Wem gehört die Friedensbewegung?

Suttner Zetkin Davis Aus aktuellem Anlass möchte ich an die Anliegen der Gründerinnen der Friedensbewegung erinnern.
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Die Friedensbewegung hat der Intention ihrer Gründer/innen nach nichts gemeinsam mit den Ideologien von Verschwörungstheoretikern. Letzteren gehört die Friedensbewegung nicht und sie gehören nicht zur Friedensbewegung.

Die Friedensbewegung -- das sind Frauen wie Olympe de Gouges, Clara Zetkin, Rosa Luxemburg, Alice Salomon, Bertha von Suttner, Angela Davis ….

keine Gewalt und kein Blutvergießen!

Ich möchte erinnern an Olympe de Gouges, erinnern an ihre «Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne» (Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin). Ich möchte an ihre Gesellschaftskritik und ihren Entwurf für eine andere Gesellschaft, die auf Gleichheit und Freiheit beruht, erinnern, an ihr Engagement. Olympe de Gouges lehnte sich auf gegen Monarchie und Feudalismus, gegen die Privilegien der besitzenden Klassen, gegen das Patriarchat. Sie setzte sich für Geschlechtergerechtigkeit und Demokratie ein. Sie plädierte für einen Weg der Gewaltfreiheit, sprach sich dagegen aus Gleiches mit Gleichem zu vergelten -- sie wurde deshalb von ihren männlichen Mitstreitern diffamiert und als geisteskrank erklärt, schließlich wurde ihr auf dem Revolutionstribunal der Prozess gemacht. Die Pazifistin starb 1793 unter der Guillotine.

Ich möchte an das Motto der Saint-Siomonistinnen erinnern: „Nie mehr Krieg, nie mehr nationales Gegeneinander, Liebe für alle“ -- erinnern an die Vision einer friedlichen Gesellschaft, die auf Freiheit und Liebe beruht -- und in der gleichberechtigte Formen der Arbeitsteilung und freie Formen des Zusammenlebens gelebt werden.

eine Zukunft in Frieden

1889 erschien Bertha Suttners pazifistischer Roman «Die Waffen nieder!» Sie nahm regelmäßig an den internationalen Friedenskongressen teil, befasste sich mit Fragen einer Friedensordnung und war eine scharfe Kritikerin der internationalen Aufrüstung und brandmarkte die Interessen der Rüstungsindustrie. Ab 1912 warnte die Friedensnobelpreisträgerin vor einem drohenden Krieg. Von Seiten der Sozialisten/innen wurde sie oft als hoffnungslose Romantikerin mit einer illusorischen Position abgetan, aber im Grunde eint sie mit den sozialistischen Denker/innen, dass ihr soziale Gerechtigkeit ein Anliegen ist. Sie glaubt an einen möglichen gesellschaftlichen Wandel und den Weg der Vernunft und Liebe und an Einsicht und Mitgefühl. Sie glaubt an einen Friedensprozess, der damit beginnt, dass weltweit die Waffen niedergelegt werden und eine allgemeine Abrüstung erflogt, sie glaubt an ein bewusst gesetztes Ende von Militarismus und Kriegen und an die Schaffung sozial gerechter Gesellschaftsstrukturen. Sie glaubt an das Edle und Gute im Menschen und daran, dass der Mensch fähig ist unter die Jahrhunderte der Verrohung, Kriege und Barbarei einen Strich zu ziehen und in eine Zukunft des Friedens zu gehen.

„Die Wildheit mit ihren Götzen und ihren Waffen – schon schleudert sie viele von sich. … Schon stürzt jener Wahn, daß der Schaden es Einen den Nutzen des Anderen befördere … Schon dämmert die Erkenntnis, daß die Gerechtigkeit als Grundlage allen sozialen Lebens dienen soll … und aus solcher Erkenntnis wird die Menschlichkeit erblühen … es lebe die Zukunft!“ (Bertha Suttner 1889)

Man/frau kann Suttner allerdings anlasten, dass sie die herrschenden bürgerlichen Verhältnisse der Unfreiheit nicht grundsätzlich in Frage stellte.

die Welt verändern

Die Feministin Levin-Verhagen hinterfragte das Patriarchat, von ihr beeinflusst schrieb Fanny Lewald ihren ersten Roman „Clementine“, in dem sie die Institution der Ehe verwirft, Kempner dekonstruierte die bürgerliche Welt durch ihre freie Lebensweise, ihre Lyrik und ihr soziales und gesellschaftliches Engagement.

