Tanz auf dem Vulkan

politisches Personal Die Welt steht Kopf und macht uns Angst. Der Tanz auf dem Vulkan wird immer schneller.
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Die Zeit der großen und weisen Führer dieser Welt scheint vorbei zu sein. Fast kein Präsident oder Kanzler reicht noch an das Format seiner Vor- Vorgänger heran. Stattdessen ist die Zeit der Raute, des Machismo oder der schlechten Frisur angesagt.

Als große Teile der Welt in Trümmern lag, haben zumeist vernünftige Menschen eine neue Welt erschaffen, die uns die Hoffnung gab, dass nicht nur der Großen ein angenehmes Leben führen konnten, sondern auch der normale Untertan. Was wurden für Mittel in die Schulen und Kindergärten gesteckt?! Was wurde für eine Infrastruktur gebaut?! Was wurden für Organisationen geschaffen, die uns den Frieden sichern sollten?!

Lediglich der Ost/West Konflikt machte uns brennende Sorge. Als dieser Ost/West Konflikt schließlich zusammenbrach, hätte eine Zeit der Glückseeligkeit beginnen können.

Doch es kam anders.

Es regierte weltweit die wirtschaftsfreundliche Mittelmäßigkeit. Kohl, Schröder und Merkel in Deutschland und woanders auch. Ob es Berlusconi in Italien war, der seine Kontakte zur Mafia nur mühsam verdecken konnte, Bush in Amerika, Blair, Mayor und Camaron in Großbrittanien oder jetzt Francois Hollande in Frankreich.

Sie alle geben/gaben sich den Zwängen hin, die Wirtschaft zu bedienen und Wachstum zu schaffen. Im Rahmen der Globalisierung - so wurde argumentiert - mussten die Kosten gesenkt werden (gemeint waren vor allem die Personalkosten) und außerdem musste aufgerüstet werden.

Das bedeutet: schlechteres Bildungssystem, weniger Schwimmbäder, schlechtere Pflege, Geldsammelaktionen, dass Kinder mittags etwas warmes haben, Verfall von Straßen und Brücken (bei gleichzeitiger Mauterhebung), schlechtere Renten, weniger Sozialsystem. Immer wieder wird betont, dass es uns gut im Vergleich zu anderen Staaten geht, dabei sinkt der Daumen längst nach unten.

Warum ist das so? Niemals hatte Deutschland ein so hohes Steueraufkommen wie heute. Warum können Kinder dann nicht mehr schwimmen lernen? Warum lässt der Staat es zu, dass Schüler kein Mittagessen in der Schule haben? Warum zerfallen Brücken?

Stéphane Hessel hat in seinem Büchlein "Empört Euch" klare Kante gezeigt und auf die Missstände hingewiesen. Doch das Werk des großen Mannes wurde scheinbar nur beachtet, weil er schon alt war und einst der Resistance angehört hat. Höflicher Beifall.

Dabei legte er schon mit dem Titel alles auf den Tisch, was notwendig ist. Wir müssen uns empören. Der bloße Umstand, dass dieses System alle Jahre wieder eine Wahl zulässt, macht aus diesem Staat leider keine wirkliche Demokratie. Dazu gehört auch der Wettstreit in den Parteien um den richtigen Kurs und auch der echte Wettstreit im Parlament. Es muss gerungen werden um das Beste.

Tun wir das? Nein! Stattdessen beschäftigen wir uns mit den Spielen zum Brot oder dem Streben nach noch mehr, in dem wir Zweit- oder Drittjobs annehmen.

Wir haben erneut eine große Koalition. Die Opposition ist bedeutungslos. Nach jeder Wahl erleben wir die gleichen Gesichter. Es entsteht der Eindruck, dass man wählen kann, was man will, denn es ändert sich sowieso nichts. Das ist ein Zustand, in dem die Politik einschläft. Berater aus der freien Wirtschaft sind Spiritus Rector für Gesetze und den Aufbau von Ministerien. Lobbyisten greifen ein, wenn Firmen in ihrem Gewinnstreben unzufrieden ist. Und die Reichen und Mächtigen werden immer reicher und mächtiger.

Zur Zeit strebt ein Club der komischen Frisuren nach Macht. Wilders in den Niederlanden, der gar nicht komische Polit Clown Boris Johnson oder Nigel Farage in Großbrittanien, Donald Trump in den USA, andere Egomanen schließen sich an. Jeder will seinen eigenen Machtbereich. Wenn es nach ihnen ginge würden sämtliche Verträge zerbrechen und das eigene Land stünde endlich allein, was ja besser wäre, so souflieren sie, diese Nationalisten.

Wir Menschen müssen endlich einsehen, dass Wachstum nicht mehr unbegrenzt möglich ist. Teilen ist angesagt. Das Konzentrieren darauf, dass Konflikte beigelegt und sich wieder mehr um die Menschen gekümmert wird.

So weh es auch tut, aber wir müssen schnellstmöglich ein "nach den Banken und Konzernen" Szenario entwerfen um die Macht in den Staaten wieder zurückzuerlangen.

"Wir sind das Volk" ist dabei der wahrscheinlich richtige Spruch, obwohl rechte Chaoten dabei sind, die Bedeutung dieser Worte gerade zu zerstören.

Diese Bewegung ist da. Sie ist noch difus und ungeordnet. Die Menschen spüren, dass sie von den Mächtigen betrogen werden. Die Brexit Entscheidung in England, Marine Le Pen, Wilders, Orban, die 5 Sterne Italiens, Pegida, AfD, Alexis Tsipras.... Sie alle profitieren von dem Unmut des Volkes, das weg will von den etablieren Parteien. Dabei sind die Menschen es selber schuld in diese Bedroullie geraten zu sein. Wenn sie sich politisch mehr engagieren würden und verstärkt in den Parteien wären, würde sich auch dort etwas tun (siehe oben).

Stattdessen fällt man jetzt auf Scharlatane rein.

In dieser Situation hilft nur beten. Herr schmeiß endlich Hirn vom Himmel!

16:33 09.08.2016
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