Nur durchhalten

Dokumentation Donald Rumsfeld vor dem Senat am 23. Juni 2005

Äußerst kontrovers verlief eine Anhörung von Minister Rumsfeld am 23. Juni zum Thema Irak. Als etliche Senatoren ihre Besorgnis äußerten, reagierte Rumsfeld, als stünden die Besatzer vor keinerlei schweren Problemen, als seien nicht seit Antritt der Regierung Al Dschaafari vor zwei Monaten mehr als 1.000 Menschen getötet worden. Wir dokumentieren Auszüge aus diesem Statement, das von einer fortschreitenden Amnesie unter führenden US-Politiker zeugt.

Ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges veröffentlichte ein führendes Nachrichtenmagazin einen Artikel über Wiederaufbaubemühungen im Nachkriegsdeutschland. Er war überschrieben mit: "Die Amerikaner verlieren den Sieg in Europa". Der Autor schrieb verzweifelt: "Nie war das amerikanische Prestige in Europa geringer. Die Menschen werden nicht müde, von der Ignoranz und dem Rowdytum der amerikanischen Truppen zu berichten, von unserer Fehleinschätzung der europäischen Verhältnisse". Das war 1946. Aber bedenken Sie, mit welch anderem Blick wir heute auf 1946 schauen.

Ein Jahr ist vergangen seit der Übertragung der Souveränität auf das befreite irakische Volk. Und genau wie Europa - ideologisch und militärisch - ein zentrales Schlachtfeld im Krieg gegen die kommunistische Aggression war, sind der Mittlere Osten und Zentralasien ebenfalls Schwerpunkte im heutigen Kampf gegen gewalttätigen Extremismus. Und ich weiß, das amerikanische Volk zeichnet immer noch die gleiche Hartnäckigkeit und Entschlossenheit aus. Gewalttätige Extremisten haben ihre Absicht klar dargelegt: sie wollen so viele Christen und moderate Muslime wie möglich töten. Sie zielen auf Wahrzeichen in unserem Land.

Die Strategie des Präsidenten ist klar - die demokratisch gewählte irakische Regierung zu ermutigen, um:

- Aufständische und Terroristen aggressiv zu verfolgen - und genau das tun ihre Truppen mit vollem Erfolg;

- die öffentlichen Dienste zu verbessern und mit der Hilfe der internationalen Gemeinschaft die Lebensqualität des irakischen Volkes zu verbessern.

Bedenken Sie, was im Irak in zwölf Monaten erreicht wurde - nicht in zwölf Jahren, in zwölf Monaten:

- Über acht Millionen Menschen trotzten terroristischen Bedrohungen und gaben ihre Stimme bei den Wahlen ab;

- Ordnungsgemäß gewählte irakische Führer entwerfen eine Verfassung, über die das irakische Volk am 15. Oktober 2005 abstimmen soll. Unter ihrer neuen Verfassung wird am 15. Dezember 2005 eine permanente Regierung gewählt;

- Die Iraker bauen eine Wirtschaft auf, die wächst, mit einer Börse und einer stabilen Währung;

- Während die Aufstände in Teilen des Irak gefährlich bleiben, sprengen Operationen der Koalition terroristische Heiligtümer wie Falludscha;

- US-Truppen fangen oder töten täglich Hunderte Extremisten und stellen buchstäblich Berge von Waffen sicher.

In der Vergangenheit wurden die Leistungen der irakischen Sicherheitskräfte als uneinheitlich kritisiert. Aber bedenken Sie, dass:

- die Iraker eine unerfahrene militärische Kommandostruktur und schwache Verteidigungs- und Innenministerien hatten. Heute machen beide Fortschritte, haben aber noch einen Weg vor sich;

- sich 2004 sechs irakische Bataillone in der Ausbildung befanden. Heute sind Dutzende Bataillone zu Counter-Insurgency-Operationen fähig.

Einige im Kongress haben vorgeschlagen, dass ein Stichtag für den Rückzug gesetzt werden möge. Das wäre ein furchtbarer Fehler. Damit würde den Terroristen eine Rettungsleine zugeworfen, die in den vergangenen Monaten schwere Verluste hinnehmen mussten, denen Zufluchtsorte verweigert werden und die unter schwindendem Rückhalt in der Bevölkerung leiden. Wir können und werden siegen, aber nur wenn wir durchhalten. Jeder der sagt, wir hätten verloren oder würden verlieren, liegt absolut falsch. Der Irak war lange vor seiner Befreiung ein gewalttätiger Ort, und es mag zweifellos auch nach dem Abzug der Koalitionstruppen Gewalt geben. Der Erfolg unserer Bemühungen kann nicht an der inneren Ruhe gemessen werden.

Aufständische kommen weiter aus Syrien und dem Iran in den Irak. Nationen, die Massenmördern Transit bieten, sind keine Freunde der Iraker oder der Vereinigten Staaten oder der zivilisierten Welt.

Aus dem Englischen von Steffen Vogel


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00:00 01.07.2005

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