eine Revolution der Liebe

sex and more! Die sexuelle Revolution war cool. Wir sind frei – frei Sex zu machen. Aber auch frei zu lieben?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

https://farm3.staticflickr.com/2915/14457069641_fe82b882eb_n.jpg

Es braucht eine neue Revolution, eine Revolution der Liebe.

Vorsicht diese Revolution ist politisch!

Es geht um das unpolitische Wort Liebe, das schon alleine deshalb politisch ist, weil es ein Wort des Widerstandes gegen alle Macht ist. Weil Liebe sich aller Macht entzieht, sich Macht widersetzt – weil Liebe ein Kind der Freiheit ist.

Sexuelle Revolution: Eine Bestandsaufnahme

Die sexuelle Revolution war wichtig. Die verlogenen institutionellen und machtbesetzten Strukturen, die mit Staatsmacht und Kirchenmacht verkettet waren, sind aufgebrochen.

Wir sind frei zu lieben. Halt, nein, wir sind frei Sex zu haben. -- Aber zu lieben?

Außerdem wurde die sexuelle Revolution okkupiert, okkupiert von Märkten. Es war von sexueller Befreiung die Rede, aber doch wohl nicht von einem Sex, der als Verkaufsmotor für Automarken und Deoflaschen gilt - und über die Scannerkassen rollt? Es war nirgendwo die Rede davon, tätowiert Euch einen Strichcode auf den Po und setzt Euch auf die Scannerkassen, biep. Es ging um Hausbesetzungen! Um Ausbrechen aus verkrusteten institutionellen Strukturen. Es ging um Freiheit und Liebe.

Sex, so etwas ähnliches wie Freiheit und Liebe?

Und dann kam Albert et al. mit Handschellen und Verlobungsringen -- und die Märkte.

Serielle Monogamie. Seither liegen wir mit wechselnden institutionellen Ehepartner/innen auf Damastbettwäsche und tun es nach Anleitungen -- so etwas Ähnliches wie Sex-Comics (machen?), kopieren.

Wir bedienen unsere Freiheit von der Stange.

Freiheit! Juhu!

Sie hat mehrere Farben, ist entweder schwarz oder Lack.

Freiheit! Yeah! Yeah!

Die Freiheit Pornos zu gucken, den Film im Kopf zu haben und ihn nachspielen.

Wir sprechen regelmäßig mit unseren Sextherapeuten/innen, weil wir uns nichts mehr zu sagen haben.

Drehen den Fernseher an, damit wir uns nicht sehen müssen.

Auch dort quatschen die Sextherapeuten/innen, und machen Werbung für Bücher, Videos und Plastikstuff, alles sehr nützlich, handelsüblich gebräuchlich und sie sagen uns, wie es besser geht. Hast Du die Bestellnummer notiert, die wollen Geld verdienen! Los tu ihnen den Gefallen! Treib es ……….. an das Geschäft!

Tipp: Wenn man/frau Menschen in der Komplexität nicht mehr erträgt, also mit Gefühlen und all so einem Kram, dann reduzieren Sie sie einfach auf die Geschlechtsteile!

Ich hab mir gestern ein Heft gekauft mit einem großen Phallus drauf, dann muss ich nicht so viel an Dein menschliches Antlitz denken.

68 und dann?

Die sexuelle Revolution war echt wichtig, aber irgendetwas im Nachgang ging gründlich schief. Manchmal denke ich mir -- die 68-er/innen, also meine Eltern- und Lehrer/innen-Generation, liefen vor ihrer eigenen Freiheit weg. Das Kommunenleben war lustig. Erst befreiten sie sich mutig von den institutionellen Zwängen und dann packten sie alles, was sie sich an Freiheit geschaffen hatten, in Schachteln, schrieben Sex drauf und hauten es auf den Markt.

Ihr ward es auch, die unsere Studien reformierten, uns in der Dauerpraktikaschleife abhängen ließen und von uns erwartet habt, dass wir Kredite für das Studium aufnehmen, mit 19 New-Ekonomy-Spezialisten/innen sind und nach der Schule, nicht zum Studium, sondern nochmal in die Schule gehen sollten. Wir sind aufgewachsen in einer Welt, in der wir Sex mit Neonröhren assoziieren sollten und mit Leuchtreklame.

Eine andere Revolution

Wir haben unsere Revolution dann anders gemacht, nicht so laut, nicht so schrill.

Wir haben heimlich und subversiv Gedichte gelesen, damit Ihr uns dabei nicht erwischt! Und uns zynisch ins Lächerliche zieht! Ha, Liebe! Ihr ward wahnsinnig laut.

Und dem Schmetterling sollte die Farbe nicht abgehen. Wir mussten unsere Ideen in der Stille tragen, weil sobald wir einen Satz halblaut sagten und die Idee gut war, gab es einen Markt dazu, den Ihr gemacht habt. Wenn wir eine Idee hatten, dann habt Ihr den Buchmarkt oder irgendeinen anderen Markt aufgerissen, sie rausgehauen in Eurem Namen, war sie futsch.

Eure Revolution und Eure sexuelle Revolution waren echt gut, aber Ihr habt Sie selbst ins Gegenteil verkehrt. Sie den Märkten geopfert.

Befreit Euch noch einmal!

Es ist gut, frei zu sein von den institutionellen Fesseln, die im Verbund stehen mit Staatsmacht und Kirchenmacht.

Und das ist erst ein Anfang. Befreit euch mehr!

Wir brauchen darüber hinaus eine weitere Revolution:

eine Revolution der Liebe

Wer traut sich denn noch Poesie zu leben?

Freiheit?

Wer traut sich noch charmant zu sein und ein verführerisch geistreiches Gespräch zu wagen?

Es reicht mit cool! Zum Ankreuzen: Willst Du mit mir gehen, ja oder nein.

Wer traut sich noch mit Worten zu tanzen. Das geheimnisvolle Spiel der Annäherung, das berührt?

Genug mit cool: Und pennen, willst Du dann wenigstens mit mir pennen?

Ein Hauch.

Wer hat noch den Mut zu Schmetterlingen? Erzittern, Herzschlag und Atem? Hoffen und Sehnsucht, Gesten und Erfüllung, Tränen und Leidenschaft?

Hab Schluss gemacht. Cool, das hättest Du längst tun sollen. Schluss mit cool.

Was machst Du jetzt? Ein Tabu brechen. Tabubruch Liebe.

Und was sagt der Verstand dazu?

Und das Herz? Mut zu fühlen. Mut zu lieben.

Fern

öffnen sich Blüten

ein flüchtiges Lächeln

auf Distanz

vergänglich

Fragen

und

Antworten

flüchtiger Augenblick

Hauch

ihn trug der Sturm fort

zerrissen Stoff

Kleider

Segel

kleiner Schmetterling

im Hagelsturm

er flog ins offene Meer hinaus

erschöpft

in den Morgenstunden

trugen ihn die Wellen fort

seine Flügel berührten

den unendlichen Horizont und glitzerndes Wasser.

Schöne Grüße auch

Daniela Waldmann

Dieser Beitrag gibt die Meinung der Autorin wieder. Die Autorin dieses Beitrags ist eine Frau, auch wenn in der Zeile darunter das Gegenteil behauptet wird. ;-)

09:04 10.08.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 149

Der Kommentar wurde versteckt
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community