"Spreche ich noch im Internet Blog, oder schreibe ich schon?"

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"Spreche ich noch im Internet Blog, oder schreibe ich schon?",

von der Lohn-Arbeits- zur Lohn- Sprech- Kultur, mit und ohne Internet

Mit Dank an eine ganz gewisse Magda, die mir mit ihren Denk-Montage-Technik- Brüchen sehr geholfen hat.

www.freitag.de/community/blogs/magda/alles-ein-pseudoabwasch-xxii--oder-hatte-stalin-doch-recht

Liebe Magda,

Dein Dank hat mich erfreut erreicht,

auch wenn ich gar nicht weiss, ob ich mir den Dank, angesichts der Schwarmintelligenz ringsum, oben, unten, zitiert, abgeschrieben, zugeflogen, alleine als Lohn an den Hut stecken kann.

Im Internet sehe ich das Problem, dass man/frau gar nicht recht weiss, rede ich noch, oder schreibe ich schon, was urheberrechtlich ja nicht ohne Belang ist.

Übrigens finde ich Deinen Fake"Abwasch" als inszenierte Situationskomik eines unendlichen Alltags- Regie- Romans überaus gelungen, wenn Dein Mann nicht immer so, wie ein von Magdas Gedankengedränge begossener Pudel, aus der Wäsche ausschauen tut.

In Deiner Regie selber steckt viel Wahrheit, Klarheit, die Du für Dich so einforderst:

Zitat:

"..und meine Überlegungen - wenngleich gar nicht mit Geschirrtuch in der Hand getroffen - sind trotzdem höchst bedenkenswert. Und Klarheit und Reinheit sollen sie auch transportieren. Ich will nämlich auch mal Denkerin sein nicht immer nur Rezipientin auch noch geklauter Ideen und Kulturgüter".

Bereits Dein Plot:

"Alles ein Pseudoabwasch XXII oder „Hatte Stalin doch Recht?"

zeugt von der Natur reiner Traumarbeit als Denkvorgang im Wachzustand, in den selbst noch Stalin, geladen wie ungeladen, problemfrei Ein- und Ausgang findet:...."

Zitat:

"Ich also fragte mich bei meinen imaginären Reinigungsarbeiten: Hatte ein gewisser Josef Wissarionowitsch Dshugaschwili am Ende nicht doch Recht, als er Schriftsteller als "Ingenieure der Seele" bezeichnete

Zumindest von den Wortassoziationen her kann man - angesichts der gegenwärtigen Plagiats - und Remixdebatten – dieser Idee was abgewinnen. "

Zitatende

Schade nur, dass Du einen großen Gedanken als Zeugnis Deines Mutes, Deiner Kühnheit im Denken, sogleich entmutigt, falsche schlussfolgernd, marginalisiert in die Tonne drückst, oder in den Gully spülst.

Das Große an Deinem Gedanken:

„Hatte Stalin doch Recht?",

"Hatte ein gewisser Josef Wissarionowitsch Dshugaschwili am Ende nicht doch Recht, als er Schriftsteller als "Ingenieure der Seele" bezeichnete

liegt n. m. E. darin, dass Du den verschollenen Kontext des Literaturbetriebes, der Erwartungen an Schriftsteller/innen im real-existierenden Sozialismus stalinistischer Total- Ansprüche des Funktionierens im Wort- und Sprachgebrauch der Autorenschaft spielerisch assoziierend rekonstruierst.

Dieser Kontext kündet, seinem Zeitgeiste gemäß, unbändig von einer lokalen und globalen Lohn- Arbeitskultur, die nach belohnbaren wie belohnten Qualitätsmerkmalen für Schriftsteller/innen durch Ausbildung, Studium, Akademisierung strebend verlangt, als wären Schriftsteller/innen Machinenarbeiter/innen, besser noch Ingineure/innen der Seele, Seelenfindung, Seelenerfindung, Seelenheimsuchung, Seelenerholung.

Diese lohnende Arbeitskultur als Motor gesamtgesellschaftlicher Zusammenhänge, Netzwerke, Zugehörigkeiten, wirft heute allerorten sozio- kulturell immer kürzere Schatten, dass immer mehr Menschen, in historischen Wenden, aus dem Schatten dieser Arbeitskultur hervortreten, als sei ihnen eine wärmende und schützende Decke willkürlich, wie unwillkürlich entzogen.

Gleichzeitig war, was schon immer war, plötzlich durch Medien, Geschichtswerkstätten, das Internet wachsend wieder da, die lohnende Sprechkultur, redende Philosophen/innen, statt schreibende/r als Setting einer Erinnerungs- und Debattenkultur, Schriftlose neben der Schriftkultur(s. Levi Strauss, 1909- 2010).

Deshalb frage ich:

"Treffen sich nicht in der Erinnerungs- , Community- , und Debattenkultur, im Internet die schriftlose wie Schriftkultur auf Augenhöhe, bis hin zu der Unschärfe, vor die jede(r) Blogger/in gestellt:

"Spreche ich noch im Internet Blog, oder schreibe ich schon?"

"Brauchen wir ein Urheberrecht für das gesprochene Wort, um über diese Debatte, ein Gespür dafür zu kriegen, wo das Urheberrecht für Autorenschaft als Einkommenssäule Sinn macht, wo nicht?

JP

01:54 12.02.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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