Felix Werdermann
Ausgabe 1713 | 27.04.2013 | 09:00 34

Sind Rüpel-Radler neue Verkehrsvorbilder?

Unfälle Junge, aggressive Radfahrer verunglücken vergleichsweise selten. Rücksichtslosigkeit ist deswegen nicht angesagt, aber ein gesundes Misstrauen gegenüber sinnfreien Regeln

Sind Rüpel-Radler neue Verkehrsvorbilder?

Foto: ClickFlashPhotos - Nicki Varkevisser/ Flickr (CC)

Die Fahrradsaison hat begonnen und viele befürchten, dass damit die Straße wieder zum Kampfplatz wird. Da lässt eine Meldung aufhorchen: „Rüpel-Radler leben länger“, heißt es auf dem Blog des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, ADFC. Der Lobbyverein der Radler hat untersucht, welche Personengruppen besonders häufig verunglücken. Es sind nicht die jungen, aggressiven Radfahrer, die sich kaum um die Straßenverkehrsordnung scheren. Es sind vor allem Frauen und Senioren.

Ist das die Ehrenrettung für die viel gescholtenen „Kampfradler“, vor denen CSU-Verkehrsminister Peter Ramsauer so gern warnt? Und: Sollen wir jetzt alle über die Straße brettern, als gäbe es kein Morgen mehr? Nein, das gibt die Statistik dann doch nicht her. Dass bundesweit rund die Hälfte der Verunglückten älter als 60 Jahre ist, dürfte wohl eher an den längeren Reaktionszeiten der Senioren liegen als an ihrer Abneigung gegenüber dem Rüpel-Radlertum.

Auch der grünen Ampel nicht vertrauen!

Rücksichtslosigkeit bringt also keinen Sicherheitsgewinn, wohl aber ein gesundes Misstrauen gegenüber sinnfreien Verkehrsregeln. Wer eine leere Straße trotz roter Ampel überquert, gefährdet deswegen noch nicht gleich die Verkehrssicherheit, vor allem nicht, wenn er im Gegenzug auch der grünen Ampel nicht blind vertraut.

Wer sich überkorrekt verhält, ist hingegen über die geistige Entwicklungsstufe eines Kleinkinds noch nicht hinausgekommen. Da geht es um die Regel an sich, nicht um deren Sinn. Den jüngsten Verkehrsteilnehmern kann das Festhalten an festen Regeln das Leben retten. Deshalb ist es auch fahrlässig, in Anwesenheit von Kindern die Ampel-Regel zu brechen. Unter Erwachsenen darf man aber ruhig mal zeigen, dass der Mensch einen Verstand hat.

Wenn man wirklich etwas für die Verkehrssicherheit tun möchte, wie wäre es mit einer allgemeinen Helmpflicht? Im Prinzip ist der für viele leider noch uncoole Kopfschutz doch eine feine Sache. Nur eine Gefahr gibt es dabei: Möglicherweise werden bei einer Helmpflicht wieder weniger Leute in die Pedale treten und sich stattdessen hinters Steuer setzen. Und dann wollen die Autofahrer angesichts ihrer Überzahl ihre Vormachtstellung auf dem Kampfplatz Straße weiter ausbauen und fahren noch aggressiver – was wiederum zu Lasten der Fußgänger und noch verbliebenen Radfahrer ginge.

Bei dieser Dialektik würde Radlern dann weder die Helmpflicht noch das Rüpeln, sprich die freie Auslegung der Straßenverkehrsordnung, wirklich weiterhelfen.

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 17/13.

Kommentare (34)

rioges 27.04.2013 | 13:56

Zum einen scheint mir ein Problem zu sein, dass VerkehrsteilnehmerInnen generell durch zu viele Vorschriften schlicht zur Unselbständigkeit erzogen werden.

Zum anderen ist die zunhemende Rücksichtslosigkeit in der Gesellschaft ein problem. denn nun pocht jeder auf die jeweils ihm zustehenden Rechte, heute als AutofahrerIn, morgen als RadlerIn, übermorgen als FüßgängerIn.

Gemeinsames miteinander gerät immer mehr ins Abseits. und um die dann antstandenen Konflikte in den Griff zu bekommen, werden dann neue, teils unsinnige Regeln aufgestellt.

