet sind und allesamt unkritisch denken würden, nach dem Motto - wer nichts zu verbergen hat, dem kann Spionage egal sein, ich erlebe viele Menschen, einfache Menschen, die sich sehr wohl viele Gedanken machen und das alles kritisch sehen.)

Vielleicht wäre zu allererst der Dialog mit der Basis, mit den Menschen wichtig gewesen, weil viele fühlen Ambivalenz gegenüber der sog. Avantgarde (sehen zwar den Informationszugewinn (sie lieferten handfeste Fakten für Dinge, die vorher eher schwer zu verargumentieren waren), andererseits bleibt bei vielen Menschen ein Gefühl von nicht genau wissen – wie hält die Avantgarde es z. B. selbst mit der ethischen Legitimation der Spionage-Frage, heiligt der Zweck allein schon die Mittel? Fragen der Bevormundung etc.). Der Weg, den diese Avantgarde gegangen ist – ist zudem nicht der einzig denkbare Weg.

Denkbar (und dieser Weg wird auch von vielen gegangen) ist auch der Weg einer pazifistischen und demokratischen Linken, die auf Methoden der Gegen-Gewalt verzichtet, Zwang negiert, die nicht auf Mittel der Spionage setzt, weniger auf empirisches Material und mehr auf Ideale setzt, aus einer Werthaltung (für Demokratie und gegen Zwang und alles, was demokratische Prozesse negiert) heraus ein klares Nein zu Gewaltakten und Kriegseinsätzen ausspricht, Militarismus ablehnt, der Weg einer pazifistischen Linken, die Vertrauen (das historisch gebrochen ist – durch die gescheiterten Versuche Sozialismus real zu verwirklichen) – wieder aufbaut, Bewusstseinsarbeit leistet für einen anderen Sozialismus, der auf seine frühen pazifistischen Denker/innen baut. Kurzum sich nicht durch eine Anti-Haltung und den Kampf definiert, sondern die ganze Kraft in Projekte steckt, die positiv das leben, worum es wirklich wirklich geht: die Überwindung von Klassenunterschieden, herrschaftsfreien Diskurs, die Lösung der Aufgaben des 21. Jahrhunderts, Verständigung, Versöhnungs- und Friedensarbeit, Einsatz für mehr Teilhabegerechtigkeit, Befreiung und Emanzipation auf einem Weg, der Freiheit achtet, und das Ideal – Freiheit und Liebe für alle.

Liebe ist nur scheinbar ein unpolitisches Wort: Es geht um eine klares Nein zu den Herrschafts- und Machtverhältnissen der Ausbeutungsstrukturen der Wettbewerbs- und Leistungsgesellschaften. Es geht um einen Paradigmenwechsel. Es geht um gesellschaftliche Strukturen des Miteinanders, statt Gegeneinanders, um liebevolle Gesellschaften. Die Chance liegt im Diskurs, im herrschaftsfreien Diskurs, dazu braucht es Plattformen, die ihn ernsthaft leben. Es geht um Verständigung. Und es geht darum, dass auf linken Veranstaltungen, auch tatsächlich die eine Rolle spielen und die zu Wort kommen – und zwar für sich selbst sprechend und nicht bevormundend über sie sprechend, um die es eigentlich gehen sollte: Ausgebeutete, Benachteiligte............

Die Gewalt-Doktrin der extremistischen Linken – verhindert, dass linke Ideen in der Mitte der Gesellschaft ankommen!

Es kann einen echt aufregen und MEHR als nerven, wie selbstverständlich und wie selbstherrlich manche Linke Gewalt als einen Weg ansehen. Da wird nicht wie Brecht es wollte der Krieg diffamiert, sondern der Pazifismus wird diffamiert. Und seit Anbeginn der linken Bewegung schaden die militanten Fraktionen der pazifistischen Linken, vor allem aber schaden sie den Anliegen der Linken insgesamt – den Inhalten, die NIE in der Mitte der Gesellschaft ankamen, weil es diese gewaltbereite Linke gibt, die die Mehrheit der einfachen Menschen zuam Fürchte findt, weil dö eufache Leit Liab und Friede etwas bedeut, sie einfach möchten, dass ihre Kinder weder in Kriegen noch in Revolutionen verheizt werden, sich einfach Frieden wünschen für ihre Kinder.

Was Demos demonstrieren

Wäre die Polizei Freund/in und Helfer/in, alle Demonstranten/innen immer friedlich, hätten wir außerdem eine wirklich echte Demokratie – wäre die Welt wunderbar! Die Polizei könnte, wenn sie eh immer hinfährt, auch einmal Menschen zu Demonstrationen mitnehmen, nicht immer nur wegbringen, Transparente tragen helfen. Man könnte aus Helmen Blumentöpfe machen und Polizeivans hippiebunt bemalen, insgesamt könnten die Beamten/innen viel wuscheligere Frisuren tragen und man könnte ihnen schäfchenwollene Handschuhe stricken, dass die Finger beim Transpartente tragen helfen nicht immer so schnell klamm werden. Auch die Demonstranten/innen könnten viel netter werden und ab und zu den Polizisten/innen helfen beim Akten sortieren, Formblätter mit Blümchen ausfüllen. Gäbe es nur friedliche Polizisten/innen und nur friedliche Demonstranten/innen, gäbe es keine Verletzten auf beiden Seiten.

Aber so, „die“ und „die“ gibt es nicht….

Aber so -- ist fraglich, wie „die“ Polizei szenenweise (szenenweise – es gibt (wie bereits oben dargelegt) NICHT „die“ Polizei) agiert (die Hauptaufgabe sollte eigentlich die Sorge für einen friedlichen Demonstrationsablauf sein, Deeskalation, Bilder von blutenden und verletzten Demonstranten/innen passen nicht ins Bild der freundlichen Helfer/innen), ich bin aber auch dagegen, wie manche (ich spreche von manchen und einer Minderheit) Linke, Autonome und Anarchisten/innen agieren: nämlich selbstherrlich, den Rest der Menschheit bevormundend und durchaus szenenweise auch gewaltbereit. Keine Sache der Welt, sei sie noch so gut und edel, ist es wert Menschenleben zu riskieren und Blut zu vergießen. Gewaltbereite und selbstherrliche Demonstranten/innen schaden dem Ansehen friedlicher Demonstranten/innen und gewaltbereite und fiese Polizisten/innen schaden dem Ansehen all jener Polizisten/innen, deren Berufsethos eindeutig dagegen steht, friedliche Demonstranten/innen niederzuknüppeln. Der undifferenzierte Blick „die“ Polizisten/innen und „die“ Demonstranten/innen greift zu kurz, weil es auf beiden Seiten Menschen gibt, die keine Eskalation in Gewalt wollen -- und man darf hoffen, dass das die Mehrheit der Polizisten/innen und Demonstranten/innen ist.

Der Diskurs – aber die jeweils anderen sind schuld und Ursache von allem, das nicht gut lief, ist selbst ein destruktiver Diskurs, weil keine Seite darf die Augen vor der Gewalt in den eigenen Reihen verschließen:

Polizei

Gewalt ist ein Thema, sie beginnt im Unsichtbaren: Strukturen und Einsatzplanung müssten in den Blick kommen analysiert werden, wo sie eine Sprache (vor allem auch struktureller) Gewalt sprechen bzw. begünstigen, zu Eskalationen beitragen. Usw.

Demonstranten/innen

Gewalt beginnt auch hier im Unsichtbaren: sie beginnt in den Köpfen von extremistischen Demonstranten/innen, die bewusst auf Konfrontationskurs mit der Polizei gehen, provozieren, Steine werden, Rauchbomben zünden etc.

Und wenn es auf allen Seiten eskaliert, müssen es unfairerweise die ausbaden, die auf beiden Seiten in friedlicher Absicht antreten (weder können die meisten vor Ort anwesenden Polizisten/innen für die Einsatzplanung, noch für Kollegen/innen, die in einen Gewaltrausch verfallen, noch können friedliche Demonstranten/innen für gewaltbereite Chaoten/innen etwas, die auf Konfrontationskurs gehen und in einen ebensolchen Gewaltrausch fallen). Und sich amend dann alles fürchterlich und sinnlos hochschaukelt.

