Der Mord eines Rassisten und seine Folgen für unsere Gesellschaft

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Heute beginnen vor dem Landgericht in Dresden die Verhandlungen gegen Alex W., den Mörder von Marwa. Diese wurde am 1. Juni in einem Gerichtssaal in Dresden von Alex W. ermordet, da sie ihn wegen rassistischer Beleidigungen, wie "Terroristin", angezeigt hatte. Doch eben jene ermordete Marwa war ein gut integriertes Mitglied der deutschen Gesellschaft, ihr Mann forscht am Max-Planck-Institut, sie war Pharmazeutin. Dennoch wurde sie von einem Mann, der in seinem Leben eigentlich nichts erreicht hatte, als Terroristin beschimpft, von einem Mann, der später selbst zum Mörder wurde.
Doch die Frage, die sich nun stellt, ist, wie soll Alex W. verurteilt werden und wie soll der Schuss des deutschen Polizisten auf Marwas Ehemann gewertet werden.
Wieso schoss der Polizist auf den Ehemann und nicht auf Alex W. obwohl dieser doch das Messer in der Hand hielt? War der Polizist verunsichert, wer der Täter wäre?
War sein Bild getrübt durch die Darstellung der Muslime in den deutschen Medien, wo sie meist nur im Zusammenhang mit negativen Schlagzeilen erwähnt werden, da dies mehr Aufmerksamkeit bringt und das Bild des bösen Muslims genährt werden soll?
Die Bevölkerung in Marwas Heimatland Ägypten blickt nun gespannt auf die Verhandlung und fordert das höchste Strafmaß für Alex W., dennoch sehen es die größten Teile der Bevölkerung nur als einmalige Sache, da Deutschland dort noch immer als ein Land gilt, das besonders anerkannt und beliebt ist.
Auch erkennen einige das Problem, dass es solche Leute überall gibt und dass um solche Ereignisse verhindern zu können, mehr notwendig ist als ein Prozess. Notwendig ist eine bessere Verständigung der Völker untereinander und Verständniss für ihre Religionen.
Problematisch ist die Ankündigung ihren Tod zu rächen, was nur den Nationalisten auf beiden Seiten in die Hände spielen würde und die Verständigung weiter behindern würde. Rache ist niemals geeignet, ein Problem zu lösen und alle Gesellschaften sollten sich von Vorurteilen lösen und das Prinzip der Rache inzwichen überall als falsch erkennen.
In diesem Sinne kann man nur zu einem friedlichen Prozess aufrufen und zu einer Verständigung, die dazu führt, dass die Völker sich besser kennenlernen und ihre Vorurteile abbauen. Dies würde unterstützt durch eine eindeutige Verurteilung der Tat durch den deutschen Innenminister und Medien, welche das Fremde nicht nur als böse und extremistisch zeigen, sondern das Bild eines normalen friedlichen Bürgers, wie es sowohl in der muslimischen als auch der christlichen Welt für fast jeden Menschen gilt.Extremisten jeglicher Natur sind sowohl in der christlichen als auch in der muslimischen Welt die Ausnahme, auch wenn die Aufmerksamkeit der Massenmedien versucht ein anderes Bild zu vermitteln. Der Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus muss verstärkt werden und nicht, wie von der neuen Regierung vorgesehen,beschnitten werden. Rassismus und Vorurteile sind auch in diesem Land noch viel zu weit verbreitet und können nicht Teil einer Gesellschaft sein, die sich selbst für aufgeschlossen und aufgeklärt hält.

14:56 05.11.2009
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