Dabei kämpfen dann die einzelnen Lobby-gruppen noch vehement um die Vorherrschaft. Und dabei wiederum ist der ADAC gegenüber dem ADFC oder dem Fußgängerverband im Vorteil.

Der selbständige denkende Verkehrsteilnehmer hat hier wenig Chancen.

MrMD15 27.04.2013 | 15:05

Ich weiß ehrlichgesagt nicht, auch nachdem ich einige Zeit regelmäßig in zwei Großstädten Auto gefahren bin, wo das Problem mit den Radlern liegt.

Natürlich fahren einige wie verrückt (ich auch), aber wo genau wird das zum Problem für die Autofahrer?Am Ende sind die Radfahrer die schwächeren und ob die nun über irgendeine rote Ampel am anderen Ende der Stadt fahren, ist doch wirklich völlig egal. Wenn Kinder in der Nähe sind, ist das was anderes. aber ansonsten stört das doch wirklich nur den Verkehrsminister.

Viel wichtiger wären meiner Meinung nach ein besserer Ausbau der Radwege. Und hier geht es mir nun nicht um hübsches Pflaster. Entweder müssen Radwege und Straße nah zusammenliegen, sodass sich die Verkehrsteilnehmer immer im Blick haben, oder man muss beide völlig trennen. Irgendwelche Büsche zwischen den beiden Fahrspuren sind einfach gefährlich und Autofahrer hassen das genauso wie Fahrradfahrer.

Meinetwegen halten sich die "Kampfradler" (super Begriff ) nicht an roten Ampeln. Aber sie wissen, wie man den Autofahrern am besten aus dem weg fährt und so sicher ankommt. Und wer über rote Ampeln fährt, verlässt sich nicht auf grüne.

Herr Aldi 29.04.2013 | 12:09

Zum einen scheint mir ein Problem zu sein, dass VerkehrsteilnehmerInnen generell durch zu viele Vorschriften schlicht zur Unselbständigkeit erzogen werden.

Zum anderen ist die zunhemende Rücksichtslosigkeit in der Gesellschaft ein problem. denn nun pocht jeder auf die jeweils ihm zustehenden Rechte, heute als AutofahrerIn, morgen als RadlerIn, übermorgen als FüßgängerIn.

Das sind wohl zwei Seiten derselben Medaille. Rücksichtsloses Verhalten und Leute, die eifrig auf das eigene Recht pochen, statt mal ihre Augen aufzumachen und sich verantwortungsvoll zu verhalten, werden durch diese Überreglementierung begünstigt. Wenn (in diesem Fall) die Straßenverkehrsordnung das alles für mich regelt, warum soll ich dann noch überlegen, wie ich mich selbst besser verhalten kann? Interessant in diesem Zusammenhang finde ich das Konzept des 'shared space' (vielleicht nicht ganz praktikabel auf Hauptverkehrsstraßen: http://de.wikipedia.org/wiki/Shared_Space ).

Herr Aldi 29.04.2013 | 12:17

Ich weiß ehrlichgesagt nicht, auch nachdem ich einige Zeit regelmäßig in zwei Großstädten Auto gefahren bin, wo das Problem mit den Radlern liegt.

Natürlich fahren einige wie verrückt (ich auch), aber wo genau wird das zum Problem für die Autofahrer?Am Ende sind die Radfahrer die schwächeren und ob die nun über irgendeine rote Ampel am anderen Ende der Stadt fahren, ist doch wirklich völlig egal.

Das Problem liegt bei Fußgehenden, die von diesen Kampf- (wahlweise auch: Rüpel-) Radlerinnen über den Haufen gefahren werden. Mal in Münster gewesen? Mir ist da als Fußgänger immer recht mulmig zumute. Als Autofahrer juckts einen natürlich nur dann, wenn mal wieder ein Radlerinnentross die gesamte Straßenbreite einnimmt und ein Vorbeifahren unmöglich macht.

Magda 29.04.2013 | 13:03

"Es sind nicht die jungen, aggressiven Radfahrer, die sich kaum um die Straßenverkehrsordnung scheren. Es sind vor allem Frauen und Senioren."

