Daniela Waldmann
24.06.2014 | 22:42 26

Serie: Abwesende Väter: Zeugung und dann?

Teil 1: Geburt: Kreissaal -- da stehen sie nun, die werdenden Väter und halten die Hände der werdenden Mütter, doch wie anwesend sind sie wirklich -- die Väter?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Daniela Waldmann

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Knospen, Blüten, Dornen, Knospen, Dehiszenz…..

Ein Mann, den ich kenne, sehr gut kenne, erzählte von der Geburt seines Kindes: „Mir hoat Hand a so weh doa am Schluss zu.“ Zum Kend is eahm eigfallt, dass es ned grad schee ausgschaugt hätt und er aus Höflichkeit zur Muttr gsagt hätt, dass es doch schee sey, um ihr später zu sagen, wira er wirklich über dös Kend denkt, wira es ausgschaugt hat. Immerhin hielt er durch, der Herr vor ihm fiel ohnmächtig in den Instrumentenkasten und musste selbst versorgt werden. Und immerhin hat er sich, obwohl veranlasst durch die Vorerfahrung mit seinem Vorgänger das Krankenpersonal versuchte, ihn erst gar nicht in den Kreissaal zu lassen, damals war das nämlich noch nicht so üblich, dafür eingesetzt, dass er dabei sein darf bei der Geburt, da wusste er das mit der Hand noch nicht und bei der Geburt des zweiten Kindes, war die Erinnerung schon wieder verblasst und er war wieder dabei, trotzdem dass die Hand arg weh getan hat.

Die Frau berichtet von Wehen, Saugglocken- und Dammschnitterfahrungen. Wut auf die Ärzte, die sie damals bei der ersten Geburt nicht aufstehen haben lassen und zwangen auf dem Rücken liegen zu bleiben und gegen die Schwerkraft anzuarbeiten. Im Englischen heißen Wehen übrigens: Arbeit. Genau dieses Wort verwendete sie auch, genaugenommen sprach sie von einer Wahnsinnsarbeit und Schmerzen. Sie hätte zwischendurch an ihre Mutter gedacht, die Welt hätte sie begonnen anders zu sehen. Und sie beschreibt das unglaubliche Gefühl das Kind in Armen zu halten, Glück und Depression, die sich wechselten -- und an einen ziemlich irritiert und verdattert dreinblickenden Vater.

Und ja, da war die Hand. Und die Mutter beschreibt das Gefühl -- wie er und sie das Kind in Händen hielten.

Sex ist erotisch und Geburt ist klinisch?

Wir lernen im Laufe des Lebens alles Mögliche. Wir durchlaufen Schulen, Ausbildungen und Studien.

Aber die einfachsten Dinge lernen wir nicht: Eltern werden.

Geburt.

Zeugung und Empfangen ist voller Sinnlichkeit.

Und dann?

Dann beginnt ein klinischer Prozess aus Untersuchungen, Lesen von Infomaterial, ein Gymnastik- und Ernährungsmarathon. Informationen sind wichtig und Geburtsvorbereitung theoretisch wie praktisch sind wichtig.

Und es hat sich viel getan, z. B. sind heute Heimgeburten mit Hebammen möglich, Geburten möglich in Kliniken, die Wasserbecken und Geburtsräume in gedämpften Farben haben, und niemand wird wie auf der Folterbank mehr gezwungen liegend zu entbinden. Frau kann sich frei bewegen während der Geburt und auf ihr inneres Gefühl vertrauen. Das alles ist gut und ein echter Fortschritt.

Aber irgendwie fehlt noch etwas….

Der Atem, der Geist, die Sinnlichkeit des Aktes von Zeugung und Empfangen.

Die Frauen ziehen sich aus, die Männer stehen im dicken Wollpulli daneben (die Geburt oben fiel in die tiefste Winterzeit), im Sommer vermutlich in Shorts.

Haut und Atem ist wichtig. Nähe. Und mehr als Händchen halten...

Warum kann Geburt nicht ein durch und durch sinnlicher Akt sein? Ein Akt der Liebe?

Liebe Grüße auch

Daniela

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (26)

luzieh.fair 24.06.2014 | 22:53

Das war jetzt eine schöne gute Nacht Lektüre.

