Was die Presse kann

Medien Eine großartige Reportage als Aufmacher der FAZ: Die Story über den Palast der Republik zeigt, was Presse kann - und wie sie auch in Zeiten des Internets überleben wird

FAZ-Reporter (ich hätte nicht gedacht, dass ich diese beiden Worte einmal in einem Atemzug sagen würde - aber die Zeiten haben sich geändert und die früheren Fraktufreunde aus Frankfurt haben vor geraumer Zeit einen Kurswechsel vollzogen, der dem Blatt unendlich gut getan hat) also FAZ-Reporter Marcus Jauer hat eine gloriose Geschichte über den Palast der Republik und was aus ihm wurde geschrieben. Er verfolgt eine Spur der Stahlträger, die einst den Stolz des Osten trugen, bis sie sich in einem Gießwerk in der Türkei verlieren. Eine andere führt ihn zum VW-Werk in Leipzig und schließlich vor ein Einfamilienhaus in Niedersachsen. Das ist gerade und klar erzählt und gleichzeitig ein nüchtern nachdenkliches Stück zur Deutschen Einheit.

Mit dem Bruch der Erwartung zu spielen, als seriöse, politische FAZ mit einer Reportage aufzumachen, die auf den ersten Blick keine politische Relevanz hat - auf den zweiten natürlich schon -, das zunächst verwirrende Photo eines Autos, eines Hauses, einer Katze auf der Seite Eins zu platzieren, das halte ich für modernen Zeitungsjournalismus und das zeigt, wie die Presse auch das Internet überleben wird.

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Geschrieben von

Jakob Augstein

Journalist und Gärtner in Berlin
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Jakob Augstein

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