Sagen Sie mal, was ist denn das für eine Sicht? Wenn junge und aggressive Radfahrer nicht so häufig verunglücken, dann ist alles in Ordnung? Aber sie gefährden mit ihrer Fahrweise hin und wieder andere Verkehrsteilnehmer. Nämlich die schwächeren Fußgänger.

Und sie gefährden sie nicht nur, einige beschimpfen die Fußgänger, die sie zuvor noch gefährdet oder gestört oder belästigt haben. Ich erlebe das hier in Berlin ständig.

Ich kann der Logik Ihrer Argumentation deshalb überhaupt nicht folgen.

Felix Werdermann 29.04.2013 | 14:57

Das ist natürlich ein berechtigter Einwand, dass hier nicht untersucht wurde, wer sonst noch so gefährdet wurde. Wobei Fußgänger sicherlich häufiger von Autos als von Radfahrern überfahren werden (was nicht bedeutet wäre, dass es mit Radfahrern kein Problem gäbe).

Ich habe ja auch geschrieben, dass die Schlussfolgerung: Wir sollen alle Rüpel-Radler werden, falsch ist aus meiner Sicht. Trotzdem kann die Untersuchung vielleicht eine Anregung sein, über generell Verkehrsverhalten nachzudenken und dann kommt man vielleicht auf den Gedanken, dass blindes Vertrauen in die Verkehrsregeln unsicherer ist als ein wachsames Fahren.

simie 29.04.2013 | 17:22

Ein Problem ist, dass die Verkehrsplaner die Bedürfnisse der Radfahrer völlig falsch einschätzen. Man hat das Gefühl, dass die Planung der meisten Radwege auf der Vorstellung der Radfahrer als langsam dahinrollende Verkehrsteilnehmer beruht. Oder auch auf der Vorstellung, dass das Fahrrad nur als Freizeitobjekt genutzt wird. Anders ist die Radwegführung, aber etwa auch die Regelung an den meisten Ampeln(als Linksabbieger doppelte Wartezeit im Vergleich mit den Autos), nicht zu verstehen. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass für immer mehr das Fahrrad einfach Mittel zum Zweck ist um von a nach b zu kommen.

Solange dies jedoch der Fall ist, wird es immer Fahrradfahrer geben, welche sich aus gutem Grund nicht sklavisch an die Regeln halten. Zum einem um schneller voran zu kommen (siehe Linksabbieger bei Ampeln) oder auch um einfach sicherer zu fahren (Ich kenne eine Straße, wo der Radweg zwischen hoher Bordsteinkante und Parkspur gelegt ist. Wenn der Radfahrer hier übersehen wird, hat er keine Chance auszuweichen ohne zu stürzen.). Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich beziehe micht nicht auf die Radfahrer, welche Fußgänger nicht beachten, einfach so über Rot fahren etc..

Magda 29.04.2013 | 17:23

Wobei Fußgänger sicherlich häufiger von Autos als von Radfahrern überfahren werden (was nicht bedeutet wäre, dass es mit Radfahrern kein Problem gäbe).

Nee, überfahren werden Fußgänger nicht, aber sie erleben schon sehr nette andere Beeinträchtigungen. Ich bin da gebranntes Kind. Ihr Beitrag hat die hübsche Egozentrik junger Leute, nix dagegen, aber ich als Ältere, erlebe das wirklich anders und manchmal bedrohlich. Vor Autos kann ich mich noch halbwegs schützen, eben weil die sich "grob" an die Regeln halten. Bei Fahrradfahrern weiß ich nie, woher die auftauchen. Die sind einfach überall, auf dem Fußweg, auf der Straße oder meistens hinter mir. :-))))))))) und heizen vorbei. Es ist sehr anstrengend.

So sehr mir der Gedanke gefällt, dass die Verkehrsteilnehmer selbstverantwortlich fahren sollen, er hat ja was von "Mündigkeit" und Entwicklung. Aber, aber auf manche Regeln muss man blind vertrauen, sonst geht der ganze Straßenverkehr in den Eimer. Regelungen, die völlig unsinnig erscheinen, muss man politisch bekämpfen und nicht per Pedal. Auf dem Fahrrad wird meist gekämpft und weniger "eingesehen".
Die Menschen verhalten sich - vielleicht gilt das nur in Deutschland - nicht so mündig, wie es wünschenswert wäre. Ich fürchte mich auch so schon im Straßenverkehr, mit ohne Regeln - Hilfe, Hilfe.

