Libysche Nationalarmee droht der Türkei

Libyen. Die LNA schließt den Luftraum für türkische Flugzeuge und droht, türkische Schiffe, die in die libyschen Hoheitsgewässer eindringen, anzugreifen.
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Nach dem massiven Eingreifen der Türkei in das Kampfgeschehen um Tripolis zwischen der Libyschen Nationalarmee (LNA) und den Milizen der ‚Einheitsregierung‘ gab das Generalkommando der LNA durch ihren Sprecher al-Mesmari auf einer Pressekonferenz folgende Erklärung ab, die heute auf TheLibyanAddressJournal veröffentlicht wurde:

Während die Libysche Nationalarmee den Terrorismus auf libyschem Territorium bekämpft, hat ihm die Türkei jahrelang logistische Unterstützung gewährt, die jetzt in eine direkte türkische Intervention umgeschlagen ist. Um den Terrorismus in Libyen zu unterstützen, setzt die Türkei Kampfflugzeuge ein, übernimmt den Transport von Söldnern und schickt Schiffladungen voller Waffen, Munition und gepanzerter Fahrzeuge.

Aus diesem Grund hat das Generalkommando der Libyschen Nationalarmee die Luftwaffe angewiesen, türkische Schiffe und Boote, die in die Hoheitsgewässer Libyens einlaufen, anzugreifen. Als Reaktion auf diese terroristische Aggression muss die Übergangsregierung alle in Libyen tätigen türkischen Unternehmen ausweisen und deren Aktivitäten im Rahmen von Projekten auf libyschem Gebiet unterbinden. Türkische Unternehmen und Produkte müssen boykottiert und Zivilflüge zu libyschen Flughäfen aus und in die Türkei eingestellt werden.[1]

Der Sprecher der militärischen Einsatzzentrale der LNA in Tripolis, Khaled al-Mahdschub, sagte, dass es in Tripolis eine Einsatzzentrale des türkischen Militärs gebe, die die Führung der mit der ‚Einheitsregierung‘ von Sarradsch verbündeten islamistischen Gruppen übernommen habe. In der Einsatzzentrale seien mehrere ranghohe türkische Militärs tätig. Diese Offiziere hätten die Befehlsgewalt über die Milizen, die sich mit Sarradsch während der kriegerischen Auseinandersetzungen im Süden von Tripolis verbündet hatten. Die Einsatzzentrale sei mittlerweile vom al-Mahari Hotel in Tripolis zum Mitiga Flughafen verlegt worden. Dies stelle ein Kriegsverbrechen dar, da der zivil genutzte Mitiga Flughafen für militärische Zwecke missbraucht werde. Die Nutzung ziviler Einrichtung für militärische Zwecke stehe unter Strafe. (Der internationale Flughafen von Tripolis wurde 2014 von Misrata-Milizen zerstört. Seither dient der Mitiga Flughafen als der zivile Flughafen von Tripolis.)

Es würden auch türkische Drohnen eingesetzt, um Luftangriffe von Kampfflugzeugen vorzubereiten, die von dem sogenannten Air College auf dem Luftwaffenstützpunt von Misrata aus starten. Nachdem sich libysche Luftwaffenoffiziere geweigert hatten, unter dem Kommando islamistischer Misrata- und Tripolis-Milizen zu fliegen, seien Söldner eingesetzt worden.

Noch am Freitag hatte die LNA bekanntgegeben, dass ihre Luftabwehr eine Drohne in der Nähe von Tripolis abgeschossen habe. Die Drohne sei in der Türkei hergestellt worden. Türkische Drohnen seien auch in der jüngsten Militäroperation der Tripolis-‚Einheitsregierung‘ eingesetzt worden seien, um die strategisch wichtige Stadt Gharyan von der LNA zurückzuerobern.

Neuste Meldungen besagen, dass die LNA einen Angriff der Milizen der ‚Einheitsregierung‘ auf ihre Stellungen südlich von Tripolis in Asbiah zurückgeschlagen hat. Die LNA scheint an allen Fronten im Süden von Tripolis Angriffe gegen die Milizen der ‚Einheitsregierung‘ gestartet zu haben. In Gharyan flog die LNA eine Reihe von Luftangriffen auf Stellungen der feindlichen Milizen.

Der Stadtrat von Bengasi hat unterdessen Menschenrechtsverletzungen der Milizen der ‚Einheitsregierung‘ nach ihrem Einmarsch in Gharyan scharf verurteilt. Verwundete LNA-Gefangene, die im Krankenhaus von Gharyan behandelt wurden, seien durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden. Laut eines vom Gerichtsarzt und der Staatsanwalt in Zinten bestätigten Berichts, wiesen die meisten Leichen, die der Roten Halbmond übergeben hatte, entsprechende Schussverletzungen auf. Weitere seien vorsätzlich im Gesicht verstümmelt worden, während die Verletzungen anderer darauf hinwiesen, dass sie von Autos überfahren wurden.

[1] https://www.addresslibya.com/en/archives/47686

20:01 29.06.2019
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Geschrieben von

Angelika Gutsche

Reisen führten Angelika Gutsche unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan. Viele Reportagen fanden Veröffentlichung.
Angelika Gutsche

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