Fünf Dinge, die anders besser wären

Status quo Ausbeutung bei einem Vorzeigeunternehmen, keine Pausen in der Pflege, Yachten als Steuersparmodell, Massentierhaltung und eine Millionenpanne

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Was für eine Vorzeigefirma der deutschen Industrie! Knorr Bremse ist 110 Jahre alt, Weltmarktführer für Bremssysteme, zwischen 2011 und 2015 stieg der Umsatz um fast 40 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro, beim Auftragseingang gab es einen neuen Rekord, im Februar freute sich das Unternehmen, erneut ein Zertifikat als „Top-Arbeitgeber für Ingenieure in Deutschland“ erhalten zu haben. Und so macht sich Knorr Bremse fit für die Zukunft: 125 Mitarbeiter einer Konzerntochter in Berlin-Marzahn sollen ihren Job verlieren, das Werk wird nach Tschechien verlagert, während an den alten Standort ein anderes Tochterunternehmen zieht, dessen Beschäftigte künftig 42 statt 35 Stunden pro Woche arbeiten sollen – bei gleichem Lohn. Die Flucht aus Tarifbindung und Sozialpartnerschaft organisiert Knorr per Austritt aus dem Arbeitgeberverband.

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Massenhaft neu einstellen wollen die Arbeitgeber in der Pflege. Das müssten sie auch: 19.500 Vollzeitstellen fehlen laut einer Verdi-Hochrechnung allein für die Nachtdienste in deutschen Klinken, um auf ein im internationalen Vergleich annehmbares Versorgungsniveau zu kommen. Die Träger stöhnen, sie fänden keinen neuen Leute – was kaum verwundert angesichts der die Branche dominierenden Dogmen Spardruck, Profitorientierung und der daraus resultierenden Arbeitsbedingungen. 71 Prozent der Beschäftigten machen laut einer Befragung nachts keine Pause.

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Letztere kann sich Dieter Schön, Inhaber der gleichnamigen Klinik-Kette, auf seiner „Momo“ gönnen, die mit dem „German Offshore Award“ schon als beste deutsche Hochsee-Segelyacht ausgezeichnet worden ist. Zu Journalisten von WDR, NDR und SZ wollte Schön vergangene Woche lieber nichts sagen. Sie waren bei Recherchen zu Steuersparmodellen per Yachtkauf im amtlichen Firmenregister Maltas auf Schön gestoßen. Sein Anwalt meinte, alles sei in Übereinstimmung mit EU-Gesetzen.

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Dafür, dass bei der Massentierhaltung in Brandenburg alles in Übereinstimmung mit den Gesetzen läuft, sorgt die Lobby: das SPD-geführte Agrarministerium in Potsdam will ein „Investoren-freundliches Klima“ schaffen und hat dazu einen „Leitfaden für die Genehmigung von Tierhaltungsanlagen“ herausgegeben. Die Potsdamer Neuesten Nachrichten berichteten nun, wer den Leitfaden erstellt hat: ein für Investoren der Schlachtindustrie tätiges Ingenieurbüro. Letzteres wirbt um Kunden mit dem Hinweis, schon für 500 Standorte, die Fleischkonzerne für ihre Massenställe ins Auge gefasst haben, die bei den Behörden einzureichenden Genehmigungsunterlagen erstellt zu haben.

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Die Bundesagentur für Arbeit bringt es auf 756 Standorte, doch längst läuft dort vieles digital, 120 verschiedene IT-Verfahren bedienen die 95.000 Beschäftigten. „Robaso“ sollte die große Vereinfachung bringen: „eine einzige IT-Plattform ohne Doppeleingaben und Programmwechsel“, seit 2010 selbst entwickelt, seit 2015 im Testlauf – und dann das: „Im praktischen Einsatz im Kundengeschäft zeigte sich, dass die Software zu wenig flexibel war, um der Komplexität der Kundenanliegen gerecht zu werden.“ Projekt abgeblasen, 60 Millionen Euro futsch. Kann man sich ja leisten, wenn man zugleich einen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr mittels Sanktionen gegen Hartz-IV-Bezieher spart. 2016 wurden im monatlichen Durchschnitt 134.000 Menschen sanktioniert, ergab eine Anfrage der Linken. 2015 waren es 131.520 gewesen.

06:00 08.03.2017

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