Die Schauspielerin Nadja Tiller hat vor Jahren schon mal gegenüber dem Stern bekundet: "Vor dem Tod habe ich nur ein bisschen Angst. Viel mehr fürchte ich in Hamburg die Radfahrer."

Die Frau hat ja so Recht.

simie 29.04.2013 | 17:41

Das könnte sich ändern, wenn die Radfahrer einfach auf der Autospur fahren dürften. Leider ist dies zu selten der Fall, da Radfahrer die Radwege nutzen müssen, sobald ein blaues Schild installiert ist. Dies ist viel zu häufig der Fall. Und auch muss man in diesem Fall viele Fußgänger kritisieren. Viele achten einfach nicht darauf und spazieren ohne zu überlegen über die Radwege.

Letztendlich landet man wieder bei der Radwegeplanung. Um die Straßen auch innerstädtisch möglichst autofreundlich zu gestalten, wurden die Radwege einfach auf den Bürgersteig verlegt (häufig nur durch aufgemalte Striche) und ein blaues Schild aufgestellt, ohne zu bedenken, dass die Bürgersteige eigentlich gar nicht für Fahrräder geeignet sind. Das perfide ist ja, dass dies noch als fahrradfreundlich verkauft wurde und wird, obwohl es auch für die Radfahrer sicherer - und meist auch angenehmer - ist, auf der Straße zu fahren. Nur ist dies leider sehr häufig nicht erlaubt.

Felix Werdermann 29.04.2013 | 17:52

Also, bisher war es nur eine Vermutung, aber ich habe nochmal kurz recherchiert: Wenn Fußgänger verunglücken, sind meist sie selber, aber sonst meist die Autofahrer schuld. Insofern mag es anstrengend sein, auf Rüpel-Radler zu achten und die subjektiv gefühlte Gefährdung ist womöglich größer, aber: An den Unfällen sind meist Autofahrer schuld. Hier eine Untersuchung des ACE (unverdächtig, der Fahrradlobby das Wort zu reden): http://bit.ly/12JnF8H

Und es geht auch nicht darum, ob man sinnfreie Regeln per Wahlzettel oder per Pedal bekämpft, sondern vielleicht kommt man gemeinschaftlich zu dem politischen Ergebnis, dass es eine Ampel geben sollte, an der man sich möglichst orientieren sollte. Es ist dann sinnfrei, immer der Ampel zu vertrauen. Aber dass es eine Ampel zur Orientierung gibt, ist sehr sinnvoll.

Templeton 29.04.2013 | 20:28

"Es sind nicht die jungen, aggressiven Radfahrer, die sich kaum um die Straßenverkehrsordnung scheren. Es sind vor allem Frauen und Senioren."

Sogar der Schwarze Kanal von SPON weiss das es nicht mehr Radfahrer sondern "wer ein Rad führt" heisst. > http://www.spiegel.de/politik/deutschland/neue-geschlechtsneutrale-stvo-dummdeutsch-im-strassenverkehr-a-891487.html Dewegen ist ihr absolut undifferenziert geschrieben und bedient sich sexistischer Sprachelemente.

Da ich leidenschaftlicher Radfahrer bin, spricht mir Ihr Artikel sonst aus der Seele. Regelkonformes Radfahren ist sehr gefährlich, weil die StVO und die Verkehrswege fast nur für Autos ausgelegt sind. Zudem sind telefonierende Autofahrerinnen gerade für Radfahrer eine grosse Gefahr, weil die zu abgelenkt sind um mögliche Gefahren zu erkennen.

smukster 30.04.2013 | 00:32

Danke fuer diesen Artikel, Herr Werdermann!

