Walter van Rossum
20.04.2011 | 08:00 42

Sender im Dienst der NATO

Libyen Auf die Unterstützung der Medien können sich die Interventionsstrategen mittlerweile fast blind verlassen. Allen voran auf die des ZDF

Mittlerweile ist aus der so genannten humanitären ­Intervention in Libyen ein hässlicher Krieg geworden. Still­schweigend hat sich das Ziel der UN-Resolution, die Zivilbevölkerung zu schützen, in die erklärte Absicht der NATO verwandelt, das Gaddafi-Regime zu beseitigen. Wer hätte das gedacht? Eigentlich jeder, der halbwegs bei Sinnen ist und sich mit den Interventionsstrategien des Westens ein wenig auskennt. Und die Interventionsstrategen können sich mittlerweile auf eine Kraft schier blind verlassen: die Medien.

Nun gut, Journalisten sind keine Historiker und selten sensible Seelen, doch selbst in Kreisen rustikaler Einfalt müsste sich doch herumgesprochen haben, dass Kriegsgründe stets mit Propagandaschlachten verbunden sind. Mit anderen Worten, es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. So war das zuletzt in Jugoslawien, mit dem Irak oder Afghanistan. Medien haben weitergereicht, was ihnen interessierte Regierungen oder bezahlte PR-Agenturen gerade an Massakern oder Massenvernichtungswaffen frei Haus lieferten. Hinterher sah es dann meist anders aus – auch wenn man es vorher mit ein bisschen Recherche hätte wissen können. Doch statt vorsichtig zu werden, haben unsere Medienvertreter mittlerweile alle Scheu abgelegt. In ihren Augen ist nicht der Krieg der Zivi­lisationsbruch, sondern die Verweigerung des Bombardements. Niemand verkörpert diese Haltung mit mehr schauriger Grandezza als Claus Kleber vom ZDF. Abend für Abend bringen Kleber und die Seinen ihren gerechten Krieg in moralische Höchstform. Wir hören allein von getöteten, verletzten, bedrohten und geschundenen Rebellen. Menschen, die wir angeblich nur mit Bomben retten können. Wir in unseren Sesseln müssen bloß ein bisschen zustimmen, den Rest erledigt dann schon die NATO. Man muss schon gründlich suchen, um ein paar Informationen darüber zu finden, wer diese Rebellen denn eigentlich sind. Und dann könnten einem schon erhebliche Bedenken über die Lauterkeit ihrer Revolte kommen. Besser also gar nicht erst darüber berichten.

Tapfer tut man so, als kämpfte in Libyen ein ganzes Volk gegen den verhassten Diktator. Doch es sieht so aus, als stünde ein erheblicher Teil der Bevölkerung hinter Gaddafi. Und das heißt für den Krieg, den unsere Journalisten unbedingt führen wollen, nichts Gutes. Besser also nicht darüber berichten.

Punkt für Punkt machen sich Journalisten dumpfste NATO-Propaganda zu eigen. Folglich stehen Verhandlungen überhaupt nicht mehr zur Debatte. Kann man gleich vergessen, erklärt uns ZDF-Mann Stephan Hallmann: „Gestern Abend hat hier auf einer Pressekonferenz der Sprecher der Regierung das Blaue vom Himmel versprochen: Waffenstillstand, freie Wahlen, Demokratie, wenn die Aufständischen nur mit Gaddafi verhandeln würden. Aber das fällt ihnen natürlich schwer. Sie weisen darauf hin, dass Gaddafi sie vor Kurzem noch als Ratten bezeichnet hat.“ Das ist ja empörend! So ganz beiläufig erfährt man, dass politischer Spielraum bestünde, doch noch bevor NATO-Generäle Nebelkerzen werfen können, entlarven unsere Journalisten alle Diplomatie als üblen Trick, der nur den schönen Lauf des gerechten Krieges stört.

Über Libyen wissen wir fast nichts, schon gar nicht, wie viele Menschen­leben die smart-bombs des Humanismus bislang gekostet haben, doch eines ist schon jetzt gewiss: Die Bereitschaft des Journalismus, sich in den Dienst der Kriegspropaganda zu stellen, hat ein erschreckendes Niveau erreicht.

Der Publizist Walter van Rossum lebt in Köln und Marokko

Kommentare (42)

Streifzug 20.04.2011 | 10:46

Die Öffentlich-Rechtlichen werden in den letzten Jahren gezielt an ihrem "Auftrag" gehindert. Die Einflussnahme ist massiv, die (personellen) Vorkommnisse beim ZDF führten es deutlich vor Augen.

