Lockerheit war gestern

Geldpolitik Die US-Zentralbank Fed beginnt mit dem Ausstieg aus Niedrigzinsen und Aufkaufprogrammen. Sie will für die kommenden Finanzkrisen gerüstet sein
Lockerheit war gestern
In den USA wurde das Ende des geldpolitischen Krisenmodus verkündet

Foto: Alfred Gescheidt/Archive Photos/Getty Images

Janet Yellen, die Präsidentin der US-Zentralbank Federal Reserve, hat das Ende der Politik der Niedrigstzinsen verkündet: Schluss mit der Geldschwemme, Schluss mit dem Quantitative Easing. Die Zinswende hatte die Fed schon vor einigen Monaten eingeleitet, diesmal ließ sie ihre Leitzinsen unverändert, kündete aber eine weitere Erhöhung zum Jahresende an. Drei weitere Zinsschritte sollen dann im kommenden Jahr folgen.

Im Oktober wird die Fed damit beginnen, ihre durch die fortgesetzten Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren auf 4,5 Billionen US-Dollar angeschwollene Bilanzsumme wieder abzubauen. Damit hat Janet Yellen ein Jahrzehnt nach dem Beginn der großen Rezession das Ende des geldpolitischen Krisenmodus verkündet.

Noch liegt die Inflationsrate in den USA unter der von der Fed gewünschten Marke von zwei Prozent, jüngst ist sie sogar auf 1,4 Prozent abgesackt. Kein Grund, die Wende in der Geldpolitik weiter aufzuschieben. Der Rat der Fed hält den Aufschwung in den USA für robust genug, um auch höhere Zinsen zu verkraften und glaubt, die Inflation werde bald wieder antraben. Wohl ein Grund, um vorsichtig zu Werk zu gehen. Vorerst will die Fed ihre Anleihebestände nur um zehn Milliarden US-Dollar pro Monat reduzieren. Die Finanzmärkte sollen möglichst wenig beunruhigt werden, die Fed hat kein Interesse an einer drastischen Korrektur, die Spekulation soll nicht aus dem Ruder laufen.

Ob das klappt, hängt von der Kooperation zwischen der Fed und der Treasury, dem Finanzministerium der Vereinigten Staaten, ab. Letzteres gibt die US-Staatsanleihen, die Treasury Bonds, aus; es bestimmt darüber, welche Anleihen mit welchen Laufzeiten und Zinsen auf den Markt geworfen werden, um fällige Anleihen zu refinanzieren. Wenn die Fed viele Anleihen wieder verkauft, um ihre Bilanzsumme zurückzufahren, kann das Schatzamt mehr langfristige Anleihen – mit Laufzeiten von 20, 30, 50 oder sogar 100 Jahren – ausgeben, um den privaten Anleihekäufern Liquidität zu entziehen. Die Banken werden fortan auf größeren Bergen von Staatsanleihen mit längerer Laufzeit sitzen bleiben, weil die Fed immer weniger solcher Papiere aufkaufen will.

Die Fed geht voran und gibt ein Signal – für die US-Banken und Finanzmärkte, vor allem aber für die übrigen großen Zentralbanken der Welt, die mit ihr zusammen die Politik des ultralockeren Geldes betrieben haben. Die Bank von Japan wird ihre Anleihekäufe kaum reduzieren, welche vor allem dafür sorgen sollen, dass japanische Staatsanleihen in den Händen japanischer Banken und Anleger bleiben. Die Bank of England wird dem Vorbild der Fed auch nicht so bald folgen. Dafür ist die Gesamtlage der britischen Wirtschaft zu unsicher.

Warten auf den Crash

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Volumen ihrer Anleihekäufe bereits reduziert. Bis Ende 2017 kauft sie weiter pro Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere der Euroländer im Wert von 60 Milliarden Euro auf. Bei der Sitzung des EZB-Rats im Oktober wird die Entscheidung über die Zukunft dieses Programms fallen. Nach dem starken Signal der Fed und angesichts der vergleichsweise kräftigen Entwicklung der Eurozone kann man annehmen, dass EZB-Präsident Mario Draghi dann das Ende der ultralockeren Geldpolitik auch für die Eurozone verkünden wird. Das wäre das Signal für eine Folge von Zinserhöhungen im Laufe des Jahres 2018.

In Deutschland wurden und werden Draghi wie die Mehrheit des EZB-Rates heftig attackiert. Dabei war es allein die Politik des ultrabilligen Geldes, die die Eurozone vor dem Kollaps gerettet und Angela Merkel und die CDU an der Macht gehalten hat. Die europäischen Zentralbanker haben getan, was sie konnten. Sie haben in der Krise die EZB dazu gebracht, wie eine richtige Zentralbank zu handeln – im Verein mit der Fed und der Bank of England. Wenn auch verzögert wegen des Widerstands der geldpolitischen Doktrinäre aus Deutschland. Sie haben den Regierungen der Eurozone Zeit verschafft, Zeit zum Handeln, Zeit, das Richtige zu tun. Dass diese Zeit vertan wurde, ist nicht ihre Schuld.

Jetzt umzusteuern ist richtig. Denn die Zentralbanker wissen nur zu gut, dass die Ursachen der Finanzkrise noch längst nicht überwunden sind. Auf den Finanzmärkten der Welt brauen sich die nächsten Crashs schon zusammen. Nachdem sie ihr Pulver in der letzten Krise verschossen haben, versuchen die Zentralbanker, sich neue Munition für die nächste Runde zu verschaffen.

06:00 29.09.2017

Kommentare 2