Die Pionierinnen der Sozialarbeit - Alice Salomon, Pappenheim, Karminski, Berliner, Addams stellten die Friedensfrage vor dem Hintergrund der sozialen und gesellschaftlichen Frage -- ihre Antwort ist die gesellschaftsverändernde Tat: Sie arbeiteten aktiv an gegen die patriarchale Strukturen der Unterdrückung und Ausbeutung, leisteten praktische Sozialarbeit, begründeten die Sozialarbeitswissenschaft und engagierten sich politisch.

Wandel, Reform oder Revolution?

Im falschen System kann es keinen Frieden geben. Das ist die Perspektive aus der Clara Zetkin und Rosa Luxemburg die soziale und gesellschaftliche Frage stellten. Sie protestierten gegen den Krieg und organisierten unter anderem die Internationale Sozialistische Frauenkonferenz für alle am Krieg beteiligten Länder 1915 in Bern. (Bereits 1914 trafen sich die Sozialistinnen in Berlin zum Thema). Zetkin und Luxemburg wurden aufgrund ihres Friedensengagements wegen Landesverrats verfolgt. Die verabschiedete Friedensresolution ebenso - wie die Forderungen der feministischen Antikriegsbewegung, denen im Rahmen von Demonstrationen und Streiks Ausdruck verliehen wurden, fanden bei den Kriegsmächten kein Gehör und auch in weiten Teilen der Gesellschaft und im politischen Diskurs kaum Zustimmung, im Gegenteil die pazifistischen Sozialistinnen wurden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sogar von ihren eigenen Parteigenossen/innen angegriffen. Die Pazifisten/innen engagierten sich trotz von allen Seiten erfahrener persönlicher Benachteiligungen und Repressionen weiter im antimilitaristischen Kampf.

Von Clara Zetkin stammt der bekannte Ausspruch:

„Wenn die Männer töten, so ist es an uns Frauen, für die Erhaltung des Lebens zu kämpfen.“

Rosa Luxemburg betonte die Bedeutung der Befreiung und lehnte avantgardistische Konzepte sowie opportunistische Anpassung an die Institutionen des kapitalistischen, politischen und militaristischen Machtapparats entschieden ab. Ihren Kritiker/innen allen voran Lenin kann man/frau vorwerfen, dass sie keinen Weg der Befreiung, sondern einen Weg der Bevormundung einschlugen, damit den Gedanken von Befreiung und Freiheit pervertierten. Ich glaube es ergibt Sinn Rosa Luxemburg so zu lesen, wie sie es selbst einmal formulierte: Man/frau solle Menschen mit den Augen der Freiheit und mit den Augen der Liebe begegnen: „Man kann die Menschen nur richtig verstehen, wenn man sie liebt.“ (Luxemburg). Ich glaube es ergibt Sinn zu sagen, Freiheit und Liebe selbst sind der Weg.

Sozialdemokratie und die Kunst des Friedens

Käthe Kollwitz, die mit dem Sozialdemokraten Karl Kollwitz verheiratet war und deren gemeinsamer Sohn Peter im ersten Weltkrieg gefallen war, engagierte sich künstlerisch und gesellschaftlich als Kriegsgegnerin. Bekannt sind vor allem ihre Holzschnitte und Lithographien – z. B. die „Überlebenden – Krieg dem Kriege“ und „Nie wieder Krieg“. 1919/20 widmete sie Karl Liebknecht ein Gedenkblatt. Ihre Zyklen, „ein Weberaufstand“ und „der Bauernkrieg“ u.a. befassen sich thematisch mit der sozialen und gesellschaftlichen Frage, sie kämpft mit Ihren Werken an gegen Ausbeutung und ungerechte Strukturen.

