Gold Star For Robot Boy
02.11.2015 | 09:12 18

Wie Wikipedia Autoren 9/11-Artikel säubern

Verschwörungstheorien Ein ergänzender Erfahrungsbericht zum Film "Die dunkle Seite der Wikipedia" beschreibt die unlauteren Methoden mit denen kritische Stimmen unterdrückt werden.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Gold Star For Robot Boy

http://i68.tinypic.com/24eooif.png

In ihrer Dokumentation “Die dunkle Seite von Wikipedia” beschreiben Markus Fiedler und Frank-Michael Speer, wie auf der Grundlage intransparenter und hierarchischer Strukturen, eine Gruppe von Wikipedia-Autoren Regeln der Online Enzyklopädie brechen und das Neutralitätsgebot in zahlreichen Artikeln pervertieren.

Autor Fiedler im Nachdenkseiten Interview:

Und dann habe ich im Januar 2015 das Video eines Vortrags des Historikers Dr. Daniele Ganser auf YouTube gesehen, in dem es um NATO-Geheimarmeen ging. Als ich deswegen mehr über Dr. Ganser auf Wikipedia erfahren wollte, las ich dort: „Er greift Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 auf und stellt sie als diskutable wissenschaftliche Erklärungen dar.“ Der Begriff „Verschwörungstheorie“ ist dabei vollkommen unsachlich und diffamiert Dr. Ganser als Spinner. Als ich daher versuchte, mit meinem langjährig ungenutzten Wikipediakonto eine Korrektur dieses Satzes zu erwirken, geschah Seltsames: Obwohl ich einen sachlich formulierten Text in die Diskussion zum Artikel Ganser eingestellt hatte, in dem ich auf die genannte und einige weitere Unzulänglichkeiten des Wikipedia-Artikels einging, wurde ich unter fadenscheinigen Begründungen umgehend als Vandale gemeldet und danach recht schnell von einem Admin mit dem Kommentar „beratungsresistenter Meta-Account“ gesperrt. Dieses Vorgehen in der Wikipedia war vollkommen regelwidrig und wurde aber auch, wie ich dann herausfand, bereits inflationär bei anderen Benutzern praktiziert. Und zwar ausschließlich bei solchen, die im Ganser-Artikel mehr Sachlichkeit einforderten und nicht über ein langjährig genutztes Wikipedia-Konto verfügten.

Die Regularien und Fachtermini (Vandalismus, Edit-War, Sichter, Administrator) des Online-Nachschlagewerks werden in der Dokumentation für Laien verständlich erklärt. Mit Akribie und Hartnäckigkeit beschreiben Fiedler und Speer die unlauteren Methoden mancher Wikipedianer, deren aggressives Auftreten auch mir bereits vor einigen Jahren aufgefallen war. Im Film wird deutlich, dass die Diskreditierung Gansers einhergeht mit dem Versuch Kritik an der offiziellen Darstellung der 9/11-Terroranschläge als sogenannte Verschwörungstheorie zu entwerten.

Zitat (2009) aus dem Wikipedia-Artikel zum Terminus Verschwörungstheorie:

Der Begriff Verschwörungstheorie wird oft kritisch oder abwertend verwendet. In der Rhetorik ist die mediale Diskreditierung des Gegners vermittels eines solchen Vorwurfs ein erprobtes Instrument.

An "vorderster Front" im Kampf um die Deutungshoheit bezüglich des 11. September 2001 agieren seit vielen Jahren die Edit Warriors Phi, sowie Kopilot, der bis 2011 unter dem Pseudonym Jesusfreund schrieb und sich 2005 als Gerhard Sattler zu Erkennen gab. Kopilot alias Jesusfreund nimmt bei der Editierung des Artikels zu den Terroranschlägen am 11.9.2001 die Spitzenplätze ein. Er schrieb auf Wikipedia innerhalb von vier Jahren über 49.000 Editierungen. Im Januar 2015 schaffte er beispielsweise 2513 solcher Edits. Durchschnittlich 81 am Tag. Da hat jemand viel Tagesfreizeit. Oder Helfer.

Im Machtelite Blog habe ich meine persönlichen Erfahrungen mit der 9/11-Putztruppe auf Wikipedia dokumentieren, die ich ab dem März 2009 als Wikipedia-Novize leidvoll erfahren durfte, als ich es wagte in das Hoheitsgebiet der 9/11 VT-Jäger einzudringen, indem ich versuchte den Wikipedia Artikel zum World Trade Center 7 (WTC 7) zu bearbeiten:

Die dunkle Seite der Wikipedia: Wie Kopilot/Jesusfreund und Co. 9/11-Artikel säubern

Nachfolgend dokumentiere ich einige ausgewählte Kommentare, die mir Wikipedia Nutzer auf der Diskussionsseite schrieben:

Benutzer Able Danger schwallt die Seite hier mit seinen Theorien voll, ohne einen einzigen Vorschlag für den Artikel abzuliefern. Youtube-Videos als Quellen, irgendwann is gut. Ich kündige jetzt an, Textklumpen und Theoriefindung als Beiträge ohne Bezug zum Artikel hier zu löschen. Das is ja nicht zumutbar: Wikipedia:Diskussionsseiten. Frohe Weihnachten.–Lorielle 23:31, 17. Mai 2010 (CEST)

Was ist Ihr Problem? Es soll eine Artikelversion mit einseitiger Darstellung wieder eingesetzt werden? Mit welcher Begründung? Geht es auch in einem Satz, ohne das Geleier da oben? Da waren Anschläge 2001 und Feuer und nach ein paar Stunden, nach den beiden grossen, ist das Ding zammengfalln, weil’s innen und aussen geknarzt hat. Warum jetzt der Aufstand? Sammeln Sie Ihre Erkenntnisse auf eine privaten Webseite, das wird sonst nüchts und der schöne Account ist plötzlich geschlossen. Schönen Abend.–Lorielle 18:36, 13. Mai 2010 (CEST)

Es gibt einen Artikel zu den Verschwörungstheorien. Lieber Able Danger, tobe dich dort aus. Hier findest du keine Mehrheit. Das ist keine Zensur, denn du darfst alles auf deiner Homepage schreiben. Es hilft dir auch kein Vermittlungsausschuss weiter, noch das Schiedsgericht oder die Vandalismusseite. Erkenne, das mindestens 5 langjährige Mitarbeiter gegen deine Änderungen sind.– schmitty. 20:42, 16. Mai 2010 (CEST)

Mag ja sein das die Wahrheit eine andere ist als die, die in den Leitmedien verbreitet wird. Aber solange die Leitmedien bei Berichten über das WTC von den terroristischen Anschlägen sprechen anstatt einer Sprengung durch die Regierung, kommt auch nichts anderes in den Artikel. Du musst einen anderen Weg finden, der Menschheit die Wahrheit zukommen zu lassen und diese davon zu überzeugen. Hier nicht!– schmitty. 21:56, 17. Mai 2010 (CEST)

Ihre Änderungsversuche und Kommentare zeigen mir recht deutlich das Sie sich überhaupt nicht mit den Fakten auseinandergesetzt haben. Sie zitieren nur das was die Verschwörungstheoretiker behaupten. –Martin38524 19:38, 16. Mai 2010 (CEST)

Einfach ignorieren, eventuelle Theorie-Einstellungen im Artikel revertieren und auf die Disk. verweisen. Wenn’s zu viel wird, auf VM melden und hoffen, dass Artikel oder Benutzer (oder beide) gesperrt werden. Das hilft noch am meisten gegen Verschwörungstheoretiker. XenonX3 – (:±) 23:49, 19. Mai 2010 (CEST)

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (18)

Moorleiche 02.11.2015 | 10:30

Nein, das hieße das Kind mit dem Bade auszuschütten, wenn man Wikipedia einfach als "für Naive" abhandelt.

Erstens sind längst nicht alle Beiträge schlecht (sondern viele hervorragend), zweitens, kann man nicht wollen, dass die Naiven, wenn sie sich dort informieren, naiv bleiben.

Die Frage muss sein, wie man die Zustände ändern kann und da haben Fiedler/Speer uns einen Weg gewiesen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 02.11.2015 | 10:35

"Erkenne, das mindestens 5 langjährige Mitarbeiter gegen deine Änderungen sind."

oder

"Sie können mit glauben, dass ich alles über Herz-OPs weiß - ich war schließlich 10 Jahre lang Bahnfahrer!"

Ja, mit der Doku (hier gibts schon 2 weitere Artikel zu dem Thema), muss man sich der Wikipedia vorsichtiger nähern. Auch die Tatsache, dass naturwissenschaftliche Artikel gut sein sollen, muss man sacken lassen, denn gerade in der Chemie, Biologie und Physik wird ebenfalls viel Geld verdient. Da kann sicherlich die ein oder andere Erkenntnis schlecht für den ein oder anderen sein.

Moorleiche 02.11.2015 | 12:00

Was man vor allem aufdröseln muss:

1) Es stimmt, dass Verschwörungstheorie/Verschwörungstheoretiker Kampfbegriffe sind, geeignet, jemanden zu diskreditieren.

2) Es stimmt aber auch, dass es Verschwörungstheorien/Verschwörungstheoretiker gibt.

Man muss lernen, beides zu unterscheiden und damit auf mit den inflationären Begriffen „Fakten“ und „Tatsachen“ etwas kritischer und selbstkritischer umgehen.

Meistens wird aus „Tatsache ist: ...“ nämlich: “Meine favorisierte Sichtweise ist: ...“

Da stehen dann im besten Fall gute Gründe, gegen andere gute Gründe.