Was noch ergaenzt werden koennte (aber in den Kommentaren bereits gesagt wurde): Ich aergere mich vor allem deshalb immer ueber "Kampfradler"-Schelte, weil nie die (sehr viel haeufigeren und gefaehrlicheren) "Kampfautofahrer" angesprochen werden (es sind in den allermeisten Faellen Maenner, daher spare ich mir das "Innen"). Meine Eltern haben mir gluecklicherweise beigebracht, stets davon auszugehen, dass Autofahrer ruecksichtslose Idioten sind und ich deshalb beim Radfahren fuer sie mitdenken muss. Das hat mich vor manchem Unfall bewahrt, denn tatsaechlich schauen viele beim Abbiegen nicht allzu genau hin - die wohl haeufigste Ursache von toedlichen Unfaellen mit Radbeteiligung.

Weiter so!

Urs

Grundgütiger 30.04.2013 | 08:25

Da kann doch eigentlich keiner was gegen haben"Freie Fahrt für freie Radfahrer".

Regeln? Das ich nicht lache,sind nur für Kinder.

Bist schon älter? Pech gehabt.

Diese Republik gehört den Dynamischen. Den Leistungsträgern. Die fahren Rad wie Auto.

Oder wie sang HERMAN VAN VEEN - Schnell weg da, weg da, weg mach Platz sonst gibt's nur Streit wir sind spät dran und haben keine Zeit.

Irgentwann sinkt die Hemmschwelle, und dann werden sie umgefahren, die Fahrradrambos, und es ist Zeit, eine neue Statistik zu schreiben.

Oder einen schwachsinnigen Artikel.

Lethe 30.04.2013 | 15:54

Dass bundesweit rund die Hälfte der Verunglückten älter als 60 Jahre ist, dürfte wohl eher an den längeren Reaktionszeiten der Senioren liegen als an ihrer Abneigung gegenüber dem Rüpel-Radlertum.

Möglicherweise könnte ja auch der Fahrstil der Rüpel-Radler etwas damit zu tun haben. Es ist nicht jeder Trans60jährige so spontan-abgeklärt, dass er fröhlich winkt, wenn ein rasender Roland Zentimeter genau von hinten an ihm vorbei zischt. Manche sind echt so weltfremd und altbacken, dass sie sich erschrecken und dann - Gipfel der Unverfrorenheit - falsch reagieren. Muss Rudi Rüpel natürlich nicht kümmern. Freie Fahrt für freie Raser.

luddisback 30.04.2013 | 19:04

"Wenn man wirklich etwas für die Verkehrssicherheit tun möchte, wie wäre es mit einer allgemeinen Helmpflicht?"

das wäre auf jeden fall einer der nächsten logischen schritte in richtung einer gesellschaft unmündiger, fremdbestimmter, sicherheitsillusionsverblendeter untertanen, die das mit der freiheit nie wirklich vermißt haben. abseits davon bezweifle ich wirklich, dass es im sommer unter einer styroporgedämmten kunststoffhalbkugel für einen sportlichen, geübten fahrer sicherer ist, als in der frischen luft und unter freiem himmel. und wer das anders sieht, kann sich gern so etwas aufsetzen. ich will das nicht verbieten..

JR's China Blog 01.05.2013 | 10:22

Yep - wenn wir vorschriftentechnisch so weitermachen - und das alles durchsetzen bzw. einhalten wollen -, wird der Aufbruch zu einer Radtour in zwanzig Jahren den Vorbereitungen zu einer Weltraummission gleichen.Allerdings müssten Polizisten in den größeren Städten schon gerade äußerst schlecht gelaunt sein, wenn sie bei neuer Vorschriftenlage auch noch der Helmindustrie helfen wollten. Häufig scheren sie sich nicht einmal mehr um bei Dunkelheit unbeleuchtete Fahrräder - und da hört der Spaß wirklich auf.

smukster 01.05.2013 | 18:28

Regeln? Das ich nicht lache,sind nur für Kinder.

In ihrer absoluten, kompromisslosen Form: Absolut richtig, ja. Das ist ueberhaupt der beste und interessanteste Aspekt des Artikels, weil er ueber den konkreten Fall hinausweist und sich auf viele andere Bereiche anwenden laesst: Regeln sind kein Selbstzweck, sondern haben eine Funktion. Sie auch dann haargenau zu befolgen, wenn diese Funktion schlicht nicht gegeben ist (z.B. rote Ampel auf freier Strecke mitten in der Nacht) ist schlicht daemlich. Wie der Autor so schoen sagt: gut fuer Kleinkinder, aber eines denkenden Erwachsenen unwuerdig.