Zeichen setzen gegen den Krieg

Während die Mehrheit der bürgerlichen Feministinnen den Kriegsdienst der Frauen im ersten Weltkrieg an den «Heimatfronten» propagierten, trafen sich unter schwierigsten Umständen (die BDF-Führung z. B. setzte die deutschen Delegierten unter Druck, nicht an der Konferenz teilzunehmen) 1.200 Pazifistinnen auf Aufruf von unter anderem den bürgerlichen Feministen/innen Heymann, Augspurg und Aletta Jacobs in Den Haag zur Internationalen Frauenkonferenz, um ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen. Die damals gegründete Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) setzt sich bis heute für Frieden ein, Sexualreformen und Gleichberechtigung. Die Pazifistinnen der IFFF kritisieren die international tätige Waffenindustrie und den Waffenhandeln, fordern Abrüstung und engagiert sich gegen Krieg, gegen Militarismus und gegen Gewalt (auch gegen strukturelle Gewalt).

Bereits 1919 wiesen die Pazifistinnen des IFFF auf die Gefahr weiterer drohender Kriege hin. Ihre erarbeiteten Grundsätze zur Prävention weiterer Kriege und ihre Beiträge zur Völkerverständigung und Völkerversöhnung wurden jedoch auf dem männlich dominierten politischen Parkett nicht hinreichend ernst genommen, und nur sehr halbherzig beachtet, manches fand erst Beachtung nach dem Zweiten Weltkrieg, viele bis heute nicht.

Die IFFF hielt auch in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg internationale Konferenzen ab. 1924 rief Auguste Kirchhoff die „Kommission zur Bekämpfung des Antisemitismus“ ins Leben. Helene Stöcker, Mitglied in der Deutschen Friedensgesellschaft kämpfte in ihrer Zeitschrift „Die neue Generation“ unermüdlich gegen Krieg, gegen Militarismus und gegen Gewalt an und engagierte sich in vielen internationalen pazifistischen Organisationen.

Die Stimmen der Pazifisten/innen wurden eine weiteres Mal ignoriert.

Der Erste Weltkrieg forderte 10 Millionen Tote und 20 Millionen Kriegsversehrte.

Im von den Nationalsozialisten entfachten Zweiten Weltkrieg verloren 50 Millionen Menschen ihr Leben,11 Millionen Juden und Jüdinnen und rassistisch Verfolgte, Kommunisten/innen, Sozialdemokraten/innen, Demokraten/innen, Homosexuelle, religiös Verfolgte, psychisch Kranke und Oppositionelle wurden in den Konzentrationslagern der Faschisten ermordet. Zu den Opfern des Nationalsozialismus gehörte auch der friedensbewegte Teil der Frauenbewegung, welcher den Nationalsozialisten als liberalistisch, jüdisch, feministisch, internationalistisch, intellektualistisch und pazifistisch galt. Die Sozialarbeitswissenschaftlerin Alice Salomon wurde 1933 ihrer Ämter enthoben, flüchtete nach ihrer Ausbürgerung durch die Gestapo ins Exil nach England und später in die Vereinigten Staaten. Die Gründerin des Jüdischen Frauenbundes (JFB), Bertha Pappenheim, sowie ihre Nachfolgerinnen Hannah Karminski und Cora Berliner wurden Opfer der Nationalsozialisten, der JFB wurde verboten und aufgelöst, Pappenheim wurde durch die Gestapo verhört, Berliner und Karminski wurden 1942 nach Minsk und Auschwitz deportiert und ermordet. Viele bürgerliche und sozialistische Pazifistinnen wurden verfolgt, verhaftet und umgebracht. Helene Stöcker Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft litt Verfolgung durch die Gestapo und konnte in letzter Minute emigrieren. Käthe Kollwitz, die als erste Frau seit 1919 der Preußischen Akademie der Künste angehörte, leistete Widerstand gegen die Nationalsozialisten und wurde daraufhin von den Nationalsozialisten/innen zum Austritt aus der Akademie gezwungen und durfte ihre Schüler/innen der Meisterklasse nicht mehr weiter unterrichten. Frida Perlen und viele andere nahmen sich aus Verzweiflung das Leben. Augspurg und Heymann suchten in der Schweiz Exil. Zetkin suchte in der Sowjetunion Zuflucht. Die von den Nazis verfolgte und zum Tode verurteilte Pazifistin Hoppstock-Huth überlebte den Nazi-Terror und nahm unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Arbeit für die IFFF und die SPD wieder auf.

