Alexa heißt bald Symfonsik

Ikea Dass der schwedische Möbelkonzern nun auch den Digitalmarkt erschließt, ist für unsere Kolumnistin kein Grund zur Freude
Nina Scholz | Ausgabe 19/2019 2

Hey Leute, Ikea, das Möbelhaus, das ihr alle liebt und hasst und von dem ihr natürlich nichts in eurer Wohnung habt, weil ihr doch alle so geschmackvolle Individualisten seid, (naja, abgesehen von den paar Möbeln, dem bisschen Geschirr und anderem Ikea-Kram, der natürlich trotzdem in eurer Wohnung steht) – dieser tolle Möbelkonzern wird jetzt ein Digitalkonzern! Im Handelsblatt, im Magazin t3n oder auf gruenderszene.de wäre das wohl eine sehr gute Nachricht: Digital – das bedeutet doch jung, frisch, Zukunft! Auch im Jahr 2019 noch, wo es in Europa noch gar nicht so viele junge, hippe, coole Digitalkonzerne gibt, die außerdem auch noch im Leben vieler Menschen stattfinden. Das ist bisher noch das Spezialgebiet der Silicon-Valley-Unternehmer.

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Und wäre ich jetzt eine Autorin von Handelsblatt, t3n und gruenderszene.de, würde ich euch jetzt anpreisen, was Ikea für euch alles neu macht: Ihr müsst eure Beziehung samstags bald nicht mehr im Möbelhaus auf den Prüfstand stellen. Ihr könnt eure Möbel per Augmented-Reality-App bestellen, die sie euch in 3D darstellt – in eurem Wohnzimmer! Und ihr könnt euch einen Smartspeaker im Ikea-Design, mit Ikea-Namen („Symfonsik“) und zum Ikea-Preis kaufen.

Aber ich bin ja eine Freitag-Autorin und deswegen schreibe ich: der Umbau von Ikea zum Digitalunternehmen ist eine schlechte Nachricht. Nicht, dass Ikea bislang ein altruistisches, nettes Unternehmen gewesen wäre. Aber der Kauf eines angeblichen smarten Geräts hat immer weitreichendere Folgen als der eines schnöden Billy-Regals. Der Einstieg ins Smart-Speaker-Geschäft ist nur der Anfang von Ikeas Ambitionen im Smarthome-Segment. Das Wachstumspotential im diesem Bereich ist absehbar riesig. Social Media ist tot, es leben die sprachgesteuerten Apps! Und dazu wächst natürlich auch der Smarthome-Bereich.

Da wäre Ikea als Möbelgigant mit vertrauensvollem Kundenstamm und weltumspannender Logistik fast blöde, wenn es nicht einsteigen würde. Was der Konzern davon hat? Das Geschäft mit Möbeln ist begrenzt, gerade in Städten, in denen nicht mehr viel umgezogen wird – wer kann es sich in Berlin oder Hamburg noch leisten, umziehen? Und eure Daten gibt es für Ikea gratis oben drauf, die Augmented-Reality-App macht es möglich. Denn bislang kann Ikea nicht wissen, was ihr Euch so mit den kleinen Bleistiften im Laden notiert, und wie ihr eure Möbel zu Hause aufbaut. Doch mit der App, die Billy so schön vor eure Wand im Wohnzimmer platziert, weiß Ikea bald sehr wohl, wie eure Wohnung aussieht, was eure Vorlieben sind – und kann entsprechend planen.

Der Smart-Home-Markt ist aber noch weitaus problematischer. Auch hier klingt die Idee erstmal gut: Heizungen , die sich selber regeln, Geräte, die sich Vorlieben merken, alles ist miteinander verknüpft. Leider schenken wir damit nicht nur die privatesten Daten einem Unternehmen, das alles mithören und weiterverwerten kann. In der Regel funktionieren diese Systeme auch nur, wenn die Anbieter aufeinander abgestimmt sind, man liefert sich also mehr als einem Unternehmen aus. Und hier macht Ikea ein Angebot: nehmt uns, wir sind günstiger – und ihr kennt uns ja schon! Ikea hat echte Hoffnungen darauf, ein Monopolist zu werden wie die Konkurentinnen aus dem Silicon Valley. Der Möbelkonzern meint das so ernst, dass in Schweden auch schon über die Produktion von selbstfahrenden Autos nachgedacht wird.

Ikea sucht sich also einen neuen Wachstumsmarkt – und dass Digitalunternehmen oft weniger Steuern zahlen, hilft bestimmt auch bei der Rechnung. Finden wir doch nicht so toll, oder? Wir sind hier ja aber auch beim Freitag und nicht beim Handelsblatt, im Magazin t3n oder auf gruenderszene.de.

06:00 17.05.2019

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