Irgendwie sind die aber ganz anders.

Diese Jugend! Fünf Tage Wien mit zehn Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen als eine von zwei Begleitpersonen. Eine andere Welt und trotzdem ziemlich vertraut.

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Zehn Jugendliche, einige davon bereits volljährig, und ein Alterunterschied von durchschnittlich 30 Jahren. Was kann das werden?

Die Reise ist von zwei jungen Erwachsenen vorbereitet worden, das Programm schon eine Herausforderung und die "Alten" ("Grufties" wäre wohl richtiger) eigentlich nur der Eltern wegen dabei. Unser Job: nicht einmischen (ganz wichtig) und nur im Notfall oder auf Ansage eingreifen. Das ist machbar. Also bilden wir den Abschluß der Gruppe. Wenn wir da sind, sind auch alle anderen da. Das erleichtert den Überblick.

Einiges fällt mir auf.

Zuallererst: die jungen Leute gehen anders. Sie schlendern nicht, sie marschieren. Dabei kommen sie natürlich nicht schneller ans Ziel als beim Schlendern, weil immer mal einer ein Foto machen muss. Aber meist nicht irgendwelche wirklich sehenswerten Fassaden oder Denkmäler, sondern z.B. Motorräder in allen Farben und Typen oder sich selbst mit der besten Freundin in möglichst komischen Situationen. Außerdem knuffen, schubsen und balgen sie sich praktisch ständig. Sobald sie eines gelben Autos oder Smarts angesichtig werden, ist ein Knuff fällig, bei einem gelben Smart sind es sogar zwei. Aha.

Daher schaffte es die Gruppe als Ganzes auch kein einziges Mal eine Straße bei Grün komplett zu überqueren. Es ist immer schon rot, wenn alle auf der anderen Straßenseite sind. Ich ziehe innerlich den Hut vor den überaus geduldigen Links- und Rechtsabbiegern und verhindere regelmäßig, dass einige mitten auf einer zweispurigen Straße stehen bleiben, um zu gucken, zu fotografieren oder zu balgen.

Auch U-Bahn-Fahren ist nicht so einfach mit zwölf Menschen. Dass man beim Ein- und Aussteigen nicht einfach stehen bleibt, sondern erst mal ein Stück weiter geht, damit alle rein bzw. rauskommen, ist nach fünf Tagen dann gelernt, nicht aber, dass das noch viel mehr für Rolltreppen gilt. So kommt es immer wieder zu Kollisionen, weil Rolltreppen eben nicht anhalten, wenn einer oben oder unten ist. Das ist besonders konfus mit Koffern...

Der Umgang mit Stadt- bzw. U-Bahn-Plan fiele mir sicherlich leichter und es ließe sich mancher Umweg vermeiden. Trotz schwerer Beine mischen wir uns nicht ein und kommen natürlich auch ans Ziel. Machen lassen, wenn man es besser kann, ist gar nicht so einfach. Wir sind stolz auf uns (das behalten wir aber für uns).

Warum es überhaupt ein Programm gibt, ist schwer zu verstehen. Denn keine Ausstellung scheint irgendwen zu interessieren - die Organisatoren ausgenommen. Einzig eine Führung durch eine wirklich exzellente Museumspädagogin kann das Interesse der Gruppe für eine Stunde fesseln. Alles andere wird zwar ohne Gemecker, aber auch ohne Interesse absolviert. Spannend sind eher die komischen Vögel, die es eben überall gibt. Dass man die aber vielleicht nicht anstarrt oder gar mit den Fingern darauf zeigt, weil das nicht nur grob unhöflich, sondern gelegentlich auch gefährlich ist, wissen nicht alle. Und natürlich ist der Prater ein absoluter Höhepunkt, weil es ja Geister- und Wildwasserbahn sonst nirgendwo gibt. Das Riesenrad, okay, das ist beeindruckend, aber auch erst als man drin sitzt, freiwillig hätte man das wohl eher nicht gewählt. Aber wichtig sind Fotos. Die belegen, dass man wirklich da war.

Wozu sind die dann mitgefahren? Am ersten Abend beginne ich zu verstehen. Im Foyer der Jugendherberge - und nur da - gibt es WLAN. Wir sind noch gar nicht richtig angekommen, werden die Handys gezückt und dann treffen sich die meisten im facebook. Es geht gar nicht so sehr um Wien, es geht darum, gemeinsam etwas zu machen und hinterher davon zu berichten. Ich vermute, die Abende enden ziemlich spät, aber am nächsten Morgen sind alle wieder fit.

Am Ende hat es allen gefallen, aus unterschiedlichen Gründen. Und ehrlich gesagt, war das zu meiner Zeit auch nicht anders. Gut, es gab kein facebook, aber statt der gelben Smarts hatten wir die schlüpferblauen Ente, die aus Schwäremerei für einen Erkundelehrer "Rödi-Ente" hießen.

Jetzt wird eine Art Reisetagebuch erstellt für alle Interessierten. Ich fürchte allerdings, das wirklich lustige und tolle der Reise ist so nicht zu vermitteln. Muss es aber auch nicht.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ismene

Kein Mensch ist freiwillig schlecht.Aber es sind schon viele ganz komisch unterwegs.antigone@weibsvolk.org
Ismene

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