Frischluftfanatiker

Aufruhr Fast kein Tag vergeht mehr ohne Demos gegen Impfpflicht und Corona-Maßnahmen – nun meist mit Gegenprotest. Was ist vor Ort los? Vier Eindrücke aus Hamburg, Thüringen, Niedersachsen und Bayern

Unter Linken in Hamburg

Fridays for Future verteidigt die Wissenschaft, der Verband demokratischer Ärztinnen und Ärzte fordert die Freigabe der Patente, der Antifa-Block kritisiert den Kapitalismus: Hamburgs Linke treffen sich an diesem Samstag am Bahnhof Dammtor, schauen nach zwei stillen Jahren, wer eigentlich noch dabei ist – und mühen sich, nicht nur als Reaktion auf die protestierenden Gegner der Corona-Maßnahmen zu erscheinen.

Dennoch spricht der NDR von einer „Demo der Maßnahmenbefürworter“, was nicht abwegig ist: Auf Transparenten heißt es „Impfen statt schimpfen“ und „Spritze in den Arm statt Telegram“. Der Aufruf dreht sich um „Schwurbler“ und Leute, die sich nicht impfen lassen wollen. Kritik an Einschränkungen im Freizeitbereich im Gegensatz zu offenen Betrieben, an Hamburgs Polizei, die im Sommer Jugendliche wegen fehlender Masken durch einen Park jagte, an der verfehlten Impfstrategie: alles ausgespart. Selbst eine Vergesellschaftung von Pharmakonzernen greift der Aufruf nicht auf. Fünf Tritte zur Seite, keiner nach oben. Mit Masken und Abstand schreitet die Demo durch die Innenstadt.

Die etablierte Samstagsdemo der Maßnahmen- und Impfkritiker hat die Versammlungsbehörde dagegen verboten. Trotzdem harren Hunderte über Stunden nahe dem Hauptbahnhof aus. Sprechchöre ertönen: „Frieden, Freiheit, Selbstbestimmung!“ Eine Frau mit grauen Haaren, gelber Weste und bunter Strickmütze brüllt energisch mit, feuert die an einer Straßenecke Stehenden an. Aber niemand traut sich, den angekündigten Spaziergang anzutreten – auch wegen der Helme, Wasserwerfer und Pferde der Polizei.

Eine Woche vorher waren etwa 15.000 gegen Maßnahmen und Impfpflicht auf der Straße. Darunter Esos, Nazis, Ich-Zentrierte und viele unterschiedliche Leute, deren innere Haltung sich nicht eindeutig an äußerer Erscheinung festmachen lässt. Die Samstagsdemo verzichtet auf einen Aufruf und bietet so unterschiedlichsten Projektionen eine Fläche. Dabei waren zuletzt ein paar linke Gewerkschafter*innen. Sie verweisen auf Arbeiter*innen, etwa aus der Pflege, unter den Demonstrierenden. Eine ähnlich schwache Argumentation wie die mancher Linker, deren Kritik an den Samstagsdemos sich im Verweis auf einige anwesende Rechtsradikale erschöpft. Sebastian Friedrich

Bei Wilhelmshavener Wetter

Wilhelmshavener Wetter. Eine nordseenasse graue Suppe wabert über den Rathausplatz, am Fuß des Klinkerklotzes zwei Gestalten, aus 1,5 Meter Entfernung formen sie sich zu einem Polizisten und einer Bürgerin, er mit Maske, sie mit Zettel am Ärmel: „Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Oben zeigt der Klotz von Rathaus kurz vor sieben, Montagabend.

„Aber die Menschen haben richtig Angst gekriegt! Wie können wir das heute verhindern?“ Die Frau faltet ihre Hände, der Polizist fährt sich durch das Gesicht. Sie diskutieren über vergangene „Montagsspaziergänge für Demokratie“. Am 13. Dezember, 250 Leute waren es, spazierte der eine Teil plötzlich sehr schnell los zum Weihnachtsmarkt. 2G galt hier, aber die schnellen Spaziergänger rissen die Gitter bei der Eingangskontrolle nieder und stürmten den Markt. Am Montag vor Weihnachten wurden sie am Rathausplatz dann von einer Hundertschaft erwartet, Verstärkung aus Oldenburg: behelmte Polizisten, erzählt die Bürgerin, „meine Freundin haben sie festgehalten, ihre Personalien aufgeschrieben! Das muss doch nicht sein!“, sagt die Christin.