Die kommerziellen Medien (winzigste Ausnahmen) sind und waren immer schon Kriegsmedien. Egal, ob Spiegel, FAZ, Stern, NZZ, Handelsblatt, Süddeutsche ..., sobald das Kriegshorn ertönt, stehen sie stramm.

Das ist strukturell nicht anders möglich. Wer den Weg des Geldes verfolgt, gelangt immer auf gut ausgebauten Strecken direkt vom den Medien zum Krieg und wieder zurück. Die Profiteure sind dieselben.

Allerdings ist es nicht nur die Kriegsrhetorik, der sich Journalisten bedingungslos unterwerfen (müssen). Auch das davon abgeleitete Neusprech bezüglich der gesellschaftlichen Verhältnisse (Sozialabbau, Sparen, Steuern, Ungleichheit, kurz: all die bekannten "neoliberalen" Floskeln) bildet ein Arsenal an stets griffbereiten und verwendeten Schablonen, welches mit leichten Modifikationen permanent eingesetzt wird. Oft unbewusst, die Zurichtung und Selbstdressur ist verinnerlicht.

Kurz gesagt: (Massen)Medien sind Copy herrschaftlicher Phrasen zur Dressur der Öffentlichkeit.

SchmidtH. 20.04.2011 | 11:18

Ach wäre es nur dieser eloquente „Schief-Kopf-Halter“ Claus Kleber vom ZDF und der Auslandskorrespondenten des Senders „ZDF“, man könnte sich – wenn auch etwas verärgert – entspannt zurücklehnen und mit dem „Zappen“ beginnen. Doch genau hier beginnt das eigentlich Ärgerliche, der Skandal. Egal wo man hin schaltet, es macht sich eine flächendeckende Kriegspropaganda breit.

Nehmen wir die ARD. Genau dort sind vom SWR abgestellte, abkommandierte Propagandisten, unter der Berufsbezeichnung „Journalist“ firmierend, am Werk und desinformieren durch die ungeprüfte Übernahme von Parolen, Lügen und sonstigen Halbwahrheiten. Besonders tut sich dort ein Jörg Armbruster hervor. Der fiel schon/nicht nur beim letzten „Irakkrieg“ unangenehm auf. Nicht nur weil er die Propagandatrommel „pro“ kräftig schlug, nein auch noch durch seine hervorstechende Feigheit auffiel. Denn immer wenn es im Krisen-/Kriegsgebiet ein wenig brenzlig wurde, zog er sich zurück in sichere Gefilde und berichtete dann nur noch vom Hören/Sagen.

Doch auch ein Blick in die Printmedien, in die sogenannten Mainstreammedien lässt einen bis auf wenige Ausnahmen verzweifeln. Egal, ob Springer-Presse, Spiegel, Zeit, Süddeutsche etc., der Leser wird bearbeitet.

Bleibt nur zu hoffen, der Leser und Konsument durchschaut dieses perfide "Spiel" und zeigt irgendwann einmal "Klare Kante". Der Demokratie und speziell der so gerühmten und beschworenen Pressefreiheit wird damit ein Bärendienst erwiesen.

TvF 20.04.2011 | 15:21

Sehr positiv fiel mir gestern die Berichterstattung (nur des Korrepondenten, NICHT der Moderation oder der Nachrichtenredaktion) von MDR Info dazu auf. Der Korrespondent (in Kairo...) antwortete auf ziemlich deutliche Suggestivfragen mit gründlichen Abwägungen und Erläuterungen.
Z.B. auf die angeblich "Zehntausenden" Todesopfer auf Rebellenseite bzw. in der Zivilbevölkerung (Zahl laut Moderator von Rebellen so genannt): sinngemäß: In einem Krieg seien natürlich alle Zahlen Propaganda. Außerdem verweise Human Rights Watch auf nur 30 Todesopfer. Dagegen würde die NATO auch in der Nähe von Wohngebieten befindliche Munitionsdepots bombardieren.

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Ehemaliger Nutzer 20.04.2011 | 16:58

Niemand und auch keine „anonymen Verhältnisse“ zwingen bspw. einen Tom Buhrow, (oder seinen ZDF Pendant Klebrig) sich selbst zum aktiven Subjekt dieser primitivsten Kriegspropaganda zu machen.
Es ist ausschließlich IHR Wille, GENAU SO ihre mittlerweile Millionenschwere Traumkarriere fortzuführen.
Die schreckliche und grausame persönliche Konsequenz einer offen-kritischen Haltung zum Nato-Krieg – sich also willentlich als untauglich für diese fanatische Kriegshetze zu erweisen – wären für die entsprechenden Herren und Damen an der Heimatfront so existentiell bedrohliche Ereignisse, wie Karriereknick und die Zurückstufung ins zweite Glied der Hühnerleiter.
Echt schrecklich.
Solchen verrotteten und korrupten Dreckschleudern liefert man so nur eine Eichmann-kompatible und generelle Rechtfertigungsstruktur.