Christliche und linke Raufbolde/innen

Und mir kann kein Mensch das Märchen erzählen, dass es zweitere nicht auch gäbe, die gewaltbereiten Linken, Anarchisten/innen und Autonomen gibt es, sie gibt es im linken Umfeld genauso wie es die christlichen Militaristen/innen im konservativen Spektrum gibt. Und Vertreter/innen beider Fraktionen kann man in Diskussionen erleben. Der einzige Unterschied zwischen extremen gewaltbereiten Konservativen und extremen Linken ist, dass die extremen gewaltbereiten Konservativen (Menschen, die Kriegseinsätzen zustimmen sind extrem und gewaltbereit) mit der CDU-CSU im Parlament (in Mehrheit) repräsentiert werden, nach StimmABGABE der Bürger/innen, die Bürger/innen nicht mehr gefragt werden, und die Repräsentanten/innen die Institutionen der Macht, z. B. Armeen hinter sich wissen (die Bundeswehr steht unter politischer Führung und parlamentarischer Kontrolle (z. B. Art. 65 a, Art. 115 b, Art. 87 a Abs. 1, Art. 45 a …) (wenige Repräsentanten/innen und nicht die Bürger/innen entscheiden über Friedensfragen)) und starke Bündnispartner/innen in transatlantischen Foren haben, die extreme und gewaltbereite Linke hingegen eine nicht-repräsentative Minderheit darstellt (die größtenteils außerparlamentarisch vertreten ist) und die Gewalt der extremen Linken geächtet wird.

konsequent ignoriert allerseits -- wird der Wille der Bürger/innen

Die Mehrheit der Bürger/innen lehnt laut Studien Gewalt und Kriegseinsätze ab, das interessiert weder die durch StimmABGABE gewählten Repräsentanten/innen des politischen Establishments noch die selbsterwählte Avantgarde im extremen linken Umfeld. Schlechte Zeiten für Demokratie (zumindest dann wenn man/frau in Demokratie mehr sieht als die Repräsentationsmodelle parlamentarischer Demokratie und sich alternativ auch nicht mit dem außerparlamentarischen Aktivismus selbsternannter Erlösertrupps und deren verordneten Rettungsprogramme (weil man eine Freiheit will, die nicht mit Zwang und Gewalt zu tun hat) zufrieden geben will – in diesem Land wird man gerettet – nach Vorschrift so und so und mehrfach: durch selbstherrliche politische Eliten innerhalb und außerhalb des Parlamentes, man wird so gerettet zwangsweise von allen Seiten, dass man schon gar keine Freiheit mehr hat vor lauter Rettung, und so viele Pakete: das schwarz-christlich-abendländische Rettungspaket: im Angebot: Drohnen, die dürfen wir nicht nur ungefragt mit unserer Hände Arbeit Geld abbezahlen, sondern uns Bürger/innen fragt auch keiner zu den Kriegseinsätzen – unsere Regierung und unsere sog. transatlantischen usw. Freunde, ähm Bündnispartner, lassen im Namen der Demokratie in sinnlosen Kriegen morden, aber dafür enthalten sie uns auch Demokratie vor, das ist zwar nicht logisch, aber ein Paket und es gibt noch mehr Pakete: NSA und Spionage, die sammeln alles von und für uns, man kann praktisch gar nie mehr was verlieren im Leben, weil alles ist gespeichert, das ist doch nett, wenn man dann später einmal Alzheimer hat, dann wissen die von der NSA-Hotline mehr als unsere Gehirne jemals über sich selbst wussten, und wenn man was vergisst, kann man die Nummer der Hotline wählen, wenn man die nicht auch schon vergessen hat, aber das wissen die dann schon vorher und informieren einen per sms, das man sich doch bitte melden möge, dann kann man sich sein ganzes elektronisches Lebensalbum anschaugen, und Mitschnitte anhören von Telefongesprächen und sich denken, mei wer is denn das Rindviech mit der Alzheimer, dass die NSA braucht, um zu wissen, wer das Rindviech, keine Ahnung, wer - was, aber noch eine sms, die an die sms erinnert… und noch mehr Pakete, die Pakete wie gesagt der außerparlamentarischen Rettertrupps: das ist so ähnlich wie das Sahnehäubchen auf dem Sahnehäubchen: Spionage der Spionage, und dann noch avantgardistische Kampftrupps, die uns Revolution verordnen, nett, so was wünscht man sich doch an Weihnachten mal so richtig einen auf Gewalt, wem es von den letzten Jahren Talkshows und Photoshootings unserer wechselnden Verteidigungsminister/innen am Hindukusch noch nicht hinreichend schlecht ist, der kann jetzt noch mehr Blutvergießen haben, direkt in Hamburg, und wenn er Pflastersteine heben kann, kann er auch direkt selbst mitmachen, mit der Gewalt zum Fest der Liebe…… und das alle so nett an uns dachten, so viel Bevormundung gab es ja noch fast nie auf einmal – von allen Seiten! Früher musste man noch den Stimmzettel abgeben alle paar Jahre, bei der anderen Firma, geht das ganz ohne Zettel – mit der Bevormundung - und danke auch für die schwarzen und roten Missionspakete, nur leider war auch dieses Jahr keine Demokratie dabei) und dafür aber wieder (alle Jahre wieder) schlechte Zeiten für Pazifismus.

Wunschzettel (2013 kurz nach der Bescherung verfasst)

Liebes christdemokratisches Christkind, lieber roter Weihnachtsmann: nächstes Mal will ich keine so großen Geschenke mehr zu Weihnachten, das mit den Drohnen wär echt nicht nötig gewesen, auch das mit den Kriegseinsätzen überall ist nicht nötig, Christkind! Weihnachtsmann, das verordnete Revolutions-Paket mit den Pflastersteinen und Rauchbomben ist nett gemeint, aber wirklich nicht sehr sozial-demokratisch und auch nicht wirklich links. Liebes Christkind und lieber Weihnachtsmann, nächstes Jahr wünsche ich mir Demokratie und Weltfrieden und auch für Hamburg und hier, einfach nur Demokratie und Frieden zum Fest der Liebe. Viele Grüße Deine Demokratie und Frieden ps und es wäre nett, wenn wir nächstes Jahr Weihnachten nicht wieder draußen bleiben müssen. Ich weiß, mein Schatz, Du hast es bereits mehrfach unmissverständlich und deutlich gesagt, die Bürger/innen stören Dich beim Regieren und auch bei der Revolution sind revolutionsfaul, aber weißt ChistkindWeihnachtsmann, eine Demokratie ohne Bürger/innen gibt es nicht und es sind nun einmal Deine Kinder die Bürger/innen und es ist nicht sehr nett, sie an Weihnachten im Schnee stehen zu lassen. Demokratie - das sind die Bürger/innen und ihre aktive Beteiligung an der Entscheidungsfindung. Soweit die Philosophie. Faktisch scheint das in der Merkelrepublik etwas anders zu sein. Mehr Demokratie - bitte! Und mehr Mut zu Frieden!

Gewalt ist eben kein Tabu – Frieden und Demokratie ist ein echter Tabubruch

Nicht Gewalt ist der Tabubruch, sondern Pazifismus wäre ein echter Tabubruch. Und Demokratie wäre ein echter Tabubruch! Und man kann nur hoffen, dieser Tabubruch in Form von Pazifismus und Demokratie geschieht bald, weil der Gedanke, dass Zwang - also die Durchsetzung von Interessen durch Gewaltanwendung - ein legitimes politisches Mittel sein kann, ist allgemein noch viel zu verbreitet im politischen Denken (z. B. wird Clausewitz (Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln (oft zur Legitimation der interessensgeleiteten Kriege im Namen der Demokratie und im Namen abendländisch christlicher Werte und anderer Interessen (Wirtschaftsinteressen) in vielen konservativen Kreisen immer noch bemüht und auch in linken Kreisen kriegt man den Clausewitz zu hören) und die Denker/innen der bürgerlichen Revolution (mit den Gedanken zur Etablierung der Herrschaft der Bourgeoise) oder Marx, Lenin usw. (Lösung der Machtfrage durch Revolution zur Errichtung der politischen Herrschaft der Arbeiterklasse) werden in linken Kreisen zitiert, wenn es darum geht Gewalt zu legitimieren).

Lackmustest: Ponyhof

Wer nicht glaubt, dass Gewalt im Diskurs der politischen Klassen weitgehende Akzeptanz erfährt, um nicht zu sagen Common Sense ist, der bzw. die kann zwei einfache Versuche unternehmen: Versuch eins: genau hinhören im politischen Diskurs (auch genau nachfragen, wenn z. B. jemand NATO-Kriegseinsätze ablehnt, heißt es noch lang nicht, dass er bzw. sie auch gewaltsame Revolutionen, Aufstände und Umstürze ablehnt usw.) -- Versuch zwei: Sagen Sie sie sind Pazifist/in. Vui Spaß! Gutgemeinter Tipp: Ziehen Sie sich vorher warm an! So schnell werden Sie noch nie Einigkeit über alle politische Lager im Diskurs erlebt haben, als wenn Sie anfangen die Friedensfrage zu stellen. Die sperren Sie auf dem Ponyhof weg - so schnell können Sie gar nicht schaugen.

