Was könnte die EU in Sachen Iran tun, Herr Botschafter Basti?

Nachgefragt Sie waren 2005/2006 ständiger Vertreter Irans bei der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien. Wie arbeitet ihr Land derzeit mit der IAEA ...

Sie waren 2005/2006 ständiger Vertreter Irans bei der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien. Wie arbeitet ihr Land derzeit mit der IAEA zusammen?
Wir haben mehrmals erklärt, die IAEA ist für uns die einzige Instanz zur Kontrolle von nuklearen Aktivitäten. Iran hat bisher mit der IAEA kooperiert und deren Inspekteuren der freien Zugang zu ihren Nuklearanlagen gewährt - es gab eine Kontrollzeit von insgesamt mehr als 2.500 Tagen.

Es werden aber immer wieder Bedenken laut.
Der Iran hat seine Bereitschaft zur Beseitigung jeglicher Unklarheiten und Sorgen erklärt. Nach dem jüngsten Bericht von IAEA-Generaldirektor El-Baradei, der die Kooperation des Iran mit der IAEA zur Lösung offener Fragen deutlich darstellt, konnte man erwarten, dass sich die Politiker der EU realistisch mit der iranischen Nuklearfrage befassen und vorhandene Chancen konstruktiv nutzen.

Das Gegenteil ist wohl passiert.
Leider beharren einige Verhandlungspartner auf der Suspendierung aller mit der Urananreicherung verbundenen Aktivitäten unter dem Vorwand der Vertrauensbildung. Das ist unlogisch und inakzeptabel. Nach den Berichten der zuständigen Instanzen über den friedlichen Charakter unseres Atomprogramms gibt es keinen Grund, unsere Nuklearaktivitäten zu suspendieren und weitere politisch motivierte UN-Resolutionen zu beschließen.

Was könnte die Europäische Union in dieser Situation denn tun?
Sich in ihren Stellungnahmen mäßigen und Vernunft walten lassen und eine konstruktive Zusammenarbeit fortsetzen, wie wir das unsererseits mit der IAEA tun. Wenn die EU-Länder wiederholt erklärt haben, sie würden den IAEA-Bericht annehmen, falls der keinerlei Abweichungen im iranischen Nuklearprogramm vermerkt, sind sie jetzt am Zug.

Wie sehen Sie den deutschen Part dabei?
Wir pflegen mit Ihrem Land seit fast fünf Jahrhunderten diplomatische Beziehungen. Die Präsenz der deutschen Industrie im Maschinenbau, der Textilindustrie, der chemischen und petrochemischen Industrie oder sogar in der Süßwarenindustrie kann nicht bestritten werden. Am wichtigsten ist jedoch, dass Deutschland im Gegensatz zu anderen westlichen Ländern im Iran niemals als Kolonialmacht in Erscheinung trat, was Ihrem Land bei uns eine Sonderstellung verschafft.

Das Gespräch führten Raimund Krämer und Kai Kleinwächter. Die Langfassung erscheint in der Zeitschrift WeltTrends, Heft 3/2008

Akhoundzadeh Basti ist Botschafter der Islamischen Republik Iran in Deutschland.

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

Kommentare