Maria Jacobi 20.04.2011 | 17:46

Lenin wird der Ausspruch zugeschrieben: Die Gewerkschaft ist der Treibriemen der Partei. Auch heute haben wir wieder eine führende Partei, die CDUSPDFDPGRÜNELINKE. Eine Gewerkschaft, die diesen Namen verdient, gibt es nicht mehr. Daher haben die Medien diese Rolle übernommen. So wie im Sozialismus östlicher Prägung die Gewerkschaft die Befehle und Meinungen der kommunistischen Partei zum Volk transportierte, so transportieren heute die Medien die Befehle und Meinungen der CDUSPDFDPGRÜNELINKE zum Volk.

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tilo-graeser 21.04.2011 | 15:39

Walter von Rossum kann ich nur zustimmen. Allerdings trifft seine prognose nicht nur auf das ZDF, sondern auch auf die ARD zu. Zwei Beispiele: Am 19. März im "ZDF spezial" antwortet Korrespondent Udo van Kampen aus Brüssel auf die Frage, was Gaddafi von den westlichen Militäraktionen zu erwarten hat: "Nichts Gutes, denn er legt sich mit dem mächtigsten Bündnis der Welt an und da hat er allen Grund, um seine Gesundheit, wenn nicht um sein Leben zu fürchten. Denn das politische Ziel ist klar und das heißt: Gaddafi muss weg, notfalls auch mit Gewalt." (siehe www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1289304/ZDF-spezial-Krisen-in-Japan-und-Libyen?bc=sts;suc=off) Am 21. März legt „Nahostexperte“ Michael Lüders im ARD-Brennpunkt nach: Auf die Frage der Moderatorin: "Die US-Amerikaner betonen offiziell, es sei nicht ihr Ziel, Gaddafi zu stürzen oder auszuschalten. Halten Sie das für richtig?", antwortet Lüders: "Nun es ist die offizielle Verlautbarung, aber natürlich geht es um einen Regimewechsel, um nichts anderes. Das kann man so nicht sagen. Das wäre vom Völkerrecht natürlich nicht gedeckt, aber sowohl die Europäer wie auch die Amerikaner und nicht zuletzt die Araber sind sich einig darin, dass mit Gaddafi kein weiterer politischer Handel möglich sein würde. Er ist eine potenzielle Quelle der Instabilität ..." (siehe www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=6770770)
Zum Thema Kriegspropaganda habe ich einen interessanten Beitrag aus einer Zeitschrift der österreichischen Armee von 2005 gefunden. Darin heißt es u.a.: "So alt wie die
Kriegsberichterstattung ist auch der damit verbundene Konflikt zwischen Wahrheit, Desinformation und Täuschung. Trotz des Bestrebens der Journalisten, professionell, umfassend und wahrheitsgetreu über einen Krieg zu berichten, war und ist es ihnen auf Grund der Militärzensur, aus Gründen der Geheimhaltung oder aus politischen Rücksichten oft nicht möglich, ein realistisches Kriegsbild zu zeichnen." Und dann wird am Beispiel Jugoslawien und auch der angeblichen Massaker der Serben in Sarajewo festgestellt: "Die
diversen Beispiele zeigen, welche Gewaltbereitschaft durch Propaganda, Desinformation und Manipulation von Meinungen geweckt werden kann." Der Autor Georg Geyer, Oberst des österreichischen Heeres, stellt dann fest: "Die Wahrheit im Krieg - so die Schlussfolgerung - ist eine eher zweitrangige
Sache." Wie in Jugoslawien so in Libyen, wie in Sarajevo so in Misurata. Der Text ist in voller Länge hier zu lesen:
www.bmlv.gv.at/omz/ausgaben/artikel.php?id=316

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2011 | 18:48

„Trotz (sic!)des Bestrebens der Journalisten, professionell, umfassend und wahrheitsgetreu über einen Krieg zu berichten, war und ist es ihnen auf Grund der Militärzensur, aus Gründen der Geheimhaltung oder aus politischen Rücksichten oft nicht möglich, ein realistisches Kriegsbild zu zeichnen."

Das sind aber schon recht maßlose Beschönigungen für die aktiven und freiwilligen TÄTER in den entsprechenden Redaktionsstuben.
Die Umdeutung dieser hetzenden SUBJEKTE zu Opfern von militärischer Propaganda, Zensur und Geheimhaltung erklärt da ja gerade nicht, warum Sie dann nicht einfach ihre verdammte Klappe halten, wenn alle Aussagen von dieser Seite mit Vorsicht
zu genießen sind - sondern dann erst recht bedingungslos alle Lügen über Zweck und Durchführung einer bestimmten Kriegspartei übernehmen und aktiv kolportieren.