Wenn Sie Pazifisten/innen finden wollen, dann vor allem unter ideologiefernen einfachen Menschen, die keinen Parteien, politischen Interessensgemeinschaften etc. angehören. Wenn man sie fragt, was sie sich für die Zukunft ihrer Kinder wünschen, kommt an oberster Stelle sehr oft: eine friedliche Zukunft. Solche Aussagen sind den politischen Klassen zu wenig exaltiert, als dass sie ihnen eine politische Bedeutung beimessen würden. Wenn die Menschen nicht denken, wie es sein soll, sind sie eben revolutionsfaul und braucht es eine Avantgarde (links) oder es wird in Werbefilme für die Bundeswehr investiert und Talk-Shows am Hindukusch (konservativ). Sind das jetzt Repräsentanten/innen oder Volks-Erzieher/innen? Wie demokratisch bzw. wie paternalistisch (bevormundend) und pädagogisch ist das? Zwang und Gewalt sind ein Thema bei den Linken genauso wie bei den erz-konservativen Zwang und Gewalt ein Thema sind – beginnend bei verbaler Gewalt, Akten der Diffamierung im politischen Diskurs usw. bis hin zur konkreten Gewaltanwendung (Polizei-, Militäreinsätze, politisch instrumentalisierte Gewalt an Sachen, Gewalt an Menschen, terroristische Gewaltakte und antiterroristische Gewaltkate). Pazifismus ist auf allen Seiten der Macht, der politischen Eliten (der Formaldemokratien ebenso, als auch auf Seiten z. B. avantgardistischer gewaltbereiter linker Vorreitertrupps) eher eine Ausnahmeerscheinung. Und jede Seite legitimiert ihre Gewalt mit den Gewaltakten der anderen, wenn das keine erwachsenen Menschen wären und die Auswirkungen nicht so verheerend wären (Bomben über Afghanistan und verwüstete Stadtviertel durch Straßenschlachten) möchte man sagen, das Diskursniveau bewegt sich so ungefähr auf dem Niveau von sich raufenden Kindergartenkindern, wenn man die Rauferei auflöst und fragt, dann sagen sie einem, dass sie das alles nur gemacht haben, weil es der jeweils andere zuerst gemacht hat. Nur die großen Kindergartenkinder halten Strategien, in denen sie über Bomben und Drohnen verfügen, in Händen und stürzen unschuldige Menschen ins Inferno und lassen es nicht zu, dass die Rauferei aufgelöst wird, weil sie verdienen auf allen Seiten viel zu gut an ihr und sterben tun vor allem die Kinder der anderen, die Kinder der einfachen Leute, nicht die Kinder unserer militärnarrischen Eliten, die sitzen in Harvard und in den Strategieabteilungen und politische Ämter sind erblich. Und es gibt immer einen guten Grund, weshalb es keinen Frieden geben kann: Und die Terroristen sagen wegen den Antiterroristen und die Antiterroristen sagen wegen den Terroristen – bräuchte es Gewalt. Und keiner kann deshalb damit aufhören! Gibt es eigentlich Antiterror, weil es Terror gibt – oder Terror, weil es Antiterror gibt? Es war weder zuerst der Terror noch zuerst der Antiterror. Sondern es geht um Konfliktdynamiken! Wenn man sich nicht von den Begriffen irreleiten lässt, wird man Konflikte und Verstrickungen finden, die eine lange Geschichte und Tradition haben und das Motiv des Bruderstreites entdecken, tiefe Wunden auf den Seiten aller beteiligten Konfliktparteien sehen. Konflikte, so heißt es in einem einfachen Sprichwort, sind dazu da, gelöst zu werden:

Es ginge alles, einfach alles darum Konfliktdynamiken und Wunden verstehen zu lernen, Konflikte zu lösen, um Verzeihen, Vermittlung und Versöhnung.

Rechtsabteilungen der Verteidigungsministerien, NATO-Beraterstäbe usw. sehen das anders, die fragen, wie man Kriegseinsätze vor dem Hintergrund der nationalen und internationalen Rechtslage legitimieren kann. Regierungsberater/innen wie der Politologe Joseph Nye, der zeitweise auch selbst aktiv in der amerikanischen Politik war, denken strategisch und in der Kategorie „Macht“, die über andere oder mit (z. B. im Falle von Bündnispartnerschaften) anderen ausgeübt wird, daran ändern auch „Smart-Power-Ansätze“ nichts. Im übrigen kann nach diesen Ansätzen auch militärische Gewalt nicht nur als „harte“, sondern auch als „weiche Macht“ (z. B. Schutz) gelten und „weiche Macht“ wird instrumentell eingesetzt als Komponente einer intelligenten Strategie, es geht nicht darum, dass z. B. Freundschaft in sich einen Wert bilden würde, wie man es als Europäer/in nach Kant z. B. von Freundschaften erwartet, sondern nur um ein „Um zu“. Waffen dienen der Abschreckung und Durchsetzung (Peitsche) und weiche Macht wirkt wie Zuckerbrot, Bündnisse haben einen funktionalen Nutzen - mehr ist das nicht. Ganz ehrlich, man kann nur Mitleid empfinden mit den Menschen, die solche Strategiebücher schreiben, weil sie ganz offensichtlich in ihrem Utilitarismus gefangen sind, ihrem Nutzendenken und überhaupt gar nicht auch nur im Ansatz verstehen oder ahnen, was Freundschaft ist.

„Militärische Ressourcen können sowohl harte als auch weiche Macht generieren… Der springende Punkt ist, dass die weiche Macht … der harten Macht militärischer Einsatzkräfte zusätzlichen Schub verleihen kann. Strategien, die harte und weiche Macht erfolgreich kombinieren, sind Ausdruck einer intelligenten Machtausübung.“ (Joseph Nye)

Intelligente Macht bedeutet, dass nicht Machtressourcen in quantitativer Hinsicht ausschlaggebend sind, sondern vor allem qualitative Strategien entscheidend sind. Es geht um „große Strategien“ und zwar wird der Idealismus nicht durch den Realismus (z. B. rein pragmatisches Gleichgewichts- und Stabilitätsdenken etc.) negiert und spielen Wertfrage mit hinein, aber das hat mit einem Idealismus wie wir ihn in Europa kennen wenig zu tun, es ist eher zu verstehen wie eine Marketingstrategie, was Nye da beschreibt, also dieser Nye bringt es fertig, dass er das, was er als „Idealismus“ versteht, tatsächlich also zum Teil einer Strategie macht, also und bringt es fertig dann allen ernstes darüber nachzudenken, ob dann z. B. das Setzen auf „Werte“ und ihre Attraktion weniger kostspielig ist als z. B. Militäreinsätze allein es sind, und zu fragen, was erfolgsversprechender sein könnte (Ergebnis: Kombinationen aus allem) und und er stellt Imagefragen - bzw. also, wie man Image über eine Art instrumentellen Idealismus aufpolieren kann (als ginge es um eine alte Karre, die man auftunt und nicht um Freundschaft!) – also Nye, er behandelt Werte wie eine Art unsichtbare Währung, mit der man was „kaufen“ oder durch Investition in sie „gewinnen“ kann, also, man könnte in diese Bücher echt Rotz und Wasser heulen, das ist so unglaublich infam oder traurig, also mir tut er einfach nur bitter leid und also jene Amerikaner/innen, die so denken, und aber man braucht sich wirklich nichts mehr was wundern, wenn die amerikanischen Vertreter/innen der Macht dann so komisch reagieren, wenn sie in Interviews auf die europäisch-amerikanische Freundschaft angesprochen werden, und was das soll, ob man sich unter Freunden aushört, dann die amerikanischen Vertreter/innen der Macht so sonderbar antworten, die wissen gar nicht, was Freundschaft als Wert in sich selbst ist oder was Werte im Unterschied zu Mitteln sind oder was Idealismus ist. Also, irgendwie muss Europa es schaffen, dass die von uns Freundschaften lernen, also und Liebe und Frieden, Idealismus und und einfach alles, was nicht mit Macht zu tun hat – einfach nur Freundschaft und Liebe und Friede.

Die Frage ist -- welches Europa? Weil Europa steht selbst kniehoch im Blut, ist selbst verstrickt in Kriege, selbst eine Wohlstandsburg, an deren kalten dicken Mauern Exklusion und Ausgrenzung statt findet.

Was ist mit dem Europa der europäischen Friedensvision? Europa muss sich erinnern, an seine Ideale und an Werte! Mehr Mut zu Idealismus!