Im Geburtshaus hat mein Partner nicht nur meine Hand gehalten. Sondern mich. Er saß, ich kniete vor ihm, umklammerte seinen Schoß und er tönte mit :-)...Der Gute hat ganze Arbeit geleistet.

Übrigens: Gegen das Umkippen wurde den Männern im Geburtsvorbereitungskurs immer wieder angeraten sich etwas zu Essen und zu Trinken mitzunehmen.

hier meine Geschichte.

Gute Nacht!

poor on ruhr 25.06.2014 | 13:46

Liebe Daniela Waldmann,

habe mit Interesse die erste Folge Deiner neuen Serie gelesen.

Den Grundtenor und die Grundüberlegungen der Geschichte finde ich richtig, und mir ist auch klar, dass die jungen Frauen von heute von ihren Männern erwarten, dass sie von diesen bei der Geburt nicht alleien gelassen werden.

Es hat aber schon oft Fälle gegeben , wobei die Männer nicht richtig entkeimt und desinfiziert waren , so dass die armen Babies direkt bei der Geburt fürchterliche schwerwiegende Krankheiten für ihr ganzes Leben (lebenslängliche Vollzeitpflege) mitbekommen haben. Das ist wirklich wahr.

Ich kenne auch ältere erfahrene Frauen, die das Anliegen der jungen Frauen zwar verstehen können , aber wegen solcher Bedenken doch eher der Meinung sind , dass Männer im Kreissaal eigentlich nichts verloren haben. Ich kenne mich mit dem ganzen Thema nicht so aus weil ich keine Kinder habe und 1993 meine letzte Freundin (in diesem voll umfänglichen Sinne) hatte. so dass ich mir dazu noch keine endgültige Meinung gebildet habe. Ich wollte in dem Kommentar nur meine ehrlichen Bedenken anmelden, auch wenn die Geburt natürlich unglaublicher Stress und unglaubliche Schmerzen sein können. Müsste denn die Sicherheit des Kindes nicht über allem anderen stehen oder ist so eine Frage herzlos? Da hast Du mir was zum Grübeln mitgegeben.

Ich hoffe, dass Meine Offenheit in der kritischen Hinderfragung Dich nicht verletzt, denn so ist es ganz und gar nicht gemeint.

Herzliche Grüße

poor on ruhr

luzieh.fair 25.06.2014 | 15:58

Lieber poor on ruhr,

ich bin zwar keine Medizinerin, aber ich wage zu bezweifeln, dass bei einer ("normalen", also unkomplitzierten) Geburt anwesende Personen "entkeimt" werden. Dann wären Hausgeburten oder solche in Geburtshäusern wohl verboten. Und wenn der Vater "verkeimt" zu Mutter und Kind kommt, nachdem die Geburt vorbei ist, könnte sich das Kind ja trotzdem diese Keim einfangen.

Übrigens wage ich zu behaupten, dass es nicht (nur) die Frauen sind, die von ihren Männern erwarten, das sie ihnen beistehen. Sondern eben auch die Männer, die sich wünschen teilzuhaben.

Wichtig ist doch, dass man offen miteinander spricht. Wenn mein Partner mir gesagt hätte, dass er sich nicht vorstellen kann, der Geburt mit solcher Leidenschaft, wie der Zeugung beizuwohnen, hätte ich das blöd gefunden. Aber: ich hätte mir eine Alternative überleght.

Hätte er mir das unter Wehen gesagt, hätte ich -jetzt so postnatal betrachtet- einfach alleine mit meinen Hebammen entbunden. Hauptsache er fährt mich danach nach Hause und kocht mir Essen ;-)

poor on ruhr 26.06.2014 | 11:37

Liebe Luzieh Fair,

vielen Dank für Dein Verständnis. Das mit den Keinem war vielleicht blöd ausgedrückt, aber ich kenne z. B. wirklich einen Fall an dem ein Baby sogar an irgendeinem Mist, den der Vater hatte, empfangen hat und daran sogar kurz nach der Geburt gestorben ist.

Vielleicht hat da aber auch zu sehr die Angst um die Babies aus mir gesprochen. Die Fachleute die bei der Geburt dabei sind werden in der Regel ja auch ein Auge darauf haben und nachfragen ob es beim Vater für das Baby gefährliche Infektions- und sonstige Krakheitsherde durch seine Anwesenheit geben kann.