Darauf deutlich hinzuweisen ist gerade in diesem Land, in dem so oft der Sinn hinter verabsolutierten Formalien verlorengeht, dringend notwendig.

Im konkreten Fall erlaube ich mir noch einmal den Hinweis, dass Kritik an ruecksichtslosen RadfahrerInnen selbstverstaendlich legitim ist - dann aber bitte auch an ebensolchen AutofahrerInnen. Denn die sind weitaus zahlreicher und gefaehrlicher. Und nebenbei, es gibt auch ruecksichtslose FussgaengerInnen.

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2013 | 15:56

Die aggressiven RadlerInnen verunglücken seltener. Hmm... weil alle anderen bremsen. Mich nervts auch, dass ich als Radfahrerin mehr bremse als fahre und neben Kindern, FußgängerInnen, die oft auf die Straße oder den Radweg laufen, ohne zu gucken, wenn sie kein Motorengeräusch hören, aggressiven Autofahrern, Nebeneinander-RadlerInnen, die man nicht überholen kann, auch noch die Kampfradler im Auge behalten muss. Aber so ist das Leben, wenn ich mich durchsetze, zahlt irgendwer. Es wird nicht besser dadurch, dass ich es nicht selbst bin.

Amanda 02.05.2013 | 16:22

Als Radfahrerin in Balien zetere ich ab und an gerne in mich rein über alle, aber auch alle anderen und habe in den letzten Jahren eine klitzekleine Panik vor Taxis entwickelt - die wollen töten!

Als Taxikundin hock ich im Fond und fraternisiere heillos mit dem Fahrer, der über vorbeizischende Radler, andere Autofahrer und Busse kotzt.

Als Fußgängerin muss ich seit einiger Zeit schmunzölln (W.D.), wenn ich routiniert den Schulterblick einsetze, bevor ich nach links ausschere.

Die taz vom Wochenende macht auch den Kessel Individuum auf beim Thema Kampfradler, sicher nicht verkehrt.

Es grüßt: A.

flosyforever 02.05.2013 | 21:55

seit über 30 Jahren nehme ich nun am Straßenverkehr teil, meist mit dem Rad. Irgendwie habe ich das Gefühl, daß sich gar nichts geändert hat. Also, die Rüpelhäufigkeit hat m.E. nicht zugenommen. Ich frage mich, was da aufgebauscht wird. Es ist wohl wie mit den sog. Mietnomaden, die ja in ihrer Zahl auch bis ins Absurde aufgebläht wurden, wenn nicht sogar eine reine RTL- Erfindung waren. Ich fürchte, daß ich bald der Fahradhelmindustrie unter die Arme greifen muß, es wird das Gesetz zur Helmpflicht kommen. Und zwar völlig egal, WO und WIE ich fahre. Das wird dann mit der (sinnvollen) Einführung der Gurtpflicht verglichen.

In der Fahrschule damals lernten wir noch: Wennn du an einer Ampel stehst, nachts und völlig allein und sie springt ums Verrecken nicht auf grün, mußt du umkehren. Es gäbe keine definierte Zeit, ab der ein eigenes Ermessen zulässig wäre. Ampel kaputt? Egal, rot ist rot ist rot und heißt nun mal Stop. Punktum.

Ich dachte noch, der Fahrlehrer hätte einen Scherz gemacht und wollte nicht drauf hereinfallen. Es war ihm aber ernst.

Wichtig ist mir nur, daß die Polizei gut differenziert. Die meisten Ordnungswidrigkeiten mit dem Rad sind völlig harmlos wie z,B. Fußwegbenutzung als kleine Abkürzung oder zwecks Bordsteinvermeidung oder fahren in einer Fußgängerzone, wenn da nix los ist, wie z.B. bei starkem Regen.

Über die Autofahrer kann ich zwar nicht mehr als Autofahrer sprechen, aber bei DENEN hatte ich schon eine Häufung an Drängeln und Nötigen wahrgenommen. Aber nein, wir sollten den Fokus dringend auf die Radler legen.Wo wir doch mit den Rauchern jetzt durch sind.