In der Suppe auf dem Platz jetzt vereinzelte Gestalten, einige Männer breitbeinig, zur Polizei gewandt, andere unterhalten sich locker. Der Polizist zeigt auf die Menschen. „Die AfD hat mit zu diesen Spaziergängen aufgerufen, und sie sind auch da, die Rechten, soll ich sie Ihnen zeigen? Ich könnte Ihnen jeden Rechten auf dem Patz zeigen. Aber dann sind da eben auch so viele andere, wie Frau Woggon hier, eine wirklich herzensgute Frau.“ Er wendet sich an Frau Woggon. „Ich kann mich nur wiederholen, wenn die Leute hier gegen die Corona-Regeln verstoßen, dann müssen wir einschreiten!“ „Aber ich kann ihnen ja sagen, dass sie eine Maske tragen sollen! Wir können alle eine Maske tragen.“ „Sie tragen halt nicht alle eine Maske.“ Frau Woggon trägt keine Maske.

Sie wendet sich an mich. „Wissen Sie, es ist ja auch komisch, hier draußen an der frischen Luft eine Maske zu tragen, aber wenn es sein muss, überrede ich sie hier alle, ich will doch nur, dass wir demonstrieren! Aber manche Leute hier wollen das nicht. Auf Telegram gab es auch Streit darüber, ob man eine Demonstration anmeldet, das wollten manche auch nicht.“ Sie wendet sich an den Polizisten. „Es ist ja auch ein Spaziergang eigentlich!“

„Herrje, wie oft soll ich es Ihnen noch...“, der Polizist streicht sich über den Kopf, „ein Spaziergang ist doch etwas anderes, den macht man privat, spontan, das hier ist abgesprochen, geplant, Sie demonstrieren damit doch für ein politisches Anliegen und...“, er hält inne, und hält sich sein Ohr, Funk.

Heike Woggon arbeitet als pharmazeutisch-technische Assistentin, sie ist Gesundheitsberaterin, sie sagt, sie hat auch schon Eltern von Kindern mit Impfschaden betreut. Sie findet die Corona-Impfung zu gefährlich dafür, dass so ein Druck ausgeübt wird. Den Druck findet sie nicht gut, und vor allem nicht, dass Ungeimpfte ausgeschlossen werden. Das verstößt gegen ihren Glauben. „Nicht abweisen“, sie tippt mit dem Finger auf ihre Armbinde.

Aber dann kamen vor Weihnachten die Polizisten mit Helmen und Hunden, und dann haben Menschen Angst bekommen, und das gehe doch so nicht. Dass da manche Spaziergänger über den Weihnachtsmarkt sind, das sei aber auch nicht gegangen, das finde sie auch nicht gut. Sie sei politisch „absolut unorientiert“. Aber Weihnachtsmarkt stürmen, nein.

Der Polizist nickt. „Ich kenne Frau Woggon ja nun schon seit einigen Wochen. Ein herzensguter Mensch,“ wiederholt er. „Aber wenn es um Demonstrationen geht“, er zeigt auf die Menschen auf dem Platz, inzwischen sind es 40, 50, „dann habe ich schon mehr Erfahrung.“ „Wieso kann ich die Demo denn nicht anmelden?“ „Weil Sie heute erst angerufen haben! Das ist zu spät! 48 Stunden vorher müssen Sie die Demo anmelden, mindestens.“

An der Ecke sammelt sich die örtliche Antifa. Fünf Jugendliche, „Solidarisch für eine bessere Zukunft“, steht auf einem Transparent, auf dem anderen: „Durchgechippt und trotzdem da: Echsenmenschen Antifa!“ Ein Polizist geht hin, begrüßt sie, es wird gelacht.