Ich finde das mit dem Sprechen auch total wichtig. Ich habe ja keine Freundin und schon gar nicht eine schwangere Freundin, aber für den fiktiven Fall, dass es so wäre und mir meine fiktive schwangere Freundin oder Frau sagen würde, dass ich bei der Geburt dabei sein soll, könnte ich mir das auch vorstelllen. Ich würde aber darauf bestehen , dass man mich vorher auf ansteckende Krankheiten untersucht, dass das Risiko kalkulierbar gegen Null konvergiert, auch wenn ich mich aus besagten Gründen zunächst einem solchen Wunsch verweigern würde. ..der Zug ist bei mir aber leider wohl abgefahren. Schnüff. :I

Viele Grüße

poor on ruhr

Viele Grüße

poor on ruhr

Daniela Waldmann 26.06.2014 | 14:19

Liebe Luzi.fair,

freu mich jedes Mal, wenn spannende Kommentare im Thead stehen, und bin von Herzen dankbar für Ihren Kommentar, lieben Dank. Ich las Ihren Link mit Tränen und Schmunzeln im Gesicht und dann überflog mich noch die Poesie (was vermutlich völlig unpassend ist), aber

als ich die Passagen las, die die Zeit nach der Geburt beschreiben, musste ich unweigerlich an Gibran denken, der das zwar in einem ganz anderen Kontext schrieb, aber irgendwie dennoch:

„Es ist dein Verlangen in uns, das unsere Nächte, die dein sind, in Tage zu verwandeln, die ebenfalls dein sind.“ (Gibran)

Ich weiß nicht, ob ich das darf, falls nicht – oder die Fragen zu nah sind, bitte einfach ignorieren, aber ich hab endlos viele Gedanken und Fragen, die mir durch den Kopf schwirren, nachdem ich Ihren Text las:

Die erste Frage ist. Diese ganzen Geburtsvorbereitungskurse. Also, vieles finde ich super wichtig, aber eines beschäftigt mich: Es werden oft auch wieder in den Kursen Schemata aufgemacht. Ich bin da ziemlich im Zwiespalt, weil einerseits finde ich Information und Vorbereitung wichtig, andererseits genauso wichtig dieses Bei-sich-selbst-und-beim-anderen-bleiben, Freiheit zu behalten, nicht überladen zu werden von Dingen. Vielleicht ist der Vergleich blöd, aber ich empfinde es ähnlich wie mit den ganzen Vorstellungen von dem, was Sex ist, all die gesellschaftlich überfrachten Vorstellungen vom Fernsehen usw. Ich weiß nicht, aber ich empfinde das oft wie eine Wand, die von wirklichem Sex abhält, Menschen gar nicht mehr bei sich sind. Bzw. Was ist Sex? Klar, manchmal ist es all das wie im Film und da ist die Leidenschaft das Schreien, Kratzen, außer sich sein. Aber manchmal eben auch gar nicht. Dann sind Leute, wenn man/frau noch nicht so gut vertraut ist, plötzlich irritiert, super verunsichert, weil wenn man/frau irgendwie in der Ruhe wegsinkt, versunken ist, Stille und Ruhe und und dann lassen sich die Menschen, mit denen man/frau schläft aus dem „Konzept“ bringen, sind plötzlich verunsichert, obwohl alles wunderbar gut ist und aber dann in der Irritation alles reißt, all das Schöne reißt, und klar Gespräche sind wichtig, aber vielleicht gerade nicht in den entscheidenden Momenten, irgendein Satz den Leute beim Fernsehsexualtherapeuten aufgeschnappt haben und dann auch noch in der Absicht alles richtig machen zu wollen, wo man/frau längst in einer Welt jenseits von richtig und falsch ist. Ich mein auch nett, dann unterhält man/frau sich halt über Sex. Aber echt man/frau könnte zur Fernseh-Vandalistin werden! Manchmal! Ich weiß nicht, wer auf die Schnapsidee kam, Sendungen über psychologische Sexualtherapie zu erfinden?! Aber das ist wie ein ein Bazillus, der die Menschen befallen hat, seitdem kann man/frau mit fast überhaupt niemand mehr Sex haben ohne therapeutische Fragen. Klar im Zen ist es relativ einfach. Man/frau spürt zum Beipsiel beim Vorbeigehen den Atemhauch von jemandem sanft im Genick und weiß intuitiv, ob man/frau harmoniert… Aber im richtigen Leben, was da? Also, was macht man/frau mit all den Menschen die mehr Filme im Kopf haben als Atem in der Seele? Wie geht da Sex, ohne Irritationen und Riss? Filmriss vielleicht? Fernseher destruieren, also, man/frau darf nichts kaputtmachen, ausschalten, aber das Kopfkino geht weiter? Humorvoll, darf man/frau in solchen Augenblicken ja auch nicht sein, obwohl es vielleicht die beste Variante wäre, auszubrechen -- also wenn man/frau merkt vor einem tut sich die groß Leinwand auf und man/frau ist gerade in einem Film, was ja nicht schlimm wäre, wäre der/die Partner/innen mit einem zusammen Regisseur/innen, aber nein, es ist ein Fertigprodukt, das irgendwie gar nicht passt!? Klar ein sinnlicher Film, den man/frau sah kann einen Impuls geben, aber doch kein Drehbuch zur Nachahmung! Weiß nicht, vielleicht bin ich zu sehr Fotografin und zu sehr in der aktiven Rolle, aber ich versteh nicht, was das ist mit dem Fernsehen, es macht die Menschen irgendwie zu Vamps, die fremde Filme im Kopf haben und selbst kaum mehr je aktiv sind, das nervt, es nervt in der fotografischen Zusammenarbeit, ich hab z. B. noch nicht heraus, wie ich als Fotografin Menschen fotografieren soll, weil jedes Mal, wenn ich mit Leuten zusammenarbeite, habe ich das Phänomen, das sie sich sobald die Kamera im Spiel ist verhalten, wie sie meinen -- man/frau verhält sich vor der Kamera. Ich beschränke mich deshalb beim offiziellen Teil bisher auf abstrakte Fotografie. Beim Sex ist dasselbe Phänomen, die Leute sind über und über voll mit fertigen Medienbildern. Genauso denke ich mit Blick auf Geburt auch. Also, vielleicht ist einem nach Schreien, vielleicht verschlägt es einem die Stimme, aber ich möchte z. B. gar nicht, dass der Mann bzw. die Frau oder wer auch immer Vater/in des Kindes wird – stöhnt, weil ihm das jemand vorher gesagt hat, das sei gut es so zu machen in dem Moment. Ich möchte bei mir selbst sein und beim Kind und bei meinem Atem und Atem meines/r Partners bzw. Partnerin. Ich möchte, dass er/sie genauso aktiv und nicht-aktiv ist wie ich auch, einfach das tut, was sich für ihn oder sie in dem Augenblick richtig anfühlt. Bin deshalb irgendwie zerrissen zwischen Geburtsvorbereitungskursen und Eigenwillen?

Also, meine erste Frage, ups. schon wieder so viel Text und so lang, ich hör jetzt auf, frag nur weiter, wenn ich darf, hoffe, dass das nicht irgendwie zu distanzlos ist, sonst bitte einfach die Frage vergessen und ich bitte für den Zweifelsfall schon jetzt um Verzeihung.

Liebe Grüße

Daniela

………..

Daniela Waldmann 26.06.2014 | 14:21

……….

Lieber Poor,

aber Männer sind doch voller Leben. Was sagen denn die Ärzte/innen für ein Zeug, Poor, und reden von Keimen? Kennen sie denn das Leben nicht?

Die einzige Frage, die es zu stellen gilt, ist, ob Du gerne dabei wärst oder nicht. Wenn man/frau das Kind dann auf den Armen hält, dann ist es doch so, dass vom ersten Augenblick an Leben geschieht, also, wenn es schon um solch technische Begriffe wie Keime geht, dann könnte man/frau sagen, das Immunsystem des Kindes lernt vom ersten Augenblick an, tut es das nicht, weil es in einer sterilen Welt groß wird, dann fehlt dem Kind etwas und es bekommt vielleicht Allergien und alles Mögliche später. Das heißt Menschen sind nicht voller Keime, sondern Teil des Lebens und also „voller“ Leben. Du gibst eines Tages Deinem Kind, ganz viel, wenn Du es in die Arme nimmst. :-)

Dann bin ich noch sehr traurig über mich selbst, weil ich das Treffen organisierte, alle möglichen Projektideen, ständig „unpolitischen Wort „Liebe“ sprach, aber es doch politisch auslegte, Dein Kommentar zeigt mir nämlich, dass ich das Wichtigste überhaupt vergessen habe: sinnliche Liebe. Bitte verzeih. Sorry, bitte verzeih.