„Nie mehr Krieg und nie mehr Faschismus, nie mehr Auschwitz!“

Die westdeutsche Frauenfriedensbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg war geprägt durch die Gedanken „Nie mehr Krieg und nie mehr Faschismus, nie mehr Auschwitz!“. Die Frauen protestierten gegen eine Wiederaufrüstung und gegen eine Remilitarisierung der Bundesrepublik. Sie versuchten die Gründung der Bundeswehr und die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu verhindern. Und sie kämpften gegen eine atomare Aufrüstung. Zu den maßgeblichen Gründungsmitgliedern der Westdeutschen Frauenfriedensbewegung (WFFB) gehörte u. a. Klara Maria Faßbinder. Der WFFB gab die monatlich erscheinende Zeitschrift Frau und Frieden heraus und vernetzte sich mit der internationalen Friedensbewegung, die u. a. gegen den Korea- und Vietnamkrieg und gegen das internationale Wettrüsten im Kalten Krieg demonstrierte. Der WFFB bestand bis 1974. 1976 wurde die Demokratische-Frauen-Initiative (DFI) von linken pazifistischen Feministinnen gegründet.

Die westlichen Besatzungsmächte intervenierten frühzeitig gegen eine Zusammenarbeit der West-Frauenbewegung mit den antifaschistischen Frauenausschüssen in der Sowjet-Zone. Zwar ging 1947 noch aus dem „Deutschen Frauenkongress für den Frieden“ der „Demokratische Frauenbund“ (DFD) hervor und es war eine Zusammenarbeit vorgesehen, aber bereits auf dem Frauenkongress 1948 war es Frauen aus der Ostzone untersagt als Rednerinnen aufzutreten.

der Feminismusstreit lässt Tinte fließen

Simone de Beauvoir machte mit ihrem Buch „Das andere Geschlecht“ einen Anfang. Sie dekonstruiert gekonnt die frauenfeindliche Mutter- und Familienideologie des Patriarchats. Betty Friedan folgte ihr und riss in den 60-ern mit ihrem Buch „The Feminine Mystique“ die Gefängnistore der institutionellen Ehe- und Familienverhältnisse auf, wehrte sich gegen die Hausfrauen- und Mütter-Ideologie, wehrte sich gegen die Unsichtbarkeit der Frauen im öffentlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben und setzte den Anfang einer Frauenbewegung, die von den Universitäten ausging.

1968 flogen die Tomaten!

Die Sozialisten/innen der 68-er Studenten/innen- und Friedensbewegung kritisierten autoritäre Strukturen und reaktionäre gesellschaftliche Verhältnisse. Die Studenten/innen übten Gesellschafts- und Systemkritik und bauten eine Außerparlamentarische Opposition (APO) auf. Im September 1968 flogen Tomaten auf der Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). Die Frauen protestierten gegen die männlichen Genossen, die sich selbst als avantgardistische Vorkämpfer begriffen -- und dabei die autoritären frauenfeindlichen Strukturen der Gesellschaft reproduzierten und die doppelte Unterdrückung der Frauen nicht wahrhaben wollten. Rüger und Sander klagten die fehlende Diskursbereitschaft der männlichen Genossen an.

Der neu gegründete Aktionsrat zur Befreiung der Frau und die in der Folge entstehenden autonomen Frauengruppen waren basisdemokratisch organisiert und negierten jede Form von Hierarchie sowie repräsentative Strukturen. Die Frauen betonten die Unabhängigkeit vom autoritären Staatsapparat. Sie verweigerten sich bewusst den autoritären bürgerlichen Ehe- und Familienstrukturen, welche Frauen in die Sphäre des Privaten abdrängen und traten mit der Losung: „Das Private ist politisch“ den Weg in die Öffentlichkeit an. Es wurde über neue Formen der Arbeitsteilung und des Zusammenlebens nachgedacht. Gegenentwürfe zu den bürgerlichen Strukturen, die auf Ausbeutung und Unterdrückung gründeten, gemacht. Gleichheit und Freiheit sollte das Zusammenleben bestimmen und Kollektive, Kommunen und Wohngemeinschaften wurden gegründet. Der Protest der friedensbewegten Frauen gegen Militarismus und Kriege war verbunden mit einer scharfen Kritik an den autoritären Strukturen der bürgerlichen Gesellschaft. Antiautoritäre Erziehungskonzepte wurden erarbeitet. Auf dem Vietnamkongress in Berlin 1968 wurde erstmalig in gleichen Teilen von Männern und Frauen Kinderbetreuung übernommen. Die neu aufkommende antiautoritäre Kinderladenbewegung, die u. a. vom Senat in Berlin unterstützt wurde, öffnete sich für Arbeiter/innen-Kinder. Statt der gesellschaftsüblichen Erziehung zu Wettbewerbs- und Leistungsdenken, standen gemeinschaftliche und kollektive Werte im Mittelpunkt, statt einer Erziehung zur Autoritätshörigkeit und eines Hineinerziehen in hierarchische Strukturen, der Gedanke von Selbstbestimmung und Mitbestimmung in demokratischen Gruppenprozessen.

