Die Peter-Hacks-Wohnung

Inneneinrichtung II 40 Jahre lang, bis zu seinem Tod 2003, hat der Dichter Peter Hacks mit seiner Frau Anna Wiede in einer riesigen Berliner Wohnung gelebt. Hier sind erstmals Fotos zu sehen

Schönhauser Allee 129, vierter Stock – dort wohnte vierzig Jahre bis zu seinem Tod 2003 der Dichter Peter Hacks gemeinsam mit seiner Frau Anna-Elisabeth Wiede. Die Wohnung war nicht nur besonders groß, sondern auch besonders eingerichtet: Anfang der sechziger Jahre setzte bei Hacks eine Sammelleidenschaft für alte Möbel, Geschirr und Kunstgegenstände ein. Schauraum dieses Formbewusstseins waren die sechs Zimmer plus Küche und Bad in der Schönhauser Allee. Trotz einiger Bemühungen konnte die Wohnung nach Hacks' Tod nicht erhalten werden, Anna Wiede zog wegen der anstehenden Sanierung aus, sie starb 2009.

Die Bilder, die hier zu sehen sind, wurden auf Wunsch von Peter Hacks nach seinem Tode angefertigt. Gezeigt werden können sie öffentlich erstmals dank der freundlichen Unterstützung des Eulenspiegel-Verlags. Gelesen werden kann in der gedruckten Ausgabe des Freitag Nr. 34 von verschiedenen Beschreibungen der Wohnung: Wir haben mehr als 30 Menschen, die im Laufe der Jahre dort weilten, nach ihren Erinnerungen gefragt und diese Bruchstücke zu einem Rundgang durch die Räumlichkeiten zusammengefügt. Angefragt wurde auch Harry Rowohlt, der leider nie in der Schönhauser Allee 129 gewesen ist, uns aber dennoch seine Erinnerung an Peter Hacks zugeschickt hat. Sie geht wie folgt (auch hier danken wir für die freundliche Unterstützung):

Matthias Dell vom FREITAG hatte mich angefaxt, ob ich wohl je bei Peter Hacks zu Hause gewesen sei und Erinnerungen zur Wohnungseinrichtung beisteuern könne? Ich rief ihn an und sagte, ich sei, was Hacks betreffe, nur schlichter Endverbraucher, fügte aber an, ich sei mal in Cottbus, in einem Veranstaltungszentrum in der deutsch/sorbisch beschilderten Straße der Jugend/Ulitza Junosti oder so im Zusammenhang mit Peter Hacks in den Genuss einer dreieinhalbminütigen stehenden Ovation gekommen, hätte ich doch, in meiner Eigenschaft als Juror für den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, nicht gegen George Tabori, sehr wohl aber für Peter Hacks gestimmt, weshalb unser Juryvorsitzender, seine Spektabilität Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Pape, gesagt habe, falls Peter Hacks gewählt werde, habe er das zwar zu respektieren, da dieser aber Wolf Biermanns Ausbürgerung nicht nur verurteilt, sondern vielmehr ausdrücklich begrüßt habe, stehe er, Pape, für den Posten des Juryvorsitzenden nicht mehr zu Verfügung, was mich nur entfernt am Arsch tangierte, weil sowohl ich als auch George Tabori am Tag der Preisverleihung verhindert waren, ich, weil ich in Cottbus in der Straße der Jugend laut und mit Betonung Dichterlesung abzuhalten hatte, Tabori, weil er im Sterben lag, worauf ich in Kassel bereits vergeblich hingewiesen hatte. Das erzählte ich in der Anschleimphase dem Cottbusser Publikum, „und“, um meinen Vater Ernst Rowohlt in seiner nie erschienenen Autobiographie mit dem Arbeitstitel Mein liebes, dummes, gefährliches Leben zu zitieren, „so weiter und so weiter und so weiter“. „Das ist doch eine sehr schöne Geschichte“, sagte Matthias Dell, „erzählen Sie die doch.“ „Das ist gar keine Geschichte“, sagte ich. „Eine Geschichte hat einen Anfang, ein Mittelstück und einen Überraschungsschluß. Dies hier ist gar nichts.“ „Sei's ...“, sagte Matthias Dell. „... drum“, ergänzte ich.

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