Das Ende ist nahe! Lesen Sie das Buch dazu

Die Buchmacher Reif für einen Ausflug in das literarische Genre der Wirtschafts-Apokalyptiker: in die Crash-Literatur? Über einen verkrachten Verkaufsschlager des Genres
Das Ende ist nahe! Lesen Sie das Buch dazu
„Finanzexperte“ Konrad Schuhbeck wusste schon 2013: „In einem Jahr können wir uns mit dem € den Hintern putzen!“

Foto: Roland Tarcillion/Getty Images

Machen auch Sie sich Sorgen um Ihr Erspartes? „Haben Sie, wie viele andere Menschen in Deutschland, auch ein flaues Gefühl im Magen, wenn Sie an die weltweiten Finanzbaustellen denken?“ „Ahnen“ Sie, „dass der €uro bald Geschichte sein wird und die Währungsreform nur noch eine Frage der Zeit sein wird“? Dann sind Sie reif für einen Ausflug in das literarische Genre der Wirtschafts- Apokalyptiker: in die Crash-Literatur.

„Finanzexperte“ Konrad Schuhbeck wusste schon im Juli 2013: „In einem Jahr können wir uns mit dem € den Hintern putzen!“ Als der Euro zwei Jahre später immer noch nicht auseinandergebrochen war, verlagerte Schuhbeck den Untergang flugs in die Zukunft und schrieb im Jahr 2015 1000 Tage bis zum €uro-Crash!.

Schuhbeck beschränkt sich nicht, wie die meisten Untergangspropheten, darauf, den wirtschaftlichen Zusammenbruch lustvoll in grellen Farben auszumalen, wie es etwa Der Draghi-Crash. Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt von Markus Krall verheißt. Vielmehr geht es darum, wie die Leserinnen und Leser ihr Erspartes durch die bald eintretende ökonomische „Kernschmelze“ retten können.

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Schuhbeck prognostizierte im Jahr 2015 also eine baldige Währungsreform mit all ihren negativen Folgen. Seine These: Die Europäische Zentralbank (EZB) zerstöre mit ihrer Politik der monetären Expansion das Vertrauen der Menschen in das Geldsystem dauerhaft, was den Kollaps des Euro-Systems zur Folge haben werde. Herr Schuhbeck weiß das. Und er weiß auch, „dass 90 Prozent der Bevölkerung uninformiert sind oder nicht wahrheitsgemäß informiert wurden“. Deswegen sein Buch, in dem er uns erklärt, wie wir „als Sieger aus der Krise hervorgehen“.

Seine Argumentation ist simpel. Er verweist auf den Konjunkturzyklus und behauptet, dass das künstliche Aufrechterhalten der Konjunktur durch die Geldpolitik der EZB zu einer Rezession und Depression kolossalen Ausmaßes führen wird. Schon in Kürze wird „der treue Bankkunde mit 100.000 €uro und mehr mit seinem Schubkarren zum Bäcker“ rollen.

Schuhbeck kritisiert zwar zu Recht fehlende Konsequenzen aus der Finanzkrise, etwa dass „keiner der ‚Bankster‘ jemals vom Staatsanwalt gerichtlich verfolgt wurde“. Doch statt Lösungsvorschläge zu entwickeln, setzt er allein auf der individuellen Ebene an („Sie sind Egoist und haben nur ein Interesse: Ihr Vermögen zu schützen und Ihre Kaufkraft zu erhalten!“). Deshalb der Rat an seine Leser, schnell aus sämtlichen „wertlosen Papiergeldversprechen“ auszusteigen und stattdessen vornehmlich in Gold, Silber, Wald- und Ackerland zu investieren. Bargeld geht im Zweifel natürlich auch, immerhin mache es „wenig Sinn, sein Geld bei der Bank zu horten“. Doch da sei Vorsicht geboten: „Ich empfehle Ihnen hier 50€-Scheine mit dem X, da dieses die deutschen €uro-Scheine sind.“

1.000 Tage nach Schuhbecks Prognose kann man sagen: Mit Gold und Silber hätte man zumindest keine Verluste gemacht, Ackerland wäre, wie fast immer, keine schlechte Investition gewesen, bei Dürre darf man ja auf Staatshilfen hoffen. Die Eurozone indes hat Schuhbecks Prognosen überlebt, sie steuert gerade wieder auf ihr Inflations-Ziel von zwei Prozent zu, wie Mario Draghi kürzlich bekannt gab. Hätte Schuhbeck das vorhergesagt, hätte er allerdings wohl kaum so viele Leser gefunden wie mit seinem Attest einer Geldwirtschaft, „wie wir sie in Simbabwe und in Südamerika beobachten können“.

Info

1.000 Tage bis zum €uro-Crash! Konrad Schuhbeck Eigenverlag 2015, 96 Seiten, 9,90 €

06:00 23.09.2018

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