Eine Idee: Also, wir werden in den Community-Projekten Feste machen, auf denen sich Menschen kennenlernen, vielleicht sogar finden. Und was ist schöner als Schreibende finden sich, dann braucht sich niemand einander erklären, wenn man/frau abends mit Skizzenbuch und Stift Arm in Arm einschläft -- noch ein paar Mal wegen Gedanken aufwacht und schreiben muss. Und man/frau sich nachts noch einmal heimlich rausschleicht, ahso, dass ist dann ja gar nicht mehr heimlich, weil man/frau sich vielleicht trifft beim Kaffee kochen in der Küche nachts um vier mit Notebook auf den Knien.

Lieben Gruß

Daniela

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Jürgen Sting 26.06.2014 | 17:19

Liebste Danivanilleschnuggelmaus,

die erste Geburt wollen Lara und ich vielleicht noch üben. Bei unserer zweiten Geburt kannst du gerne Photos machen. Das will nur noch mit Lara abgeklärt werden. Man macht doch schließlich nicht die Generalprobe zur Uraufführung. Man will ja ein gutes Bild abgeben.

Beim Sex hingegen befürchten wir allerdings, dass du sonst völlig tatenlos daneben stehst, wenn du nur photographierst.

Andererseits - mir fällt ein, es gibt schließlich semi-improvisierte Konzerte.

Liebe Grüße,

Jürgibärli

luzieh.fair 26.06.2014 | 21:49

Ähm, ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung.

Also ich kann mir gerade (nachdem ich mir meinen Beitrag gerade nochmal durchgelesen habe) nicht erklären, wie Du auf dieses Gedankenwirrwarr kommen konntest...:-)

Was war denn jetzt Deine Kernfrage? Ob Geburtsvorbereitungskurse nötig sind, oder ob sie die "Magie" der Geburt zerstören?...Wenn ich so daherschriebe dass mein Partner mitgetönt hat, so wie wir es "gelernt" hatten, heißt dass ja nicht, dass es in dem Moment ein abspulen von Kursinhalten war. Ich glaube er hat es gemacht, weil er es so fühlte und so nah bei mir war, dass wir fast eins gewesen sind. Nur als wir es im Kurs so theoretisch durchgenommen haben, konnte ich mir das nicht so recht vorstellen.

In unserem Kurs ging es neben (auch medizinischen) Fakten darum, uns die Angst zu nehmen (so wir sie denn hatten) und gerade für Männer, die bei der Geburt dabei sein wollen ergibt das Sinn.

Wenn es geht, kannst Du ja nochmal in zwei Sätzen fragen, was Du fragen wolltest, sollte ich es nicht beantwortet haben.

Daniela Waldmann 27.06.2014 | 02:59

………….

Lieber Poor,

als ich die Antwort schrieb - kannte ich Deinen zweiten Kommentar noch nicht, ich antwortete heute Nachmittag auf Deinen ersten Kommentar, weil ich erst nach dem Posten sah, dass schon neue Kommentare da sind. Sorry, bitte vielmals.

Es ist sehr traurig, dass das Kind, von dem Du geschrieben hast, an einem Infekt gestorben ist. Aber aus dem Grund zu sagen (wie es die Mediziner/innen taten, von denen Du schriebst), Väter sollten ganz allgemein nicht bei der Geburt ihres Kindes dabei sein, geht sehr weit. Und das Kind wird auch in eine Welt geboren, in der nicht alles keimfrei ist, auch gar nicht keimfrei sein sollte, weil übertriebene Hygiene genauso krank machen kann wie zu wenig Hygiene.

Alle Menschen können an Infekten sterben, auch Neugeborene. Dieses Risiko besteht ganz allgemein im Leben. Aber dieses Risiko ganz ausschließen zu wollen, würde bedeuten, dass man/frau das Leben gar nicht mehr leben kann. Es ist wichtig vorsichtig und behutsam zu sein, wie Du schreibst, aber eben auch nicht übertrieben vorsichtig und behutsam (wie die Ärzte/innen, von denen Du geschrieben hast)

Nämlich Menschen vor allem schützen zu wollen, das geht gar nicht, das würde nämlich bedeuten ein Leben lang alles steril zu halten, damit würde man/frau das Gegenteil bewirken, von dem -- was Sinn ergibt. Weil je weniger der Körper Möglichkeit hat, dass sein Immunsystem auch lernen kann, desto schneller ist man/frau auch anfällig für Infekte.