emanzipatorischer Ansatz

Die sozialistische feministische Friedensbewegung vertrat einen weit gefassten emanzipatorischen Ansatz. Der antimilitaristische Kampf, der Protest gegen Kriege verband sich mit Systemkritik, denn die Kriege der kapitalistischen Nationen gelten als Weiterführung der Politik von Klassen, als Mittel der Durchsetzung kapitalistischer und imperialistischer Interessen. Der Emanzipationsbegriff der sozialistischen Frauenbewegung beinhaltete deshalb den Gedanken der Solidarität mit allen Unterdrückten und Versklavten weltweit. Sozialistischer Feminismus ist keine Ego-Veranstaltung der Glasdecken-Karriere-Fraktion, sondern eine Befreiungsbewegung, der es um Freiheit und Liebe für alle geht. Die Bürgerrechtlerin, Kommunistin und Hochschullehrerin Angela Davis verkörpert den emanzipatorischen Befreiungskampf wie kaum eine andere. Sie setzte sich ein für die Bürgerrechte der Schwarzen, für die Befreiung der Frau und für die Rechte Homosexueller und für die Emanzipation der Arbeiterklasse und war maßgeblich beteiligt an der Friedensbewegung und den Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg.

Nicht-staatliche feministische Friedensgruppen mit einem emanzipatorischen Ansatz waren auch maßgeblich beteiligt am Umbruch und an der Wende. Nach der Wende gründeten die ostdeutschen Feministinnen den „Unabhängigen Frauenverband“ (UFV). Es wurde über sozialistische Alternativen mit ökologischem Anspruch nachgedacht und über solidarische, demokratische und multikulturelle Konzepte des Miteinanders. 1998wurde der UFV allerdings aufgelöst. Und die westdeutsche Frauenbewegung flachte weiter ab in Richtung Karrierefeminismus. Es besteht Hoffnung, dass auf dem Weg einer internationalen Zusammenarbeit mit den Feministinnen der Dritten Welt die feministische Bewegung wieder politisiert wird und die Friedensfrage wieder in den Blick kommt.

Es geht darum dem Missbrauch von Frauenrechten für Kriegszwecke entgegen zu wirken. Es geht alles, einfach alles darum die internationale feministische Friedensbewegung, die im Dialog steht mit Feministen/innen aus allen Kulturen und Religionen der Welt, zu beleben, um gemeinsam ein Zeichen gegen Neoliberalismus, gegen Imperialismus, gegen Militarismus und gegen Kriege zu setzen.

Die Vision der Saint-Simonistinnen: „Nie mehr Krieg, nie mehr nationales Gegeneinander, Liebe für alle“ ging bis heute nicht in Erfüllung. Resignation wäre die falsche Antwort. Es geht darum sich auf die ursprünglichen Anliegen der Gründer/innen zu besinnen und ihr Engagement fortzusetzen.

Martin Luther King erzählte einst von der Aktivistin Mutter Pollard, die schon sehr lange und weit zu Fuß gelaufen war. Auf die Frage, ob sie denn nicht müde sei, antwortete sie: „Meine Füße sind müde, aber meine Seele ist ausgeruht.“

(Dieser Text bezieht sich auf Texte von Alice Salomon, Staub-Bernasconi, Addams, Luxemburg, Zetkin, Berliner, Sander, Pappenheim, Karminski, Notz, Suttner, Gerhard, Martin Luther King, Angela Davis, Véret, Jacob, Guindorf, Gouges u. a.)

11:05 07.05.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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