Interview mit dem Rote Flora-Sprecher

G20-Recherche: Andreas Blechschmidt über "Welcome to hell" und welche Missverständnisse es gab
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Er gilt als umstritten - der Hamburger Rote Flora-Sprecher Andreas Blechschmidt. In einem Interview mit dem Hamburger Bürgerreporter Max Bryan gab Blechschmidt am Rande der "Welcome to hell"-Demo am 6. Juli erstmals tiefe Einblicke in sein Verhältnis zur Militanz.

So distanziere Blechschmidt sich nicht grundlegend von "militanten Aktionsformen" und "bewussten Regelübertretungen" weil die hätten in Sachen Stadtteilpolitik auch viel Gutes bewirkt. Die militante Hausbesetzer-Szene der 80-iger Jahre zum Beispiel wurde von Presse und Kritikern zuletzt hoch gelobt.

Zudem gäbe es "in der politischen, autonomen Bewegung kein Konsens dafür, Menschen mit Vorsatz an ihrer Physis zu schädigen", so Blechschmidt im Interview vor Beginn der Ausschreitungen am 6. Juli. Max Bryan fragte Blechschmidt unverblümt und frei heraus, ob er für oder gegen Gewalt sei.

Quelle: http://www.huffingtonpost.de/max-bryan/fuer-oder-gegen-gewalt-in_b_18103034.html

(VL) Und damit die vielleicht beste Frage, die ein Reporter jener Tage stellte, gilt es doch zu klären, inwieweit Blechschmidt zu Gewalt aufrief oder anstiftete. Seinen Angaben zu Folge sollte die Demo völlig friedlich bis zu Ende laufen. Man wolle "gemeinsam losgehen und gemeinsam ankommen", beteuerte Blechschmidt im Vorfeld der Ausschreitungen vom 6. Juli.

Andere hingegen - wie auch der Polizeigewerkschaftler Gerhard Kirsch glauben, dass die Demo in jedem Fall gewalttätig geworden wäre und es richtig war, die Demo an diesem Ort festzuhalten.

http://www.hamburger-wochenblatt.de/st-georg/lokales/g20-geschichte-interview-mit-christiane-schneider-jan-van-aken-und-andreas-gerhold-d42028.html

Wer der Beiden nun Recht hat, sei mal dahin gestellt. Gesichert ist wohl nur, dass es anders kam, als geplant und das liegt vielleicht ein bisschen auch an der eskalativen Null-Toleranz-Politik der Hamburger Polizei, die kleinste Vergehen, wie auch Vermummung zum Anlass nimmt, die Straße mit gleich 4 Wasserwerfern und mehreren Panzerfahrzeugen zu blockieren, mit dem Ziel den Kopf der Demo vom Rest der Versammlungsteilnehmer "abzutrennen".

Dass ein solcher Akt nur schief gehen kann, darin sind Kritiker und Experten sich einig. "Eine Gruppe Vermummter gegen eine Flutschutzmauer drücken zu wollen, um den Rest der Demo daran vorbei zu lassen", sei "schlicht Wahnsinn", so die Kritik. (Flutschutzmauer gezielt ausgesucht, keine Fluchtwege, Massenpanik, Vergleich zur Loveparade Duisburg 2010, damals gab es Tote!)

"Welcome to hell" im Keim erstickt

Im Interview erklärt Blechschmidt wiederholt die Bedeutung des Titels "Welcome to hell". Anders als zu erwarten ginge es eben nicht um die Zerstörung der Stadt, sondern um die "höllischen Verhältnisse in der Welt" - die Krisen und Konflikte also, auf die man aufmerksam machen wollte, doch das wurde "im Keim schon erstickt", weiß auch Jan van Aken (Bundestagsabgeordneter der LINKEN) zu berichten.

"Die Autonomen, die diese "Welcome to hell"-Demo angemeldet haben, hatten von vornherein gesagt, dass sie kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Polizei hätten und die Demo friedlich bis zu Ende laufen wollten". Dann aber sei die Demo gleich zu Beginn aufgestoppt worden, mit der Bitte die Vermummung abzulegen, was in Teilen auch geschah. "Ich war direkt daneben - habe das gesehen - und trotzdem ist die Polizei da reingegangen", berichtet Jan van Aken, das sei "vollkommen unnötig" gewesen und man habe die Chance auf einen friedlichen Ausgang der Demo "im Keim erstickt", so der Parlamentarier.

18:51 02.10.2017
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