Und Liebe und Berührungen sind wichtig für Menschen.

Liebe Grüße

Daniela

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Daniela Waldmann 27.06.2014 | 03:01

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Liebe Luzi.fair,

verzeihen Sie bitte, ich versuche mehr zu strukturieren:

Ich wollte in dem langen Kommentar einerseits sagen, dass ich Ihren Beitrag schön fand und zugleich Fragen stellen, die mich beschäftigen.

Versuche die Fragen sachlicher zu formulieren:

Wie kann man/frau Schwangerschaft so erleben, dass man/frau einerseits sich informiert und sich vorbereitet auf die Geburt -- andererseits nicht alles zu instrumentell wird, nicht zu sehr von der Seite von Intellekt und Information und Technik gesehen wird?

Ich finde es wichtig, sich vorzubereiten. Zugleich finde ich vieles, was angeboten wird, so technisch und instrumentell. Ähnlich wie vieles, was in den Medien z. B. über Sex gesagt wird: es geht oft um Sex-Techniken, um psychologische, therapeutische usw. Fragen oder um das klassische männlich dominierte Porno-Set, wenn in den Medien Sex thematisiert wird, das alles ist eher „technisch“ orientiert. Ich vermisse in all den technischen Sichten manchmal den Atem, die Freiheit der Liebe -- das bei sich selbst bleiben und zugleich beim anderen sein. Auf das eigene Gefühl vertrauen und auf das Gefühl, des Menschen, den man/frau liebt. Sinnlichkeit.

Das heißt meine Frage wäre, wie Ihr Gefühl war mit den Vorbereitungskursen? Wie das Verhältnis ist zwischen Information und Sinnlichkeit und Erleben und Erfahren?

Ich wollte einfach offen fragen. Und ich weiß immer noch nicht sicher, ob ich genau fassen, kann, was ich eigentlich fragen möchte, habe eher so ein Bauchgefühl -- und kann es schwer in Worte fassen, deshalb die vielen Vergleich und das, was chaotisch wirkte, sorry bitte.

Liebe Grüße

Daniela

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pleifel 30.06.2014 | 02:02

"Warum kann Geburt nicht ein durch und durch sinnlicher Akt sein? Ein Akt der Liebe?"

Alles zu seiner Zeit! Geburt ist harte Arbeit. Als Mann steht oder sitzt man dabei und kann seiner Frau keinen Schmerz abnehmen.

Wissen Sie was ich dabei gedacht habe und welche Emotionen ich dabei hatte? Dass wird sie vielleicht wundern, aber es war Zorn über die primitive und schmerzhafte Weise, wie neues Leben auf die Welt kommen muss. Schmerz und Qualen für die Frau und ein traumatisches Ergebnis für das Kind.

Wenn es dafür einen Verantwortlichen gäbe, würde ich ihn zur Rechenschaft ziehen.

Daniela Waldmann 13.07.2014 | 21:57

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Lieber Pleifel,

lieben Dank für Ihren Kommentar und bitte verzeihen Sie die späte Antwort.

Ich weiß nicht, ob ich das fragen darf:

Gab es etwas, das Ihrer Frau und Ihnen geholfen hat, gut getan hat bei der Geburt?

Wie haben Sie die Zeit der Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung erlebt?

Und glauben Sie, dass man/frau an diesem schmerzhaften Geburts-Prozess überhaupt etwas ändern könnte - oder der Gedanke naiv ist? Bisher scheint ja nur Milderung möglich zu sein? Für die meisten Frauen ist Geburt ein höchst schmerzhafter Prozess. Manche Frauen erleben die zweite Geburt als weniger schmerzhaft, meine Tante zum Beispiel hatte eine Sturzgeburt beim zweiten Kind, aber das scheinen absolute Ausnahmen zu sein.

Ich hoffe, diese Fragen sind nicht zu persönlich, falls ja, bitte ich Sie herzlich um Verzeihung, dann einfach nicht beantworten.

