„Die Hatz auf die Reichen ist anstößig"

Panamapapers - Sozialneid Die Enthüllungen bringen vieles ans Tageslicht. Nicht nur lässliche Sünden wie Ungenauigkeiten bei der Steuererklärung. Sondern auch Todsünden wie „den Sozialneid.“
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Große, und wahre Worte von Dorothea Siems:

"Die Hatz auf die Reichen ist anstößig und illiberal"

Frau Siems, bekannt dafür, dass sie immer ein gutes Wort für diskriminierte Minderheiten einlegt, setzt sich dieses Mal für die kleine Minderheit derer ein, die nicht wissen wohin mit ihrem Geld. Für jene Mühseligen und Beladenen, die unter der Last ihres Zasters ächzen.

Kaum einer traut es anklingen zu lassen, Dorothea Siems bringt es kühn auf den Punkt: >>Schließlich tragen die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung deutlich mehr als die Hälfte der gesamten Einkommensteuerlast.<<

Dax ist wirklich entsetzlich. Da bleibt denen ja kaum was zum Leben, also fast nix für einige Yachten, Aktienpakete oder große Immobilien! Lohnt Reichtum da überhaupt noch?

>>Gerade in Deutschland dürfte der Neid auf "die Reichen" derartiger Geheimniskrämerei Vorschub leisten.<<

Genau so ist es, eine ebenso anstößige wie illiberale gesellschaftliche Ungleichbehandlung, also Ungerechtigkeit sondergleichen: Denn - anders als den Reichen gegenüber - unseren Mindestlöhnern und Kleinrentnern neidet kein Deutscher deren Vermögen und Einkünfte! - Wer seinen Job schmeißt, weil er den nicht mehr ausgehalten hat, stößt auf jede Menge Verständnis. - Wer Hartz beantragt, wird mit Kaffee und Kuchen empfangen! Bevor es aber zu einem solch netten Meeting geht, daran denken: Nicht nur BILD oder RTL2 haben jede Menge Tipps auf Lager, auch jede gute Verbraucherberatung ist zur Stelle, wie der angehende Hartzer durch Gründung einer Offshorefirma schlicht seine Privatsphäre wahren kann.

Eine bescheidene Frage allerdings bleibt, liebe Frau Siems: Welchen Anteil am Gesamtvermögen der sozialneidischen Deutschen müssen die einkommensstärksten zehn Prozent verwalten? - Zugestanden, sicherlich wäre es gerechter, wenn die einkommensschwächeren 90% der Bevölkerung auch um die 90% der Einkommenssteuerlast schultern. Aber unser fürsorglicher Staat kann beim besten Willen nicht sonderlich viel herausholen aus den löcherigen kleinen Taschen bescheiden Gekleideter!

Ein ebenso überzeugender wie origineller Vergleich wiederum: >>Die Steuerehrlichkeit dürfte bei den Wohlhabenden ähnlich ausgeprägt sein wie bei den weniger gut Betuchten, die zwar kaum in ausländische Steueroasen flüchten, aber womöglich mancher Schwarzarbeit nicht abgeneigt sind oder mit der Kilometerpauschale und falschen Belegen tricksen.<<

Sehr richtig. Das musste mal gesagt werden! Beiden Volksgruppen geht es bei ihrer jeweiligen Fuscherei im Prinzip um das Gleiche: Dass sie sich nach Steuern doch noch was gönnen können: Eine Kiste Bier mehr, ein Paar schicke Schuhe für den Nachwuchs. Oder eben einige Yachten, Aktienpakete oder große Immobilien.

Alles klar. Eine kleine Frage aber sei doch noch erlaubt: Wieso ist der Wunsch, die Reichen sollten ihren Obulus an ihr Gemeinwesen zahlen, >>illiberal<<? Auch ein vernünftiger Liberaler (FDPler brauchen sich nicht angesprochen zu fühlen) kommt um die Einsicht nicht herum, dass der Staat Einnahmen benötigt um zu gewährleisten, dass es immer genug Besitzlose gibt, die nicht nur - wollens, sollens - bereit, sondern auch in der Lage sind, für die Großeigentümer Reichtum zu erarbeiten!

Weiterhin, inwiefern soll der Wunsch, dass im wesentlichen die Reichen den Verein finanzieren sollen, der für sie gegründet wurde, ein Neidgefühl nach oben spülen?

Denn was Vater Staat mit den Mehreinnahmen macht, wenn auch seine Lieblingskinder brav ihre Beiträge pflichtgemäß in voller Höhe abdrücken, ist die zweite Frage. Ob er damit die Infrastruktur für die Geschäftswelt verbessert, mehr für Wehr und Waffen rausbuttert, durch bessere Bildung und Ausbildung, sowie mehr Kinderaufbewahrungsstätten noch brauchbarere Mägde und Knechte heranzieht, mit schönen Bauten das Renommee des Standortes erhöht, das ist offen.

Ob dann ein einziger müder Euro effektiv in den Taschen des Normalbürgers landet, steht in den Sternen. Das zumindest ahnt der empörte „kleine Mann“, wenn es ihm nicht sogar klar ist; also kein Anlass zu Neid. Im übrigen aber, Neid, so man sich nicht von dem seltsam rätselhaften, vorantiken Märchen von Kain und Abel verwirren lässt, ist etwas höchst Menschliches, auch unseren edlen Reichen nicht Fremdes.

Letzte Frage, was eigentlich ist >>Sozialneid<<? -Neid auf Soziales vielleicht?

13:19 06.04.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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