Besondere Beliebtheit erfreut sich da ja bei diesen Lumpenjournalisten immer die hübsche und einführende Floskel „ Bei einem Krieg stürbe als erstes immer die Wahrheit“, um sich dann anschließend selberim Hintern einer Kriegspartei als Sterbehelfer genau dieser Wahrheit zu betätigen.

dame.von.welt 22.04.2011 | 08:42

Am Rande erwähnt: Tim Hetherington und Chris Hondros, von dem das Titelbild zu diesem Artikels stammt, wurden am Mittwoch in Misrata getötet. www.guardian.co.uk/media/2011/apr/20/libya-killed-hetherington-restrepowww.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/kriegsfotografen-in-libyen-getoetet/

Bilder beeinflussen die öffentliche Meinung mehr als Worte. Beschäftigt man sich mit dem Werk beider Fotografen, bleibt wenigstens mir der Vorwurf kriegstreiberischer Propaganda im Hals stecken.

Ich habe keine Ahnung, was genau Kriegsfotografen persönlich antreibt, sich ständig in Lebensgefahr zu begeben und es wäre sicher nicht zutreffend, ihnen glühenden Pazifismus zu unterstellen. Ich möchte aber an die Fotografien erinnern, die die öffentliche Meinung gegen Krieg beeinflussten, wie z.B. Nick Uts Bild-Ikone des kleinen nackten Mädchens, das durch einen Napalmangriff auf ein südvietnamesisches Dorf verbrannt, schreiend auf einer Landstraße davonläuft. Dieses Bild trug dazu bei, den Vietnamkrieg zu beenden und zwar, obwohl es eine Ausschnittsvergrößerung aus einem ganz anderen Szenario ist. Wen das genauer interessiert: www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208413/default.aspx#pgfId-1034642digitaljournalist.org/issue0008/ng2.htm
Oder die Bilder von James Nachtwey, Robert Capa und vielen anderen mehr, die Kriege überhaupt erst als unabweisbare Realität in unsere bequemen Fernsehsessel transportieren - den Vorwurf von Propaganda könnte man ihnen allen machen.

Was aus Bildern in den bequemen Chefsesseln der (Medien-) Macht gemacht wird, das steht auf noch einem anderen Blatt - in der Kritik daran stimme ich Walter von Rossum vollkommen zu.

Ich halte es aber für generell vermessen, 'Wahrheit' (das sprichwörtlich erste Opfer des Kriegs) zu fordern. Es geht immer nur um die eigene Wahrnehmung. Und die besteht sehr oft darin, die Greuel auf der Welt zugunsten der eigenen Sattheit auszublenden.

claudia 22.04.2011 | 15:20

>>Bezeichnend auch, wie einseitig die deutsche Verweigerung zur Teilnahme am Nato-Feldzug "analysiert" wurde.
Bezeichend auch, dass der Begriff "Verweigerung" mit hoher Drehzahl ins Land gepumpt wurde.
Dass Nordafrika "französische Interessensphäre" ist, wissen wir ja eigentlich. Also war der Deal, dass die BRD sich dort zurückhält und als Ausgleich ihr Truppenkontigent in Afghanistan erhöht, logisch und vorhersagbar.

Hansi Mustermann 23.04.2011 | 14:25

und wieder einmal hat die deutsche denk-elite eine arbeitsbeschaffungsmaßnahme. harmlos, sinnlos aber gut!
claus kleber redet über den krieg, stellt ihn aber völlig verzerrt da. die gazetten schreiben auch nur blödsinn.
"gut das wird das sehen und es nicht glauben". abgehakt.

klassisches denkmuster. fast schon ein dogma in germany. wer nicht dabei ist, der gehört nicht dazu.

wann fängt der gemeine gebildete deutsche seine wohlstandsblase als das zu sehen was sie ist. eine blase, die leicht platzen kann wenn
man seine interessen nicht weltweit vertritt und diese damit heil erhält. lybien gehört sicherlich dazu. wenn ihr was kritisieren wollt,
hängt euch bitte an militaria, strategien und waffensystemen auf.

und wie kommst du bitte auf die unsympathische idee zu behaupten "in prijedor gab es nie konzentrationslager"?

Die Entfaltete Frau 24.04.2011 | 01:59

Die folgenden Sender berichten relativ ausführlich und informativ:

skynews
Russia Today
Press TV (vor allem interessant wegen der Infos zu Bahrain und Saudi-Arabien)
CCTV english
NHK World

Al Jazeera, BBC World und France 24 ist im Zusammenhang mit Libyen und Bahrain nicht mehr zu trauen.

www.infowars.com ist ebenfalls zu empfehlen.