Grundgütiger 03.05.2013 | 09:27

Mir wird Angst und Bange. Viel Stellungnahmen hier passen gut in ein Livestylemagazin.

Eine sinnlose Ampel gibt es nur mit sinnlosen Bürgern. Ist etwa die Demokratie schon abgeschafft? Gibt es keine Bürgerinitiativen mehr?

Viel Verkehrsplaner in den Städten planen aus ihrer Sicht. Meine Sicht ist auch eine. Wenn ich genügend Mitstreiter finde, wird sich die Sinnhaftigkeit durchsetzen. Hat bis jetzt in meiner Stadt geklappt.

Was hier beschrieben wird, ist Stimmungsmache, ist Konkurrenz, jeder gegen jeden. Wo ich bin, ist vorne.

eldorado 03.05.2013 | 16:09

Also, einerseits gibt's eine Menge Verkehrsvorschriften, Regeln und Verbote. Die sind manchmal bar jeder Vernunft und immer wieder kann man einen Sinn schlecht einsehen oder nachvollziehen. (Das will aber nicht heissen, dass davon etliche viel Sinn machen.)

Andererseits kann man seinen gesunden Menschenverstand pflegen und gebrauchen. Der hilft einem oft weiter als etliche Verkehrsregeln. Dabei ist zu beachten, dass man bei seinen Entscheiden auch immer die anderen Verkehrsteilnehmer mit einbezieht und sie mit seinem Verhalten nicht ausbremst.

Als Autofahrerin halte ich mich genau an die Verkehrsregeln, weil ich mit diesem Fahrzeug auch viel Schaden anrichten kann. (Allerdins benutze ich dieses schon viele Jahre nicht mehr, weil man damit oft viel mehr steht als fährt.) Entscheide ich mich für's Velo, weiss ich, dass ich Raum schaffe.

Als Velofahrerin nütze ich, neben den Verkehrsregeln, auch den gesunden Menschenverstand. Ich muss mir dann allerdings bewusst sein und mich auch daran halten, dass ich dann auch die Verantwortung für mein Tun übernehme und die anderen Verkehrsteilnehmer respektiere. und mit meinem Tun nicht ausbremse.

Ich werde diesen Sommer 66 Jahre alt und habe erst einen Unfall verursacht. Als Kind war das. Eine Frau wollte über die Strasse. Ich hielt an. Dann hielt die Fussgängerin auch an. So ging das hin und her. Schlussendlich liess sie ihre Tasche stehen und ging den Rest des Weges über die Strasse. Ich tütschte ganz leicht die Tasche. Mein Pech war, dass die Tasche voller Eier war. Da habe ich ganz klar gemerkt, dass man ganz klar kommunizieren will, was man im Sinn hat. Dieses Erlebnis hat mir geholfen unfallfrei durch ein ganzes Leben zu fahren, ich meine was mich betriftt, mein Verhalten.

Allerdings passiert es mir immer wieder mal, dass ich von einem Auto getütscht werde, sei's ob sie mich einfach übersehen oder die Situation falsch einschätzen. Seit ich einen Rückspiegel am Velo montiert habe, konnte ich auch diese Situationen auf ein Minimum beschränken. Bei dichtem Verkehr ist dieser wirklich einen grosse Hilfe.

Templeton 04.05.2013 | 16:57

Ich weiss zwar nicht genau das Wort "schmunzölln" auf einen ironischen Text hinweist. Aber ich finde den routinierten Schulterblick auch als Fussgänger sehr wichtig, denn wer darf ganz legal auf dem Fussweg radeln? Richtig, kleine Kinder ... die jeder unachtsame Fussgänger ausversehen in den Strassenverkehr schubsen kann. Schreckliche Vorstellung... Die schlimmsten Fast-Unfälle, wo es richtig knapp war, hatte ich mit älteren Damen. Die schauen sich manchmal auch nicht um, kramen irgendwas aus dem Kofferaum raus, drehen sich schnell um und stehen plötzlich vor mir auf der Straße... Habe da schon ein dickes Vorurteil, wenn ich eine ältere Dame sehe, die mich nicht sieht und meine Fahrbahn kreuzen könnte, dann brems ich sofort ab.