Werden wir eine weiße Weihnacht feiern?

Die Wetterfee Anders als die vielen Experten wagt die Wetterfee schon jetzt eine winterliche Prognose: In den Niederungen dominiert die grüne Weihnacht. Man muss nach Osten fahren
Werden wir eine weiße Weihnacht feiern?

Illustration: Otto

Brr! Die Kälte ist da und der Winter real fühlbar geworden. Meteorologisch hat er ja bereits am 1. Dezember begonnen, astronomisch gesehen fängt er allerdings erst am 22. Dezember an. Spätestens da steht die verständliche wie gleichzeitig monströse Frage an: Werden wir eine weiße Weihnacht feiern?

Eine weiße Weihnacht scheint in unserer Vorstellung als nahezu absolut gesetzt. Genährt von Werbung, Filmszenen, Weihnachtsmärchen und Weihnachtsliedern, spielt sich Weihnachten in unseren Köpfen inmitten großzügig eingeschneiter Landschaften und womöglich noch mit Rentieren vor der Haustür ab. Da kommt nicht nur der Coca-Cola-Weihnachtsmann durch die weiße Winterlandschaft gestapft, auch die Schneeflöckchen und die Weißröckchen schneien vom Himmel herab, da rieselt leise der Schnee und glänzt weihnachtlich der Wald. Ja, fast scheint es, als ob Weihnachten nur auf der Südhalbkugel in Grün stattfinden würde.

Klar, die Weihnacht, die soll weiß gefeiert werden, macht das Weiß doch die ganze Sache um einiges eleganter, wenn das denn schon die Religion nicht mehr tut. Entsprechend früh wird die Frage nach einer weißen Weihnacht jedes Jahr gestellt, nicht nur die Bild-Zeitung wagt gerne schon im November den Meteorologen diese monströse Frage zu stellen. Obwohl die, vorausgesetzt es sind seriöse, selten eine Prognose machen, die länger als zwei Wochen währt.

Milde Phase

Nun sind es nur noch weniger als zehn Tage bis Weihnachten, das heißt, anständige Meteorologen werden sich gerade erst an eine Prognose wagen. Unab­hängig aber von der hiesigen Vorhersage weiß die Wetterfee: Eine weiße Weihnacht in den Niederungen ist selten. Ja, tatsächlich dominieren hierzulande grüne Weihnachten.

Und das, obwohl der erste Schnee der Saison meistens (wenn auch nicht in diesem Jahr) bereits Ende November fällt, vielleicht Mitte Dezember nochmals ein massiver Kaltluftvorstoß und noch mehr Schnee folgen. Es gefriert alles schön und fest, und man sieht sich bereits auf dem Bärenfell vor dem Kaminfeuer Geschenke auspacken, während draußen die Flocken tanzen.

Aber nein, nahezu zuverlässig folgt auf den ersten Wintereinbruch eine mildere Phase: Die weiße Pracht schmilzt dahin, die letzten Besorgungen vor Weihnachten versinken in grauem Schneematsch, die schönen Schuhe sind dahin, die Romantik auch. Schuld ist milde atlantische Luft, die von Westen heranströmt, womöglich inklusive Regenfällen. Diese milde Luft vergeht sich an der lieblich daliegenden Schneedecke und lässt sie schmelzen wie die Kuvertüre im Wasserbad. Meteorologisch gesehen ist dieser Temperaturanstieg ganz normal und nennt sich „Weihnachtstauwetter“. Dieses Phänomen zählt zu den sogenannten Singularitäten, also jenen Wetterlagen, die zu einer bestimmten Zeit mit besonderer Wahrscheinlichkeit auftreten. Sie liegt in diesem Fall je nach Region bei 60 bis 70 Prozent.

Immerhin steigen die Aussichten für weiße Weihnachten, wenn man zu den Festtagen in östliche Richtung fährt. In München stehen die Chancen, an allen drei Festtagen durch Schnee zu stapfen, im Vergleich zu den größeren Städten noch am höchsten. In der bayerischen Hauptstadt liegt im Mittel etwa alle drei Jahre vom 24. bis 26. Dezember eine geschlossene Schneedecke. In Dresden dagegen feiert man gleichwohl alle vier bis fünf Jahre weiße Weihnachten, in Hamburg lediglich alle neun Jahre. Frankfurt am Main und Aachen kann im Schnitt nur jedes zehnte Jahr mit Schnee rechnen. Anders formuliert: Nach dem letztjährigen Schneechaos stehen die Chancen für eine weiße Weihnacht in diesem Jahr überall besonders schlecht.

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09:00 17.12.2011
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Ausgabe 39/2020

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