Hat richtig gesessen

Damenoberbekleidung Dorothee Bär lief im Bundestag mit einem FC-Bayern-Trikot auf. Und verletzte damit für einige die Würde des Parlaments. Zu Recht?
Jürgen Busche | Ausgabe 20/2015 7
Hat richtig gesessen
Hat Dorothee Bär den Meistertitel der Frauen des FC Bayern etwa vorausgeahnt?

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Dorothee Bär – für die CSU im Deutschen Bundestag – ist auffällig geworden. Sie trug im Hohen Haus erkennbar statt eines Rüschenhemds, oder was sonst für Konservative an Damenoberbekleidung vorgesehen ist, ein Trikot des FC Bayern München. Das tat sie, nachdem der frischgebackene Deutsche Meister das Halbfinalhinspiel der Champions League in Barcelona verloren hatte. Und so stellt sich die Frage, ob dieses Kostüm Trotz und Ermutigung für die geschlagenen Kicker signalisieren sollte oder aber, mit etwas Verspätung, Triumph: Deutscher Meister ist ja schließlich auch etwas. Vielleicht war es aber gar keine Verspätung, sondern hoffnungsfrohe Prophetie: Jetzt sind auch die Frauen des FC Bayern deutscher Fußballmeister geworden. Also statt des verpassten Triples ein Double der besonderen Art.

Ein Trikot ist übrigens eine Uniform. Alle Spieler einer Mannschaft sollen auf dem Spielfeld gleich gekleidet sein, damit sie einander erkennen. Je nach Erfolg oder „heldenhaftem“ Misserfolg (Bayern in Barcelona) ist eine Uniform auch eine Demonstration, die den Betrachter veranlassen soll, sich zu einer wohlmeinenden oder ablehnenden Haltung gegenüber dem Uniformträger zu bekennen. Konkret: Bei der unter deutschen Kickern beliebten Frage „Was machst du, wenn Messi auf dich zugelaufen kommt“ – bedeutet es einen Unterschied, ob Messi dies im Trikot des FC Barcelona tut oder in Zivil? Tut er es in Zivil, gibt ihm jeder Münchner sogleich eine Maß Weißbier aus.

Im Deutschen Bundestag sind Uniformen oder einheitliches Textil, etwa in der Form von T-Shirts mit identischen Aufdrucken, verboten. Das hat Tradition. Als in der athenischen Volksversammlung vor 2.500 Jahren einmal die Konservativen mit einheitlichem Auftritt den anderen imponieren wollten, wurden sie bestraft. Im Parlament herrscht das Wort, nicht jedoch ein Hemd, in das man auch einen Affen stecken könnte.

Das wusste auch Dorothee Bär. Im Deutschen Bundestag trug sie über dem Trikot einen Janker. Damit war sie äußerlich zum Zivil zurückgekehrt. Dass ein Janker bayrisch ist, sollte nicht zur Kritik herangezogen werden. Nicht jeder Bayer kann ein Jackett zuknöpfen.

Was die Linken, die Bärs Auftritt attackierten, allerdings übersahen, ist, dass die Staatssekretärin auf der Regierungsbank Platz genommen hatte, von der aus niemand in die Debatte eingreifen darf. Und auf der Regierungsbank, wenn auch in einer hinteren Reihe, sitzen auch Menschen in Uniform: etwa von der Bundeswehr.

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06:00 13.05.2015

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