Liebe Grüße

Daniela

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pleifel 14.07.2014 | 02:15

Hallo Frau Waldmann,

ich hatte mit keinem Kommentar mehr gerechnet, da ich eine völlig andere Note angesprochen hatte. Sie zeigen sich hier im Forum auf eine sehr persönliche Art und Weise, die ich nicht kritisieren will (kann), da Sie mir darin identisch erscheinen.

Aber ich würde nie in der Öffentlichkeit meine Anliegen mit diesem Pathos? verbinden, da mein Anliegen vom Inhalt her selbst überzeugen sollte. Verstehen sie mich bitte nicht falsch, aber ihre Anliegen würden bei mir mit weniger mehr bewirken. Vielleicht liegt es einfach an meiner Sozialisation, was religiöse Menschen betrifft.

Ich versuche ein paar Antworten zu geben:
ja da gibt es einiges was hilft. Wir hatten eine prima Hebamme. Frauen mit Erfahrung sind in der Geburtsvorbereitung und bei der Geburt sehr wichtig, auch für den Mann. Dann ist das Krankenhaus sehr wichtig, wenn man vorher vorbeischauen kann und sich einen Eindruck verschafft, wie die so den ganzen Vorgang begleiten. Da wir in zwei unterschiedlichen Krankenhäusern waren (Geburten), hatten wir einen guten Vergleich.

Die Geburtszeit (auftreten von Wehen bis zur Geburt), ist so unterschiedlich, die Geburt selbst so individuell, abhängig vom Gewicht des Kindes, Konstitution der Frau und vieles mehr. Jedenfalls geht es im einen Fall fix "über die Bühne" und im anderen Fall quälen sich die Frauen tagelang herum.

Und wenn das Kind da ist, ist schwere Arbeit für die Frau geleistet! Man sollte und darf dann nicht unbedingt eine glückliche Frau erwarten, wenn man ihr das Kind in die Arme legt. Solche Bilder sieht man oft in den Medien. Ob das die Regel ist, kann ich nicht sagen, aber es braucht einfach "ihre" Zeit.

Was mich an der ganzen Sache als Mann belastet, ist die Hilflosigkeit der Frau gegenüber. Mein Zorn, wie ich es beschrieben hatte, ist einfach so zu verstehen, dass ich mir einfach schmerzlosere und auch für das Kind bessere Prozesse vorstellen kann, wie es auf die Welt kommt. Die Dinge sind nun mal wie sie sind. Aber wenn es einen "Designer" des Ganzen gibt, hat "es" den Job schlecht gemacht!

Aber natürlich hilft man so gut man kann und wenn es die Kleinigkeiten sind. Man lernt sogar bei den Atemübungen. :-)

"Akt der Liebe?" Realisiert sich (wenn allles positiv läuft) erst später. Ich kann Ihnen nur sagen, wenn die 1ten Nächte (man hat einen Job mit Kopfarbeit) nicht mehr durchgeschlafen werden können, der Kopf brummt, das Kind eventuell immer noch schreit, obwohl es trocken gelegt, satt sein müsste usw., dann haben sie andere Empfindungen. Dass sehe ich heute nicht anders wie früher.

Kinder sind anstrengende Abenteuer. Und Abenteuer wären keine, wenn man den Ausgang bereits vorher kennen würde. Es ließe sich noch viel sagen..

Daniela Waldmann 09.08.2014 | 08:42

…………

Für irgendwann, wenn Sie wieder mehr Zeit haben, Worte sind ja aufhebbar.

„Was mich an der ganzen Sache als Mann belastet, ist die Hilflosigkeit der Frau gegenüber. Mein Zorn, wie ich es beschrieben hatte, ist einfach so zu verstehen, dass ich mir einfach schmerzlosere und auch für das Kind bessere Prozesse vorstellen kann, wie es auf die Welt kommt. Die Dinge sind nun mal wie sie sind. Aber wenn es einen "Designer" des Ganzen gibt, hat "es" den Job schlecht gemacht!“ Pleifel

„Die Dinge sind nun mal wie sie sind.“ Pleifel.

Nein, also bzw. noch so wie sie sind. Aber es muss doch wohl Wege geben, dass Geburten weniger schmerzhaft sind und weniger Ohnmacht und Hilflosigkeit auslösen.

