Starke Männer braucht das Land. Nicht.

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http://img172.imageshack.us/img172/3384/uf22r8oc.jpgBremens Tim Wiese avancierte gestern zum Pokalhelden: sagenhafte 3 Elfmeter hielt Jogis #3, machte sich dadurch ein zweites mal unsterblich. Das erste mal, wenig ruhmvoll, gegen Juventus Turin. Man erinnert sich im Westen der Republik gern an die fehlgeschlagene Beckerrolle, die den Bremern zum Verhängnis wurde und ihr Ausscheiden in der Champions League besiegelte. Es sollte Tim Wieses Stigma werden; vor allem bei den eigenen Fans, die lange nicht realisieren wollten, welch Juwel mit dem aufgepumpten Heisssporn dort zwischen ihren Pfosten stand, fiel der Schlussmann in Ungnade. Der schweigsame Hanseat allerdings redet davon heutzutage nur noch ungern, jetzt ist man stolz auf seinen Jung. Gut so, das muss reichen.

Helden, Kampf und Schweiss. Die Stoffe, aus denen Fußballgeschichte geschrieben wird, im Bestfall. Leider fällt diese in letzter Zeit nicht immer positiv aus. So scheint es Usus geworden zu sein, seinen kraftprotzenden Körper und den dazugehörigen Geist nicht mehr wirklich unter Kontrolle zu haben. Die letzten roten Karten von Andrij Wiktorowytsch Woronin und Carlos Eduardo Marqes verwundern längst nicht mehr, vor allem nicht ihr nach Bolzplatzkeilerei müffelndes Zustandekommen. Man überheizt heutzutage schnell bei all dem Tempo, die übermotivierten Gemüter kochen hoch und - zack - kommt es zu Tumulten. Woran das liegt? Man weiss es nicht, will es auch nicht wissen. High Speed Fußball ist schön, aber bitte ohne Fragen. Spekuliert wird in der Bundesliga momentan sowieso lieber über den Nachfolger von Jürgen Klinsmann.

Warum man sich allerdings in Zukunft damit auseinandersetzen sollte, ob und wie man unsere hochgezüchteten Lieblinge wieder unter Kontrolle kriegen kann, zeigte Real Madrids Pepe kürzlich eindrucksvoll im Spiel gegen den Lokalrivalen Getafe. Erst schubste er seinen Gegenspieler, trat zwei mal nach, stürzte sich dann auf ihn und ohrfeigte abschließend zwei Spieler Getafes, die versuchten den Stier zur Raison zu bringen. Dieser ließ sich aber nicht einmal auf dem Weg in die Kabine beruhigen, ging sogar noch den Linienrichter an. Im Normalfall dürften hier 6 Monate Sperre die Untergrenze darstellen.

Dass König Fußball momentan ein Peak an Unsportlichkeit erlebt, mag ein subjektiver Eindruck sein. Einer, dem man sich allerdings schwer entziehen kann, wenn man eine vage Erinnerung an die Fouls und Ausraster der letzten Wochen hat. Überforderte Schiedsrichter - einen Gruß an Herrn Drews - tun ihr übriges. Ein unschönes Bild, vielleicht aber auch nur der leise Wink, dass die Mannen in den knappen Shorts eben gerade nicht die Maschinen sind, zu denen man sie mit allen Mitteln machen will.

11:29 23.04.2009
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Geschrieben von

Jan Jasper Kosok

Online-Journalist und Hausmeister in Kreuzberg
Jan Jasper Kosok

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