stadtluft macht krank.

die hauptsache. eben höre ich im radio die meldung, das leben in vielen städten werde immer gefährlicher. bereits jetzt stürben etwa 3 millionen menschen pro jahr an der giftluft.
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wenn gesagt wird, die ursachen der luftvergiftung (natürlich sagt man "Luftverschmutzung") seien der individualverkehr, die veralteten heizungen und die industrie-emissionen, so ist das nur eine grobpeilung. durch den manipulationsskandal bei vw wissen wir, wie sehr die politischen fehler in jedem land einen beträchtlichen anteil an der luftvergiftung tragen.

aber es ist ohnehin falsch bzw. man erhält ein falsches bild der lage, wenn man nur auf einen punkt starrt. die hektik der städte produziert täglichen stress, der nicht spurlos an der gesundheit der menschen vorbeigeht. außerdem dürfte es bei der heutigen mobilität schwierig sein, exakt zwischen städtern und leuten vom land zu trennen.

das land oder die peripherie leistet ihren beitrag zur vergiftung der städter durch die vergifteten nahrungsmittel, die seltenst ganz ohne chemie wachsen, pflanzen wie tiere. das gift der stadtluft reagiert womöglich chemisch mit dem gift der ländlichen "lebensmittel". das kann im end-effekt schon krank machen oder tödlich sein.

wie bekannt führt der städtische stress häufig zu wirkungen, die per chemie gemildert werden, sprich: durch medizin, also wiederum hauptsächlich aus der chemieproduktion. natürlich nicht nur bei stress. die schiere masse der menschen erhöht die wahrscheinlichkeit von erkrankungen, die ansteckend sind, um ein vielfaches. wiederum sind medikamente gefragt, prophylaktisch oder akut.

wer vom land in die stadt kommt, erfährt unausweichlich den erhöhten lärmpegel. das kann auf den besucher anregend wirken. für den städter selbst bedeutet der lärm zusätzlichen stress. dass dauerstress krank macht, dürfte bekannt sein. dass der lärm in der unmittelbaren nachbarschaft nicht nur stress auslöst, sondern oft auch streit, d.h. zusätzlichen stress, ist klar. lärm ist natürlich nur eine mögliche ursache von stress und streit.

die historiker können keine ursachen für den untergang der ersten massensiedlung der menschheitsgeschichte nennen. tschatal höyük war eine siedlung von mehreren tausend einwohnern vor über 8000 jahren, die noch keine merkmale einer stadt trug. es gab keine gassen und straßen in tschatal höyük, auch keine burg oder andere zentrale einrichtungen. die häuser standen dicht an dicht, hauswand an hauswand. türen und fenster fehlten ebenfalls ganz. die bewohner mussten über die dächer gehen, um ihr haus zu erreichen. alle bewohner. wahrscheinlich war der zunehmende stress in der über jahrhunderte gewachsenen siedlung der archäologisch unsichtbare grund für das ende der "fluchtburg".

08:07 12.05.2016
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Geschrieben von

h.yuren

buchveröffentlichung 2017, KRAH - das rabentagebuch, 350 S., 8 fotos ISDN 978-3-945265-45-1; Tb. 15,-
h.yuren

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