Deutschsprachige Medien, die Informationen liefern, kenne ich leider nicht.

claudia 24.04.2011 | 13:02

>>"gut das wird das sehen und es nicht glauben". abgehakt.
Das Abspeichern von unverarbeiteten Nachrichten im Kopf ist wohl sehr üblich geworden.

Ein Abgleich mit vorhandenen Informationen und anschliessende Plausiblitätsprüfung lässt eine Nachricht zur Information werden.
Es hört sich aufwändig an, erspart aber die Mühe. jeden Nachrichtenschrott im Detail zu speichern, wofür das Gehirn sehr dankbar ist...

Manchmal kann eine Information sehr leicht als Propaganda identitfiziert werden, zum Beispiel wenn sie viele Worthülsen mit undefiniertem Inhalt enthält.
Man kann natürlich auch solche "Nachrichten" auf eventuelle Inhalte untersuchen.

Bei "Nachrichten" von Massenmedien halte ich die Frage für sinnvoll: "Was will uns der Künstler damit sagen?"
Die einfache psychologische Frage: "Was soll ich denken, wenn ich diese Nachricht höre?" führt oft zu Erkenntnissen.

---
>>Das Deutsche Demokratische Rumpelstilzchen
Der Ideale Neue Mensch als
"Deutscher Demagogiehöriger Rumpfbürger?"
Wenn Kinder sich alltäglich andächtig um den Familienalter "Fernsehen" scharen, werden sie nicht nur psychisch, sondern auch neuronal programmiert und funktionieren anschliessend als perfekte Untertanen. Aufgrund dieser Erkenntnis wurde übrigens Fernsehen unter Hatz4 gebührenfrei gestellt.

Rosa Sconto 24.04.2011 | 14:33

@ Hansi Mustermann

"und wie kommst du bitte auf die unsympathische idee zu behaupten "in prijedor gab es nie konzentrationslager"?"

Ich war schon ziemlich geschockt als ich die Argumentation des Autor las, darum ist es Ironie und ich hätte genauso Ruandas Kikali, Bosnien Sarajevo oder Srebrenica, Sudans Juba, Guatemala usw... nennen können. Es gab sehr, sehr viele Berichte, auch in Massenmedien, die genau die Situation beschrieben ohne propagandistische Demagogie. Das Absurde ist das dann das deutsche Wohlstands-Kleinbürgertum sich mit "Heraushalten" als die "Besseren" fühlt und bei jeder Gelegenheit anfängt zu schreien "Die Amerikaner sind an allem Schuld!"

Dabei liegt Problem liegt wohl eher darin das die Verantwortlichen Regierungen immer die besseren PR Tools haben um ihre Version in die Medien zu lancieren weil Journalisten ja darauf angewiesen sind Interviews mit denen zu machen.

Was nun aber noch viel bedenklicher wird, sind die Wandlungen z.B. in Ungarn, in Italien, Holland, England, das National-Partiotische Geschrei wird immer unüberhörbarer und kommt manchmal so kleinbürgerlich daher. Für die schreiben dann solche Autoren wie z.B. Walter van Rossum.

claudia 24.04.2011 | 15:18

>>Was nun aber noch viel bedenklicher wird, sind die Wandlungen z.B. in Ungarn, in Italien, Holland, England, das National-Partiotische Geschrei wird immer unüberhörbarer und kommt manchmal so kleinbürgerlich daher.
Im Grunde liegen die ja auf der Entwicklungslinie der EU: Wesentliche strammere Diktaturen (auch mit verschärftem "divide et impera") als in den vergangenen Jahrzehnten auf der nationalen Ebene bringen auch die Union auf den Kurs, der das Primat der Kapitalrendite noch mal für einige Zeit sichern wird.

SchmidtH. 24.04.2011 | 15:23

Gesetzt den Fall!

Also nur rein theoretisch. Die Lage in Libyen wäre - ex ante - dieselbe wie vor mehreren Wochen und im UN-Sicherheitsrat hätten sich die Staaten Russland, China, Indien, Brasilien und Deutschland entschlossen - mit genau derselben Begründung wie die jetzigen Altruisten – militärisch einzugreifen.

Was wäre im UN-Sicherheitsrat geschehen, was würden die deutschen, amerikanischen, britischen, französischen Medien schreiben? Wäre alles noch so prima, Ghaddafi, das Monster, die Inkarnation des Bösen?