Manchmal muss man es sogar ertragen, dass konträre Lesarten konsistent sind und zu Ende gedacht Sinn ergeben.

Warum davon so viele überfordert sind, wundert mich.

Daniel Uxa 02.11.2015 | 19:14

Die deutsche Wikipedia nutzt nach wie vor eine stark autoritäre Organisationsform und muss endlich demokratisiert werden. Das Löschen von Erstbeiträgen, umeditieren im eigenen Sinne, "Besitzen" von Artikeln usw. ist seit langer Zeit ein Thema, ebenso die Intransparenz, Edit-Wars etc. Das verprellt und verjagt viele Wikipedianer. Der CCC hat 2009 auf dem 26C3 dazu eine Diskussion veranstaltet (Wikipedia - Wegen Irrelevanz gelöscht), wo einige dieser Aspekte schon damals thematisiert wurden.

Zu der Qualität der naturwissenschaftlich-technischen Artikel: Auch hier ist Vorsicht geboten. Vor ein paar Jahren hatte Wikipedia auch in diesem Bereich einen miesen Ruf, der sich gebessert hat. Viele Artikel sind mittlerweile auf Fachbuch-Niveau gebracht worden, was vor allem daran liegt, dass man gern aus besagten Fachbüchern abschreibt. Dennoch kann man nie sicher sein, ob vermeintliche Experten nicht doch mehr Halbwissen und persönliche Interpretationen in die Artikel einarbeiten. Die Quellenarbeit ist mitunter sehr schlecht. Richtig kritisch wird es auch dann, wenn naturwissenschaftlich-technische Themen politische Relevanz haben - der ganze Bereich Energie und Energiewirtschaft rutscht da schnell ab und man landet auch hier bei den benannten Problemen.

Zusätzlich hat Wikipedia ein Problem mit PR und versteckter Werbung. Das ist bekannt, aber bei der derzeitigen Organisationsstruktur schwer zu vermeiden.

Um dennoch eine Lanze zu brechen: Als erste Anlaufstelle für Informationen und weiterführende Quellen ist Wikipedia allemal verwendbar.

Moorleiche 03.11.2015 | 08:23

Hallo Daniel Uxa.

"Der CCC hat 2009 auf dem 26C3 dazu eine Diskussion veranstaltet (Wikipedia - Wegen Irrelevanz gelöscht), wo einige dieser Aspekte schon damals thematisiert wurden."

Danke, für den Hinweis.

"Zu der Qualität der naturwissenschaftlich-technischen Artikel: Auch hier ist Vorsicht geboten. ... Richtig kritisch wird es auch dann, wenn naturwissenschaftlich-technische Themen politische Relevanz haben - der ganze Bereich Energie und Energiewirtschaft rutscht da schnell ab und man landet auch hier bei den benannten Problemen."

Hast Du da einen Wiki-Artikl, der das illustriert, bei dem Du sagen kannst, dass bei dem etwas falsch ist, unterdrückt wird oder dergleichen?

Daniel Uxa 03.11.2015 | 19:17

Mal einen Blick auf den Artikel zu "Stromgestehungskosten" werfen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Stromgestehungskosten

Es ist erstmal ein energiewirtschaftlicher Begriff, der sich jedoch als Kennzahl aus der jeweiligen Technologie zur Energieumwandlung ableitet und politisch insofern Relevanz hat, als das er als Kennzahl zur Bewertung von Kraftwerken etc. herangezogen wird. Also wenn z.B. im Zuge der Energiewende erneuerbare Energien mit konventionellen fossilen Energiequellen verglichen werden.

Beim Blick auf den Artikel fällt als erstes schon mal dieser Hinweis auf:

Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten. Eine Begründung steht auf der Diskussionsseite. Weitere Informationen erhältst du hier.

Erst mal kein gutes Zeichen. Ein Blick auf die Diskussionseite und vor allem der Abschnitt "Alles Unfug?" nebst Löschantrag sollte dann die Alarmglocken schrillen lassen: Hier geht es nicht um einen enzyklopädischen Eintrag, hier werden Grabenkämpfe zu Ideologien ausgetragen. Zitieren will ich das jetzt lieber nicht. Ich will aber faktenrichtig und neutral informiert werden, wozu ich natürlich auch Kritikpunkte, Pro/Contra, etc. etc. zähle. Kann ich hier aber vergessen.

Fazit: Als neutrale, objektive Information nicht zu gebrauchen.

Ähnliches findet sich dann in mehr oder weniger ausgeprägter Form bei den Artikeln "Photovoltaik", "Kernenergie" usw. usw. Egal, wie ich oder jeder andere persönlich zu diesen Themen steht, eine Enyklopädie muss objektiv und faktenorientiert informieren - um bspw. eine Grundlage für weitergehende Diskussionen zu bieten. Finden diese Diskussionen in der Enzyklopädie selber statt, kann ich sie eigentlich vergessen.