Idealismus. Und nicht Ideologie

Die Friedensvision hieß klar: „Nie mehr Krieg, nie mehr Auschwitz“ und nicht Krieg für abendländisch-christliche Werte. Ideale und Werte sind nicht dafür da, dass sie missbraucht, verdreht und verkehrt und zu Ideologien werden, die über Menschen stehen und übergestülpt werden. Da wird getötet für abendländisch-christliche Werte – in sinnlosen Kriegen. Da wird das Leid von Menschen instrumentalisiert – für ideologische Zwecke, da werden Brunnen gebaut mit der Absicht christliche Mission zu betreiben und auch linke ideologische Missionierung, instrumentalisiert das Leid von Menschen oft nur für ideologische Zwecke. Du hast Hunger? Hier ist das Brot – da die Bibel, da das Manifest! Du hast Durst? Hier ist Wasser. Und dann bete für Deine Erlösung und kämpfe für die Revolution. Das ist weder christlich noch links, sondern Missbrauch von Leid für ideologische Zwecke. In der frühen linken pazifistischen Bewegung, ging es um Freiheit und die Achtung von Freiheit, Toleranz, es ging um die Überwindung von Klassenunterschieden, nicht um Klassenkampf. Die frühen sozialistischen Pazifisten/innen kritisierten Gewalt und Militarismus, sie waren nicht militant, warfen nicht mit Steinen. Jesus begründete kein Christentum, die Jesusbewegung war offen und tolerant und vor allem gewaltfrei, da war nichts von Mission und Militäreinsätzen. Es ging ihm um Freiheit und Liebe. Er stellte die Menschen in den Mittelpunkt. Es ging ihm darum, dass Menschen für sich selbst sprechen können. Eine der zentralen Fragen Jesu war die Frage: „Was willst Du, dass ich Dir tue?“ Er sagte nicht einfach, der Blinde ist blind, deshalb muss er doch ganz bestimmt wieder sehen wollen. Er fragte. „Was willst Du, dass ich Dir tue?“ Er hatte kein Programm in Händen, keine Ideologie, die er überstülpte, er fragte demütig und ließ die Menschen für sich sprechen. Euer Vater gibt Brot, wenn ihr um Brot bittet – und nicht Brot und Ideologie, Brot und Bibel, Brot und Manifest und Zwang. Die Jesu-Bewegung war offen für alle, aber sie riss nicht Menschen in zwangsverordnete christliche Bekehrung oder in blutige Kämpfe mit der Aufschrift Revolution. Jesus setzte keine Ziele über die Menschen, er handelte nicht nach Zielen, für die er tötet oder töten ließ, er handelte überhaupt nicht nach Zielen, leeren Zielen und leeren Versprechen, er lebte aus der Fülle, er lebte das, woran er glaubte: Freiheit und Liebe. Erst die Machtkirche machte das Jenseits zu einem Zielort – mit der ökonomischen Logik, das und das tun (z. B. Ablassbriefe kaufen), um das und das als Ziel zu erreichen. Jesus war transzendent-immanent er war weder ein Kind der bestehenden Herrschaftsverhältnisse, sondern stellte sie kritisch in Frage, noch war er jenseitsschwer, sondern Jesus lebte seine Ideale unmittelbar, er lebte Freiheit und Liebe unmittelbar. (Er musste nicht dem Reichen den Pflasterstein an den Kopf schlagen, um ein fernes Ziel der klassenlosen Gesellschaft zu erreichen, sondern Jesus lebte mit den Jünger/innen eine klassenlose Gemeinschaft, er lud den Reichen mit ein – zur Verwirklichung einer klassenlosen Gesellschaft und als dieser ablehnte, bekundete er ihm sein Mitleid. Der Himmel und die Sache mit dem Kamel, da ging es nicht um einen jenseitigen Himmel, sondern um das Hier und Jetzt, Freiheit und Liebe zu leben, statt Beziehungen der Macht und des Geldes, der Reiche ist arm, weil er umgeben ist von Leuten, die vor allem aus Zwang handeln, weil vor allem Geld und Macht seine Beziehungen regeln, aber nicht Freiheit und Liebe). Ähnlich ist es bei der Linken, die frühen sozialistischen Pazifisten/innen gingen wie Jesus einen Weg der Gewaltlosigkeit und lebten, woran sie, glaubten – es ging um eine Freiheit, die mit Harmonie zu tun hatte (das hat mit Stimmen und aufeinander sich einstimmen zu tun, beinhaltet zuhören können) sie lebten, was ihnen bedeutete, die gewaltbereiten Linken hingegen machten ein jenseitiges und fernes Ziel zum Motiv ihrer blutigen Kämpfe. Die Pazifisten/innen waren nicht naiv, sie wussten um das, was in der Gesellschaft ungut ist (Ausbeutungsverhältnisse, Kriege, Militarismus) und sie hatten die Vision einer besseren Gesellschaft vor Augen, in der Freiheit und Liebe bedeuten, sie trugen zur Verwirklichung ihrer Vision bei, indem sie sie lebten. Die gewaltbereite Linke verriet die Vision, indem sie zum Schwert griff. Dort wo das Schwert regiert, regiert der Zwang und die Gewalt, ist die Freiheit verraten.

Trauriges Abendland


Und die europäische Vision – die europäische Friedensvision? Verraten sind Frieden und verraten ist die Demokratie! Europa hat seine Vision verraten! Trauriges kriegerisches und kämpferisches Abendland: Da geht es um Bündnispflichten, um Machtfragen, um Fragen der Vormachtstellung und um Fragen der Interessensdurchsetzung, nicht aber um Konfliktlösung und die Vermittlung von Interessen. Liberté, Égalité, Fraternité -- wo bleibt die Freiheit, wenn Waffen sprechen? Wo bleibt die Gleichheit, wenn Europa sich als überlegen setzt und Kriege im Namen von abendländisch-christlichen Werten führt? Wo bleibt die Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit, wenn abrahamitische Religionen aufeinander losgehen, Brüder und Schwestern sich bekämpfen – wo bleibt die Gleichheit, wenn Klassenunterschiede nicht überwunden werden, sondern Pflastersteine fliegen und Schlagstöcke sprechen?

Konfliktlösungs- und Vermittlungsansätze werden immer noch und leider viel zu oft zugunsten von Eskalations- und Durchsetzungsszenarien verneint. Verständigungswege, die Suche nach Kompromissen (Übereinkünfte durch wechselseitige Zugeständnisse) - und Konsenswege (Wege des Aufeinanderabstimmens von Meinungen) sowie Wege unmittelbarer und gelebter Demokratie z. B. basisdemokratische Meinungsfindungs- und Entscheidungsverfahren werden nicht selten als minderwertig und schwach abgetan, statt dessen das plumpe Durchsetzungsmodell der Zwangs- und Gewaltanwendung favorisiert und mit Helden/innenkult aufgeladen – links wie konservativ. Die antidemokratische erz-konservative Elite verunglimpft Formen unmittelbarer Demokratie sowie herrschaftsfreie Diskurs- und Verständigungswege nicht selten als Pöbelherrschaftsmodelle (Ochlokratie) (Man erinnere nur an Aussprüche unserer politischen Repräsentanten/innen - wie das Volk störe beim Regieren – in der Merkel-Republik (siehe Sabotage-Buch)) oder legitimiert undemokratische Vorgehensweisen mit der paranoiden Rede über die Gefährdung des Abendlandes und der Demokratie durch Extremisten/innen (unter den Generalverdacht des Extremismus fallen bei manchen erz-konservativen Autoren/innen auch u. a. friedliche Demonstranten/innen und muslimische Mitbürger/innen, Feministen/innen, Menschen aus anderen Kulturkreisen usw.) und die linke Avantgarde fürchtet die Bürger/innen nicht selten als Massen, die oft als revolutions-faule Mainstreams-Meinungsvertreter/innen herabgewürdigt werden, zwar in einer anderen Form (namentlich als Revolutionsbremse), aber oft nicht weniger, als die konservativen Eliten es tun. Die Mehrheit muss nicht gefragt werden, sondern überzeugt werden, animiert zur Revolution, so sieht das eine linke Avantgarde. Die selbsternannten politischen Eliten, beanspruchen für sich das Recht auf Gewalt im Kampf gegen die Gewalt (der jeweils anderen). Erstaunlich einig sind sie sich oft darin, wenn es um die Bewertung pazifistischer Ansätze geht. Es wird oft eben gerade nicht wie Brecht es formulierte der Krieg, bzw. die Gewalt diffamiert, sondern der Pazifismus diffamiert – und diese Kritik ist ein gängiges Argumentationsmuster, das in allen politischen Lagern zu finden ist, da ist die Linke keineswegs ausgenommen, auch wenn sie, was man/frau ihr zu Gute halten muss, Kriegseinsätze mehrheitlich ablehnend gegenübersteht, wenn man/frau aber die Frage von Revolte und Revolution anspricht, stellt es sich bei einem Teil der Linken ganz anders dar, da kann es vielen Linken gar nicht exzessiv genug sein (was ja durchaus noch zu befürworten wäre), da will man Gewalt nicht ausschließen (Gewalt muss aber ein No-Go bleiben, sonst wird alles linke Denken in sich selbst widersprüchlich). Die einen sehen die Revolution in Gefahr (gewaltbereite Linke), die anderen das Abendland und die Demokratie (gewaltbereite Konservative), beide erklären auf ihre Weise Gewalt zum Weg, jedenfalls Pazifisten/innen müssen mit hartem Gegenwind von allen Seiten rechnen.

Wie nicht der Krieg diffamiert wird, sondern der Pazifismus diffamiert wird

Das Mindeste, was dem Pazifismus häufig unterstellt wird, ist eine Form der Naivität (natürliche Einfachheit, Einfalt). Schlimmstenfalls werden Pazifisten/innen mit Schuldzuweisungen konfrontiert und Vorwürfen ausgesetzt (Vorwürfe, weil Argumente sind es meist keine) oder der Pazifismus ganz ins Lächerliche gezogen. Beispiele: Du verrätst die Revolution (links), Du bist keine wehrhafte Demokratin, wenn Du gegen Kriegseinsätze bist (konservatives Lager), Du bist nicht bereit mit Waffen zu kämpfen für die gute Sache, im Kampf für die gute Sache zu sterben (links wie konservativ) bis hin zu Zynismus – ja dann fahr doch in ein Kriegsgebiet und stell dich doch mit den Blümchen vor den Panzer.

