Förderung CO2 Speicherung von EU gestoppt

Kohle ade? Neue Kohlekraftwerke sind weltweit in Planung, während die Co2 Speicherung gestoppt wurde. Gleichzeitig tobt die Debatte um sauberen Strom.
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Es schien die Lösung für das Klimaproblem zu sein: Überschüssiges CO2 wird einfach unter die Erde gepumpt und dort endgelagert. Die Atmosphäre wird von dem Klimagas nicht mehr angereichert und die alten Kohlekraftwerke können munter weiterlaufen. Doch nun wurde die Förderung der hierfür notwendigen Technologie von der EU gestoppt. Eine politische Fehlentscheidung oder eine sinnvolle Planänderung?

Die Endlagerung von CO2

Um das weltweite Klima zu stabilisieren und die Umwelt, wie wir Menschen sie zum Überleben brauchen, zu schützen, muss der Ausstoß an CO2 so schnell und so weit wie möglich reduziert werden. Da die meisten westlichen Zivilisationen aber ohne große Stromkraftwerke und private, ölbetriebene Fahrzeuge scheinbar nicht mehr existieren können, kam der Plan mit dem Namen CCS gerade recht. Die Technik Carbon Capture and Storage (Kohlenstoff fangen und lagern) sollte es ermöglichen, überschüssiges CO2 unter der Erde zu verstauen. Ehemalige Gas- und Öllagerstätten sollten mit dem Klimagas gefüllt und versiegelt werden. Wenn es gelingen könnte, Kohlendioxid in den Mengen unter die Erde zu befördern, wie Öl und Erdgas gefördert werden, wäre das Problem Treibhauseffekt mit einem Male gelöst. Die übrigen Technologien müssten sich dann nicht mehr darum bemühen, den CO2-Ausstoß zu verringern. Die ältesten Dreckschleudern könnten ohne Gefahr für die Umwelt weiter betrieben werden. Doch ohne die Förderung der EU wird die Technologie wohl nicht über das experimentelle Stadium hinauskommen.

Der Stopp der Förderung hat aber einen ganz bestimmten Grund. Dieser liegt nicht daran, dass erneuerbare Energien gerade moderner sind. Das Verfahren CSS hat sich in der Praxis als untauglich erwiesen. Die Chancen, dass CO2 in relevanten Mengen unter der Erde verschwinden kann, sind verschwindend gering, denn die Anforderungen an die Lagerstätten sind enorm.

Risiko Erdverwerfung

Wissenschaftler, die mit der Erforschung der Technik befasst waren, mussten eingestehen, dass durch die Einlagerung von Gas in tief liegendem Gestein Erdbeben ausgelöst werden könnten. Diese wären zwar gering und an der Oberfläche kaum zu spüren. Doch innerhalb der Lagerstätte könnten Verwerfungen aufbrechen, die die Versiegelung des Gases zerstören. Mit ersten Versuchen, bei denen Abwasser unterirdisch gelagert werden soll, konnten solche Erdbeben und Einbrüche des umliegenden Gesteins bereits nachgewiesen werden. Nach einem solchen Erdbeben könnte sich das Klimagas einen Weg an die Oberfläche suchen und in unvorstellbaren Mengen in die Atmosphäre strömen. Menschen, die in einem solchen Moment in der Nähe der Austrittsstelle sind, bliebe die Luft zum Atmen weg. Die Gefahr, die von einer CO2-Endlagerstätte ausginge, wäre also immens.

Das Gas lässt sich nicht halten

Um einen solchen Austritt zu verhindern, müsse die Lagerstätte genauestens untersucht werden. Nicht die geringste Verwerfung darf im Gestein zu finden sein, da diese unter Druck aktiv werden könnten. Doch solche Lagerstätten sind zumindest an Land nur sehr selten zu finden. Die Forscher bezweifeln, dass die geeigneten Stellen genug CO2 aufnehmen können, dass es für das Weltklima eine Relevanz haben könnte. In West Virginia wurde beispielsweise eine Lagerstätte für ein dort arbeitendes Kraftwerk erkundet. Dieses eine Kraftwerk könnte gerade einmal 1 % seiner CO2-Ausstöße gefahrlos im Erdboden versenken. Mit moderneren Anlagen ließe sich eine wesentlich größere Verringerung des Treibhausgases erreichen.

Eventuell könnte sich am Grund der Meere noch die eine oder andere geeignete Stelle finden lassen. Hier wäre auch die Gefahr, die durch einen Durchbruch des Gases an die Oberfläche ausginge etwas geringer. Doch eine Einlagerung von Gas am Meeresgrund würde die Kosten der Technologie extrem in die Höhe schießen lassen. Wirtschaftlich wären die Kraftwerke, die auf die Technologie angewiesen sind, dann nicht mehr tragbar. Kohle eignet sich damit nicht mehr als Energielieferant.

Theorie und Praxis

Rein theoretisch würde Kohle zum reinen Freizeitprodukt degradiert, welches sich höchstens noch auf dem Grill wiederfindet, um das ein oder andere Kotelett zu rösten. Und selbst hier droht der Kohle Gefahr. Nicht nur politische Stimmen sind hörbar und weisen darauf hin, wie hoch der jährliche Co2-Ausstoß im heimischen Garten ist, auch tendenziell ökologische Stromfirmen weisen auf die enorme Menge von etwa einer halben Milliarde Kilogramm CO2-Ausstoß bei Kohlegrills hin. Natürlich nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Elektrogrills mit Ökostrom überhaupt keine Co2-Emissionen freisetzen.

Fachleute des TÜV Rheinland wollten es genau wissen und stellten eine eigene Studie zum Co2-Ausstoß beim jährlichen Grillvergnügen auf. Ralf Martin Müller, Projektverantwortlicher für Ökobilanzierungen bei TÜV Rheinland brachte es mit markigen Worten auf den Punkt: “Ob Holzkohle, Gas- oder Elektrogrill ist für die Umwelt längst nicht so wichtig wie die Auswahl des Grillguts. Tierische Produkte beispielsweise belasten die Umwelt über ihren gesamten Lebensweg deutlich mehr als Gemüse”

Faktisch ist nicht die Kohle der eigentliche Klimasünder – sondern das Grillgut aus Fleisch und Käse. 18 Prozent könnte an Co2-Emission eingespart werden, wenn nur Gemüse auf den Grill käme. Doch wer will das? Damit wäre das Grillen kein Grillen mehr und tausende von Kindheitsträumen für immer begraben.

Anstatt ein Debatte um die Gefahr der Grillkohle zu führen, wäre ein Blick auf die Finanzierung von Kohlekraftwerken zu werfen. Was nutzt es, - wie unter anderem die KFW es betreibt – auf der einen Seite Erneuerbare Energien zu fördern, aber auf der anderen Seite Kredite für Kohleprojekte zu vergeben?

Weltweit sollen nach einer Studie über 1000 neue Kohlekraftwerke geplant sein. Das ist einerseits nachvollziehbar, da der wachsende Energiehunger effizient gestillt werden muss, andererseits eine bittere Pille, wenn man bedenkt, dass überall von sauberem Strom die Rede ist.

10:51 31.12.2012
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