Hannes Koch
Ausgabe 2213 | 30.05.2013 | 09:00 4

Finger weg vom Korn, ihr Spekulanten!

Hunger Die DZ Bank will nicht mehr mit Nahrungsmitteln spekulieren. Das ist eine Folge des gesellschaftlichen Drucks. Doch die Ankündigung ist mit Vorsicht zu genießen

Finger weg vom Korn, ihr Spekulanten!

Foto: Sam Pamthaky/ AFP/ Getty Images

Solche Ankündigungen sind mit Vorsicht zu genießen: Die DZ Bank, das Zentralinstitut der rund 900 deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, will nicht mehr mit Nahrungsmitteln spekulieren, heißt es in einem Brief an die Organisation Foodwatch. Das Institut reagiert damit auf öffentlichen Druck: Man will sich nicht vorwerfen lassen, mit dem Hunger von Millionen Menschen in Asien und Afrika Geld zu verdienen.

Die DZ Bank steht mit dieser Entscheidung nicht alleine da. Zuvor hatten bereits die Dekabank der Sparkassen, die Commerzbank und die Landesbank Baden-Württemberg ihren Verzicht erklärt. Andererseits können solche Erklärungen auch schnell widerrufen werden, das zeigt das Beispiel der Deutschen Bank. Unter dem Eindruck massiver Kritik hatte Deutschlands größtes Institut die Spekulation mit Nahrungsmitteln 2012 zunächst infrage gestellt, um Anfang diesen Jahres doch wieder einzusteigen.

Geschäfte mit Essen sind nicht verwerflich

Die schwankende Haltung der Banken erklärt sich aus der Art der Geschäfte, um die es hier geht. Börsenhandel mit Schweinen, Rindern, Weizen, Mais oder Soja ist grundsätzlich weder Hexerei noch Spekulation auf Kosten der Armen und seit Langem üblich. Indem Landwirte heute Preise für die Zukunft vereinbaren, sichern sie beispielsweise den Verkauf ihrer Ernte ab. Sie wissen dann, mit welchen Einnahmen sie in einem oder zwei Jahren rechnen können. Mit demselben Mechanismus verschaffen sich Nahrungsmittelproduzenten Sicherheit für den Einkauf ihrer Vorprodukte. Banken vermitteln solche Geschäfte und verdienen mit dieser Dienstleistung Geld.

Problematisch wird die Sache, wenn mehrere Milliarden Euro zusätzlich an die Rohstoffbörsen fließen. Wenn sich dort Investoren engagieren, Hedgefonds beispielsweise, die vom reinen Profitinteresse getrieben sind und nicht vom Anliegen, die Erzeugung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln abzusichern. Wenn durch komplizierte Finanzprodukte Weizen zu einem Spekulationsobjekt wird, mit dem die milliardenschweren Fonds Wetten veranstalten – nach dem Motto: „Steigt der Preis dieses Papieres in drei Monaten um 20 Prozent, verdienen wir 100 Millionen.“

Preiserhöhungen bis zu 30 Prozent

José Graziano da Silva, der Chef der Welternährungsorganisation, sagte unlängst, dass der Handel mit Derivaten die Preise für Lebensmittel in die Höhe treiben könne. Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass solche Spekulationen die Agrarpreise immer stärker beeinflussen. Berechnen und nachweisen lassen sich Preiserhöhungen von 20 oder gar 30 Prozent.

Natürlich sind derartige Gewinnaussichten für Investoren und Banken interessant. Davon leben sie schließlich. Nur ungerne lassen sie die Finger von Produkten, die potenziell hohe Profite versprechen. Wenn sie es dennoch tun, spielen externe Einflüsse eine wichtige Rolle – etwa die Überlegung, dass ein schlechter Ruf Geschäftspartner abschrecken und so Verluste verursachen kann.

Wenn ein Institut wie die DZ Bank auf Spekulationen mit Agrarprodukten verzichten will, reagiert es auf Kritik, auf veränderte Stimmungen der Gesellschaft. Dieser Druck der Öffentlichkeit ist notwendig. Sonst gleiten die Banken und Investoren wieder ab und wetten auf den Hunger.

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 22/13.

Kommentare (4)

oi2503 30.05.2013 | 09:15

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Und. Septemberweizen:

"SEPTEMBERWEIZEN ist ein Film über und gegen die Mythen, die sich um Weizen, Hunger und die ranken, die damit umgehen. Josef von Ägypten ist der erste dieser mythischen Figuren. Seinen Ruf als Ernährer verdankt er einer gutorganisierten Spekulation gigantischen Ausmaßes. Selbst in der Bibel ist erkennbar, dass Josef die Hungersnot, der er seinen Ruf verdankt, selbst erzeugte. Josef der Ernährer ist die einzig
durchgehende Figur in SEPTEMBERWEIZEN, und seine Legende, in den Kontext unserer Zeit gestellt, erweist sich im Lauf des Films als aktuelles Vorbild für viele moderne Josefs -- Weizenhändler, Spekulanten, Politiker...
SEPTEMBERWEIZEN ist auch ein Film über den amerikanischen Weizen, der den Weltmarkt bestimmt -- die Methoden sind international, die Auswirkungen global.
SEPTEMBERWEIZEN ist mehr noch ein Film über Hunger -- in den reichen wie in den armen Ländern. Der Film forscht nach den Ursachen des Hungers in einer Zeit des Überflusses, er fragt nach den Motiven, die Weizen zur Ware und zur Waffe, Menschen zu Opfern des Wohlstandes, Natur zum Feind werden lassen. Der Film ist in sieben Kapitel unterteilt, die vor allem Fragen stellen und Widersprüche aufzeigen sollen.

