Die Guten von der Stasi

DDR-Fernsehen Kundschafter des guten Geschmacks - Freitag-Blogger Störtebeker freut sich schon auf die Wiederausstrahlung einer schrägen TV-Serie aus der DDR

Während im Westfernsehen morgen auf allen Kanälen Karnevals-Frohsinn flimmert, schlägt der RBB gnadenlos zu: Gleich drei Teile der DDR-Kultserie "Das unsichtbare Visier" werden am Samstag-Abend gezeigt. Es sind auch die erste drei Episoden, gedreht 1973.

Damals schien die Welt noch in Ordnung: Auf der einen Seite die bösen Nazis, die in der Bundesrepublik wieder an der Macht gelangen, und auf der anderen Seite die unerschrockenen Kundschafter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR, die diese fiesen Machenschaften enttarnen. Heute stellt sich das Alles - wie wir inzwischen wissen - doch etwas differenzierter dar.

Kurz die Handlung der 16teiligen Serie, in der immer drei Filme eine abgeschlossene Handlung bilden:

Der MfS-Kundschafter Werner Bredebusch (ein Glanzrolle für den jungen Armin Müller-Stahl) wird in eine Organisation von faschistischen Ex-Militärs und ihre argentinischen Schlupfwinkel eingeschleust. Die Herren weihen ihn in ihre geheimen Pläne ein. So kundschaftet er die Planungen der westdeutschen Bundesregierung zur Aufstellung einer neuen Armee aus und vereitelt den Versuch von westlichen Geheimdiensten und Konzernen, an geheimes Metarial der Nazis über chemische Kampfstoffe heranzukommen. Bei seinem letzten Auftrag im Jahre 1961 (Folge 9) fliegt Bredebuschs Tarnung auf, und er kehrt in die DDR zurück. Doch der westdeutsche Rechtsanwalt Dr. Clemens setzt ab Folge 10 zusammen mit seinen Mitarbeitern die gefährlichen Missionen als "Kundschafter für den Frieden" fort. Er kann beispielsweise einen geheimen Test von Psychodrogen an Bundesbürgern verhindern oder von westlichen Geheimdiensten unterstützte Terroranschläge beenden, die den Kommunisten in die Schuhe geschoben werden sollen.

Die ersten drei Teile, die morgen vom RBB gesendet werden, haben diese Handlung:

1. Der römische Weg

Werner Bredebusch kommt in der Rolle des toten Jagdfliegers Achim Detjen mit einem Spätheimkehrertransport in der Bundesrepublik an. Organisiert durch das faschistische „Kameradenhilfswerk“ entgeht er einer drohenden Verhaftung und gelangt auf dem "römischen Weg" über Italien nach Südamerika. Der falsche Detjen übersteht erfolgreich alle Überprüfungen und vermag auch seinen ehemaligen Dienstvorgesetzten, der jetzt in Argentinien als militärischer Ausbilder eingesetzt ist, von seiner Identität zu überzeugen. Er schafft es, auch den ehemaligen SS-Offizier Born perfekt zu täuschen und erringt dessen Vertrauen.

2. Das Nest im Urwald

Detjen bildet in der Stadt Cordoba argentinische Flugschüler aus und gewinnt an der Seite seines Chefs Krösing Einblicke in Schlupfwinkel und Anlaufstellen ehemaliger hoher Nazioffiziere in Südamerika. Diese bereiten die Wiederherstellung militärischer Strukturen in der Bundesrepublik vor. Dem französischen Journalisten Carles André, der ebenfalls die Spur der in Lateinamerika untergetauchten Nazis recherchiert, spielt Detjen eine ernste Warnung und enthüllendes Material zu. Charles André wird kurz darauf von einer Schlägertruppe ermordet.

3. Das Wasserschloss

Der MfS-Kundschafter kehrt an der Seite Krösings nach Westdeutschland zurück und übernimmt im Rahmen der forcierten Militarisierung der Bundesrepublik („Amt Blank“) Aufgaben beim Aufbau einer neuen Luftwaffe. Auf einer geheimen Tagung im Wasserschloss Delmenhorst gelingt es Detjen, einen kompletten Satz der streng geheimen Unterlagen aus dem Schloss zu schmuggeln und in die DDR zu schicken.

"Das unsichtbare Visier" gibt es auch als E-Book, mehr dazu ist in der Wikipedia zu finden und ein Fan-Club erforscht emsig die Details des Fernseh-Mehrteilers. Ein Highlight auf jeden Fall: Hauptdarsteller Armin Müller-Stahl, der einige Jahre später die DDR verlassen hat, spielt seine Rolle nicht bierernst, sondern er bringt auf gekonnte und humoristische Weise eine gewisse Distanzierung rüber. Da muss man auch heute noch manchmal schmunzeln.

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12:00 21.02.2009

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