Grüner Kapitalismus – Gibt es ihn schon?

Kapitalismus In Deutschland wird immer wieder über einen “Green New Deal” gesprochen, die Grünen fordern ihn schon länger und wollen den Kapitalismus ökologischer gestalten.
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In Deutschland wird immer wieder über einen “Green New Deal” gesprochen, die Grünen fordern ihn schon länger und wollen den Kapitalismus ökologischer gestalten. Bisher sind alle Versuche, international gültige Regeln für einen „Grünen Kapitalismus“ festzulegen, an den Intressen der Wirtschaft gescheitert, viele Organisationen und Wissenschaftler halten trotzdem an ihm fest.

„Grüner Kapitalismus? Klimawandel, globale Staatenkonkurrenz und die Verhinderung der Energiewende“ lautet der Titel eines Werk, desPolitikwissenschaftler Jonas Rest, das sich mit diesem Thema beschäftigt. Er vertritt die These, dass wirkliche Veränderungen erst nach der Entmachtung der fossilen Industrien erfolgen kann, eine These, die er in seinem Buch zu verdeutlichen versucht.

Die Welt wird momentan nicht grüner, dass ist nicht nur eine These von Jonas Rest, ist auch eine Einschätzung, die die meisten anderen Wissenschaftler teilen.

Kyoto, Durban und die Hoffnung

Der Klimagipfel in Durban, die Protokolle von Kyoto und etliche andere Verträge sind ein Zeichen für das bisherige Scheitern, eines neuen, eines grünen Kapitalismus. Bisher ist es weder gelungen eine umweltfreundliche Wirtschaft aufzubauen, noch konnte die Erderwärmung wirklich verlangsam oder sogar gestoppt werden, die erneuerbaren Energien wurden bisher zu wenig erforscht, als das sie einen Ersatz für die endenden Ressourcen liefern könnten.

In seinem Buch geht Jonas Rest der Frage nach, „ob sich das Aufkommen einer neuen Form von Kapitalismus abzeichnet, in der Kapitalakkumulation mit den Anforderungen des Klimaschutzes in Einklang gebracht wird, bzw. wie plausibel die Entstehung einer solchen Form des Kapitalismus in der Zukunft ist“. Er schaut dabei vor allem auf die erneuerbaren Energien und die bisherige Nutzung dieser, in ihnen sieht er den wichtigsten Punkt für eine Wende in der Energiepolitik. Mit Blick auf dieses Ziel beschäftigt sich der Autor mit den Instrumenten der Klimapolitik, den bisherige Entwicklungen und Zielen aller wichtigen globalen Akteure, im Fokus stehen vor allem die USA, Europa und China.

Grüner Kapitalismus?

Momentan sieht Rest keinen grünen Kapitalismus, auch wenn sich der Kapitalismus grüner geben mag. So schreibt er:

“Die Abnahme der Verfügbarkeit fossiler Energieträger und ihre hohe Konzentration in einigen wenigen, politisch instabilen Staaten bei gleichzeitig steigender Nachfrage hat dazu geführt, dass erneuerbare Energien im Rahmen einer Strategie der Diversifizierung der Energieversorung primär zur Erhöhung der Energiesicherheit an Bedeutung gewonnen haben.”

Erneuerbare Energien sind laut Rest wichtiger geworden, allerdings nur um den Bedarf an Energie zu decken, für den Fall von Knappheiten.

Sein Buch ist, obwohl es ein wissenschaftliches Werk ist, gut zu lesen und bietet einen guten Einblick in ein Thema, das viel besprochen aber wenig analysiert wurde. Rest stellt sich die entscheidenden Fragen, auf dem Weg zu einem grünen Kapitalismus, er kommt zu dem Schluss, dass eine Transformation der Wirtschaft nicht “ohne heftige gesellschaftliche Konflikte“ umzusetzen sei. Die Macht der fossilen Interessensgruppen beschreibt er sehr genau, wie auch die Interessenslagen, fehlerhaft scheint nur, dass er nicht erkennt, dass es im kapitalistischen System allgemein kein großes Interesse am Erhalt der Natur gibt.
Eine gelungene Analyse, die leider vor dem entscheidenden Schritt aufhört. Trotzdem empfehlenswert!http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=diefreihe-21&l=as2&o=3&a=3531182358

14:20 28.07.2012
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