Im Fokus

Antifeminismus Vor einigen Tagen habe ich einen Kommentar gelesen zu einem Thema welches vor einiger Zeit hier bereits diskutiert wurde:
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“Wozu geschlechtergerecht formulieren” . Der Kommentar lief darauf hinaus, dass geschlechtergerechte Formulierung etwas mit Feminismus zu tun hat; beides ist offenbar schlecht: Feminismus wie auch die geschlechtergerechte Formulierung. Wie steht ihr dazu? Ich gehe davon aus, dass jeder da draussen seine Meinung dazu hat. Ich würde mich freuen wenn ihr eure Ansicht oder Einstellung hier mitteilt.
Feminismus wird meiner Meinung nach oftmals falsch interpretiert. Eigentlich geht es ja um die Gleichbehandlung der Geschlechter. Glaubt ihr tatsächlich, dass die Gleichberechtigung bereits existiert? Ja, vielleicht auf dem Papier, aber in vielen Dingen noch nicht. Natürlich sind in einigen Bereichen heute – in unserer Gesellschaft – die Männer diejenigen die auch dafür kämpfen müssen dass sie zu ihrem Recht kommen; dies beispielsweise in Sachen Sorgerecht der Kinder bei Trennung oder Scheidung. Aber meistens sind es immer noch die Frauen die den kürzeren ziehen. Frauenbonus? Ich kenne keinen Frauenbonus! Im Gegenteil, oftmals wird “frau” im Berufsleben, vor allem wenn sie in einer von Männern dominierten Branche tätigt ist, nach wie vor belächelt oder nicht für voll genommen. Ich rede hier nicht von den Frauen die es in die Teppichetage geschafft haben sondern von der durschnittlichen Frau die einen Beruf erlernt hat, irgendwann mal Kinder bekommt und Familienfrau wird und dadurch massive Abstriche in Kauf nimmt.
Eine wirkliche Gleichberechtigung wird ziemlich schwierig durchzusetzen sein, zumindest solange sie es sind die Kinder gebären. Wenn Männer Kinder bekommen könnten (und ich meine hier Männer die dies seit ihrer Geburt sind, nicht einzelne Fälle wo sich die Frau zum Mann hat “umbauen” lassen), dann wäre eine reale Gleichberechtigung möglich. Denn erst dann könnte eine klare Aufteilung der “Aufgaben” erfolgen. Das 1. Kind bekommt die Frau, das 2. Kind bekommt der Mann. Somit ist die Ausgangslage für beide dieselbe denn einmal unterbricht die Frau ihre berufliche Karriere und ein anderes Mal der Mann. So werden auch die Differenzen bezüglich Einzahlung der Sozialhilfebeiträge und Altersvorsorge ausgeglichen.
Von einer weltweiten Gleichberechtigung sind wir weit entfernt! Wenn wir den Angaben von UNICEF glauben können sieht es derzeit so aus: zwischen 1,5 und 3 Millionen Mädchen und Frauen erfahren Gewalt. Nach wie vor werden Mädchen benachteiligt in Sachen Ausbildung. Etwa 82 Millionen (!!!) Mädchen zwischen und 17 Jahren werden zwangsverheiratet. Es gibt Orte auf der Welt wo Mädchen nach einer Vergewaltigung gesteinigt werden! Somit ist Feminismus etwas wichtiges. Weiter ist es wichtig, dass es Organisationen gibt die sich für die Sicherstellung der Menschenrechte für Kinder einsetzen (wie UNICEF).
Zurück zum “Antifeminismus”. Männer begehen öfter Selbstmord? Dies bevor sie ihre Kinder und ihre Frauen umgebracht haben oder nachher? Denn frustrierte Ehemänner führen solche Schreckenshandlungen oftmals als Rache, Wut oder eben Frustration aus. Die Lebenserwartung der Männer ist kürzer als diejeniger der Frauen? Und dafür sind Frauen verantwortlich? Interessant. Somit sind Frauen für das Schlechte zuständig und Männer für das Gute? Spannend. Das kenne ich irgendwie aus meiner Erziehung. Meine Mutter war auch immer die Schuldige wenn etwas schief ging und wenn das Gegenteil der Fall war dann hat sich mein Vater damit gebrüstet. Im übrigen habe ich diese “Rollenverteilung” auch in anderen Familien festgestellt.
Frauen und Männer oder Männer und Frauen, wir sind (sollten) gleichberechtigte Wesen dieser Erde sein. Vielleicht gab es mal eine Zeit wo dies der Fall war, bevor Religionen und Kirchen ins Spiel kamen? Ich bin mir da ehrlich gesagt nicht wirklich sicher. Fakt ist jedoch: Religionen sind zu einem sehr grossen Teil dafür verantwortlich, dass Frauen den Männern untergeordnet werden (wurden).
Die Entwicklung der Gleichstellung der Frau in unserer Gesellschaft ist knapp 100 Jahre alt. Hundert Jahre sind eine lange Zeit, verglichen jedoch damit wie lange es Menschen schon gibt, sind 100 Jahre echt Peanuts. Wenn wir bedenken wie viel in dieser Zeit passiert ist, nun, dann ist es klar, dass wir mit vielen Dingen noch nicht so klarkommen. Vieles ist halt eben Gewohnheit. Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier und um diese Gewohnheiten abzulegen brauchen wir viel Zeit.
Menschen sollten lernen gemeinsam und in Frieden auf dieser Welt zu leben. Miteinander und nicht gegeneinander sollte das Motto lauten. Schaffen wir das irgendwann?
09:46 19.03.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Juliane von Hopfgarten

Meine Themenbereiche umfassen internationale Politik, Wirtschaft sowie Frauenrechte. Unten ein Link zu meinen Beiträgen auf EditionF.
Juliane von Hopfgarten

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