Bin ich drin?

Die Ratgeberin Von weißen Buchsen und vollkommener (IP)-Verschlüsselung
Bin ich drin?
Auch eine Anschlussmöglichkeit

Foto: Blickwinkel/Imago

Mehrmals täglich schlendere ich an unserem gar nicht mehr so neuen Familienzuwachs vorbei, dem überaus freundlichen DynDNS-Client. In Gedanken mit seinem betörenden UPnP AV beschäftigt, gehe ich meist achtlos am hochgepriesenen a/b-Port vorbei. Nicht besser ergeht’s dem verehrten ISDN-S0-Bus. Schande über mich! Mich beeindruckt viel mehr, dass der neue Mitbewohner 100-MBit-VDSL-Anschlüsse kann, und zwar mit Vectoring. Aber was sage ich, Vectoring wäre ja simpel. Haha. Nein, er kann Full Vectoring. Letzteres steht allerdings nur in Klammern. Ich interpretiere das so, dass er es nur manchmal kann. Entweder von Zeit zu Zeit, je nach Betriebsaufkommen, oder von Fall zu Fall. Also vielleicht kriegt unser Nachbar Full Vectoring, wir aber nur Half oder andersrum. Weder mein Nachbar noch ich wissen, was Vectoring ist, wir sind uns aber einig, dass Full auf jeden Fall als besser einzuschätzen ist. Womöglich wird in unserer Wohnung auch gar nicht gevectort. Zwar spüre ich immer wieder scharfe Pfeile durch den Flur schwirren, aber woher die kommen, ist ungewiss. Dazu müsste ich erst mal wissen, in welches Umfeld ich unseren lieblichen Client hineingeworfen habe: ADSL-Bruchbude oder VDSL-Residenz? Leben wir in einem IP-basierten Environment, einem analogen Buchenhain oder in einer ISDN-Kommandozentrale?

Bei diesen Fragen betrachte ich meist nachdenklich die weiße Buchse in der Wand, überlege, ob sich aus ihrer Beschaffenheit irgendetwas ablesen lässt. Nein. Schon mehrmals habe ich einen Studientag in unserer hauseigenen Bibliothek eingeplant, in der Abermilliarden Betriebsanleitungen und Vertragsvereinbarungen archiviert sind, aber dann kam immer wieder was dazwischen. Meistens war es das Internet. Das fetzt bei uns jetzt im Dual-WLAN AC + N durch die Gegend, und zwar gleichzeitig im 2,4-GHz- und 5-GHz-Frequenzband. Leute, die so einen Wind nicht gewohnt sind, werden oft ganz kirre davon. Wir auch. Aber keine Sorge, es ist alles sehr sicher. Eine Stateful Packet Inspection Firewall mit Portfreigabe macht bei uns das Internetsurfen absolut gefahrlos. Wobei das meiner Einschätzung nach gar nicht notwendig wäre, denn wir haben ja schon VPN. Selbst aus der Ferne (vom Balkon aus) ist alles total safe. Der Clou aber ist: Die Sprachübertragung ist ab Werk komplett verschlüsselt, da geht nix raus oder irgendwohin, wo es nicht gehört werden soll. Das können wir bestätigen. Man kann noch so laut in die angeschlossenen Telefone brüllen, es bleibt alles geschützt im Hier und Jetzt unserer Wohnung, undechiffrierbar für die Angerufenen, deren Wortmeldungen ihrerseits, und zwar im SIP-Standard von IP-Telefonen (WLAN/LAN), für uns in das natürliche HD-Klangbild der vollkommenen Stille verschlüsselt werden. Bislang gaben immer alle Angerufenen an, sie wüssten von unseren Anrufen gar nichts. So gut ist diese Sicherung. Und das bei einer derartigen Vielzahl an Anschlussmöglichkeiten! Es ist fantastisch: So viele Geräte können wir anschließen und so viele Lösungen aus der Internet-Wissensdatenbank für „Rufbehandlung“ ausprobieren: *121# eingeben oder auch #060*0*, HD-Telefonie deaktivieren oder unsere RJ11-Buchse ausschlecken mit DTMF, MFV oder einer Mehrfrequenzwahl. In keinem Fall passiert irgendwas. Selbst unser Hund hat eine versehentliche Verstöpselung mit unserem Hochsicherheitsrouter überlebt. Für alle, die mehr wissen wollen, zu erreichen sind wir bis auf Weiteres übers Mobiltelefon.

Susanne Berkenheger verteilt als Die Ratgeberin regelmäßig für den Freitag gute Ratschläge

06:00 20.01.2018

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