Für eine europäische Konföderation

Auszeichnung Freitag-Mitherausgeber György Dalos hat den "Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung" 2010 erhalten

„Die Befreiung der Sowjetunion von ihren Satelliten“. So hatte György Dalos 1985 einen mit „Utopie“ untertitelten Essay unterschrieben, den er damals im Kursbuch veröffentlichte. Der Text kam noch einigermaßen satirisch daher. Was man schon an dem Wörtchen "Befreiung" im Titel ablesen kann. Anders ließ sich die Vision eines von der UdSSR unabhängigen Osteuropa, die Dalos darin entwickelte, ja auch kaum vorstellen.

Inzwischen ist sie aber Wirklichkeit geworden. Was für die Weitsicht des Schriftstellers und Publizisten spricht, der in Ungarn Ende der sechziger Jahre erst Kommunist war, dann als als Regimekritiker in Ungnade fiel und viele Jahre Berufs- und Publikationsverbot erhielt. Nur die Idee einer „Ostmitteleuropäischen Konföderation“, die Dalos in dem Essay gleichfalls skizzierte, lässt noch etwas auf sich warten.

„Zu einem „Bund freier und demokratischer Staaten auf Basis der gegenseitigen vorteilhaften Zusammenarbeit und der nationalen Selbstbestimmung“, wie er es vorschliug, haben sich die ehemaligen UdSSR-Satelliten-Staaten noch nicht durchringen können. Aber selbst die EU hat das ja noch nicht ganz geschafft. Insofern ist es kein Wunder, dass zwanzig Jahre nach dem Mauerfall auch in Ost- und Mitteleuropa die „heftigen Konflikte“, die Dalos in seinem Essay voraussagte, die Szenerie immer noch bestimmen.

Aber der 1943 in Budapest als Sohn jüdischer Eltern geborene Dalos arbeitet an ihrer Überwindung – intellektuell wie praktisch. Ganz nach seinem vor dem Mauerfall formulierten Motto: „Und doch muss man sich darüner Gedanken machen, ob es nicht auch anders sein könnte“.

Seitdem ist Dalos der Initiator vieler kultureller Austauschprojekte zwischen Ost und West. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit leitete er von 1995 bis 1999 das Ungarische Kulturinstitut in Berlin. Und kuratierte den Ungarn-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse 1999. Für die Leipziger Buchmesse ebnete er den Weg für die Länderschwerpunkte zu Kroatien und Serbien.

Wie der Prozess der Auflösung des „Ostblocks“ - ein Begriff, den man schon fast vergessen hat - vonstatten ging, hat Dalos in seinem in diesem Jahr erschienenen Buch Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropabeschrieben. Vor allem dieses Buch war ein Grund dafür, dass unser Mit-Herausgeber nun mit dem Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung 2010 ausgezeichnet worden ist.

Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 17. März zur feierlichen Eröffnung der Buchmesse im Leipziger Gewandhaus übergeben. Verlag und Redaktion des Freitag gratulieren ihrem humorvollen, klugen Mitstreiter herzlich.

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