Da ist, das vergessen viele Einfaltspinsel, die den Pazifismus diffamieren, übrigens noch einmal ein Unterschied zwischen Blut für etwas geben (wenn ein Mensch z. B. auf Gegengewalt verzichtet), das bedeutet nämlich einen bewussten Gewaltverzicht in einer auf friedlichen Wegen unabwendbaren Situation, in der ein Mensch mit Gewalt konfrontiert wird (und keine Ausweichmöglichkeiten bestehen), dieser Mensch dann auf die Anwendung von Gegen-Gewalt bewusst verzichtet und sein Leben gibt -- und einem vorsätzlichem Blutvergießen, und damit der Gewaltverübung (die willentlich geschieht und bei der absichtlich Blut vergossen wird oder es in Kauf genommen wird, dass Blut vergossen wird – sei es das eigene oder fremdes Blut oder beides, dieser Unterschied ist vielen militanten Linken und vielen konservativen Militaristen/innen nicht präsent (gegenwärtig) in ihrem stereotypen (vorurteilsbeladenem) Schwarz-Weiß-Denken, sie kennen den Unterschied oft schlicht nicht zwischen Gewaltverzicht - nicht aus Lauheit, nicht aus fehlendem Mut, sondern als einem bewusstem politischem Akt oder als einem freien Akt der Liebe (das wird alles unter Weichheit von Weicheiern verbucht bei manchen gewaltbereiten Linken wie Konservativen ----- in Unterscheidung zur Gewaltverübung z. B. gegen sich selbst (z. B. würde jemand absichtlich mit Blumen in der Hand in einen Panzer laufen, obwohl er/sie der Gefahr ausweichen könnte) oder in Form von Gewalt gegen andere, bei der man möglicherweise auch selbst stirbt, aber ganz bewusst das Leben von anderen hinmetzelt – im Kampf.

Wüste Raufboldmentaltität! Wo bleibt die Achtung der Freiheit?! Wo bleibt der Mut zur Liebe?!

Die Raufbolde und Raufboldinnen mögen keine Differenzierungen - verweigern sich dem Denken: primitiver geht es nicht: Wer dem/der Feind/in – keines über die Mütze haut, ist ein/e Mörder/in, weil er/sie den/die Feind/in nicht aus der Welt schafft, dass beim Über-die-Mütze-hauen auch ein Mord geschieht, interessiert nicht, weil das ist ja „nur“ ein/e tote/r Feind/in. Ein Kapitalistenschwein (links) – oder ein islamistischer Extremist (konservativ). Leben verwirkt. So banal und pump und primitiv ist die Logik der Gewalt, das soll dann links sein oder christlich?! Freund/in – Feind/in. Gut – Böse. Die Sicht hingegen von Konfliktparteien, die Interessenskonflikte haben - existiert in der Schwarz-Weiß-Denke auf der Achse von-Gut-Böse nicht, konstruktive Kritik (eine inhaltliche Auseinandersetzung, die Kritik an einzelnen inhaltlichen Punkten kennt, dabei aber die Person, deren Argumente kritisiert werden, selbst wertgeschätzt wird, also nicht die Person kritisiert wird, sondern eine inhaltliche Auseinandersetzung stattfindet (einfach gesprochen: man/frau kann jemanden mögen, auch wenn man/frau seine/ihre Argumente nicht teilt)), eine thematische und argumentative Auseinandersetzung und Verständigung und der Gedanke, dass Konflikte gelöst und dadurch die Konflikte aus der Welt geschaffen werden (und eben NICHT Menschen), indem die Interessen auf allen Seiten gesehen und vermittelt werden, all dies ist den Raufbolden und Raufboldinnen zu kompliziert. Einfach zuhauen. Fertig. Die Ideologie macht es in den Köpfen, da muss man nicht denken, sich nicht mit Inhalten auseinandersetzen! Da muss man sein Herz nicht anstrengen, um Feindschaften zu überwinden! Zuhauen und fertig. Der bzw. die Befehlshaber/in sagt schon, auf welche Nasen man dreschen soll. Linke wie konservative Gewaltbefürworter/innen haben eine ganz fürchterlich dürftig primitive und simple und grobe Denke: Es gibt ein schablonenhaftes vorgegebenes Programm, das unhinterfragt als gut und richtig gesetzt wird, dies gilt es um jeden Preis und koste es Blut und Leben noch so vieler Menschen durchzusetzen, wer dafür ist, ist gut und Freund/in, wer dagegen ist, ist ein/e Feind/in. Toleranz, Verständigung, Zuhören, Vermittlung von Interessen all das gilt als schwach, als Akt der Unterwerfung, Gewaltverzicht gerät unter den Generalverdacht des Verrates an der guten Sache, weil wer nicht für „die gute Sache“ kämpft mit allen Mitteln und bewaffnet bis an die Zähne, ist gegen die gute Sache, damit auf der Seite der Bösen auf der Achse-von-Gut-Böse. So denken Militaristen/innen – ihr Denken ist menschenverachtend und ihre Sprache ist Gewalt. Das Definitionsrecht, also das Recht darüber zu bestimmen, was die „gute Sache“ ist sehen die Konfliktparteien jeweils bei den befehlshabenden Eliten und Autoritäten ihrer Seite. Programme kennt man vom Fernsehen, da muss man nicht weiter nachdenken. Das, was Anspruch hat (Toleranz, Wertschätzung, Wohlwollen, konstruktive Kritik, Diskurs (also das Gespräch, der Austausch in der gesamten Bedeutungsvielfalt von Wortwechsel bis hin zum positiven Wortstreit), Zuhören, Interessen raushören können, Konsenswege gehen, Kompromisse suchen, Schlichten, Vermitteln) – gilt Menschen, die für ihre (Gruppen-)Identitätsstiftung auf schlichte schwarz-weiße Schablonen und Durchsetzungsszenarien angewiesen sind, als Schwäche. Das kommt in ihrem Heroismus nicht vor, da gibt es nur dumpf – Gut und Böse, Bösewichte und Helden/innen.

Es gibt Situationen, in denen ist bewusstes Handeln möglich, können bewusste Entscheidungen getroffen werden. Wenn z. B. über Militäreinsätze entschieden wird, haben alle Raum und Zeit ihre Entscheidung bewusst zu erwägen, sind sie aus ethischer Sicht verantwortlich – für das Blut an ihren Händen ---- oder wenn von fundamentalistischen Extremisten/innen zu Morden aufgerufen wird, gehetzt wird, ist das ein aus ethischer Sicht verantwortliches Handeln, sind auch sie aus ethischer Sicht verantwortlich für das Blut an ihren Händen. In Ausnahme- und Extremsituationen (z. B. in Unglücks- und Katastrophensituationen oder im Inferno des Krieges) wird der ethische Entscheidungs- und Handlungsspielraum extrem klein und eng. Aus ethischer Sicht ist dann vor allem eines - nämlich Demut angezeigt und nicht das moralische Richten aus dem warmen weichen Sessel in Freizeitstimmung, weil kein Mensch weiß, wie er bzw. sie reagieren würde in einer Situation, in der Lebensgefahr besteht. (Ich mag die moralisierende Ethik und die ewig grausame Moral nicht (auch mit Blick auf lange Entscheidungszeiträume nicht, weil ich glaube nicht, dass Menschen aus Böswilligkeit Kriegseinsätzen zustimmen oder aus Böswilligkeit dummes Zeug über Revolution quatschen (dabei Menschenrechte und Grundgesetz, die Verfassung und alle Foren des herrschaftsfreien Diskurs mit Füßen treten – so als gäbe es das alles nicht, so als lebten wird in Zeiten des Feudalismus und aus purer Revolutionsromantik kennen sie nur einen Weg – den des bzw. der selbstherrlichen Helden/in, die Blut vergießt), sondern das alles geschieht aus Ignoranz und Unwissenheit – wie es der Buddhismus sagt, sie meinen, das, was sie tun, wäre gut, in Wahrheit vergießen sie Blut mit ihrer Moral) Die Vorstellung, dass aus Schlachten Helden/innen hervorgehen – ist krank. Der ganze Helden/innen-Kult ist krank. Die Vorstellung von Kämpfen, in denen Gut gegen Böse antritt, ist krank. Man kann das nicht besser erklären als mit dem Begriff der Ignoranz, weil natürlich wollen diese „Kämpfer/innen und Helden/innen“ alle das Gute, aber sie merken nicht (und darin besteht die Ignoranz), wie sie genau dadurch erst Leid und Unrecht in die Welt bringen, sie sehen sich selbst als die Gerechten, machen sich zu Kämpfer/innen für die gerechte Sache und begehen Ungerechtigkeit, morden und verletzen, statt Konflikte zu lösen. Was zudem oft gar nicht diskutiert wird – und die ganze hohle Rede von der Helden/innen-Ehre, schnell unterminieren würde – ist eben wie gesagt die Frage, wie bewusst Menschen überhaupt in Extremsituationen handeln – vieles deutet darauf hin, dass in Extremsituationen auch das Gehirn auf Ausnahmezustand schaltet, Menschen unter Schock und nicht willentlich handeln. Das gilt im positiven wie im negativen Sinne: Wer mit Menschen spricht, die z. B. in einer Unglückssituation ein Menschenleben retteten und dabei ihr eigenes Leben riskierten, hört oft den Satz, dass sie in dem Moment an gar nichts gedacht hätten, sondern einfach nur gehandelt hätten, sie sehen es selbst oft gerade nicht als Verdienst, sondern beschreiben Gefühle von einfach nicht anders können. Andere, die in Extremsituationen (oft sogar wider allen Trainings- und Übungsszenarien) Fehlentscheidungen trafen, sagen sie hätten überhaupt nicht mehr entschieden, Panik empfunden oder in Schock agiert alles nur noch wie im Film wahrgenommen, als unwirklich usw. Es gibt außerdem displacement activities, sog. Übersprungshandlungen, die ein biologisch verankerter instinktiver Schutzmechanismus sind. Ich finde den ethisch wertenden Ton am Ende des Sabotagebuches, das Jakob Augstein mit dem wiedergegebenen Dialog Schettinos, dem Kapitän der „Costa Concordia“ und dem Kommandanten der Küstenwache Gregorio de Falcos beschließt, mit Blick auf das gewählte Beispiel nicht gut, weil jede/r von uns, froh und dankbar sein muss, wenn er nie in eine vergleichbar Situation kommt und keine/r weiß, wie er bzw. sie reagieren würde.

