Augstein fordert Sofortabzug aus Afghanistan

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Jakob Augstein spricht sich in einem aktuellen SPON-Artikel "Merkels sinnloser Krieg" gegen die Verlängerung des Afghanistan Mandats aus. Auch wenn ich manche seiner Einschätzungen zum Thema nicht teile, begrüße ich die deutliche Haltung zu der morgigen Entscheidung im Bundestag. Es ist mitnichten Merkels Krieg, sondern vor allem ein Krieg der USA, der einer imperialen, an strategischen Interessen orientierten Logik folgt und von fast allen Parteien im deutschen Parlament mitgetragen wird/wurde. Da der Freitag laut SPON für kritischen Journalismus steht und mit neuen Formen der Leserbeteiligung experimentiert, lade ich aus gegebenem Anlass erneut zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der "Sinnhaftigkeit" dieses verbrecherischen Krieges ein:

ISAF-Mandatsverlängerung:Märchenstunde im Bundestag:

Natürlich verstellt all das Töten und Bombardieren den Blick auf die tatsächlichen Realitäten des robusten Stabilisierungseinsatzes. Beim Krieg geht es zunächst eben nicht nur darum irgendwie kühl, dem Soldatentum als solches nachzugehen, sondern dass Emotionen hier mitspielen. Sagt unser Verteidigungsminister . Da aber nicht jeder Aufständische gleich die westliche Gemeinschaft bedroht, Afghanistan militärisch nicht zu gewinnen ist, wir aber gleichsam offen und ohne Verklemmung über Wirtschaftskriege sprechen müssen, erfordert die sensible Mission unserer Kameraden eine empathische Reflexion an der Heimatfront. Zielführend hierfür ist eine breit angelegte PR-Kampagne, die den Krieg in der öffentlichen Wahrnehmung als alternativlos verbrämt und so wenig Information wie möglich über sein wahres Gesicht preisgibt, da die Wahrheit bekanntlich spätestens mit Beginn des Krieges stirbt. Vergessen wir also besser, dass 2001 der rot-grüne Basta-Kanzler, unter dem Eindruck dreier rapide einstürzender Stahlkonstruktionen , die Abstimmung über den Bundeswehr-Einsatz im Krieg gegen Afghanistan mit der Vertrauensfrage verknüpfte. Ignorieren wir einmal die Tatsache, dass kein einziger Afghane für diesen, bis dato nicht einwandfrei untersuchten Terroranschlag , verantwortlich gemacht werden konnte. " Die Anschläge des 11. Septembers 2001 wurden dort (Afghanistan) geplant und vorbereitet ", wird von der Bundeswehr behauptet. Tatsächlich geschah dies in Deutschland und Spanien, obwohl die mutmaßlichen Attentäter (mehrheitlich Saudis) bereits unter Beobachtung der Geheimdienste standen. Auch die strategischen Pläne des neokonservativen Think Tanks PNAC, die geschäftlichen Verbindungen der Bush Familie mit dem Bin Laden Clan, sowie die geheimen US-Kontakte mit den Taliban im Kontext der geplanten TAPI-Pipeline, die nun offensichtlich doch Realität wird, bedecken wir mit dem Mantel der Geschichte.

PetersbergZalmay Khalilzadex-Unocal BeraterWahlfälscherheimlichen finanzierten Kampf

Der Rest ist Geschichte: Bin Laden konnte unter mysteriösen Umständen entkommen, den Taliban gelang es wieder Fuß zu fassen, unter den Augen der Nato boomt seither der Mohnanbau, von dem überwiegend Personen aus dem Regierungsumfeld profitieren, die USA/CIA setzen Drogenhändler und Warlords auf ihre Gehaltslisten, zahlen indirekt Schutzgelder an die Taliban um ihre Nachschubrouten zu sichern, die Fähigkeiten der afghanischen Sicherheitskräfte werden völlig überschätzt, die Trennung von Kampfmandat und Aufbaumission (OEF/ISAF) existiert nur auf dem Papier, Spezialkommandos, CIA und Söldnertruppen agieren jenseits parlamentarischer Kontrolle, deutsche Soldaten leisten Beihilfe zu gezielten Tötungen und tolerieren/unterstützen geheime Einsätze amerikanischer Spezialkräfte in ihrem Einsatzgebiet, Geheimdienste nähren Zweifel am "Fortschritt" des Krieges, auch in Pakistan wird mittlerweile "gezielt" getötet, im US-Militärknast Bagram werden weiterhin verschleppte Verdächtige gefoltert, 39% der Afghanen befürworten laut Umfragen Anschläge auf NATO-Truppen, die Lage im Land ist so schlecht wie seit 30 Jahren nicht mehr (IKRK),.... Nichts ist gut in Afghanistan.

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Door Gunner Petty Officer Richard Symonds of the Royal Navy wears a Santa Claus outfit as he delivers mail and presents to troops

Foto:Reuters

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Foto:Reuters

21:35 27.01.2011
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