Preise:
• Deutscher Filmpreis 1981
• Adolf Grimme Preis 1981
Presse:
• „Eine uralte Geschichte, so spannend und radikal dargestellt, wie es die Sachverhalte erfordern!" Frankfurter Rundschau

Ein Film von Peter Krieg, D 1980, 96 Min, FSK 12"

(aus YouTube)

Oberham 30.05.2013 | 16:59

Sonst gleiten die Banken und Investoren wieder ab und wetten auf den Hunger.

Ich trau es mich fast nicht in Worte zu fassen - doch ich tu es.

Die Wette auf den Hunger, ist das sicherste Invstment ever, die Wette auf die Marginalisierung von immer mehr Menschen auf der Welt, ebenso, der Hunger ist ein Teil des Investmentpakets.

Im Übrigen ist der Finanzsektor das Steuerungsmittel schlechthin, das Ziel der Marginalisierung vorranzutreiben - ein einziger Händler kassiert 40 Mio. Boni dafür, den Markt zu manipulieren und das Geld von den Massen abzuziehen und auf die Lenkungsgruppe zu konzentrieren.

Es wäre interessant die Summen der Boni für etwa 100.000 Banker und die für Waffenproduktion zu vergleichen - ein Banker ist effektiver als jede Drohne, jede Bombe - daher erhält er auch mehr Geld - als so ein Ding kostet - Nur mal zum Vergleich:

Alleine die Jungs der Commerzbank - die eigentlich pleite ist, erhielten aus Steuermitteln in den letzten drei Jahren über 1,2 Mrd. an Bonusgeldern (der Löwenanteil von mehr als 90% dieser Summe floss in die Taschen von weniger als 1000 Mitarbeitern)

Diese "Krieger" lachen sich schlapp über unsere Lamentos, sie wissen, sie sind die geschätze Gruppe von Massenmördern, die eleganter als jedes noch so subtile Gift die Leute aus der Welt schafft.

Aber diese Theorien sind natürlich krude Gedankenknoten, die man schlicht nicht zur Debatte stellen möchte, schließlich wäre es ja eine Erklärung, warum die Finanzkonzerne inzwischen mehr Geld als jemals zuvor verdienen und die öffentlichen Kassen binnen zwei Jahren - angelblich - in die absolute Sparsamkeit und Deszoialisierung gezwungen wurden.

Die Wahrheit liegt offen auf dem Tablett, doch wir sollen diese ekelige Gabe nicht riechen, sehen, wahrnehmen - wir stülpen gedanklich einen Deckel drüber und picksen einzelne Aspekte heraus, um unsere Vernunft damit zu verarschen.

Betrachtet das Ganze, Ihr werdet viel Talent zum Selbstbetrug brauchen, um es zu negieren!

sucher 12.08.2013 | 11:56

hallo oi dein kommentar spricht mir in vielem aus der seele!

man möchte nicht der ewige missmacher sein, möchte kaum glauben, daß es doch dermaßen krank und kriminell ist! In manchen stunden könnte ich die wände hochgehen über meine/unsere machtlosigkeit (dem gefühl davon jedenfalls), daß die wahrheit für alle klar erkennbar ist, sich aber nichts ändert (außer zum negativen)

In den 90ern galt jeder, der den damaligen hype des neolibs, gepuscht von "links" bis rechts, als "ewig-gestrig", heute scheint kapitalismus(allein das wort tauchte erst wieder mitte der 00er jahre auf)-kritik mainstream zu sein, ändern tut sich nichts. Der neolib hat sein kulturzerstörendes ziel erreicht: Verunsicherte, sich der realität ggüber als völlig machtlos empfindende individuen, ein jeder der unternehmer seines lebens (was für sicher 80% der menschen eine in der menschheitsgeschichte nie dagewesene überforderung bedeutet!) werden mit infobrocken bombadiert, die sie im alltäglichen druck niemals verarbeiten können (60sek regierungskrise, 30sek tote in bagdad, 30 sek kämpfe in somalia, 30 sek neuer vorstand bei xxx, 60 sek fußball, 20 sek geburt eines bären im berliner zoo, wetter) Kapitalismus hat sich in den letzten 30 jahren selber pervertiert. Freier wettbewerb? Wo? Verselbstständigte apparate, einzig ihrem profit und wachstum verpflichtet, fressen sich durch den planeten, vernichten leben, gesellschaften und staaten. Die politik ist längst die pr-abteilung der wirtschaft geworden. Ein paar millionen profitieren davon, konnten einen nie dagewesenen reichtum anhäufen. Und 50% der deutschen besitzen 4,7% des wohlstands.

Wir haben längst die technischen möglichkeiten, alle! anständig leben zu lassen. Ohne den zwang zur lohnarbeit.

Holen wir uns unser leben zurück!