Gänzlich abstrus wird es, wenn man, wie andere Autoren/innen das tun, militärische Kontexte heranzieht und ausgerechnet im Krieg, im unmenschlichsten Zustand überhaupt, Helden/innen ausmachen, eine Ethik der Guten aufmachen will: Und was ist mit Kriegshelden/innen – gibt es die überhaupt?! Das sind die, welche besonders tapfer kämpften, Menschen -„Feinden/innen“ töteten und dadurch andere Menschen - „Freunden/innen“ zur Durchsetzung ihrer Interessen verhelfen wollen. Wer Feind/in und wer Freund/in ist, hängt lapidar von der Seite ab, auf der jemand im Schlachtfeld steht, weil auf beiden Seiten stehen Menschen, Menschen, die Geliebte sind, Eltern sind, Kinder haben, selbst Kinder ihrer Eltern sind, Familie und Freunden/innen zuhause zurückgelassen haben. Soldaten/innen töten Menschen. Sie sind trainiert das zu tun. Krieg ist ein menschenverachtender, zynischer Irrwitz. Auf dem Feld sterben als erste die, welche nicht schießen und nicht töten können, die gibt es, die es einfach nicht übers Herz bringen. Wenn es überhaupt „Helden/innen“ in Kriegen gibt, dann vermutlich tote Helden/innen. Andere drehen im Laufe der Zeit durch, werden wahnsinnig, weil sie das Leid auf den Schlachtfeldern nicht ertragen, kriegen irgendwann einen Koller. Manche werden von den eigenen Leuten in Extremsituationen, in denen sie die Nerven verlieren, umgebracht. Andere kommen an die Grenze des Erträglichen, laufen aus Verzweiflung schutzlos dem Hagelfeuer entgegen in den gewissen Tod. Schließlich gibt es Soldaten/innen, die kämpfen wie eintrainiert. Wenige von ihnen sprechen offen und ehrlich darüber, was in ihnen während der Kampfeinsätze vor geht: diese Menschen berichten von einem Zustand, der alles unwirklich erscheinen lässt, einem Art Rausch, einer Verzerrung ins Irreale, manche beschreiben funktioniert zu haben wie ein Automat, eine Maschine usw. Sogar Sätze Wie: „Irgendwann fängt man an, es zu genießen.“ sind zu hören. Blindes Töten.----- Und Helden/innentaten!? Einer dem militärische Ehren zu teil wurden, weil er sein Leben riskierte für die Rettung anderer, sagte er hätte nicht die Kraft dazu gehabt, er hat es nicht entschieden, einfach getan, nichts überlegt, es sei einfach geschehen – ohne dass er bewusst etwas dazu tat. Wie passen solche Aussagen in irgendwelche Helden/innen-Epen über den Krieg, in Erzählungen von Gut und Böse? – Gar nicht! Krieg ist eine Extremsituation, es ist fraglich, inwieweit Menschen in solchen Situationen überhaupt bewusst ethische Entscheidungen treffen können. Und sollte es tatsächlich Helden/innen in Kriegen geben, so werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit nie etwas von ihnen hören, weil sie bereits in den ersten Schlachten fallen, da sie es nicht über das Herz bringen zu schießen. Schon alleine deshalb, ist der ganze Helden/innen-Kult höchst zweifelhaft, noch fraglicher ist er aber mit Blick auf das dahinterliegende Weltbild, das eine Achse-von-Gut-Böse aufmacht, Feindbilder aufmacht und Unfriede stiftet.

Stattdessen in den Blick kommen müssen, ungerechte Strukturen und Konfliktdynamiken. Es geht um die Lösung von Konflikten und es geht um die Schaffung friedlicher und gerechter Strukturen. Frieden ist ein Weg und nicht das Endresultat von Kriegsschlachten und blutigen Revolutionen. Zwang, Gewalt, Revolution, Krieg ist nur in militanten Ideologien, unter einem verengten und eindimensionalen Geschichtsblick, der an Herrschaft und Unterwerfung orientiert ist, der sich der Perspektive anderer Kulturen verweigert, und einseitige Machtinteressen aus Positionen der Übermacht heraus sieht, für etwas gut (nämlich für eine partikulare egoistische Interessensdurchsetzung!), ansonsten für gar nichts gut. Jede/r halbwegs vernünftige Mensch mit Herz und Verstand – wird im Krieg nichts anderes sehen als eine Barbarei.

Gewalt und Heldenkult

Die Konservativen haben ihre Helden/innen-Inszenierungen, in denen sie sich einen Kehricht um die demokratische Legitimation ihres Tuns scheren (da spielen z. B. Bündnispflichten (aus Verträgen, über die nie demokratisch abgestimmt wurde -- und die Vertragswerke darstellen, die manche Völker inkludieren, andere exkludieren eine Rolle (exlusive Clubverträge über Clubgüter sind das (!) (Joseph Nye definiert „Clubgüter“ als Güter, die nur Mitgliedern verfügbar sind (Streugüter wie Sicherheit oder Handelsabkommen werden so zu Clubvorteilsgütern, die nur auf den Nutzen weniger angelegt sind (wenn man auch den Rest seiner Macht- und Strategiebücher sehr in Frage stellen muss, an dieser Stelle ist er – genial, dass er das so offen benennt(!), leider wird die Kritik nicht laut weitergedacht und er schreibt dann ein paar Passagen später gleich wieder über seine eigenwillige Mischungen aus harter und weicher militärischer und anderweitiger Machtkombinationen!)). Jedenfalls in der realen Macht-Politik spielen Bündnis- und Clubdenken die weitaus größere Rolle als der Wille der Mehrheit der (Welt-)Bürger/innen), da werden Eliten durch Eliten (also durch sich selbst) ernannt und bemächtigt (Jobwechsel von der Politik in die Wirtschaft oder große Organisationen usw.), Handlanger/innen der Macht konditioniert: Kriegs-Helden/innen mit Orden beheftet und Handels-Abkommen, die unser aller Kinder Zukunft betreffen, vorbei an den Bürger/innen, die nach dem Demokratieprinzip aktiv am Diskurs und bei der Entscheidungsfindung beteiligt sein müssten, von den Repräsentanten/innen der Scheindemokratien paternalistisch verhandelt und unterzeichnet und die linken militanten Vorreitertrupps haben durchhaus auch ihre Formen des Heroismus und der Bevormundung, bei denen nicht weiter nach der demokratischen Legitimation des Handelns gefragt, sondern Revolution versuchsweise verordnet wird. Da heißt es dann bei der extremen und gewaltbereiten Linken, auf die Arbeiter/innen könne man nicht hoffen, die seien konsum-befriedet und „revolutionsuntauglich“, es braucht eine kämpferische Avantgarde. Das ist undemokratisch! Auf die Idee, dass die Bürger/innen mündig sind, die Idee sie ernst zu nehmen kommen die Eliten erst gar nicht, sie halten die einfachen Menschen für politikunfähig nicht zu einer Meinung und Entscheidung fähig, – die Eliten regieren über die einfachen Menschen nicht für und nicht mit ihnen. Das Agieren der konservativen wie linken Eliten ist undemokratisch, selbstherrlich und bevormundend!