Wie wäre nun das Völkerrecht zu betrachten, zu bewerten. Was hielten wir nun von der „responsibility for protect“? Würden wir nicht von einem "preemptive strike" wie aus der Bush-Ära sprechen? Übrigens dürfte jedem objektiven Betrachter langsam dämmern, die Politik des Barak Obama ist nichts weiter als Fortsetzung, Weiterentwicklung des "a clean break" der Neocons, nur sie kommt nicht so rigoros daher.

Was würde unsere menschgewordene „Friedenstaube“ Barak Obama in die gute, schlechte Welt hinausblasen?

Gilt dieses o.a. verankerte "Recht", die "Verpflichtung" und deren "Inanspruchnahme" nur für die so genannte westliche Welt?

Alles rein theoretisch, versteht sich!

Bandolero 24.04.2011 | 18:23

Wer zum Krieg in Libyen die Sichtweise der anderen Seite sucht, wird im Parteibuch fündig. Da sind jede Menge Artikel dazu, auch viele, die die Propaganda der westlichen Massenmedien und die der angeschlossenen Golfdiktaturen auseinandernehmen.

Hier mal davon drei Beispiele für Informationen zum Krieg in Libyen, die die Massenmedien so gut es geht unterschlagen:

Anti-libysche Propaganda entlarvt

Justizvollzug nach Art von Obamas neuen libyschen Freunden

Kleines Problem für die Aufständischen in Libyen

Kennt man die andere Seite, so stellt sich das Geschehen auf einmal ganz anders dar. Erst diese Kenntnis ermöglicht es, sich in die andere Seite hineinversetzen zu können. Genau deshalb, damit die Menschen keine Empathie mit dem Gegner empfinden können, wird die Darstellung der anderen Seite als denkende, fühlende, menschliche Wesen in der Kriegspropaganda grundsätzlich weggelassen.

I.D.A. Liszt 25.04.2011 | 03:24

@ claudia (23.04.2011; 07:47):

Das allerjüngste Beispiel scheint die Elfenbeinküste mit ihrem demokratisch gewählten Präsidenten Ouattara und seiner sehr demokratischen Rebellenarmee zu sein, die von UNO-Truppen und französischen (Libyen und Ruanda lassen grüßen!) Spezialeinheiten bei der Beschießung des Palastes Präsident Gbagbos unterstützt wurden.

Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte.

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Ehemaliger Nutzer 25.04.2011 | 11:54

@Rosa Sconto schrieb am 24.04.2011 um 12:33

Ich verstehe Ihre Argumentation zu diesem Artikel nicht.

>>>Es gab sehr, sehr viele Berichte, auch in Massenmedien, die genau die Situation beschrieben ohne propagandistische Demagogie. Das Absurde ist das dann das deutsche Wohlstands-Kleinbürgertum sich mit "Heraushalten" als die "Besseren" fühlt und bei jeder Gelegenheit anfängt zu schreien "Die Amerikaner sind an allem Schuld!"

Die hier von van Rossum mit Namen genanten Journalisten senden >>>sehr, sehr viele Berichte ...ohne propagandistische Demagogie und >>>absurd ist nur das >>>deutsche Wohlstands-Kleinbürgertum
Es gibt am "deutsche Wohlstands-Kleinbürgertum" Grundsätzliches kritisch zu bedenken. Aber in dem Artikel geht es um die Verantwortung von Kleiber und Konsorten für die Kriegspropaganda. Aus deren Sicht ist das >>>deutsche Wohlstands-Kleinbürgertum eine Manövriermasse, die sie in der Schlachtordnung um die öffentliche Meinung positionieren müssen.

Warum das "deutsche Wohlstands-Kleinbürgertum" dies mit sich geschehen lässt, ist eine eigene Diskussion. Kleiber aber ist kein Journalist, Kleiber ist ein hochbezahltes karrieregeiles Mietmaul. Dieses selbstverantwortlich handelnde Subjekt in seine widerwärtigen Einzelteile zu zerlegen, sein Bild des geleckten Seitenscheitels zu zerknittern ist die vornehmste Aufgabe eines ehrlichen Journalisten.

Danke Walter van Rossum!

TheRuss 25.04.2011 | 12:43

Sorry, aber mir laufen eiskalte Schauer den Rücken herunter, wenn ich lese, wie hier gedacht wird. Ende der 70er Jahre waren die linken Antiquariate wohlig-dumpfe Horte solcher Selbstvergewisserungsliteratur, wo die immergleichen Argumente gegen den immergleichen Klassenfeind herhalten mussten.... 30 Jahre vergangen und nichts hat sich bewegt. Das ist enttäuschend, beängstigend und hat was mit deutscher Kontinuität zu tun. Aber sorry, ich wollte den gemütlichen Osterspaziergang der Kiezphilosophen nicht incommodieren. O tempora, o mores!

