Serie: Abwesende Väter: Zeugung und dann?

Teil 1: Geburt: Kreissaal -- da stehen sie nun, die werdenden Väter und halten die Hände der werdenden Mütter, doch wie anwesend sind sie wirklich -- die Väter?
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Knospen, Blüten, Dornen, Knospen, Dehiszenz…..

Ein Mann, den ich kenne, sehr gut kenne, erzählte von der Geburt seines Kindes: „Mir hoat Hand a so weh doa am Schluss zu.“ Zum Kend is eahm eigfallt, dass es ned grad schee ausgschaugt hätt und er aus Höflichkeit zur Muttr gsagt hätt, dass es doch schee sey, um ihr später zu sagen, wira er wirklich über dös Kend denkt, wira es ausgschaugt hat. Immerhin hielt er durch, der Herr vor ihm fiel ohnmächtig in den Instrumentenkasten und musste selbst versorgt werden. Und immerhin hat er sich, obwohl veranlasst durch die Vorerfahrung mit seinem Vorgänger das Krankenpersonal versuchte, ihn erst gar nicht in den Kreissaal zu lassen, damals war das nämlich noch nicht so üblich, dafür eingesetzt, dass er dabei sein darf bei der Geburt, da wusste er das mit der Hand noch nicht und bei der Geburt des zweiten Kindes, war die Erinnerung schon wieder verblasst und er war wieder dabei, trotzdem dass die Hand arg weh getan hat.

Die Frau berichtet von Wehen, Saugglocken- und Dammschnitterfahrungen. Wut auf die Ärzte, die sie damals bei der ersten Geburt nicht aufstehen haben lassen und zwangen auf dem Rücken liegen zu bleiben und gegen die Schwerkraft anzuarbeiten. Im Englischen heißen Wehen übrigens: Arbeit. Genau dieses Wort verwendete sie auch, genaugenommen sprach sie von einer Wahnsinnsarbeit und Schmerzen. Sie hätte zwischendurch an ihre Mutter gedacht, die Welt hätte sie begonnen anders zu sehen. Und sie beschreibt das unglaubliche Gefühl das Kind in Armen zu halten, Glück und Depression, die sich wechselten -- und an einen ziemlich irritiert und verdattert dreinblickenden Vater.

Und ja, da war die Hand. Und die Mutter beschreibt das Gefühl -- wie er und sie das Kind in Händen hielten.

Sex ist erotisch und Geburt ist klinisch?

Wir lernen im Laufe des Lebens alles Mögliche. Wir durchlaufen Schulen, Ausbildungen und Studien.

Aber die einfachsten Dinge lernen wir nicht: Eltern werden.

Geburt.

Zeugung und Empfangen ist voller Sinnlichkeit.

Und dann?

Dann beginnt ein klinischer Prozess aus Untersuchungen, Lesen von Infomaterial, ein Gymnastik- und Ernährungsmarathon. Informationen sind wichtig und Geburtsvorbereitung theoretisch wie praktisch sind wichtig.

Und es hat sich viel getan, z. B. sind heute Heimgeburten mit Hebammen möglich, Geburten möglich in Kliniken, die Wasserbecken und Geburtsräume in gedämpften Farben haben, und niemand wird wie auf der Folterbank mehr gezwungen liegend zu entbinden. Frau kann sich frei bewegen während der Geburt und auf ihr inneres Gefühl vertrauen. Das alles ist gut und ein echter Fortschritt.

Aber irgendwie fehlt noch etwas….

Der Atem, der Geist, die Sinnlichkeit des Aktes von Zeugung und Empfangen.

Die Frauen ziehen sich aus, die Männer stehen im dicken Wollpulli daneben (die Geburt oben fiel in die tiefste Winterzeit), im Sommer vermutlich in Shorts.

Haut und Atem ist wichtig. Nähe. Und mehr als Händchen halten...

Warum kann Geburt nicht ein durch und durch sinnlicher Akt sein? Ein Akt der Liebe?

Liebe Grüße auch

Daniela

22:42 24.06.2014
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