Auf dem Platz stehen die Menschen einzeln oder zu zweit, schweigend, kleinere Gruppen von drei bis vier Menschen reden leise miteinander. „Der Freund der Mutter meiner Freundin ist Physiotherapeut“, sagt einer, „nachdem er sich impfen lassen hat, hat er Herzprobleme bekommen, Herzleistung jetzt bei 20 Prozent, der kann kaum aufstehen, Praxis dicht, ob der jemals wieder arbeiten kann? Unklar!“ „20 Prozent?“, fragt der Begleiter, „da muss schon vorher was gewesen sein, wenn das Herz jetzt so schwach ist.“ „Das sagen alle!“, wirft ein Dritter ein, „dass das andere Gründe haben muss, aber direkt nach der Impfung war das mit dem Herzen, sowas ist doch kein Zufall!“

Eine Frau kommt vorbei, um die 60 Jahre alt, Pferdeschwanz und gelbe Jacke, sie hält ihre Maske in die Luft, „tragen wir die jetzt? Hier, an der frischen Luft? Aber bevor die jetzt die ganze Veranstaltung verbieten...?“ Sie weiß nicht recht. „Die Maske ist doch Quatsch!“, ruft einer, „weißt du, wie klein so ein Virus ist? Das geht da eh durch!“ „Nein, nein“, jetzt wird die Frau ärgerlich, „nein, das meinte ich nicht, natürlich schützt die Maske, drinnen, aber hier draußen...? Ach, egal“, sie zieht die Maske auf und geht in Richtung von vierzig, fünfzig Menschen, die jetzt vom Platz spazieren.

„Wenn sich jemand findet, der diese Versammlung anmeldet, dann möge sich derjenige jetzt melden“, tönt es da aus dem kleinen Polizeiwagen am anderen Ende des Platzes. „Ich melde an! Ich melde an!“, ruft eine Frauenstimme. Es ist die Christin, Frau Woggon, rennt über den Platz, „ich mache das!“. Die Frau in der gelben Jacke bleibt stehen, zögert, die Spaziergänger spazieren weiter. „Sie stehen jetzt unter dem Schutz des Versammlungsrechts“, tönt es aus dem Lautsprecher der Polizei. Es formiert sich eine zweite kleine Demonstration, angeführt von Frau Woggon, manche rufen: „Frieden! Freiheit! Demokratie!“ Die Männer mit den breiten Beinen sind verschwunden, in die andere Richtung. Die Frau mit der gelben Jacke schließt sich der kleinen Demo an.

Die Antifa auch. „Wo gehen die anderen hin?“ „Zu Schmidt und Koch.“ Zum Autohaus. „Sind die Schmidt-und-Koch-Leute nicht die Rechten?“ Die Antifa zuckt die Schultern.

„Ich bin Rentnerin“, sagt die Frau mit der gelben Jacke. „Ich schaue viel Fernsehen. Ich finde nicht gut, wie mit den Ungeimpften umgegangen wird.“ Die Brille über ihrer Maske beschlägt.

An der Ecke des Rathausplatzes sammeln sich wieder Menschen, zehn hier, zehn dort, kleine Gruppen. „Vor Weihnachten waren es viel mehr“, sagt eine Frau zu ihrem Mann, sie ist klein und hat lockige, graue Haare, hochgesteckt, vielleicht schon 70 Jahre alt, „da hätte unser Konzept geklappt, jetzt sind wir zu wenige.“ Welches Konzept? „Die Bismarckstraße rauf und runter, aber auf der Fahrbahn!“, ihre Augen leuchten. „Hast du das Video gesehen? Über die Lungenembolien? Das ich euch geschickt hab?“, fragt ein Mann sie. „Hab ich mir noch nicht angeguckt“, sagt die Frau. „Mach mal!“, sagt der Mann.

„Das hätte den Verkehr ordentlich gestört“, sagt die Frau, „auf der Fahrbahn, aber wir müssen wohl erst wieder mehr werden. Die sind eingeschüchtert, von der Polizei. Die Oldenburger waren ja da! Mit Helmen! Und Hunden!“ Die Gruppe geht weiter, zurück auf den Rathausplatz. Die Demo von Frau Woggon ist noch nicht wieder da.