Gewalt ist Gewalt und weder linke noch konservative Eliten haben das Recht, dem Rest der Menschheit ihre Exklusivideologien und Gewaltkurse aufzuzwingen: Zwischen Spionage und Gegen-Spionage (das ist auch Spionage), Gewalt und Gegen-Gewalt (Gewalt gegen die Gewalt – ist auch Gewalt). Und jede Seite rechtfertigt die Gewalt mit all dem Guten, dass sie irgendwann für die Menschheit erreichen werden, all den hohen und edlen Zielen: Demokratie, christlich-abendländischen Werte, eine klassenlose, kommunistische Gesellschaft (irgendwann, irgendwann, nirgendwann – bis dahin Gewalt, um zu…) bis dahin Bomben und Bonbons: die Bomben und Bonbons der COIN-Strategien und die Bomben und Bonbons der Freiheitskämpfer/innen. Das Paradies oder die bessere Welt – winkt Dir und Deinen Liebsten in den Krieg, ins Grab, Deine Kinder verbluten auf Schlachtfeldern, doch das große Kriegsversprechen lautet: dann wird es gut, besser sein ----- und nach dem Krieg, kommt ein anderer Krieg, das lehrt die Geschichte. Wann werden die Menschen für immer einen Strich unter alle Kriege ziehen, wann werden sie sich nicht mehr durch falsche Versprechen zur Gewalt verleiten lassen – es gibt keine „gute Sache“, die es wert wäre Blut zu vergießen. Die Liebe ist alles und die Liebe will Leben und nicht den Tod. Eine Mutter, ein Vater will, dass ihr/sein Kind lebt und in eine Zukunft des Friedens geht. Der Liebste will die Liebste in Armen halten und nicht Blumen auf Gräber tragen. Und Großeltern wollen ihre Enkel/innen wachsen sehen, vorlesen, Geschichten erzählen und in unbeschwerte Leuchteaugen sehen.

links wie konservativ

links:

Die revolutionswütige Linke - beansprucht links zu sein mit einem gewissen Ausschließlichkeitsanspruch, die Rezeption erfolgt selektiv: die pazifistischen linken Denker/innen (die Saint Simonistinnen, Zetkin, Addams, Luxemburg…) werden vernachlässigt, um nicht zu sagen, weitgehend ausgeblendet, um nicht zu sagen belächelt, manchmal auch diffamiert. Marx (und Lenin) über alles. Aber auch bei der Marx-Rezeption wird ausgeblendet: Warum fangt Ihr nicht mit dem an, was er wollte: Jede/r nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen?! Und zwar nicht am Ende aller blutigen Schlachten und am Ende aller Zeiten, sondern heute noch, jetzt! Warum fangt ihr nicht jetzt damit an? Warum wird das nicht zum Weg gemacht?

Herrschaftsfreier Diskurs – und überall unsichtbare Barrieren und Mauern? Dort lästert Ihr über die Macht- und Geldeliten, die Bänker/innen usw., diese Kritik ist ethisch angezeigt und wichtig, aber anderntags ist Euer eigener Kreis so erlaucht und erlesen, so intellektuell abgehoben, dass die, um die es eigentlich gehen sollte, mehrheitlich freiwillig fern bleiben – nämlich all jene, denen das linke Denken gelten sollte – einfachen Menschen, dann redet ihr über sie, nicht mit ihnen. Das Phänomen der verordneten Revolution – den Revolutionsfaulen ---- findet sich in vielen avantgardistischen linken Kreisen in Variationen wieder.

75 % der Europäer/innen lehnen aber laut Studien Gewalt und Krieg als Mittel politischer Interessensdurchsetzung ab! (Zaki Laidi (Garnet Policy Brief 11) - Und wenn es konservativen und linken Militaristen/innen noch so ein Dorn im Auge ist! Die Mehrheit der Europäer/innen ist pazifistisch eingestellt!) Werdet erst einmal Demokraten/innen, ehe Ihr in Eurem avantgardistischen Eigendünkel von Ideologie quatscht!

wie konservativ:

Christliches Abendland und weder die Liebe Jesu noch der Logos der antiken Philosophie liegt den christlichen Militaristen/innen. Die Demokratie kommt mit den Drohnen und die christlich-abendländische Werte werden zur Legitimation von Kriegen missbraucht. Tolle Christenheit! Tolles Abendland! Das christliche Abendland selbst hat die Aufklärung verraten und die Freiheit und die Liebe verraten!

links wie konservativ:

Es setzen sich auf jeder Seite anscheinend die Extremisten/innen durch. Die Pazifisten/innen auf allen Seiten, werden ausgeblendet: Bertha von Suttner, Clara Zetkin, Jane Addams, Anita Augspurg, L. G. Heymann, Rosa von Luxemburg – ausgeblendet werden damit auch die Frauen, die Frauen des antimilitaristischen Kampfes, die Frauen, des europäischen Aufrufs gegen den Krieg, die Frauen der internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit….

weniger trennende Kisten - und mehr Verbindendes

Kisten – links und konservativ usw. trennen (wo Verbindung viel wichtiger wäre), sie tragen auch nicht dazu bei Menschen zu befreien, sondern lediglich dazu Menschen Ideologien unterzuordnen. Schluss mit dem Militarismus! Schluss mit dem Extremismus! Mehr Mut zu Pazifismus: Und auf allen Seiten – links wie konservativ gibt es Menschen, die sich für die Freiheit, für die Liebe, für Verständigung, Versöhnung und für den Frieden einsetzen. Es gibt auf der linken wie auf der konservativen Seite Menschen, die sich einsetzen für Flüchtlinge, für Verfolgte und Menschen, deren Menschenrechte verletzt wurden, Kriegsopfer und Notleidende – aber im Unterschied zu den Militaristen/innen schaffen die Pazifisten/innen keine neuen Leidtragenden. Im Gegensatz zu der gewaltbereiten Linken und gewaltbereiten Konservativen instrumentalisieren sie das Leid der anderen nicht für ihre ideologischen Zwecke. Im Gegensatz zu den Militaristen/innen geht es ihnen nicht um Durchsetzung und Unterordnung, sondern den Pazifisten/innen geht es um Befreiung und eine Freiheit, die Freiheit achtet. Sie stehen nicht mit der Bibel bzw. dem Manifest da, nutzen die Not der anderen nicht für die Überstülpung eines ideologischen Überbaus, missbrauchen das Leid nicht für christliche oder marxistische Missionierungszwecke, sondern handeln nach den Maßstäben der Menschlichkeit und Liebe, sie befreien aus der Not – ohne dass der Rettungsring zur neuen Fessel wird.

links wie konservativ -- braucht es eine Umkehr! Und eine Rückbesinnung auf das Wesentliche:

Weder die frühen sozialistischen Feministen/innen noch Jesus und die Seinen, verübten Zwang und Gewalt. Sie waren nicht missionarisch, sondern es waren Bewegungen, die positiv das lebten, was ihnen bedeutete und die die Freiheit der anderen achteten.

links

Die frühen Sozialisten/innen waren Kriegsgegner/innen und kritisierten Militarismus. Sie gingen einen Weg der Freiheit, der Freiheit achtet. Liebe für alle.

wie konservativ

Jesus nahm den Reichen zwar in Verantwortung, aber als dieser an seinem Geld festhalten wollte, sah er in ihm den Armen, dem sein Mitleid galt, weil dessen Leben durch Geld- und Machtbeziehungen dominiert war, nicht aber auf der Basis von Freiheit und Liebe stand. Für Jesus war der Reiche arm. Jesus sah diesen Menschen mit den Augen der Liebe, er warf ihm keinen Pflasterstein an den Kopf für eine klassenlose Gesellschaft, sondern signalisierte sein Mitgefühl. Jesus lebte das, woran er glaubte, eine klassenlose Gemeinschaft, diese Gemeinschaft war offen, aber niemand wurde hineingezwungen oder missioniert. Er lebte Freiheit und Liebe. Er zwang ihn nicht mit Gewalt, sondern er ließ ihn in Frieden gehen und fühlte Traurigkeit und Mitleid mit ihm.

Jesus lebte Kommunismus, er mordete nicht dafür und er zwang niemanden, Jesus verübte auch keine strukturelle Gewalt. Er war kein Mann des Rechts und kein Mann der Macht, er war ein Mann der Freiheit und Liebe. Es gab eine Gemeinschaftskasse, gemeinsame Arbeit (Szenen auf dem See beim Fischen), Armen und Kranken wurde geholfen, niemand wurde weggeschickt, es gab Feste der Begegnung, es gab eine lebendige Gemeinschaft, eine Bewegung, niemand wurde ausgegrenzt, aber auch niemand wurde mit Gewalt in ein System gezwungen, niemand enteignet, niemand diffamiert, niemand bekämpft. Jesus war kein Mensch der Macht, kein Mensch des Gesetzes, kein Mensch der Regeln und kein Mensch des Geldes. Er war ein Mensch, der mit Regeln brach, der befreite, der liebte. Er war Pazifist. Jesus war ein Mensch der Freiheit und der Liebe: Selbstliebe und Nächstenliebe. Ein Mensch des Verzeihens und der Versöhnung und des Friedens.

Es kann und darf echt nicht sein -- was da in Hamburg passierte: Pflastersteine, Schlagstöcke, Böller und Rauchbomben, Pfefferspray und Wasserwerfer – und Polizisten/innen und Demonstranten/innen liefern sich Straßenschlachten (es geht nicht um die Frage, von Rechtfertigung von Gewalt (die haben aber Zuerst-Aussagen!) – sondern Gewalt ist ein NO-GO (mir kommt echt das kalte Grausen, wenn ich manche Kommentare auf Zeitungsplattformen und im Internet allgemein lese (manche Kommentare sind nur dazu da, die Gewalt der Seite, mit der jemand sympathisiert zu rechtfertigen, das kann es echt nicht sein, Kälte für die Opfer der jeweils anderen Seite, Schimpfwörter und Beleidigungen – wie kalt und zynisch ist das alles? Sätze des Mitgefühls für die Opfer auf beiden Seiten, muss man echt suchen! Bzw. vielleicht ist das genauer formuliert – es gibt sie, aber sie gehen unter wie Blümchen zwischen den Gewaltaussprüchen mancher Brutalos. Ich hab die letzten Tage so viel geschluckt beim Lesen. Kann das teilweise alles gar nicht fassen! Das ist so unglaublich, was da szenenweise abgeht! Herzlos und kalt!)

