„Populismus“ als Antwort auf die

moralischen Sonnenbäder, die eine pseudo-diskursive „Elite“ an den linden Gestaden eines wärmenden Golfstroms der Diskursphilosophie nimmt?
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Wer z. B. wie mein Nachbar, seit 30 Jahren Wechselschicht bei INA-Schäffler (o. Schaeffler?) schiebt,oder alle paar Tage Hamburg-Madrid-Fracht und ähnlich lange Routen fährt, der ist selbst bei Hochtintelligenz, und ja, die gibt es auch unter „solchen Leuten“, in diskursbasierten Systemen immer/zwingend hintendran, wenn nicht gar ganz raus.

Nur wer die Power hat, notfalls Tage u. Nächte seine Stimme in den formellen u. informellen „Sitzungen“ zu Gehör zu bringen und sich buchstäblich „ersitzend“ durchzusetzen, hat auch nur den Hauch einer Chance.

D. h.:

Auf die Dauer kann es nur so laufen, daß entweder „die Draussen“ (der Diskurse)leidlich zufrieden sind (subjektiv), bzw. sein können („objektiv“, - hier verstanden als intersubjektiv nachvollziehbare und akzeptierbare Möglichkeit, im intersubjektiv bestimmbaren wenigstens Nicht-Schlechten, subjektiv zufrieden zu sein), oder daß diese Gruppen zumindest stillhalten.

Eine der Mindest-Zutaten der Zufriedenheit ist Sicherheit.

Doch gerade der Erwerb von Sicherheiten ruft das Risiko ihres Verlustes erst so richtig auf, manifestiert sich ein Risiko, das es vor dem Erwerb von „Sicherheit“ (aller Arten) so überhaupt nicht gab. (Besitz-Vorsorge-Paradox)

Manche, z. B. ältere, Eliten wussten dies vielleicht noch zu händeln, aber bei vielen Gruppen & Schichten der Aufsteiger und der gewachsenen Wohlstandsplateaus für die obersten 4-Fünftel der Gesellschaft darf man da seine Zweifel haben, - und darin durchaus ein unterirdisch-unbewusstes Kollektiv-Rhizom vermuten, das diese Angstpotentiale irgendwo wieder aus den Gülledeckeln des Realen herauspumpt, weil es auf der anderen, linken Seite dafür keinen weiterführenden Raum, nur HÖCHST GEBROCHENE Spiegel-Echos, bzw. auch keine fungiblen Eliten dort gibt, die die Sicherheitsfrage besser beantworten könnten als die Rechten oder die herrschende, pseudo-diskursive „Mitte“.
Geld spielt da auch als Gleitmittel für die Gülle-Kanäle eine Rolle, aber wo die „Linken“ kassieren (RLS, Mitarbeiterstäbe der Fraktionen, reiche Mitglieder, Gewerkschaften und ihre Institute, Akademien & Stiftungen etc.) geht es eben nie um Forschung & Entwicklung im Bereich der elitären Aufgaben, als deren Prätendenten sie angeblich antreten, allenfalls um nachholenden Wissenserwerb, nie um BESETZUNG der neuen Wissens- u. Könnensfelder a priori, als evtl. sinnvoll-neues Terrain, auf das die Gesellschaft bei Bedarf zu führen wäre, bevor es wild, und das heißt in einer auf’s Recht des Stärkeren hinauslaufenden Entwicklung von fragwürdigsten Figuren besiedelt und in Besitz & Eigentum genommen wird.

Und nur EINE, - wenigstens exzellent GEMACHTE (zentral: Julia Killet) -, nennenswerte RLS-Veranstaltung (zu Europa) in 9 Jahren (2014) in Nürnberg, der es dann eher an weiterer Vertiefung und Fortführung, vor allem auch im Internet fehlte, ist einfach zuwenig für die Millionen, mit denen z. T. eben auch die, vielleicht sogar „kritische“, Ideologenkaste der DDR bis zu ihren Renten in der RLS und in der Partei „Die Linke“ versorgt wird.


Nationalnarzissmus (NN) …

… , - wie ihn kürzlich ein SPIEGEL-Essay ins Spiel brachte -, sehe ichbei der AfD z. B. weniger und auch nicht überwiegend im europ. Ausland, mit wenigen, aber schmerzenden Ausnahmen vielleicht im Osten, Ungarn, Polen, Ukraine, einige Baltikum – u. Balkan-Staaten vielleicht, Tschechien & Slowakei je mit „???“, vermutlich in der Türkei, sowie in den USA: Trump bedient das wohl auch.