Aus der Ferne trägt die nordseenasse graue Suppe Sirenen heran. Die Schmidt-und-Koch-Truppe ist zu Schmidt und Koch gelaufen, umgedreht, und als ihr die Polizei dann entgegenkam, rannten einige über die Bismarckstraße, vierspurig, einfach so, jetzt stehen sie umringt von Polizei auf dem Bürgersteig. „Hier ist viel Verkehrsaufkommen“, sagt der Polizist, „einfach so über die Straße rennen, das geht nicht.“ Die Polizei hält einige Demonstranten fest, notiert Personalien. Eine Frau drückt sich in einen Hauseingang. „Sie will ihre Personalien nicht abgeben“, sagt der Polizist. Sie ist umringt von Polizistinnen. Eine hat eine Taschenlampe. „Die soll mich nicht so anscheinen“, sagt die Frau. Die Polizistin scheint woanders hin. Es wird geredet, es kommt der Einsatzleiter. Die Frau wird gehen gelassen. Sie verschwindet in der Suppe. Das Blaulicht auch. Elsa Koester

Auf Wolfratshausens Pflaster

Es ist dunkel in Wolfratshausen, aber man kann die „Spaziergänger“ gut erkennen, am leichten Schaukeln der Tragelampen und den Kerzen, die sie mit zwei Händen halten. Aus immer größeren Pulks bildet sich ein Zug, der zur Innenstadt strebt. Kurz vor der Loisachbrücke verlangsamen die Impfgegner den Schritt. Bei vielen zeichnet sich eine gewisse Überraschung im Gesicht ab.

Hier nämlich beginnt Wolfratshausens „Menschenkette für Solidarität“. Wo beide Gruppen einen Berührungspunkt haben, stehen Einsatzkräfte des USK, des Unterstützungskommandos der Bereitsschaftspolizei. Manche Spaziergänger blicken zu Boden, manche versuchen ein betont munteres „Guten Abend!“ zu Polizei und Presse. Unbehagen liegt in der Luft.

Dann biegen die Spaziergänger in die Innenstadt ein. Weihnachtsbeleuchtung taucht noch immer den Obermarkt und die teils mit Lüftlmalerei verzierten Kaufmannshäuser entlang der Haupteinkaufsstraße in ein warmes Licht. Vor einer Woche hatte sich hier eine fast absurde Szene abgespielt: Spaziergänger und Menschenkette standen sich auf den Bürgersteigen Auge in Auge gegenüber. Doch an diesem Abend stehen die Befürworter der Corona-Maßnahmen weitab, an der Loisach. Die Impfgegner stoßen auf keinerlei Widerstand. Triumph spiegelt sich in vielen Mienen. Der Strom ergießt sich über die gesamte Breite der Straße. Blicke suchen sich, Bekannte erkennen sich. Schultern werden geklopft. Am Marienplatz, unterhalb der Kirche St. Andreas, kommt der Zug zum Stehen, im Herzen der Stadt ballen sich jetzt die Spaziergänger. Eine Welle der Selbstbestätigung geht durch die Menge, es wird gejohlt, gepfiffen, betont laut gelacht. Handys werden hochgehalten, um das Wir-Gefühl festzuhalten. Man sieht Menschen allen Alters, Männer, Frauen, Alternativ-Touch, viel Outdoorkleidung, viel Strickjanker, Männer mit Hüten und schwarz-rot karierten Holzfällerhemden, hier im Oberland kann das eine Chiffre für die Identitären sein.

Jemand anders hat sich als Umhang die Trikolore umgehängt. Wer aus der Region kommt, erkennt Gesichter. Mehrere Eltern der nahen Waldorfschule sind unter den Spaziergängern. Journalisten werden anhand ihrer Masken erkannt, es wird über sie getuschelt, manche zeigen mit dem Finger auf sie, grinsen demonstrativ.