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Ehemaliger Nutzer 25.04.2011 | 18:16

@ TheRuss schrieb am 25.04.2011 um 10:43

>>>linken Antiquariate wohlig-dumpfe Horte solcher Selbstvergewisserungsliteratur

>>>Das ist enttäuschend, beängstigend und hat was mit deutscher Kontinuität zu tun.

"Links" als "deutsche Kontinuität". "Links" als ein "wohlig-dumpfer Hort".

Das ist neu. Nur die Argumente fehlen.

Alt ist die immer gleiche Kriegspropaganda, die jetzt im neuen Mummenschanz daherkommt. Alt ist es auch nicht darüber zu sprechen, sondern über die "Linken" zu schwadronieren.

Ivanfi 29.04.2011 | 22:07

Walter van Rossum hat einen Beitrag gebracht, den ich seit Wochen von deutschen Kriegsgegnern Journalisten, Akademiker, Künstler, etc. vermisst habe.

Unsere Medien und deren Auftraggeber die Politiker gehen sehr genau nach folgendem Schema mit der Kriegspropaganda zwecks Volkverdummung vor:
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Lord Ponsonby in 1928:

“Die Lüge ist eine anerkannte und außerordentlich nützliche Kriegswaffe, und jedes Land gebraucht sie mit voller Überlegung, um das eigene Volk zu täuschen, Neutrale für sich zu gewinnen und den Feind irrezuführen.

Die unwissenden und unschuldigen Massen in jedem Lande bemerken zur Zeit nicht, daß sie irregeführt werden, und wenn alles vorüber ist, werden nur hier und dort Lügen entdeckt und bloßgestellt.

Da dann aber alles Geschichte der Vergangenheit ist und durch die Erzählungen und Berichte die gewünschte Wirkung erzielt worden ist, so macht sich niemand die Mühe, den Tatbestand zu ermitteln und die Wahrheit festzustellen."

(Lord Ponsonby, brit. Diplomat, geb. 1871)
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Es folgt alles einer bewährten Strategie:

Prinzipien der Kriegspropaganda (nach Lord Ponsonby, 1928 "Falsehood in Wartime")

1. „Wir haben den Krieg nicht gewollt.“

2. Personifizierung des Feindes (Hitler, Saddam Hussein, Gaddafi)

3. „Unsere Zielsetzungen sind humanitärer Art.“
„Man muss die Tatsache verschweigen, dass es wirtschaftliche Ziele des Krieges gibt.“

4.Berichte über die Grausamkeiten des Gegners

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Ivanfi 30.04.2011 | 02:06

Die Diktatur des Westens. Unsere "neue", 'friss oder stirb' Weltordnung.

Ich möchte im Zusammenhang mit unserer „so liebenswürdigen“ Propagandarepublik einige Gedanken loswerden, die mir schon seit Tagen auf der Zunge liegen:

Ich versuche mal Einiges aus den letzten Monaten über weltpolitischen Aussagen unserer Politiker und Politologen zusammenzufassen und diese gar nicht sehr unmöglich oder weltfremd zu interpretieren:

Wir erleben seit einiger Zeit eine neue, höhere Qualitätsstufe der internationalen Normen des menschlichen Zusammenlebens.
(Siehe UN-Sicherheitsrat-Resolution, mit einer ganz bewussten, nicht zufällig gewählten „Gaddafi-egal-was-du-machst-bist-du-tot“-Formulierung zwecks Libyens Bombardierung - bis zum bitteren Ende, bis zur völligen Zerstörung menschlicher und wirtschaftlicher Strukturen - erfolgreich beschlossen.)

Es entstanden in den „klugen Denkzentralen“, - genauer gesagt eher geostrategischen Denkfabriken - des Westens mit militärischer Gewalt durchzusetzende Normen gegenüber anderen Staaten, die „gemeinsam“, (also EINSTIMMIG! sprich: „sehr“ demokratisch…) von den atomaren Westmächten der Welt festgelegt werden, wie sich andere Länder zu verhalten haben.

Widerspruch ist zwecklos.
Widerspruch ist sogar weder klug, noch empfehlenswert, falls man sich gerade in der Reichweite dieser erregten Amokläufer aufhält und dadurch erst gerade den unausweichlichen Zorn „der Hand Gottes“ auf sich zieht.
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Das sind also neue, „höherwertigere“ Normen, die VON OBEN ABGESEGNET, verpflichtend für alle Regierungen der Welt sind, die darin bestehen, dass eine auserwählte Gruppe von Staaten, die sich als Koalition der Willigen nennen, (atomare Führungsmächte des Westens und ihre besten Kumpels im wahrsten Sinne des Wortes bunt zusammengewürfelt aus allen Teilen der Welt, arabisch, europäisch, afrikanisch…um sich scharren) tun und lassen können, was sie auch immer dem gerade ausgeguckten, gemobbten fiesen Schwächling von Bumann (Gaddafi) antun wollen.