Den Zorn gegen den „Designer“ (meinen Sie damit den Schöpfer, oder den Zeugenden?), auf sich selbst bräuchten Sie nämlich nicht zornig sein, Sie haben ja Wehen und Geburt nicht erfunden, sondern Kindern gemeinsam mit Ihrer Frau das Leben geschenkt, und wenn Sie das gesamte Set bestimmt hätten, wäre es bestimmt anders und gäbe es Geburten ohne Schmerzen, der Körper könnte ja auch LSD ausschütten und schöne Stimmungen erzeugen, Gott scheint schon ein kleiner Sadist zu sein manchmal. Aber eigentlich ist es wohl eher so, dass er mitleidet. Also ein Masochist. Vermutlich liegt es daran, dass er noch nie Freitag las, sonst wäre er eine Frau und hätte es selbst mitgemacht und dann wäre die Welt eine andere. Wetten?!

Ich gehe davon aus, Gott ist auch bloß hilflos und ohnmächtig wie ein Mensch – also weder Masochist/in noch Sadist/in.

Bestimmt, ist er/sie mit-leidend voll der Liebe und des Mitgefühls.

Also, sollten wir Menschen uns überlegen, wie es anders werden kann, Geburten weniger schmerzhaft werden. Werde mir etwas einfallen lassen, im Moment hab ich auch noch keine Antwort darauf.

Aber natürlich hilft man so gut man kann und wenn es die Kleinigkeiten sind. Man lernt sogar bei den Atemübungen. :-)“ Pleifel

Atem ist keine Kleinigkeit.

„"Akt der Liebe?" Realisiert sich (wenn allles positiv läuft) erst später. Ich kann Ihnen nur sagen, wenn die 1ten Nächte (man hat einen Job mit Kopfarbeit) nicht mehr durchgeschlafen werden können, der Kopf brummt, das Kind eventuell immer noch schreit, obwohl es trocken gelegt, satt sein müsste usw., dann haben sie andere Empfindungen. Dass sehe ich heute nicht anders wie früher.“ Pleifel.

Ich weiß nicht, ob Sie das beruhigen kann, aber sowas ist auch als Kind anstrengend. Ich hab drei Jahre lang durchgeschrien jede Nacht. Mein Vater auch voll berufstätig hat mich am Schluss allein ums Bett getragen, weil meine Mum (auch voll berufstätig) irgendwann nicht mehr konnte wieder schwanger war usw. Einmal als mein Vater das Bett auseinanderbaute, um mich zu überzeugen, dass da nichts was, was ich im Fernsehen gesehen hab drinnen ist, aber er hat mich nicht kapiert, das war in meinem Kopf, sagte er nur: Er wundert sich nicht, dass manche Eltern ihre Kinder umbringen. Den Satz weiß ich bis heute, obwohl ich ziemlich klein damals war.

Liege bis heute manchmal Tage lang wach, wenn ich Bilder in Nachrichtensendungen sah. Schrei nicht mehr, weinen schon. Hab mich also gebessert?!

Obwohl schreien vielleicht mehr helfen würde.

Ganz ehrlich, die Welt ist so elend, dass ich nicht versteh, warum nicht alle Leute Nächte lang wachliegen und durchschreien, vielleicht würde sich dann was ändern. Die Politik die Menschen, denen die Welt zu wenig friedlich und liebevoll (sorry auch für diese Wort wieder) ist, dann hören.

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Daniela Waldmann 09.08.2014 | 08:46

ps

dabei waren meine Eltern, bwz. meine Mum, noch so pädagogisch und hatten extra keinen Fernseher, aber die Oma halt schon und die passte zur Stallzeit usw. auf uns auf......

Aber so macht man/frau sich als Kind zumindest keinen Illusionen über die Welt. Dann wäre der Schock später gekommen. Man/frau kann/soll Kinder nicht abschirmen von der Wirklichkeit.

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Daniela Waldmann 09.08.2014 | 08:52

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mit uns meinte ich meinen Opa und mich (mein Bruder war da noch nicht auf der Welt), weil den Opa schimpfte sie auch die ganze Zeit, er soll nicht so viel Zigarettle (obwohl sie selbst manchmal auch eine paar rauchte) rauchen, ich schimpfte ihn später dann auch, als ich sah wohin das fürte, aber zuerst verstand ich es noch nicht, warum sie ihn schimpft und bei mir sowieso nicht.

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