Eskalation und Gewalt ist nicht der Weg! Es geht darum, dass das alles einfach nicht sein kann und nicht sein darf, dass es so eskaliert! Politische Auseinandersetzungen dürfen nicht so eskalieren – wir brauchen Foren, die herrschaftsfreien Diskurs möglich machen und leben und Wege der politischen Entscheidungsfindung, die demokratisch sind und mit wechselseitiger Achtung und Anerkennung zu tun haben – und jede Form von Gewalt muss geächtet werden!

Derartige Eskalationen dürfen sich nicht wiederholen! Ca.120 verletzte Polizisten/innen, 19 davon schwer (SZ), ca. 500 verletzte Demonstranten/innen, davon 20 schwer (TAZ) - mir tun sowohl die verletzten Polizisten/innen und ihre Familien als auch die verletzten Demonstranten/innen und ihre Familien leid. Verletzungsfolgen können das ganze Leben von Menschen beeinträchtigen.

Keine noch so gute Sache der Welt – rechtfertigt es, Gesundheit und Leben anderer Menschen zu gefährden. Gewalt ist ein NO-GO! Es muss doch möglich sein, dass im 21. Jahrhundert erwachsene Menschen friedlich an den Tisch der Verhandlung finden und Interessen aushandeln mit Verstand und Herz -- mit Argumenten, Mitgefühl und Verständnis für die jeweils andere Seite und dem Willen zu einer Verständigung!

Es gibt über alle Kisten hinweg (links, konservativ) und über alle Grenzen hinweg so viele Organisationen, Projekte, Vereine, Bewegungen und Menschen, die sich auf friedlichem Weg für z. B. die Anliegen der Flüchtlinge und ein Bleiberecht einsetzen, die sich auf friedlichem Weg für eine andere und sozialere Wohnungspolitik einsetzen, für die alternative Kulturszene einsetzen – und bzw. oder für den Dialog und Austausch der Kulturszenen miteinander einsetzen! Gewaltbereite Krawalltrupps und extremistische Linke schaden den Bemühungen all jener Menschen, die sich auf friedlichem Weg einsetzen und engagieren, und schaden den Inhalten und Anliegen, um die es eigentlich gehen sollte, die dann nur noch im Sumpf der Gewalt untergehen! Leute, die sich ausgerechnet auf dem Weg von Gewalt für Freiheit einsetzen, verraten die Freiheit!

Es muss an Strukturen und Plattformen der politischen Beteiligung und Entscheidungsfindung gearbeitet werden, die derartige Eskalationen verhindern, rechtzeitig deeskalieren, die Inhalte, die Anliegen müssen das Geschehen bestimmen. Dynamiken und Spiralen der Gewalt negieren jede Form von akzeptabler politischer Auseinandersetzung und schaden den Inhalten und Anliegen, um die es eigentlich gehen sollte. Menschen reagieren in Situationen der eskalierenden Gewalt, auch nicht mehr rational und besonnen, sondern irrational. Und das, was Teile der extremistischen Linken und touristische Krawall-Demonstranten/innen abziehen, schadet der pazifistischen Linken!

Es geht alles darum, dass Menschen Menschen begegnen friedlich an einem Tisch Interessen auf Augenhöhe verhandelt werden und herrschaftsfreier Diskurs gelebt wird.

Es geht um die Anliegen:

der Flüchtlinge, um ihr Bleiberecht

die Frage der Esso-Häuser

das Kulturzentrum der Roten Flora

und allgemein um die Eröffnung fairer Asylverfahren für alle Flüchtlinge

um Menschenrechte und Flüchtlingsschutz

um das Ende der Rückschiebungspolitik Italiens, um die Forderung einer Beendigung der bilateralen Kooperation zur „Bekämpfung von illegaler Migration“, im Rahmen derer die italienische Grenzpolizei immer wieder Flüchtlinge abschiebt, die somit noch nicht einmal die Chance bekommen einen Asylantrag zu stellen

es geht um das Ende der Push-Back-Praxis mit der die griechische Küstenwache immer wieder Flüchtlingsboote auf das offene Meer zurückschiebt

und das Ende der widerrechtlichen Inhaftierungspraktiken

die Dublin II-Verordnung muss einer faireren Verordnung weichen, die alle europäischen Staaten stärker in die Verantwortung nimmt.

Es gibt genug Möglichkeiten auf friedlichem Weg zu helfen und politisch aktiv zu werden. (ai, cap anamur, europe-borderline etc. setzen sich auf friedlichem Weg ein)

Das gleiche gilt für die Frage nach mehr Teilhabegerechtigkeit allgemein (faire Mietpreise etc., Teilhabe an Bildung, Kultur). Es gibt zahllose Organisationen, Initiativen und Vereine, die sich auf friedlichem Weg engagieren.

Und viele Projekte setzen sich auf friedlichem Weg für den Erhalt der alternativen Kulturszene und für alternative Kulturprojekte ein oder bemühen sich um den Dialog und Austausch der Kulturszenen. An vielen Orten wurde die alternative Kulturszene auf friedlichem Weg gerettet!

Es geht um die Frage wie man/frau gemeinsam ein Gemeinwesen gestaltet, in dem alle ihren Platz finden und mit gestalten können.

Es geht um interkulturelle und interreligiöse Projekte und über die Grenzen der Stadt hinaus, um den Dialog der Kulturen.

Und es geht um die Verantwortung, die im Kleinen beginnt, gemeinsam Beiträge zur Bewältigung der Aufgaben des 21. Jahrhunderts zu leisten.

Es gibt so viele Möglichkeiten sich friedlich für eine bessere Gesellschaft und Welt zu engagieren - jede/r, der bzw. die sich engagieren will, wird Projekte und Wege finden, dies friedlich zu tun:

Gesucht:

Demokraten/innen, die NICHT mit Waffen und Gewalt für Demokratie sprechen, sondern Demokratie leben.

Christen/innen, die NICHT Macht im Namen von Moral und blinder Rechtsgläubigkeit verüben, sondern die Freiheit leben, Freiheit achten und Liebe leben: Selbst- und Nächstenliebe.

Demokraten/innen, die NICHT auf Zwangs-, Durchsetzungs- und Machtwege der staatlichen Machtapparate setzen, sondern auf demokratische Strukturen, Konfliktlösungsverfahren, Interessensvermittlung und Verständigungs- und Versöhnungsarbeit.

Linke, die sich an den Geist der frühen sozialistischen Feministen/innen erinnern:

„Nie mehr Krieg, nie mehr nationales Gegeneinander, Liebe für alle!“

Ein Europa, dass seiner Vision gerecht wird: „Nie mehr Krieg, nie mehr Auschwitz“. Ein Europa, das NICHT mit Waffen spricht – und KEINE Mauern aufbaut, sondern sich öffnet und zu einem Friedensbotschafter auf der weltpolitischen Bühne wird.

Wie selten sind die Menschen, die Konflikte lösen, Interessen vermitteln, für Verständigung arbeiten, Versöhnung erwirken - - wie sehr muss man sie suchen?

Wo seid ihr?! Die Mehrheit der Europäer/innen lehnen laut Studien Gewalt als Mittel politischer Interessensdurchsetzung ab.

Lasst nicht zu, dass Eure Städte in Gewalt versinken, lasst nicht zu, dass einzelne Polizisten/innen auf wehrlose Demonstranten/innen einschlagen, urteilt aber auch nicht pauschal über alle Polizisten/innen (weil das ist nicht fair gegenüber der Mehrheit der Polizisten/innen, die friedlich ihren Dienst tut), durchbrecht die Gewaltspirale, lasst nicht zu, dass gewaltbereite Extremisten/innen und Krawall-Demonstranten/innen Eure Demonstrationen missbrauchen für ihre Akte der Zerstörung und Gewalt, lasst nicht zu, dass sie Polizisten/innen verletzen, und Eure Demonstrationen und Interessen instrumentalisieren für ihre ideologischen Zwecke.

Ich glaube daran, dass die Mehrheit sowohl der Polizisten/innen als auch der Demonstranten/innen und alle beteiligten Akteure friedliche Wege gehen möchte, setzt Euch ein für gewaltfreie Wege, für eine Interessensvermittlung, herrschaftsfreien Diskurs, Konfliktlösungsprozesse, Verständigung und Frieden.

Gesucht – Demokraten/innen und Pazifisten/innen.

Wo seid ihr?

Schöne Grüße auch

Daniela Waldmann

(ps – dieser Text versucht benutzte Fremdworte in Klammern zu erklären, ich glaube ich habe einige vergessen, ich möchte gerne für alle Menschen verständlich schreiben, weiß nicht, ob es mir glückt, hoffe es.)

05:34 30.12.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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