Spanien: Juan Carlos I. kehrt zurück – und zwar standesgemäß

Monarchie Im Privatjet fliegt Ex-König Juan Carlos aus seinem Exil in Abu Dhabi zu einer Segelregatta und zum Gespräch bei der königlichen Familie ein. Zu Geldwäsche- und Steuerhinterziehungsvorwürfen will er nichts sagen
König Juan Carlos I. lebte nach seiner Abdankung in Abu Dhabi
König Juan Carlos I. lebte nach seiner Abdankung in Abu Dhabi

Foto: Daniel Perez/Getty Images

Juan Carlos I. ist zurück – nein, er war zurück, in Spanien, zwei Jahre nach seiner Nacht-und-Nebel-Flucht ins Exil nach Abu Dhabi. Der Rückkehr vorausgegangen waren viele juristische Tricks, dank derer die laufenden Verfahren gegen den spanischen Ex-König wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche in Steuerparadiesen eingestellt worden waren. Juan Carlos' Trip in die Heimat hatte das Plazet seines Sohns, des amtierenden Königs Felipe VI. – wie das Königshaus mitteilt, werden solche Besuche nun öfters stattfinden.

Sein Auftreten während der mehrtägigen Visite hat das Tabu der bürgerlichen Presse, die Monarchie zu kritisieren, zu Fall gebracht. Alberto Garzón, Minister des Linksbündnisses in der Regierung von Pedro Sánchez, ging noch einen Schritt weiter: „Diese Person ist ein Dieb und ein Straftäter.“

Dazu muss man wissen: Wegen der nach wie vor in der spanischen Verfassung verankerten „Unverletzlichkeit“ des Königs waren alle Straftaten vor seiner Abdankung im Jahr 2014 von der Strafverfolgung ausgeschlossen. Die Steuerhinterziehungen danach erklärten die Gerichte nach einer Steuernachzahlung für nicht deklarierte Einkünfte von mehr als acht Millionen Euro im vergangenen Jahr für abgegolten.

Die Ex-Geliebte des Ex-Königs

Die britische Justiz hingegen hat im März dieses Jahres die Klage von Corinna Larsen, Ex-Geliebte des Ex-Königs, zugelassen. Der Richter verwarf das Argument der Immunität mit den Worten: „Würde ich das Argument akzeptieren, könnte der Angeklagte morgen ein Juweliergeschäft in Hatton Garden betreten und einen Diamantring rauben, ohne irgendeine Strafverfolgung.“ Laut ihrer Aussage hatte der Ex-König ihr 65 Millionen Euro als Geschenk zukommen lassen, das Geld dann aber, nach dem Bruch der Beziehung, zurückgefordert – und das mit allen Mitteln. So habe der damalige Chef des spanischen Geheimdienstes CNI, Féliz Sanz Roldán, Larsen in London aufgesucht und ihr Leben für den Fall bedroht, dass sie das Geld nicht zurückgäbe. Die Millionen stammten vom damaligen saudischen König Abdulaziz und waren Teil einer Überweisung von 100 Millionen Dollar auf ein Geheimkonto des Ex-Königs in der Schweiz. Um der Drohung Nachdruck zu verleihen, sei jemand in ihr Apartment in der Schweiz eingedrungen und habe dort ein Buch über den Tod von Lady Diana hinterlassen. Corinna Larsen fordert ein Kontakt- und Annäherungsverbot, das heißt einen Mindestabstand von 150 Metern, für Juan Carlos und seine mutmaßlichen Handlanger.

Viele, auch die spanische Regierung, erwarteten vom Ex-König irgendeine Geste der Entschuldigung oder zumindest eine Erklärung. Was dann aber ablief, machte selbst die monarchistischen Medien sprachlos: Juan Carlos I. traf im luxuriösen Privatjet eines Scheichs in Vigo in Galicien ein (geschätzte Kosten des Fluges: 160.000 Euro). Er kam im Haus seines Freundes Pedro Campos in Sanxenxo unter und nahm auf dessen Yacht Bribón an einer Segel-Regatta teil. Pedro Campos ist Präsident des dortigen Segelclubs. Dann flog er nach Madrid, um im königlichen Palast Zarzuela mit seinem Sohn, dem amtierenden König Felipe VI., und der königlichen Großfamilie über „familiäre Angelegenheiten“ zu sprechen. Wer nicht dabei war, war die vielfach betrogene Ehefrau des Ex-Königs, Sofía. Die Distanz, die Felipe VI. in den vergangenen Jahren mühsam zu seinem Vater aufgebaut hatte zwecks Rettung der Monarchie, hat sich in Luft aufgelöst.

Monarchie oder Republik?

Den Medien teilte der Ex-König mit, es ginge ihm „sehr gut“. Auf die Frage, ob er irgendeine Erklärung abzugeben gedenke, antwortete er: „Erklärungen? Zu was?“ Die Medien, die damit ein Problem hatten, blieben trotzdem die Ausnahme. So schlug Carlos Herrera, bekannter Kommentator des Fernsehkanals Cope, vor, der Ex-König und der gegenwärtige Regierungschef Pedro Sánchez sollten sich auf der Straße zeigen und dann sollte man messen, wer mehr Applaus erhielte.

Doch die Bevölkerung ist da möglicherweise schon etwas weiter: Am 14. Mai fand eine von einer Initiative organisierte landesweite Volksbefragung zum Thema Monarchie oder Republik statt. An 724 Stellen im Land wurden 78.000 Stimmen abgegeben: 93 Prozent für die Republik, sechs Prozent für die Monarchie. In der Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts Ende 2019 sprachen sich 39 Prozent für die Republik und 31 Prozent für die Monarchie aus. Auch auf die Frage „mehr oder weniger zufrieden mit der Monarchie“ haben 2021 nur noch 36 Prozent mit „Ja“ geantwortet, im Vergleich zu den 42 Prozent des Vorjahrs. Das Problem ist, dass sich in Spanien auch die Befürworter der Republik unter den Politikern aus Angst vor den Streitkräften (die einen Eid auf den König abgelegt haben) und vor dem „Sicherheitskräften“ des Staates nicht trauen, ein Referendum zu dieser Frage als Basis einer möglichen Verfassungsänderung abzuhalten.

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