Im Extremfall wird sogar der betroffene sogenannte Schurkenstaat für vogelfrei erklärt. (Siehe Res. 1973 -Interpretation)
www.20min.ch/news/dossier/tunesien/story/11108601
In Abstimmung mit der UNO darf aber jedes der 192 Mitgliedsländer handeln, auch allein.
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Alle UN-Mitglieder können sich danach je nach aufkommender Lust an einer Tagesbombardierung über Libyen austoben, also Libyen – wie schon immer gewollt, sich aber nicht getraut - mal ordentlich auf die Fresse hauen.

Sie brauchen dafür nur ihre eigenen, vollgetankten Fluggeräte mit entsprechenden Bombenmaterialien mitbringen.
Möglich wäre aber auch, die Bomben (falls zu Hause vergessen) von der vor Ort stationierten NATO-Koallitions-Willigen-Zentrale (Zentrale Bombenausgabe) auszuleihen, gegen Bahrzahlung oder Kreditkarte zu erwerben.
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Im Moment, im Fall Libyen (ein Schwächling, ein Taugenichts, ja, genau! ein DIKTATOR!, der schon immer gemobbt wurde, nun muss ihm endlich eins rübergezogen werden…) sind das die 40 reichsten und westlichsten Länder der Welt, die sich zusammengeschlossen haben, um endlich in 2011 alle Diktaturen der Welt zu beseitigen.
Wir müssen uns ja darüber freuen, ob wir es wollen oder nicht. Unser gleichgeschalteten Medien wissen schon was für uns gut ist….
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Obgleich wird allen diesen Diktaturen als Einführungsmaßnahme die staatliche Souveränität (per UN-Gesetz) kurzerhand aberkannt, es werden Boykottmaßnahmen äusserst umfangreicher und komplexer Art verhängt, sowie die nötige Anzahl an Gefängniszellen für deren Politiker in den Haag reserviert.

Den betreffenden Staaten wird ein präzise ausgearbeiteter Katalog an Verhaltensmaßregeln erstellt.
(Deren Einhaltung nicht einmal die Oberlehrer der Welt oder Gott selbst für machbar hält. Zufall ist dies jedoch nicht. Die NICHTERFÜLLBARKEIT der Vorgaben sichert dann alle NOTWENDIGEN Folgestrafen, inkl. Dauerbombardements, was letztlich über 3 Ecken das wahre Ziel sei!.)

Bei Nichteinhaltung können – wie oben schon „klug“ ausgedacht, Flugverbotszonen verordnet, enorm schmerzhafte Bombardements in Aussicht gestellt und diese auch zeitnah, also umgehend realisiert werden.

Bei Gegenwehr (solche Frechheit! echt unverschämt…) werden diese Länder schlicht und einfach mit Bodentruppen überrannt. Damit die so „ersehnte“ Ruhe hergestellt….

Dann werden alle Minderheiten, die bislang aus verständlichen Gründen nicht die Staatsmacht bilden konnten, mir der neuen, alternativen Regierungsbildung beauftragt, um dann die noch immer vorhandenen, nunmehr erfolgreich gelähmten bisherigen Mehrheiten rigoros beherrschen zu dürfen.

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rama 27.05.2011 | 14:28

Das ist der eine Teil der Wahrheit - hinterlässt beim Handelnden aber häufig noch ein Gefühl des Unwohlseins zurück. Die spannende Frage (und die Bekanntschaft Handelnder zeigt mir, dass es so ist): wie funktioniert der Mechanismus, der ihnen Identifikation, Nicht-Wahrnehmen der eigenen Lügner-Rolle und Wohlfühlen bei dem Ganzen erlaubt. Nur Blödheit, Verrottung, Korruption etc. und affirmativer Charakter sind mir als Erklärung zu wenig.

AntunZonger 07.10.2015 | 16:30

Ihr letzter angegebenr Link wurde deaktiviert.

Ihr Psot habe ich unter Verwendung dieses Links, den auch ich abgespeichert hatte, gefunden. Nur der Artikel aus der ÖMZ selbst ist weg. Auf www.bmlv.gv.at in den "Wissenschaftlichen Publikationen" unter dem Titel "Siegt die Wahrheit?" ist auch nichts mehr zu finden.

Bei meiner letzten Suche fand ich noch eine zum Dunstkreis der NATO gehörende Website, die sich auf diesen Link bezog.

Sohin sind unsere Psots die einzigen Zeugen, daß da etwas war...

Wäre interessant, wenn jemand ein Kopie des Originalheftes als .pdf ins Netz stellen könnte...