Schlecht fürs Geschäft

Sexismus Werbekunden machten Druck: Bill O'Reilly, Star-Moderator beim rechten Sender Fox News, muss wegen Sexismus-Vorwürfen gehen. Auch um eine größere Debatte zu vermeiden
Schlecht fürs Geschäft
Diese Plakate von Fox News werden jetzt abgehängt
Foto: Spencer Platt/Getty Images

Es ist eine Skandalgeschichte, die Fox News erschüttert – und die nun mit dem Rauswurf des Vorzeigemanns des Senders endet. Der konservative Star-Moderator Bill O'Reilly muss wegen Sexismus Vorwürfen gehen. Anfang April veröffentlichte die New York Times, dass O'Reilly Schweigegelder in Höhe von etwa 13 Millionen Euro zahlte, damit verschiedene Frauen an ihn gerichtete Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs nicht weiter verfolgen.

Nach der Empörung in den Sozialen Medien zogen dutzende Unternehmen ihre Werbung von The O'Reilly Factor ab, darunter Advil, Mercedes und BMW. Das bedeutet herbe Verluste. Die Werbeeinnahmen der beliebten Show waren extrem hoch.

O'Reilly streitet auch nach seinem Rauswurf weiterhin alle Vorwürfe ab. Diese seien gewissermaßen normale Begleiterscheinungen der Öffentlichkeit seiner Person. Es gäbe eben Menschen, die seine Position ausnutzen wollten. Mit den Schweigegeldern habe er vor allem seine Kinder schützen wollen.

Rückendeckung bekam der Moderator in den vergangenen Wochen dabei von Präsident Donald Trump. Dieser nannte ihn einen "feinen Kerl" und sagte, er glaube nicht, dass O‘Reilly etwas Falsches getan habe. Der Sexismus von Donald Trump ist mehr als bekannt. Und die Beziehung zwischen dem konservativen Sender und dem Präsidenten, der den Fox-News-Konkurrenten CNN gern als "Fake News" beschimpft, sind ausgesprochen gut.

Bei den Vorwürfen gegen O`Reilly handelt es sich um fünf Frauen, die entweder für O'Reilly gearbeitet haben oder in seiner Nachrichten- und Talkshow The O'Reilly Factor zu Gast waren. Eine davon ist Wendy Walsh, die 2013 bei The O’Reilly Factor eingeladen war. Von seinem Versprechen ihr eine feste Position im Sender zu geben, hätte O'Reilly, nachdem sie seine Einladung aufs Hotelzimmer ausschlug, plötzlich nichts mehr gewusst.

Auch schon vor über zehn Jahren war der Moderator in die Kritik geraten. Eine frühere Produzentin berichtete, O'Reilly habe sie angerufen, ihr sexuelle Fantasien erzählt und habe dabei offensichtlich masturbiert. Damals wurde er nicht rausgeschmissen, nun aber schon. Warum?

Nicht der Einzige

O'Reilly ist nicht der Einzige bei Fox News, der Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs gegenüber steht. Eine Mitarbeiterin, Julie Roginsky, verklagte den ehemaligen Chef des Senders Roger Ailes und den aktuellen Vizepräsidenten Bill wegen sexueller Nötigung. Es scheint, als ob die Unternehmen, die ihre Werbung abzogen, dem vermeintlich unantastbares Medienriesen Fox News klar machten, dass Sexismus finanzielle Konsequenzen haben kann.

Fox News entschied sich erst nach dem ökonomischen Druck dafür, sich von seinem ohnehin alternden Liebling O'Reilly zu trennen. Es scheint das kleinere Übel zu sein. Das größere Übel, dass sexistische Praktiken über einzelne Moderatoren hinaus gehen und sie bei Fox News System haben, soll bitte nicht thematisiert werden.

14:00 20.04.2017

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