Eine Spaziergängerin sagt, sie sei für den Frieden da, „genauso wie damals die Menschen in der DDR“. Leider sei die heutige Gesellschaft nun gespalten und dafür trage vor allem die „Mainstream-Presse“ Verantwortung, weil die Demonstranten in die rechte Ecke stelle. „Das tut sehr weh.“ Sie nickt, legt eine Hand auf ihr Herz. „Mainstream-Presse“, ist das nicht ein Begriff der rechtsextremen Szene? Das Salbungsvolle fällt von der Frau ab, ihre Stimme wird aggressiver: „Ich möchte selbst entscheiden, welche Begriffe ich verwende und welche nicht!“ Dann setzt sie nach: „Das ist Freiheit, ja?“

Rund 300 bei der Menschenkette, 950 „Spaziergänger“ – laut Polizei haben an diesem Abend viele Autos mit Kennzeichen aus München und nahen Landkreisen in der Stadt geparkt. Vielleicht hat das damit zu tun, dass der Landrat von Bad Tölz-Wolfratshausen, Josef Niedermaier von den Freien Wählern, Ende Dezember im Münchner Merkur zitiert wurde: Seine Behörden würden nicht gegen die ordnungswidrigen Versammlungen vorgehen, solange diese Spaziergänge „friedlich verliefen“, nicht die öffentliche Ordnung gefährdeten. Viele haben das wohl als Einladung verstanden. Margarete Moulin

Zum Anger in Erfurt

Der Anger, an dem sich in Erfurts Zentrum alles kreuzt, ist an diesem nasskalten Montagabend belegt. Zwischen Absperrgittern haben sich vor allem junge Leute versammelt, umringt von einer halben Hundertschaft Polizei.

Es ist eine angemeldete Demonstration, auf der Maske getragen und zum Impfen aufgerufen wird. Etwa 250 sind gekommen; ein paar Antifa-Fahnen sind zu sehen und einige Schilder mit Sprüchen wie „Weiter denken statt querdenken“.

Jene Menschen, die sich „Spaziergänger“ nennen und an die sich diese Aufforderung richtet, stehen etwas unschlüssig in Grüppchen jenseits der Gitter. Einige schauen auf ihre Handys, in einschlägige Telegram-Gruppen. Ihr Ziel heißt jetzt offenkundig Domplatz, einen knappen Kilometer vom Anger entfernt.

Auf halbem Weg, an der Schlösserbrücke, will ein Mann in blauem Anorak, roter Böhse-Onkelz-Mütze, mit einem Biewer Yorkshire an der Leine seinen Namen nicht preisgeben, dafür aber seine Ansichten: zur „Todesspitze“, in der „Gift drinne“ sei, zu den Ungeimpften, die „wie früher die Juden“ behandelt würden, zur Bundesrepublik, die es eigentlich gar nicht gebe.

Die Aussagen müssen nicht unbedingt repräsentativ sein für die knapp 300, die sich kurz danach auf dem Domplatz sammeln. Stadtbekannte Rechtsextreme oder AfD-Politiker sind kaum zu sehen; augenscheinlich sind vor allem sogenannte normale Bürger, einige als Ehepaar in Familie da. Vereinzelt tragen sie elektrische Lichter oder Kerzen, doch die meisten belassen es bei den erprobten Sprechchören „Friede, Freiheit, keine Diktatur“, „Wacht auf!“ und „Schließt euch an!“

Doch man bleibt unter sich, die meisten Passanten schauen nur neugierig und kaufen dann weiter ein. „Es ist so traurig, dass wir so wenig sind“, sagt einer im Pulk. In Gera sind es an diesem Abend wieder 3.500, in ganz Thüringen 21.000.

Die Polizei eskortiert die Menschen zu Fuß sowie mit Einsatzwagen, schneidet immer wieder den Weg zur Fußgängerzone ab, was nur halb gelingt. Als der Anger im Zickzack doch erreicht ist, versucht die Polizei, die Versammlung aufzulösen. Nach Lautsprecheransagen, kurzer Aufregung und zwei, drei vorläufigen Festnahmen laufen die Menschen tatsächlich auseinander. Nächsten Montag, sagen einige, wollen sie sich wiedersehen. Martin Debes

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