Wobei „great“ im „make America great again“ eben so ein „leerer Signifikant“ (lS) ist, den Laclau/Mouffe auch den Linken, gern auch charismatisch personalisiert, anempfehlen wollen, und den man als Populist braucht, damit sich jeder sein Desiderat darunter vorstellt & vorstellen kann, weil der Signifikant eben bewußt unbeschrieben, ungenau usw. verbleibt.
(Die Pseudo-Linke empfiehlt ja sich selbst, „auf Gerechtigkeit“ zu setzen, ohne zu erinnern, daß „Gerechtigkeit“ der perfekte Kriegsgrund/-anlaß ist, vor allem wenn man die selbst aufgerufenen Gerechtigkeitsthesen u. - diskurse nicht aufrechterhalten kann (Thesen) und will, (Diskurse)).
Er, der lS generiert den Anschein eines einheitlichen Willens (-kollektives sogar), der für den selbstbestärkenden Rückenwind sorgen soll (vor allem Knete, - sei es vom Staat o. v. Privat/Reich/Mächtig oder aus den Kassen von Gelsenkirchener Stadtwerken, dem Dortmunder Sozialamtsbudget, von RWE- Gazprom- & Co.-Funktionären usw.), indem sich Ketten von Zeichen(ketten) dann als partikulare Vorstellungen nahezu IMMER anschließen lassen, weil sie sich gegenseitig nicht zwingend sehen können, auch wenn sie sich sachlich widersprechen, in Ziel-/Desiderat-Konkurrenz zueinander treten müssen usw. Worüber eben der „leere Signifikant“ kaum Voreinstellungen besitzt, was gerade seine Anschlußfähigkeit ausmacht.

Sicher gehört der NN z. B. zu klassischen Fascho-Kulturen in Italien u. Schland.

Aber das Zusammenrühren von Egoismus, Individualisierungsschub (U. Beck) und Narzissmus hilft überhaupt nicht:

Noch haben wir weniger Probleme damit, daß man von sich selbst verzückt, sich nicht vom Nationalspiegel trennen kann, und ständig dessen Aufführungen und Hochaltungen in Massenbegeisterung zelebrierte, - aber in „Neue Macht“.Neue Verantwortung“ zur Kenntnis zu nehmen, daß der wirtschaftliche Anteil der BRD am Weltgeschehen in den letzten 30-40 Jahren MASSIV auf einen Bruchteil abgenommen hat, weil andere, große Länder schnell und weit „aufgeholt“ haben, gelingt eben auch nicht.

Und die Entwicklung Steinmeiers vom dröge-zynischen Karrierebeamten der SD (aus „kleinen Verhältnissen“ in Telgte, einem kleinen Wallfahrtskaff (->Böll) zwischen Münster u. Warendorf) zu einem „Redner“, der mit den Füßen aufstampft usw. , ist auch eine narzistische, - induziert von Coaches & Trainern, die ihn wahlkampftauglich machen mussten.
Dabei hat er (selbst erzeugte) Adrenalinschübe kennen und LIEBEN gelernt, - zweifellos ein Prozeß der Selbstliebe, der den meisten performativen Künstlern wie Schauspielern, Tänzern, Musikern zueigen ist, der aber noch nicht narzistisch im pathologischen Sinne sein muß, um politisch hochgefährlich zu sein.
Aktuell scheint am ehesten die Türkei in einen Rausch nationaler Selbst- und Führerliebe zu verfallen und sich dabei heftig zu verkennen.


Gauland, Petry, Storch usw. sind dazu weniger kompetent und willig, - hier kommt es auf gute Positionen mit eher weniger Verantwortung an -, da trifft man sich auch mit den „Wohlstandskindern“, die es auch deshalb „heute nicht mehr besser als ihre Eltern“ haben werden, weil sie und die Vorgeneration das auch so nicht wollten, ständig Besitz am Bein, immer weiteres Vollstellen der Welt mit Zeug usw. (vergl. auch die Modernekritik Heideggers und anderer). Das „System“ soll Sicherheit bringen, die Solidarität und anderes.

Von einer rechten Funktionselite sind die aktuellen Rechts-Protagonisten Schlands ebenso Lichtjahre entfernt wie die Linke. Das Mittel sind dann Zwangs- und Lock-Übertritte, wie sie auch Erdogan vermutlich „anbieten“ wird.
In diesem Zusammenhang finde ich bemerkenswert, daß die aktuelle Türkei-Berichterstattung des ND im Hauptartikel zwar sehr umfangreich bis vollständig ist, was Erdogans Maßnahmekatalog angeht, aber ausgerechnet das Auslandsreiseverbot für Akademiker nicht erwähnt …

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Mit der Installation der Diskursivität (aus Kant heraus) als Entscheidungsfindungssystem von Eliten, gehen einerseits auf die Dauer zu hohe Druckunterschiede zwischen den Eliten (hoch, zunehmend) und den Diskursdraussen (niedrig, abnehmend) einher, sowie die generelle Idee, man habe sich für sein Tun IMMER zu rechtfertigen, auch wenn man andere Menschen damit gar nicht tangiert bzw. wenn für diese Tangenz/Interferenz/Wechselwirkung gar nicht so viel klar ist.
Irgendwann pumpen sich die adiskursiven Teile der Gesellschaft dann eben adiskursiv auf. Das nennt man dann wohl Populismus.

17:00 21.07.2016
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Geschrieben von

dos

blender-studies since early 70ies. Im Zweifel links von der Sozialdemokratie.
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